2006/2007 27. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 27. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Rückrunde
Ansetzung FCC - FC Hansa Rostock
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 30.03.2007 18:00 Uhr
Zuschauer 12.500
Schiedsrichter Georg Schalk (Augsburg)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 0:1 da Silva (36.)
  • 1:1 Ashvetia (85.)
  • 1:2 Cetkovic (86.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Giorgi Lomaia
Toni Wachsmuth (78. Fiete Sykora), Alexander VoigtLeendert van Steensel (46. Felix Holzner), Ronald Maul
Sven Günther (53. Sercan GüvenışıkGelbe Karte.gif), Christian Fröhlich, Kevin Schlitte, Filip Tapalović
Mikheil Ashvetia, Mark ZimmermannGelbe Karte.gif

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Hansa
Schober
Langen, Kern, Stein, Sebastian
Rahn (74. Madsen), Shapourzadeh, Beinlich, da Silva
Yelen (67. Hansen), Sebastian Hähnge (46. Cetkovic)

Trainer: Pagelsdorf


(Nichts) Neues vom Strich (Spielberichte)

Erotikmesse oder Fußballspiel?

So oft, wie heute vor 18:00 Uhr in diskutierenden und gestikulierenden Männerrunden vom „Strich“ die Rede war, könnten sich diese Frage Unwissende durchaus gestellt haben.
Wer genau hinhörte, bemerkte jedoch sehr schnell, Jenas Fußballfans interessieren sich derzeit aber in erster Linie für den ominösen Tabellenstrich, der das Feld in Klassenerhalter und Absteiger sortiert. Und, um im Metier zu bleiben, nur am Ende auf (über) dem Strich zu stehen, ist sexy. Ein Sieg heute gegen die Streber aus Rostock würde dieses Ziel greifbarer erscheinen lassen.

Angerichtet für ein Spektakel war bestens.
Das EAS seit Tagen ausverkauft und der Andrang der Einlass Begehrenden entsprechend enorm. Durchaus positiv dabei mal zu erwähnen: Da es vor dem Spiel keinerlei Eskalationen auf dem Stadiongelände gab, sprangen etliche Einsatzbeamte den Damen und Herren der BRU zur Seite, als sich auf der Saaleseite Verzögerungen beim Einlass abzeichneten und bewiesen dabei zum Teil sogar Humor.

Die Vorfreude auf dieses Duell war spürbar. Wesentlich eher als üblich streiften Etliche vom FP aus zu ihren Steh- und Sitzplätzen. Auch der Satz „Heute will ich schon etwas früher auf der Tribüne sein“, ward mehrfach gehört und so war diese dann auch schon zeitig gut gefüllt. Einem, aus dem hinter mir sitzenden Fanclub, dürfte wohl ganz besonders seltsam zumute gewesen sein, wird er doch ab Montag hoheitliche Staatsaufgaben wahrnehmen müssen und wusste daher noch nicht, wann er seine Helden das nächste Mal live erleben kann.
Anerkennenswert auch die Idee, aus Anlass seines 71. Geburtstages an Jenas Stadionsprecher-Legende Rolf Weidner zu erinnern und nochmals dessen obligatorische Spieleröffnungsworte in leicht abgewandelter Form darzubieten. Allerdings, bei denen, die die Idee nicht gleich realisierten, führte der Appell „die Leistungen des Schiedsrichterkollektives zu respektieren“ zu höhnischen Bemerkungen und Ablehnungskundgebungen. Relativ gelassen hingegen wurde das Erscheinen des Namens Hähnge auf der Videowand hingenommen, zumal es auch dessen einzig erwähnenswerte Szene für die Dauer seiner Anwesenheit im EAS bleiben sollte.

