2007/2008 DFB-Pokal 2. Hauptrunde: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Nürnberg 7:6 n.E.

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, 2. Hauptrunde
Saison Saison 2007/2008
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Nürnberg
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 31.10.07 19:00 Uhr
Zuschauer 15610 (ausverkauft)
Schiedsrichter Seemann (Essen)
Ergebnis 7:6 n.E.
Tore
  • 0:1 Misimovic (13., Linksschuss)
  • 1:1 Torghelle (56., Rechtsschuss)
  • 1:2 Kennedy (95., Linksschuss)
  • 2:2 Müller (114., Kopfball, Stegmayer)

Elfmeterschießen:

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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Daniel Kraus
Filip Tapalovic, Alexander Maul, Darlington Omodiagbe, Michael Stegmayer
Robert Müller
Konstantinos Charalampidis, Niels Hansen (102. Sebastian Helbig)
Jan SimakGelbe Karte.gif (117. Giorgi Oniani)
Tobias Werner, Sandor TorghelleGelbrote Karte.gif(68.)

Trainer: Valdas Ivanauskas

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Nürnberg
Klewer
ReinhardtGelbe Karte.gif, Wolf, GlauberGelbe Karte.gif, Kristiansen (63. Kammermeyer)
Mnari (36. Engelhardt), Galasek
Misimovic, Mintal, Saenko (117. Adler)
Kennedy

Trainer: Hans Meyer
Co-Trainer: Jürgen Raab

Spielberichte

Ich fühle mich gut!

5 Tells schießen Nürnberg ab!

Da sich Luthers Erben und Ratzingers Schäflein bis heute nicht einigen können, was denn nun die richtige Art sei, abends an einer Waffel rum zu knabbern, gibt’s Dank deutscher Kleinstaaterei am 31.10. und 1.11. unterschiedliche Feiertage. In Thüringen so und in Bayern halt so. Alles völlig egal! Fußballfeiertag war heute nur im Paradies! Von blaugelbweißem Seelenheil zu künden, bedurfte es auch keines einzelgängerischen Messias. Für irdische Glückseeligkeit sorgten die Göttlichen heute höchstselbst und dies nicht im weiten Büßergewand sondern traditionsreich blauweiß-quergestreift.

Sonnig begann der Tag Leipzig und so begann ich ihn zum Zwecke der Leibesertüchtigung Joggend im Rosenthal. Die übliche Wegstrecke war nach anderthalb Stunden absolviert. Wer weiß, wozu das heute noch gut ist, sagte ich mir und verlängerte die Lauferei noch mal um 30 Minuten. Man kann ja nie wissen. Ich jedenfalls hatte mich 120 Minuten gequält und hoffte Gleiches am Abend vielleicht erneut ansehen zu dürfen … 5 Mann stark war unsere heutige Leipziger Reisegruppe und wieder waren neue Gesichter dabei. Lok? Chemie? In Wahrheit ist Leipzig blaugelbweiß!

Welch ein Gewimmel, Geschwirre und Gewummsel herrschte kernbergfüßig schon über 2 Stunden vor Anpfiff! Fußball-Feiertagsstimmung allenthalben! So mancher war dabei wohl schon ewig nicht mehr in Thüringens Fußball-Tempel Nummer 1. „Guck mal da, das Fan-Haus, da waren wir früher immer drinne!“ oder „So, mal sehen, wo hier welcher Block ist und wo unsere Plätze sind!“ auch „Das sieht hier jetzt aber alles anders aus.“ Immer und immer wieder hörte man diese Sätze vor Spielbeginn. Aber egal, Nürnberg zu zwingen, bedurfte es eines Jeden! Welcome back!

Welch grandiose Stimmung baute sich da Minute für Minute im gleißenden Flutlicht auf! Getragen auch von einer famosen FCN-Kolonie, die sich wohltuend lautstark und dicht gedrängt von den kümmerlichen Auftritten so mancher angeblichen Traditions-Mobs abhob. Die Sehnsucht nach fetter Fußballkost ist groß im Thüringer Land. Wen wundert’s da, dass der alte Chefkoch derselben tosend begrüßt wurde.

