2007/2008 11. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SC Freiburg 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 11. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Hinrunde
Ansetzung FCC - SC Freiburg
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 28.10.2007 14:00
Zuschauer 7.026
Schiedsrichter Wolfgang Walz (Pfedelbach)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 0:1 Pitroipa (35.)
  • 0:2 Krmas (83.)
  • 1:2 Werner (90., Kopfball, Vorarbeit Ziegner)
Andere Spiele
oder Berichte
Programmheft
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Daniel Kraus
Sven Günther (46. Filip Tapalovic), Alexander Maul, Darlington Omodiagbe, Michael StegmayerGelbe Karte.gif
Stefan KühneGelbe Karte.gif, Niels Hansen (77. Sandor Torghelle)
Mark Zimmermann (70. Torsten Ziegner), Tobias WernerGelbe Karte.gif
Jan Simak
Sebastian Helbig

Trainer: Valdas Ivanauskas

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Freiburg
Alexander Walke
Daniel SchwaabGelbe Karte.gif, Pavel Krmas, Heiko Butscher, Andreas Ibertsberger
Jonathan Pitroipa (75. Kevin Schlitte), Ivica Banovic, Dennis Aogo, Eke Uzoma
Karim MatmourGelbe Karte.gif (79. Mirnes MesicGelbe Karte.gif), Henrich BencikGelbe Karte.gif (56. Cafu)

Trainer: Robin Dutt

Spielbericht

Es reicht (nicht)!?
Freiburg raubt 3 Punkte und viel Hoffnung

Wutausbrüche! Zornesrufe! Drohgebärden!
Resignation. Fatalismus. Vorwürfe.
Ein paar geschriene „Es reicht!“ und einige eher genuschelte „Es reicht nicht mehr!“. Klar, das alles könnten Folgen einer halbwegs durchschnittlichen Ehe sein. Sind sie aber nicht. Dies sind die Folgen weiterer 90 Minuten Fußball des FC Carl Zeiss Jena in der Saison 2007/2008. Was für den Einzelnen schwerer wiegt, muss jeder selbst entscheiden …

Dass man seine Sonntage auch anders als mit Fußball verbringen kann, zeigten mir und meinem Leipziger Südvorstadt-Mitfahrer jene langmähnig-dickleibigen oder schmalbrüstig-kapuzenbedeckten Typen, die zum Zeitpunkt unserer frühmittäglichen Abreise gerade in einem nahe gelegenen Vergnügungstempel ihre Club-Night beendeten. Mit reichlich alkoholischen Drogen (mindestens) abgefüllt, taumelten sie in’s Licht, maßen Straßen und Gehwege in ihrer ganzen Breite aus und hatten Glück, dass reichlich Häuserwände sie am Umfallen hinderten. Noch waren wir uns also sicher, die wesentlich bessere Wahl der Sonntagsgestaltung getroffen zu haben und begannen unsere Fahrt diskutierend. Zum Beispiel darüber, dass Jenas Sportlicher Leiter seit Mittwoch 2 x in den Medien zu vernehmen war. Einerseits hatte er festgestellt, dass bis zur Winterpause noch 21 Punkte zu vergeben sein und es Ziel des FCC sein müsse, davon derart viele zu erringen, dass der Verein zum Jahreswechsel noch konkurrenzfähig wäre. Dem stimmten wir zu. Andererseits hatte Lindemann angekündigt, in eben jener Winterpause noch mal massiv nachzuverpflichten. Dem wollten wir uns nicht vorbehaltlos anschließen, denn ein FCC als halbjährlich neu aufgefüllter Durchlauferhitzer ballspielender Wanderburschen zählte nicht zu unser beider Wunschvorstellung über Fußball im Paradies.

Wer wollte, konnte vor Matchbeginn noch (wehmütig?) HW hinterher schauen, sich an der teilweise live dargebotenen neuen (und zumindest von vielen Tribünengästen positiv aufgenommenen) FCC-Hymne erfreuen, sich über den doch eher spärlichen Zuschauer-Zuspruch (nicht wirklich) wundern oder sich über das lächerliche Häuflein Gäste-Fans amüsieren. Weiße Wolken und eine strahlend goldene Sonne garnierten den blauen Himmel, was sollte also noch schief gehen, als die paradiesischen Helden gemeinsam mit den Spieler/innen des SCF den Platz betraten? Zumal da ja noch nicht zu ahnen war, dass einige einheimische Helden bald darauf herumrutschen würden, als hätte man sie zur Eröffnung der Eisbahnsaison geladen.

