1971/1972 9. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - HFC Chemie 3:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 9. Spieltag
Saison Saison 1971/1972, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - HFC Chemie
Ort EAS
Zeit Sa. 04.12.1971 14:00 Uhr
Zuschauer 6.000
Schiedsrichter Bader (Bremen/Rhön)
Ergebnis 3:2
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Peter Rock, Lothar Kurbjuweit, Michael Strempel, Jürgen Werner
Harald Irmscher Helmut Stein, Rainer Schlutter (62. Konrad Weise)
Norbert Schumann (72. Gerd Struppert), Peter Ducke, Dieter Scheitler

Trainer: Hans Meyer

Halle
Helmut Brade
Bernd Bransch, Paul Kersten, Günter Riedl (73. Rote Karte.gif), Peter Klemm
Roland Wawrzyniak, Wolfgang Schmidt, Hartmut Meinert
Roland Nowotny, Klaus-Dieter Boelssen, Rainer Langer

Trainer: Walter Schmidt


Spielbericht

Halle war über eine Stunde ein ebenbürtiger Kontrahent

Die Wellen der Erregung in der HFC-Kabine schlugen am Ende hoch. Solch untadeliger Sportsmann und glänzender Abwehrorganisator wie Bernd Bransch sah sich um den Lohn seines Einsatzes gebracht. "Wir haben unsere spielerische Linie gefunden, Jena an den Rand einer Niederlage gedrängt", bemerkte er, " nach der Herausstellung Riedls war aber der Faden gerissen!" Tatsächlich erreichte das streckenweise hektische, von unerbittlichen Pärchen und Zweikämpfen diktierte Treffen in den letzten zwanzig Minuten unliebsame Höhepunkte. Rock foulte im Strafraum Langer, sofort wies Bader auf den Elfmeterpunkt; ohne Diskussion der Jenaer. Dann glaubte Riedl - beim Stande von 2:1 für den HFC -, nachdem das Spiel unterbrochen war, seinen Gegenspieler P. Ducke treten zu müssen. "Der Ball war im Aus. Beide lagen am Boden. P. Ducke wollte gerade aufstehen!", kommentierte der Schiedsrichter. Riedl mußte gehen (73.). Das zehrte an den Nerven der Hallenser. Zwei Minuten später wies Bader auf den Punkt. "P. Ducke hatte zwei Mann stehengelassen, war einen Meter in den Strafraum eingedrungen, als Boelssen ihn von hinten trat. Der Angriff richtete sich klar gegen das Standbein!", hieß es in der "Urteilsbegründung" des Referees. Ob innerhalb oder nicht? - daran entzündeten sich die Gemüter. Man mußte dem Spielleiter Vertrauen schenken, denn aus unserer Distanz war der "Tatort" nicht eindeutig zu bestimmen! Wenn Bader ein Vorwurf zu machen ist (Riedl hatte dazu keinen Grund, er wäre bei mir schon früher gegangen!), dann nur der, nicht von Beginn an kompromißloser und mit größerer Konsequenz die Fouls geahndet und die Kampfhähne beruhigt zu haben! Der HFC operierte nicht wie in manchen Jahren zuvor "mit Hemmungen", wie Cheftrainer Walter Schmidt bemerkte, er mußte jedoch abermals frühzeitig ein Gegentor hinnehmen. Dennoch brachte ihn das nicht aus dem Rhythmus, weil Bransch (ausgezeichnetes Abspiel!) seine Deckung vorzüglich formierte, man den Jenaer Sturmspitzen kaum Bewegungsräume bot. Und aus dem Schoße der zuverlässigen Hintermannschaft über den laufstarken Wawrzyniak, den spielintelligenten Schmidt wurden die Angriffe auf die beiden Sturmspitzen Nowotny und Langer aufgebaut. Das wirkte überlegt, entbehrte nur vielfach der gewünschten Wirkung, weil die beiden Stürmer mit zunehmender Spielzeit immer seltener aus der Mittelreihe Unterstützung und Anspielpunkte fanden. Doch waren die Hallenser siebzig Minuten ein durchaus ebenbürtiger Partner, zumal sie das hohe Tempo des FC Carl Zeiss mithielten. Der Gastgeber erspielte sich zweifelsohne die größere Zahl an Chancen. Irmscher bot eine vorzügliche Mittelfeldpartie, einsatz- und zweikampfstark, mit genauen Eingaben und Freistößen auf den formverbesserten, sehr beweglichen P. Ducke (sollte lieber manchen Haken weniger schlagen, dafür eher schießen!). Aus der Hintermannschaft sorgten Kurbjuweit, Rock und Strempel durch ihre Vorstöße für viele Überraschungsmomente. Nur im Abschluß, im überlegten, genauen Zuspiel mangelte es häufig. Was sich allerdings viel nachteiliger auswirkte: Im Mittelfeld war Irmscher als Spielmacher allein. Stein und Schlutter brachten sich nur ungenügend zur Geltung, hatten nicht den spielerischen Kontakt zu den Nebenleuten. Zwei Tore bereitete Irmscher mit wohltemperierten, genauen Eingaben unmittelbar vor, für Strempels 1:0 wie für Steins hervorragendes Kopfball-Siegestor. Die Dynamik eines Spiels kann ein Mann allein jedoch nicht tragen. Beim 1:1, als sich Nowotny unbewacht von Rock und Werner sah, bewies Jenas Abwehr eine völlig unzureichende taktische Abstimmung.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Siehe oben! Als Langer die gegen Ihn ausgesprochene Verwarnung im Rücken des Schiedsrichters mit Händeklatschen beantwortete, mußte Streicher an der Linie darauf aufmerksam machen!

Wolf Hempel (in FuWo vom 7.12.1971)