Die ganze Stadt laut und stolz.

Unter diesem Motto, gerahmt von einer prächtigen Choreographie der Südkurvenaktivisten (denen hierfür ein respektvolles Lob zu zollen ist), begann das Match. Das Südkurven - „Vorwärts“ wurde auch gleich Auftakt-Motto des Spiels.

Nix mit ängstlichem Abwarten oder respektvollen Verharren – FCC-Power-Start! Schon Nürnbergs 1. Ecke wurde zur Angriffs-Steilvorlage der Unseren. Ab ging’s rechts mit Costas, der Tobi links im 16-er anspielt, aber dessen Schuss war zu schwach.(2.) Schon nach 5 Minute hatte Klewer nach einem neuerlichen TW-Freistoß von rechts erneut beide Fäuste voll zu tun. So dauerte es 7 Minuten, bis die erste Nürnberger Flanke strafraumwärts segelte, Omo sorgte aber energisch für Klärung. Danach wuselten und wirbelten wieder die Ruhmreichen, augenreibend konnte man bis zur 10. Minute einem FCC-Powerplay zusehen! Mit dem Augenreiben musste man dann allerdings gleich weiter machen. Nürnbergs erster erspielter Angriff schafft sogleich eine Überzahlsituation und Misimovic macht das 0:1 (11.). Ernüchterung in blaugelbweiß.
Jena muss sich neu sortieren und sammeln, während Misimovic mit einem 10-Meter-Direktschuss nachsetzt. Dennoch, nach 17 Minuten setzen die Underdogs wieder auf Offensive. Erst kommt TW nach einem Simak-Pass knapp zu spät und als die Plastikkugel erneut von links herein segelt, kann Klewer den folgenden FCC-Schuss parieren. Die Heldenhaften setzen dem Pokalverteidiger jetzt ernsthaft zu. Zunächst über Simak und Tobi (19.), dann über Stegi und Costas, auch wenn der schöne Diagonalpass des Ersteren etwas zu weit für den Zyprioten ist. (20.) Die Valdasianer waren wieder absolut drin im Spiel und holten auch gleich 2 gefährliche Ecken hintereinander heraus. (22.) Erst nach 26. Minuten gab’s mal wieder was von den Gästen zu sehen, der Kennedy-Köpfer aus 5 Metern ging aber drüber. 3 Minute später pariert DK prächtig einen 25-Meter-Kracher aus zentraler Position. Dennoch, so richtig engagiert, aggressiv und bissig war zu diesem Zeitpunkt nur der FCC! Kein Hauch mehr von Punktspiel-Lethargie! Ein weiterer schöner Angriff der Paradiesischen läuft in der 30. über rechts, endet aber nur in einer Ecke. Weiter geht’s! Sandor passt steil in den 16-er zu NH, etwas zu weit. (31.) Nürnberg antwortet mal wieder mit einem Schuss vom linken Strafraumeck, der geht aber vorbei. (32.) Meyer muss wechseln und ermuntert mit seiner Einwechslung das Rund zu einem satten „Schweine-RWE!“ Riesen Glück für Nürnberg nach 37 Minuten. Ein TW-Freistoß aus 35 Metern von halbrechts wird zwar zur Ecke geklärt, aber als die messerscharf herein flutscht, patzt Klewer und hat Glück, dass der Nachschuss über sein Gehäuse geht. Leidenschaftlich beißen sich die Weißen am FCN-Strafraum fest. Nach 40 Minuten erkämpft sich TW energisch den Ball und rast aufs FCN-Tor zu. 18 Meter zuvor kann er nur noch unfair gestoppt werden. Freistoß. Simak legt sich die Kugel zurecht, läuft an und – trifft nur die Mauer und ST setzt den Abpraller zu hoch an. Dafür gewinnt ST in der 42. ein Kopfball-Duell, setzt dem Ball hinterher, verfehlt ihn aber knapp. Blaugelbweiß bleibt weiter Trumpf, auch wenn TW’s Anspiel zu Omo am 5-Meter-Raum für Nürnberg noch folgenlos bleibt. Auch die letzte Chance vor der Pause hat das Gestreifte Ballett, eine Rechtsflanke setz TW per Kopf über das Klewer-Tor.