Jena wieder mal mit Sven Günther von Beginn an, was einerseits unser Mittelfeld stärkte und Zimme wesentlich mehr Spielraum nach vorne einräumte. Eine durchaus wirkungsvolle Maßnahme Webers. Denn von Beginn an war zu spüren, dass die Unseren zunächst mal besonderen Wert darauf legten, Hansas Kreativabteilung lahm zu legen. Was auch weitestgehend gelang. Die ersten Angriffssignale setzte das Weiße Ballett. Aber sowohl Zimmes Schuss (2.) als auch Schlittes Vorstoß über rechts (8.) mündeten jeweils nur in Ecken. Die Jenaer waren zunächst deutlich einsatzfreudiger und engagierter bei der Sache. Freilich sah dies nicht immer filigran und elegant aus. Die Fischköppe waren jedoch deutlich beeindruckt und fanden, zumindest offensiv, zunächst mal gar nicht statt. Und das der Wind am Fuße der Kernberge gelegentlich rauer weht als am Ostseestrand, dürfte (berechtigterweise) Dexter Langen nach 12 Minuten verspürt haben, auch wenn wohl mit Ausnahme dieser Jammertante allen im Stadion klar gewesen sein dürfte, dass Zimme seinen Volltreffer eher unabsichtlich landete, auch wenn er dafür Gelb bekam. Günther, dem zwar die fehlende Spielpraxis bei ein, zwei Ballverlusten anzumerken war, machte seine Sache konsequent gut und hatte nicht unwesentlich Anteil daran, dass der FCC nach 15 Minuten optisch überlegen war, wenn auch bei allem defensiven Aufwand wenig offensiver Nutzen raus sprang. Dies war auch der Zeitpunkt als aus Jenas Südkurve erstmals der II. – Mannschaft – Hit „Fußballzeit“ erklang und sich die komplette Südkurve kurz darauf einig war: „Fußballfans sind keine Verbrecher!“

Nach 20 Minuten schien sich der enorme blaugelbweiße Aufwand endlich zu lohnen. Mit einem genialen Zuckerpass schickt MZ Flügelmann Schlitte in Richtung Hansa-Strafraum. Der geht allein auf Schober zu, nimmt Maß, zieht den Ball schön rechts am Keeper vorbei, und? Jaaaa! Das Netz wackelt – aber leider nur von außen … Aber das Signal kam an. Schon 3 Minuten später lässt Ashvetia seinen Gegenspieler alt aussehen und kann allein auf’s Tor ziehen. Kann er nicht, denn der Schieri hatte als einziger im Sportfeld ein Foul erkannt und abgepfiffen. Angetrieben vom auffälligsten der Unvergleichbaren –Mark Zimmermann- ackert Jena aber weiter um jeden Meter und nach 28 Minuten ist es Sven Günther, der mit seinem satten 20-Meter-Knaller deutlich macht, dass Schober wohl derzeit Hansas Abwehrproblem Nummer 1 ist. Den Abpraller bekommt er allerdings noch wenige Zentimeter vor'm heran fliegenden MZ zu fassen. Jener Mark Z. setzt sich auch in der 30. Minute klasse auf rechts durch, seine Hereingabe findet jedoch keinen Abnehmer. Noch in derselben Minute erkämpft sich unser Käpt’n RM den Ball auf links und seinen noch abgefälschten Schuss kriegt Schober gerade noch so vor der Linie zu fassen. Dank der völligen Verunsicherung Dexter Langens ist die rechte Abwehrseite der Kekse deren größte Schwachstelle, allerdings gelingt es dem wieder sehr eifrigen Fröhlich zu selten, daraus gefährlich Kapital zu schlagen.

In der 35. Minute gibt es im rechten Halbfeld einen Freistoß für die Blauen, den Beinlich ausführt. Hoch schlägt er den Ball ca. 7 Meter vor Lohmeiers Tor. Dieser läuft aus seinem Kasten, verharrt am 5-Meter-Raum für einen Schritt, läuft dann aber weiter - und kommt zu spät. Somit springt die Pille unglücklich auf die hohle Rübe Gledsons und von dort zum 0:1 ins Tor. Lomaias erster grober Fehler unter den Kernbergen führt dazu, dass Hansa mit null Chancen 1:0 vorn liegt. Welch ein Hohn! Besonders dämlich Gledsons provozierende Geste zur Jenaer Tribüne. Da er aber selbiges nach Abpfiff wiederholte, ist anzunehmen, dass sein Kopf im realen Leben eine ähnlich einfältige Aufgabe hat, wie bei seinem Landsmann Marcelinho: Man trägt gelegentlich neue, lächerliche Frisuren und mehr ist nicht. Nicht nur die 11.500 Guten im EAS sind geschockt, auch deren Helden scheinen jetzt paralysiert. Zwar segelt in der 43. Minute nochmals ein CF-Freistoß gefährlich durch den Gästestrafraum, aber danach haben die Norddeutschen zweimal die Chance, uns einzusargen. Denn im Gegenzug erspielt sich Hansa seine erste Torgelegenheit, wobei sich drei Mann den Ball locker in unserem Sechzehner zuspielen können. Aber genau wie bei der nächsten gefährlichen Situation in der 45. Minute scheitern sie am Ende kläglich.