Los ging es mit Zimmermann, aber vor allem Schmackes. Nur 90 Sekunden dauerte es, bis Kraus im Anschluss an Freiburgs erste Ecke zeigen konnte und musste, was er so drauf hat, um das 0:1 zu verhindern. Na und, das können wir auch, sagten sich die Weißhemden. TW trat daraufhin einen Freistoß nach innen, der Ball wird mehrfach weiter befördert, landet bei Hansen und der hat seinerseits die Führung auf dem Fuß. Danach war schnell klar, wie die Unseren sich das heute so vorstellen würden. Mit einer massiven, verstärkten Abwehr ruhig den Freiburgern das Gros der Ballkontakte überlassen, dann aber energisch dazwischen gehen und überfallartig offensive Nadelstiche setzen. Und es funktionierte 30 Minuten lang nicht übel.

Die nächste Offensivaktion gehörte den Freiburgern, ihr 20-Meter-Schuss brachte ihnen jedoch nur eine Ecke ein (4.). Kurz darauf wurde es gefährlich, weil Maul erstmal im Vorwärtsgang eine der zahlreichen (Weg-)Rutscheinlagen ablieferte. Sofort machten sich die Hausherren über rechts nach vorn auf die Piste, NH schwächelte aber kläglich mit seinem Zuspiel auf Helbig (7.). Nächste Minute, nächster FCC-Angriff. Diesmal setzt Simak links TW ein und der flankt sauber in die Mitte des Fünfmeterraumes zu Helbig. Die Statistik der vergebenen hundertprozentigen FCC-Chancen ist kurz danach wieder um einen Punkt angewachsen. Also will es der gute Jan in Minute 9 einfach mal selbst simaken lassen, sein Schuss wird jedoch abgeblockt. Wieder eine Minute später sieht ein von ihm hoch in den Strafraum getretener Freistoß erst gefährlich aus, aber irgendwie entweicht die Gefahr dann ähnlich schnell aus Freiburgs 16-er, wie die Luft aus einem geplatzten Luftballon. Ok, mag sich der tschechische Jenaer gedacht haben, dann muss ich’s wohl alleine richten. So schnappt er sich in Minute 11 die Pille, umtanzt einige eskortierende SCF’ler, wuselt in den Strafraum und? Wird gehalten!!?? Oder nicht? Geht jedenfalls zu Boden und wartet wie alle anderen 7.000 vergebens auf den Elfmeter-Pfiff. Nach einer viertel Stunde versucht TW einen Steilpass zu erhecheln, wird aber nix draus. Als nach 18 Minuten auch die Gäste ihr Plus an Ballkontakten mal zu einem Steilpass nutzen, ist der Kraus’ sichere Beute. Anschließend gefallen sich die Herren in Rot darin, einige kuriose Freistoßentscheidungen zu Ungunsten des FCC zu treffen, können allerdings nach 25 Minuten auch nicht verhindern, dass Kühne schön auf den am Fünfmeterraumeck postierten Hansen flanken kann. Allerdings ist der Winkel zu ungünstig, als das dessen Kopfball gefährlich werden könnte. Auch Helbig erreicht eine Minute später einen Simak-Freistoß nur so lasch mit seiner Rübe, dass Walke keine Mühe hat. Mal wieder Zeit für JS, es direkt zu versuchen, sein schönes Geschoss pfeift aber knapp über den Querbalken. (29.) Nach einer halben Stunde fällt zwar immer noch kein Tor, ein BRU-Ordner vor der Tribüne aber um. Daraufhin muss er per Trage abtransportiert werden, so schwach ist er. Diese Eigenschaft verbindet ihn justament mit der blaugelbweißen Abwehr, die soeben den Ball nicht weg bekommt, der daraufhin irgendwie zu Pippi Troipa gelangt, welche ihn wiederum vorbei an Kraus netzwärts bugsiert – 0:1. Billig abseitsverdächtig durchgewurstelt (34.). Jena wie erwartet unter Schock und schon eine Minute später hätte die Pippi fast erneut davon profitieren können. Was zu erwarten und befürchten war, trat nun auch ein, Freiburgs Spieler/innen ergeben sich fortan willenlos der Gravitation und demonstrieren, warum sie bei aller spielerischen Klasse immer ein ungeliebtes Häuflein in der Fremde bleiben werden. Nach 42 Minuten sind die Unseren mal wieder in der Offensive, erkämpfen eine Ecke durch NH, welche TW tritt und auf Omos Fuß zirkelt. Der Ball gelangt zwar noch zu SH, der kommt aber zu Fall und aus die Maus. Also spielt Simak in Minute 44 fix mal einen Querpass auf Günther, dessen Direktabnahme allerdings gründlich misslingt.

Zur HZ ließ sich ein bekanntes Fazit ziehen: Der FCC kann auch gegen den SCF phasenweise gut mithalten, zu einer entscheidenden Szene, einem erfolgreichen Abschluss reicht es aber nicht. Dem Gegner unterdessen reicht das Warten und Ausnutzen eines Jenaer Fehlers, um in Führung zu gehen. Danach regiert bei Weiß uneingeschränkt die Unsicherheit es fehlt der Kopf, der Anführer – es gibt einfach keine Hierarchie wenn’s brenzlig wird.