Reichlich Beifall für die Zurückliegenden beim Gang in die Kabine zeigte, unser Team hatte sich famos präsentiert und wenn es einen (Klassen-)Unterschied gab, dann den, dass die Glubberer mit einer Chance auch 1:0 führten.

HZ 2 beginnt zunächst weithin leuchtend seitens der FCN-Fans, allerdings hätte die hübsche Pyro der eher unschönen Raketen nicht unbedingt bedurft. Costas, heute sein bisher bestes Spiel für den FCC abliefernd setzt mit einem sauberen Tunnel das erste Achtungszeichen, sein Zuspiel auf den rechts startenden ST ist dann jedoch ein wenig zu steil. Dennoch, die Streiflinge setzen über links nach, werden aber abgeblockt. (46.) Dann probiert es TW aus 25 Metern Entfernung, verfehlt aber das Ziel, links vorbei. (49.) Nur 60 Sekunden später startet NH zu einem mitreißenden Solo, schließt es aber per Gurkenfehlpass ab. Dennoch, die Hausherren degradieren die pomadigen Gäste nun zu Statisten. Nach 52 Minuten dann Freistoß für Carl Zeiss von links. Mal wieder Simak. Pech für Jan, dass sein Ball nur am Pfosten landet. Omo kommt danach zwar noch an den Ball, vertändelt diesen aber. Wieder 30 Sekunden später setzt Simak einen Ball knapp neben das Tor. Davon erholt er sich nicht mehr, Jan geht fortan (leider) auf Tauchstation.

Kurz darauf gibt Saenko, der in HZ 1 auf Rechtsaußen oft völlig frei daher lief, aber nie angespielt wurde, mal auf der linken Seite vorwärts, zieht zur Mitte und schießt vorbei. (54.) Zwei Minuten später ist Kristiansen am Ball. Als dächte er an sein Pokalsieg-Tor träumt er vor sich hin und spielt einen ebensolchen traumhaften Fehlpass. Sandor dagegen ist hellwach und erläuft sich den Ball ganz abgezockt. Sandor schaut kurz. Sandor trifft das Leder mehr schaufelnd als schießend. Von so viel zärtlicher Fürsorge völlig hingerissen, schwebt das Leder lustvoll davon, grüßt einen Meter über diesem den wacker springenden Klewer mitleidig und senkt sich dann hinter diesem schwungvoll und grazil ins Netz, landet im TOOOOOOOR! Ausgleich, 1:1! Der Kessel bebt!
Und die Heldenhaften setzen sofort nach! Erst animiert TW die Südkurve, dann beschäftigen 2 Ecken in Folge die Franken, es folgt Jenas 2. Welle und Mauls Kopfball geht nur knapp daneben. (57.) Ähnlich ergeht es TW bei seinem Kopfball nach Freistoß eine Minute später. Ärgerliches in Minute 60 und 61. Erst sieht ST eine nicht unumstrittene GK, dann bleibt Glaubers fieses Revanche-Foul ungeahndet. Aber sofort ist die FCN-Abwehr wieder mit Schwimmübungen beschäftigt. Wieder sind es 2 Ecken, die Klewer & Kumpanen vor Probleme stellen, auch wenn Omo am Ende vorbei köpft. Auch wenn der FCN jetzt wieder versucht, dass Spiel in den Griff zu bekommen, inzwischen stehen sich die Kontrahenten auf Augenhöhe gegenüber. Jeder beim FCC läuft, ackert, kämpft, spielt am Limit. (Naja, vielleicht mit einer Ausnahme.)
Ist das jetzt die entscheidende Phase? Scheint so, wenn auch für Nürnberg. Das RWE-Weichei fällt, schreit und kugelt sich und Sandor kann sein Tagwerk mit der GRK im Gepäck beenden. Herr Margenberg, der oftmals 2 Meter innerhalb des Spielfeldes auf und ab lief, fühlte sich Valdas nicht mehr gewachsen und Herr Seemann wollte sich wohl nicht direkt zu VI begeben, also sollte AM seinen Trainer mahnen. (68.) Was nun, FCC? Zunächst war Sammeln angesagt, neu orientieren. Aber von Angst keine Spur. NH gab das Signal, seinen 20-Meter-Knaler kann Klewer aber abwehren. (72.) Engelhardt antwortet mit einem Geschoss aus 30 Metern, aber von dem lässt sich ein DK doch nicht überwinden! (74.) Weiter, immer weiter! Jetzt wird TW gefällt, es folgt ein hoher Freistoß von links aber der FCN kann abwehren. (75.)