Halbzeit im EAS und unter’m Strich scheint diese ein Spiegelbild der letzten Wochen zu sein. Mangels eigener Knipserqualitäten steht vorn die Null, ein einziger individueller Fehler wird gnadenlos bestraft und stellt (im heutigen Falle) den Spielverlauf völlig auf den Kopf. Gegen eine Truppe, die in nicht einer einzigen Szene der ersten 45 Minuten Bundesligaambitionen, geschweige denn –qualitäten nachweisen konnte und „richtig dünne“ war – steht’s 0:1. Alles wie zuletzt so oft.

HZ 2 beginnt ohne Hähnge und mit Felix H. für LvS. Eine durchaus gute Idee, allerdings führt sie mit zunehmender Spieldauer einerseits zu Schlittes phasenweise völligem Abtauchen und zu Ödnis auf unserer rechten Angriffsseite. Nach bescheidenen 5 Auftaktminuten entschließt sich HW Güve zu bringen und die Wirkung bleibt auch nicht aus. Wenn eine Mannschaft in der Offensive Akzente setzt, dann der FCC. So finden sich Güve und MZ in der 57. z.B. wunderschön zum Doppelpass, allerdings hätte man unserem türkischen Wirbelwind in dieser Szene den Nut zum egoistischen Abschluss gewünscht. Aber der Ausgleich schien machbar. Vor allem in Minute 59. als ein langer hoher Ball auf den fünf Meter allein vor Schober stehenden Tapalović zusegelt. Dank des Stellungsfehlers des Hanseaten hat Tapa das ganze Tor frei vor sich. Diesen Ball vorbei zu setzen, war das größere Kunststück! Trotzdem, die Thüringer Recken sind jetzt das klar bessere Team und ihrer Unverdrossenheit gebührt Respekt. Schon in der 60. Minute bietet sich die nächste Kopfballchance für Ashvetia und gleich danach erneut. Dass es zu dieser Zeit noch immer 0:1 steht, ist ein Drama. Zwischen der 70. und 80. Minute scheinen die Hanseaten sich besser auf unser Spiel eingestellt zu haben, beide Teams neutralisieren sich jetzt. In dieser Phase hätte man HW den Mut gewünscht, Fiete eher zu bringen und mit dessen Einwechselung nicht bis zur 79. Minute zu warten. Der verdiente Ausgleich wäre dann in der 70. Minute auf fast kuriose Art gefallen, als der völlig unsichere Schober fasziniert Tapalovics Bogenlampe zuschaute, als diese sich nur von der Torlatte aufhalten ließ. Andererseits schien nach 80 Minuten der Kuchen gegessen. Holzner legte eine Bauchlandung hin, sein Gegenspieler lief allein auf unseren Torwächter zu, der klärte zunächst in nicht ganz unzweifelhafter Manier und als sich der Rostocker Nachschuss folgerichtig ins Jenaer Tor zu senken schien, kam auf schier unglaubliche Art RM angeschwebt, um zur Ecke zu klären. Weltklasse-Aktion! Nochmals rafften sich die Unverdrossenen auf. Wieder bringen die Rostocker zunächst den Ball weg aber Maul befördert ihn wieder schoberwärts. Güve spielt zunächst Ping-Pong mit Gledson und dann genial mit der Hacke zu Ashvetia. Mit links zieht dieser den Ball am Koggen-Keeper vorbei und endlich, endlich liegt der Ball im Netz!!! Endlich belohnt!

Kaum waren nach ausgiebigem Torjubel diese beiden Worte notiert, das „t“ noch nicht zu Ende geschrieben, als sich lähmendes Entsetzen meiner bemächtigte.
Pfosten. Latte. Tor.
Das darf doch nicht wahr sein!
Wieso schauen eigentlich mit Ausnahme des auch heute wieder saustarken Alex Voigt 4 von 5 anwesenden Jenaer Abwehrspielern dem Rostocker Scheibenschießen interessiert zu, statt sich gleich Alex Voigt mal in Bewegung zu setzen und sich den Allerwertesten aufzureißen , um die Murmel weg zu hauen. Sorry, aber das war meines Erachtens einfach unprofessionell und somit doppelt bitter und tragisch. Der möglichen Folgen wegen. Hansa schaukelt den Rest über die Zeit und als nach 92 Minuten Ashvetias Schuss links am Tor vorbei geht, darf sich der unverdiente Sieger feiern.

