1921/22 14

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Spieldaten
Wettbewerb Kreisliga Thüringen Endspiel
Saison 1921/1922
Ansetzung SpVgg Erfurt : 1.SV Jena
Ort Sportpark Cyriaksburg in Erfurt
Zeit So 28.05.1922 16:00
Zuschauer 4.000 (500 aus Jena)
Schiedsrichter Große (Leipziger BC)
Ergebnis 2:3 n.V. (0:1 , 1:1 , 2:2 )
Tore
  • 0:1 Wallner (9.)
  • 1:1 (64.)
  • 2:1 Gerei (95.)
  • 2:2 Kerlin (103.)
  • 2:3 Tressel (131.)
Andere Spiele
oder Berichte

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Aufstellungen

Erfurt
Fischer
Nöller , Kahl (2.HZ.)
? , Westhaus , ?
Gerei , Moritz , Moscher , ? , ?


Jena
Kemmler
Keiling , Schlüter
Heineck , Schuster , Körbs
Tresselt , Wallner , Kerlin (122.) , Werner , Engelmann

Spielbericht

Die Thüringer Fußballmeisterschaft gewann in Erfurt der 1.SV Jena gegen Spielv. Erfurt mit 3:2 . Das Spiel stand in der Halbzeit 1:0 für Jena . Nach Schluß der regulären Spielzeit stand das Spiel 1:1 . Nach zweimaliger Verlängerung von 15 Minuten stand das Spiel 2:2 , dann gewann in der 34. Minute der 1.SV Jena nach schlechter Abwehr der Erfurter Verteidigung durch den Linksaußen Engelmann unter nicht endendwollendem Beifall der Jenaer Sportgemeinde ,

Bericht in der Jenaischen Zeitung vom 29.05.1922

1.Sportverein Thüringer Meister

"Tempora mutantur et nos mutamun in illis" : Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen . Wahrlich , man muß sich von der Wahrheit dieses alten lateinischen Zitates überzeugen lassen , wenn man sich überlegt , wie z.B. in der 90iger Jahre , also vor zirka drei Dezennien , die damaligen Pioniere des Fußballsportes hinaus auf das freie Feld zogen , selbst mitgebrachte Torpfosten einschlugen und den Lederball zu bearbeiten anfingen . Nur kurz sollte jeweils ihre Freude am Spiel sein , da nur gar zu bald das Auge des Gesetzes wachte , das sie mit Strafe zu bedenken drohte . Und heute ? Man muß dabei gewesen sein , als der mit über fünfhundert Personen besetzte Sportsonderzug am gestrigen Sonntag pünktlich mittags 1,17 den Weimar-Geraer Bahnhof gen Erfurt verließ , um selbst feststellen zu können , wie sich immer mehr der Sportgedanke selbst in den breitesten Volksschichten ausbreitet . Sie alle und etwa 3500 Erfurter Sportanhänger wollten Zeuge des nochmaligen Meisterschaftskampfes , diesmal zwischen dem 1.Sportverein Jena und der Erfurter Spielvereinigung , sein . Und wie verlief das so wichtige Treffen ?

Pünktlich 4 Uhr stellten sich dem Schiedsrichter Große (Leipziger Ballspielklub) beide Mannschaften mit Ersatz auf dem in ausgezeichneter Verfassung befindlichen Platze des Sportklubs Erfurt , der die Organisation dieses Spieles mit bestem Erfolge übernommen und durchgeführt hatte .

Wie kam es , um gleich in großen Zügen die einzelnen Phasen des langwierigen und scharfen Kampfes zu charakterisieren , zu einer Verlängerung bis zur Entscheidung (also zweimaliger Verlängerung) die in der 131. Minute (!!) zu Gunsten des 1.Sportvereins Jena durch Tresselt fiel ? Das Spiel war der echte Typhus eines Entscheidungskampfes : äußerst hartes , teilweise rohes , sehr aufgeregtes Spiel . Unter dieser fast krankhaften Nervosität hatte anscheinend der beiderseitige Sturm zu leiden , denn fast nie fand er im gegebenen Moment das Tor . Die Erfurter Spielvereinigung war im Feldspiel den Jenensern überlegen ! Nicht nur durch die oft zu beobachtende mehr oder weniger starke Ueberlegenheit wurde das bewiesen , nein , auch das systemvolle Arbeiten zwischen Sturm und Läuferreihe ließ in diesem Spiel besseres Können erkennen . Dazu kam , daß Verteidigung und auch der Tormann in den meisten Fällen sich sicher ihrer Aufgabe entledigten . Wie ist das Versagen der Jenaer Mannschaft gerade in diesem Spiele zu erklären ? Die Läuferreihe , sonst die Stärke der Elf , versagte ! Insofern machte sich das Fehlen von Schröder in der Verteidigung recht stark bemerkbar , da an seiner Stelle der sonst auf dem linken Flügel stehende Schlüter spielte ; und dadurch wurde die Läuferreihe zerrissen ! Heineck als linker und Schuster als Mittelläufer zeigten bei weitem nicht das , was man besonders von letzterem gewöhnt ist . Kein Wunder daher , wenn der Sturm , in dem außerdem Werner etwas schwach erschien (sein Ballstoppen allerdings war wie immer vorzüglich) , auf keine Unterstützung rechnen konnte und so die Spielvereinigung immer und immer wieder in der gegnerischen Spielhälfte sich festsetzte . Nur der Schußunfähigkeit des gegnerischen Sturmes hat es 1.Sportverein zu verdanken , daß das Spiel bis Schluß unentschieden gehalten werden konnte . Dazu kommt allerdings , daß die Verteidigung Keiling-Schlüter (dieser lediglich zu Beginn unsicher) sich meisterhaft ihrer schweren Aufgabe erledigte . In dieser Beziehung glänzte auch der Tormann Kemmler , der einige Bälle verblüffend sicher fing oder abwehrte . - Alles in allem aber zeigte der 1.Sportverein eines seiner schlechtesten je gelieferten Spiele . ...

Anmerkung

Am 14.05.1922 kam es in der Staffel II zum Ligaspiel 1.FC Lauscha 07 : VfB Erfurt (Lauscha konnte die Wintermonate keine Heimspiele austragen) 2:1 . Damit trat der unwahrscheinlichste Fall ein und der 1.SV Jena wurde doch noch Gruppenmeister .

Und obwohl SpVgg das Endspiel gegen VfB Erfurt gewonnen hatte , die Endrunde um die Mitteldeutsche schon beendet war , musste nun die Thüringer Meisterschaft neu entschieden werden .