Noch 15 Minuten! Vielleicht können wir ja das Remis retten und eine Verlängerung erzwingen!? Am Publikum soll’s nicht liegen, das gibt alles, egal in welcher Ecke des EAS! Der FCC setz sogar die klareren Akzente, denn nach 78 Minuten gibt es eine herrliche Kombinette zwischen TW und Müller auf rechts, Tobi zieht ab, aber knapp am langen Pfosten vorbei. Der Gast übernimmt das Kommando, aber so richtig viel fällt dem Erstligisten nicht ein. Dennoch kommt Kennedy nach Linksflanke 5 Meter vorm Tor zum Kopfball – drüber – durchatmen. (82.) Noch 5 Minuten. Nürnberg erhält einen strittigen Freistoß auf rechts. Jena wehrt ab. FCN mit der 2. Welle. Schuss aus 25 Metern! Kraus sensationell zur Ecke! Powerplay FCN. Die Zeit kriecht. Jenas Recken stehen felsengleich! Jena in der Offensive! Ecke, abgewehrt zur nächsten Ecke! Ecke kommt, kommt auf Maul. Maul direkt – vorbei. Vorbei auch 90 Minuten!

Noch 30 Minuten Unterzahl, kann das gut gehen? Nürnberg beginnt wie aufgedreht. Kraus muss gleich mal zeigen, warum er derzeit Jenas Nr. 1 ist und über die Latte klären. Die Ecke kommt und wieder ist Kraus bei einem FCN-Geschoss zur Stelle. (91.) Nach 94 Minuten erster FCC-Verlängerungsangriff mit herrlichem Doppeldoppelpass zwischen Costas und TW, es reicht aber nur für eine Ecke. Nürnberg in Ballbesitz, Nürnberg im Angriff. Reinhard auf Kennedy, der tritt an die Kugel, trifft Costas und schwupps – sind alle Überlegungen Makulatur. Der Ball landet im Netz und Nürnberg führt glücklich 1:2. (95.) Was jetzt? Wie weiter? So viel Aufwand und dann macht so ein Glückstor alle zunichte? Simak ist mal wieder zu sehen. Erst behauptet er sich grandios am Sechzehner und dann – spielt er einen Fehlpass über 3 Meter! (97.) Das gibt den Gästen Gelegenheit, zwei dicke Chancen zu vergeben, was sie dann zu dritt in Minute 100 gleich nochmals wiederholen. Eine Minute später geht TW auf und davon, prüft im 2. Anlauf Klewer und die folgende Ecke wird auf Maul gespielt, der aus 16 Metern verzieht. Damit es diesem Pokalfight auch an nicht mangelt, wird jetzt VI auf die Tribüne verbannt. Von dort sieht er TW einem Steilpass hinterher hecheln, sich gegen 2 Rote durchsetzen, aber Klewer klärt per Fuß. (104.)