Hansa-Fans werden sich sagen, wer solche Kicks gewinnt, steigt auf. Und wir? Was bleibt unterm Strich? Erstaunlicherweise stehen wir noch immer über diesem. Und mit etwas Glück auch noch am Sonntag.

Sollte allerdings, was durchaus möglich ist, die Art des Zustandekommens der heutigen Niederlage (ein wahrhaft psychologischer Nackenschlag) nachhaltige Folgen hinterlassen, dann droht schon in Fürth der nächste Strich und der wäre dann wohl eine Sonderform: Die kürzeste Verbindung zwischen 3 Punkten – ein Haken. Und den gelte es dann unter die Saison zu setzenen.

Aber das Kuriose an dieser Zweitligasaison ist ja: Tabellarisch kann’s selbst nach dem heutigen Tage passieren, dass wir ohne ihn auskommen – den Schlussstrich. Und bis dahin gilt:

„Wir halten fest zusammen und kämpfen bis zum Schluss!“

--Kopfnuss 1:50, 31. Mär. 2007 (CEST)


Yoricks Weheklag: FCC-Hansa

Mir fehlen die Worte. Ich bin am Boden zerstört. Ich habe alle Hoffnung verloren. Der Untergang des glorreichen FC Carl Zeiss Jena scheint beschlossene Sache im Fußballhimmel. Die über weite Strecken bessere Mannschaft verliert vor vollem Haus und begeisterten wie begeisternden Fans gegen einen cleveren Aufstiegsanwärter. Das Leben ist ungerecht, Fußball ist es auch!

Dabei begann alles wie ein großes Fußballfest, so, wie ich mir Fußball samt Drumherum immer vorstelle. Ein Spiel unter Flutlicht, passables Frühlingswetter, ein ausverkauftes Haus, ein proppevoller Gästeblock – und dann ein mitreißendes und hart umkämpftes Spiel vor zwei frenetischen Fanlagern. Aber was hilft der Kampf, was das Schelten auf die wiederum vielen seltsamen Schiedsrichterentscheidungen, wenn die eigene Mannschaft, wie der DSF-Text ganz richtig schrieb, durch Unvermögen das Spiel (noch) aus der Hand gibt. Ein krasser Torwartsfehler – was um Himmels Willen treibt Lomaia dazu, ohne Not und ohne Notwendigkeit in einen weit vom Tor entfernten Pulk von zehn oder zwölf Leuten hineinzuspringen, da die Chance, den Ball so herunterzufischen, gleich Null war und die Rostocker deshalb schon jubelten, lange bevor sich der Kopfball wirklich ins Tor senkte – verunsichert die bis dahin schön aufspielenden Zeisskicker, so dass man dann den Pausenpfiff herbei sehnte. Danach wiederum ein einziges Anrennen auf das Tor der Hanseaten und dann endlich, endlich, wenige Minuten vor Toresschluss dann eben doch der mehr als verdiente Ausgleich. Postwendend der erneute Führungstreffer der Gäste und selbst hier noch nicht der KO für unsere Mannen, die weiter und bis zum Schluss kämpften und dann dennoch das Spiel und vielleicht jede Hoffnung verloren. Wenn man keine Tore schießt, kann man eben nicht gewinnen. Trotz der Defensivprobleme, die gestern zwei Gegentore verschuldeten – unser eigentliches Problem ist und bleibt der Sturm.

Der Kampf der Fahnen und Gesänge endete unentschieden, wie es das Spiel auch verdient hätte. Die Hansa-Fans mit Suptras und Konsorten drehten vor allem in der ersten Halbzeit mächtig auf und machten einmal mehr deutlich, dass wir deren Teil der Südkurve für unsere Ultras brauchen, weil er wirklich und wahrhaftig der lauteste unbedachte Sektor des Stadions ist. Obwohl N wohl dichter besiedelt als der Gästeblock und wie immer sehr fleißig beim Support war, hat er akustisch – so zumindest der Eindruck von der Tribüne - den Kampf gegen hüpfende, tanzende und singende Klippenpisser verloren. Beim gemeinsamen Hüpfen etwa waren die Unsrigen viel mehr und durchaus homogen im Takt, wurden aber während des Spiels kaum wahrgenommen; indes die Rostocker nicht konform sprangen, aber wesentlich lauter und rhythmisch wuchtiger zu erleben waren. Wirklich beeindruckend aber und für Gänsehäute sorgend war das förmliche Explodieren der Tribüne während der unglaublichen Drang- und Druckphase unserer Mannschaft in der Mitte des zweiten Durchgangs. Alles stand und sang das „Allez, Carl Zeiss, allez!“ und wie ein Ruck ging es durch die Massen und der Funke sprang auf die Mannschaft über, wie vorher die Mannschaft durch ihre aggressive Spielweise die Massen begeisterte. Auf über achtzig Minuten Erektion folgte dann die heiß ersehnte Ejakulation tobender und rasender Freude – der Dolchstoß kurz darauf war wirklich der berühmte in den Rücken der kämpfenden Truppe hinein, ein Coitus Interruptus mit Spätfolgen. Ab der 86. Minute saß ich apathisch auf meinem Platz und saß noch lange nach Abpfiff der Begegnung so regungslos da. Es ist alles aus!

Auf dem Parkplatz an der Schnellstraße waren dann noch die vielen Rostocker Fans zu ertragen, die wie bereits lange vor dem Spiel mit ihren Bierkisten an den Kofferräumen ihrer Wagen standen und in aller Seelenruhe ihr ungenießbares Pils in sich hinein schütteten. Ich weiß, viele von euch genießen diesen Frieden in Jena und die Abwesenheit von asozialem Gesindel wie in Dresden und Leipzig. Ich vermag das, auch wenn ich Gewalt prinzipiell ablehne, nicht. Wem von uns wäre es in Rostock eingefallen, auf dem größten Parkplatz der Gastgeber gemütlich im vollen Ornat sein Bierchen zu gurgeln; wem war es möglich, nach Spielschluss einfach so in voller Fanmontur das Ostseestadion in Richtung Stadt zu verlassen? In Dresden oder bei Lok würde sich das kein Auswärtsfan, nicht mal ein hart gesottener Fischkopp, getrauen und ich frage mich ernsthaft, warum die Koggenleichtmatrosen mit zum Teil höhnischen Grimassen auf unserem heimischen Territorium herum spazieren und einem tief traurigen Heimfan wie mir hässliche Fratzen schneiden dürfen. Was ist das für ein Sicherheitskonzept, das den Ausschank alkoholischen Bieres versagt, aber die Gästefans frei herum laufen lässt? Und wo ist unserer kämpferische Jugend, die allein durch ihre Präsenz und durch ein hier sehr berechtigtes Platzhirschverhalten anzeigt „Das ist unsere Stadt und unser Verein! Zieh dich warm an und bleib in deinem Sektor!“?

Zum unguten Schluss haben noch irgendwelche Deppen vier meiner Schals, die in die Scheiben meines Wagens geklemmt waren, geklaut. Da die gleichfalls noch geflaggte Fahne nicht angerührt wurde, vermute ich die Täter nicht unter den Hanseaten. Ich weiß zwar, dass man seine Sachen durchaus im Auto verschließen sollte; aber in Jahrzehnten ist mir in Jena auf dem Parkplatz nichts weggekommen und so bin ich schon mehr als enttäuscht und sauer.

„Die Traurigkeit bewegte Doktor Faustus, dass er seine Weheklag aufzeichnete“ heißt es im berühmten Volksbuch und später auch bei Thomas Mann. Die Traurigkeit bewegte Yorick, dass er sich in die Schänke begab, um unter lärmenden und zechenden Gesellen Trost und Linderung zu finden. Doch eine Flasche Korn und unzählige Biere lindern nur kurz und ohne Gedächtnis, die Not wird größer mit dem nächsten Tag. Nur der Himmel weiß, ob ich die Kraft finde, nächste Woche ins Stadion zu pilgern.

Mir fehlen die Worte. Ich bin am Boden zerstört. Ich habe alle Hoffnung verloren. Der Untergang des glorreichen FC Carl Zeiss Jena scheint beschlossene Sache im Fußballhimmel. Die über weite Strecken bessere Mannschaft verliert vor vollem Haus und begeisterten wie begeisternden Fans gegen einen cleveren Aufstiegsanwärter. Das Leben ist ungerecht, Fußball ist es auch!

--Yorick 10:56, 31. Mär. 2007 (CEST)