Der letzte Seiten-Wechsel. Ab sofort ist Sitzen für’n Arsch. Das Publikum steht. Es schreit. Es singt. Es peitscht die Heldenhaften an! Einen Freistoß 40 Meter vorm Tor spielt der FCC schnell nach rechts zu Costas, der flankt und Helbig (gekommen für Hansen) verpasst nur knapp. (106.) Nach 113 Minuten muss Klewer sehr schnell sein, um den Ball außerhalb des 16-ers noch vor TW klärend zu erwischen. Aber es nützt ihm nix! Eine Minute später erhalten die Ruhmreihen einen Freistoß auf der linken Seite. Stegmayer (oder Simak?) zirkelt den Ball nach innen. Müller, auch er heute eine der absolut positiven FCC-Überraschungen, kommt mit seinem Goldköpfchen an den Ball. Sekundenbruchteile später macht das Tornetz eine typische Zappelbewegung und markerschütternd schallt es durchs Paradies – TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Ausgleich! 2:2! (114.) Nürnberg nun völlig von der Rolle und 10 tapfere Jenaer setzen sich am FCN-Strafraum fest. „Hey, FC Carl Zeiss! Ole, ole, FC Carl Zeiss! … schallt es düsenjägerlaut durchs Rund. Ziege und Zimme stehen an der Linie, singen, klatschen und tanzen mit! Die Helden auf dem Rasen kämpfen. Mit Erfolg. Der Showdown soll den Abend krönen.

Wer will es wagen, ein Elfmeterschießen in Worte zu fassen? Gibt es für diese Minuten wirklich passende Worte? Wie lautet das passende Wort für die Eiseskälte eines Alex Maul? Wer kann noch klar denken, das Hirn benebelt von Adrenalin und weiß der Geier wovon noch?! Ich vermag es nicht. Bleiben die Klassiker. Schiller, zum Beispiel. Ja, zitieren wir den Söldner Leuthold aus Schillers Wilhelm Tell, 3. Aufzug, 3. Szene: „Das war ein Schuß! Davon wird man noch reden in den spätsten Zeiten!“ Oder doch Rudolf der Harras (Geßlers Stallmeister): „Erzählen wird man von dem Schützen Tell, solang die Berge stehn auf ihrem Grunde.“ Wir haben heute sogar 5 Tells gesehen!!!

Während die Heldenverehrer den Sieger feierten, reagierte das Nürnberger Publikum unterschiedlich. So pöbelten einige FCN-Fans derart ihr Team an, dass mancher Spieler wutentbrannt zur Kurve stürmte und von Kollegen zurück gehalten werden musste. Andere FCN-Fans spendeten den Siegern Beifall, als diese aus ihrer Kurve kamen.

Wer glaubte, nun schon alle Highlights hinter sich zu haben, war auf dem Holzweg. Eine PK, die die Macher so genannter Comedy-Formate im Privat-TV beschämen sollte, folgte. Und mal ehrlich, wer wollte nicht schon immer wissen, dass mindestens 10 Leute im Stadion HM abgrundtief hassen, wie sich HM einst in Lauscha auf Skiern fühlte, welche Bücher er Journalisten empfiehlt und das er selten das ND liest?

Herr Meyer, wie ist ihr emotionales Empfinden? „Ich fühle mich gut! – Ist doch wohl klar“

Soweit zur Kür. Am Montag folgt die Pflicht. Was alles möglich ist, wenn man das ruhmreiche FCC-Trikot mit Würde trägt, haben die Pokalhelden heute erfahren. Es spricht nichts dagegen, derartige Erfahrungen auch mal im Punktspielalltag machen zu wollen. Das geht! Auch in Gladbach!

Auf geht’s, Jena! Kämpfen und Siegen!
YNWA!

--Kopfnuss

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“

… lautete das Motto, unter dem die DFB-Pokalbegegnung mit dem Titelverteidiger stand, und so nahmen nur die Wenigsten zur Kenntnis, dass Valdas Ivanauskas gleich drei Spieler aus der Freiburg-Formation austauschte. Tapalovic ersetzte den angeschlagenen Sven Günther auf der rechten Außenverteidigerposition, Hansen und Müller teilten sich für Stefan Kühne in die Position des „6ers“ vor der Abwehr, was Sandor Torghelle als Alleinunterhalter im Angriff zur Folge hatte, da Tobias Werner das linke Mittelfeld besetzte. Der neuformierte FCC begann inspiriert von einer göttlichen Südkurven-Choreographie selbstbewusst, kampfstark und zielstrebig und setzte mit Simaks Distanzschuß das erste Achtungszeichen, das Tor fiel aber – wie fast schon gewohnt – auf der anderen Seite. Misimovic fand sich gekonnt freigespielt vor Daniel Kraus und ließ ihm mit einem cleveren Schlenzer ins lange Eck keine Chance. 0:1, alles wie immer, der Pfeffer schien frühzeitig aus dem erhofften Pokalfight zu weichen. Doch nachdem wiederum Misimovic aus spitzem Winkel verzog (16.) antwortete Jena, fand Tobias Werner in der 18. Spielminute in Nürnbergs Klewer seinen Meister. 32. Minute, andere Seite, Mintal verzieht knapp, 39. Minute, Verwirrung in Nürnbergs Strafraum im Anschluß an eine Ecke, aber Jenas Offensivkräfte kommen nicht entscheidend hinter den Ball, 41. Minute, Werner erspitzelt sich das Leder und wird von Reinhardt notgebremst, Simaks Freistoß landet in der Mauer, der Nachschuß geht in die zweite Etage, 44. Minute, Tobias Werner schließt eine kleine Druckperiode Jenas mit Kopfball über das Gästegehäuse ab. Halbzeit, Durchatmen, Resümieren und eine hochklassige, aber noch nicht von Fortuna begünstigte erste Hälfte der Blau-Weiß-Gestreiften konstatieren.

Nötigte Jenas Spiel in den ersten 45 Minuten schon Respekt ab, so legten die Thüringer nach der Pause noch eine Schippe drauf, und nach der unsinnigen Pyro- und Raketenshow vom Frankenanhang eröffnete Jan Simak mit seinem Freistoß-Pfostenknaller in der 52. Minute das Offensivfeuerwerk des Gastgebers. Vier Zeigerumdrehungen später war es dann soweit, das Ernst-Abbe-Sportfeld brodelte wie zu Hans Meyers Europacupglanzzeiten, als Sandor Torghelle einen Fehlpass Kristiansens abfing und per Kunststoß aus 20 Metern über Klewer ins Netz beförderte. Jena nun am Drücker, Maul mit Kopfball knapp daneben, ebenso fand der Kopfball nach Werner-Freistoß nicht den Weg ins Tor. Nürnberg wankte, doch fand in Referee Seemann einen Freund, der Sandor Torghelle, der sich bis dahin mit Nürnbergs Innenverteidiger Glauber rassige Zweikämpfe lieferte, für sein zweites vermeintliches Foul im Spiel dank dem sterbenden Engelhardt vom Platz stellte und somit die Karten neu mischte. Der Ex-Erfurter verdiente sich damit ein gellendes Pfeifkonzert bei jeder seiner Ballberührungen, Schiedsrichter Seemann verlor phasenweise den Überblick und Nürnberg versuchte aus der numerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen. Doch zunächst hätte Niels Hansen beinahe für die Führung des Zweitligisten gesorgt, als sein großartiger Schuß nach Kombination über Werner und Müller von Klewer gerade so aus dem Winkel gekratzt wurde. Dann kam Nürnberg (83., Kopfball drüber, 86. Schuß von der Strafraumgrenze pariert von Kraus, 89. Galasek scheitert nach abgewehrter Ecke) und in der Nachspielzeit gar noch einmal Jena, als nach zwei Ecken in Folge Alexander Maul die Sensation verpasst.

Verlängerung also, und die bange Frage, wie diese 10 aufopferungsvoll kämpfenden Jenenser diese 30 Minuten überstehen sollten? Die Frage schien schnell beantwortet, denn nachdem Kraus bereits in der ersten Minute der Verlängerung sein Können zweifach unter Beweis stellen musste, war er nach Mauls Eigentor – welches offiziell Kennedy zugeschrieben wurde – machtlos. Es schien symptomatisch für die gesamte Saison: Jena betreibt einen unglaublichen Aufwand, rennt sich die Seele aus dem Leib und bereitet am Ende dem Gegner doch Geschenke. Entsprechend konsterniert fiel die Reaktion der Jungs in den 1981er-Traditionstrikots aus, und Nürnbergs Großchancen nach Kontern in Überzahl zu erwähnen, würde den Rahmen dieses kleinen Spielberichts sprengen. „Ganz schlecht ausgeführt“ urteilte Trainerlegende Hans Meyer über die Art und Weise, wie seine Schützlinge mit den sich bietenden Chancen umgingen, doch hielt genau dies Jena im Spiel, ermöglichte Simaks Möglichkeit (97.), Werners von Klewer vereitelte Großchance (102.) und wiederum Werners Kontermöglichkeit nach 105 Minuten, als er vor Glauber an den Ball kommt, diesen aber nicht im gegnerischen Tor unterbringt. Zu diesem Zeitpunkt fand sich Valdas Ivanauskas schon auf der Tribüne wieder, von Herrn Seemann seiner Bank verwiesen und durfte sich von dort aus ansehen, wie der mit unmenschlicher Laufleistung glänzende Tobias Werner in der zweiten Hälfte der Verlängerung nur um Millimeter zu spät gegen Klewer kam (113.). Es war jenes Spiel mit „Herz“ Jenas, das Hans Meyer auf der Pressekonferenz thematisierte und Jenas Eigengewächs so einzigartig vorlebte, doch als Torschütze blinkte kurze Zeit später der Name Robert Müller auf der Anzeigetafel auf, der einen Freistoß von Charalambides per Kopf unter Mithilfe des wieder unter den Lebenden Weilenden Engelhardt ins lange Eck verlängerte zum 2:2, das im Paradies sämtliche Dämme brechen ließ. Nur Wenige fragten sich, ob die Auswechslung von Jenas etatmäßigem Elferschützen Simak nur drei Minuten vor Ende der Verlängerung nicht unüberlegt sei, stattdessen „Hej FC Carl Zeiss“ und am Spielfeldrand hüpften und sangen die nicht eingewechselten Ur-Jenenser Ziegner und Zimmermann kräftig mit.

Dann war Schluss, und manch einer sinnierte, ob die Aufstellung Klewers, der in der Vorsaison zum Elfmeterheld in Nürnberg avancierte, uns nicht genau jetzt das Genick brechen könnte. Nicht aber die, welche vor 19 Jahren den Pokalauftritt von Lok Leipzig mit Bordeaux-Hero René Müller an gleicher Steller erlebten! Geschichte wiederholt sich nicht, und so standen Nürnbergs vier sicheren Schützen und einem verpeilten Dominik Reinhardt fünf Thüringer Musketiere gegenüber, die ihre Nerven im Zaum hatten. Robert Müller gerade so, Tobias Werner ganz satt, George Oniani lässig mittig, Constantinos Charalambides brachial unter die Latte und Kapitän Alexander Maul final zur Gefühlsexplosion von 15.610 geschundenen Seelen ließen Thüringens Fußballhauptstadt erzittern, erbeben, jubilieren. „Wer 60 Minuten in Unterzahl spielt und nach Rückstand zurück kommt, der hat es verdient, zu gewinnen“ belehrte der verlorene Sohn die Pressevertreter und hatte Recht damit. Eine kämpferisch überragende Elf war über sich hinaus gewachsen, und aus ihr ragten höchstens ein souveräner Omodiagbe und ein Tobias Werner, nach dessen Arbeitspensum man Angst haben musste, er brächte auf dem Weg zum Elfmeterpunkt entkräftet zusammen, heraus. „Pokal ist immer etwas Schönes“ referierte „unser“ Hans, doch auch das Ligageschehen hat solche Momente zu bieten. Macht es noch einmal, Jungs, und stoßt auch dort endlich den Bock um!

--GUNNER