Los geht’s in HZ 2 mit Tapa für Günther und nach 46 Minuten mit Hansen über rechts. Anspiel auf SH, raus springt aber nur ne Ecke. Sollte unser zartes Pflänzchen Hoffnung vielleicht doch durch Freiburger Arroganz genährt werden. Jedenfalls verlegten sich die Gäste nun auf Beamtenfußball, vorrangig beschäftigt mit der Ergebnisverwaltung. So kann TW nach 48 Minuten schön auf Stegi passen, dessen Schüsschen aus 18 Metern Walke allerdings müde lächelnd abwehren kann. Kurze Zeit später ist der ansonsten noch recht aufmerksame Stegi allerdings viel zu zögerlich gegen Freiburgs Strumpfhosen tragende Spielerin mit der Nummer 8, was nicht ganz ungefährlich bleibt. Simaks uninspirierter und meilenweit verzogener Schuss aus 20 Metern (53.) lässt auch nix gutes ahnen, Jan scheint von Minute zu Minute lustloser zu werden. Als dann nach 54 Minuten in Jenas Defensive wieder mal das große Rutschen einsetzt, kann NH sich mit letztem Einsatz in einen Schuss der stelzenbeinigen Gäste-Acht werfen und Ärgeres verhindern. Auch an der nächsten Szene ist NH beteiligt, als er bei einem Konter der Guten TW anspielt, der allerdings aus 20 Metern deutliche Zielwasserdefizite erkennen lässt. (59.) Auch Minute 60 bietet brotlose Kunst, als JS zwar hübsch am 16-er-Eck in Ballbesitz kommt, sein Querpass allerdings mangels Brot unterwegs verhungert. Man hat den Eindruck, als würden die Gäste interessiert zusehen, wie die Weißen sich Millimeter für Millimeter der bitteren Erkenntnis nähern, die da lautet: Wir geben uns zwar Mühe, aber es reicht nicht. Dafür reichte es aber dem leidgeplagten Kernbergpublikum und es forderte lautstark eine fußballerische Sekundärtugend: „Wir woll’n euch kämpfen sehn! …“
Kurze Hoffnung, als es in der 65. einen FCC-Freistoß 18 Meter vor Walkes Gehäuse gibt. Die Gäste bilden eine Mauer und genau diese trifft Simak dann auch. Vielleicht taugt ja Omo als Wachrüttler? Wie er Ibertsberger vor Block A abserviert, ist jedenfalls wachrütteltauglich (68.). Dies ist auch die Minute in der Zimmes bienenfleißiges aber keineswegs Akzente setzendes Comeback im Team endet, Ziege versucht, ihn zu ersetzen. Omo versucht nun das Stürmerblut in seinen Adern zu reaktivieren und der FCC kann Freiburg wirklich in die eigene Hälfte drängen. Der Druck, den die Ruhmreichen versuchen aufzubauen, ist jedoch allenfalls so schwach wie der in einer veralteten russischen Erdölleitung. Mister Darlington ist auch ein sehr netter Mensch, so hilft er dem schwächelnden Pittiplatsch vom Platz als dieser in Minute 75 ausgewechselt wird. Für ihn kommt Küvün Schlütte.
Der Herr der Lammfleischspieße wird kurz darauf per Steilpass eingesetzt, Kraus ist aber schneller und packt sicher zu. 10 Minuten vor Ende Freistoß auf halbrechts, ausführen wir TZ. Zuvor stellt sich ein einzelner Freiburger mauernd zur Verfügung und kunstschützengleich gelingt es TZ, diesen auch zu treffen. Es läuft der Gegenangriff, 2 Freiburger gehen auf Tapa zu, einer an ihm vorbei, Tapa setzt zum Tackling an. Aus Tribünensicht trifft er en Blauen nicht, was aber unerheblich ist, den das Rothemd pfeift. Unerheblich ist auch, ob Maul, Kraus, beide oder wer auch immer anschließend mehr Schuld auf seine Schultern lädt. Fakt ist, Mesic stolpert den herein geschlagenen Freistoß ins Netz zum 0:2. Das reicht. (82.) Dass zumindest er ein guter Guter ist, kann DK 2 Minuten später zeigen, als er einen Ball aus 18 Metern Mittelstürmerposition sicher abwehrt. Es folgen 3 Aktionen von Freiburgs nervösestem Fußballermagen auf der rechten Außenbahn, an die man sich als mit dem FCC Leidender noch dunkel erinnern konnte: wieselflinke rechte Flankenläufe samt abschließend in den Strafraum beförderter Bälle. Aber nun reichte es wirklich. Zumindest den Freiburgern. Desinteressiert überließen sie den einst Heldenhaften den Platz. Diese nutzten ihn zunächst in Person von JS zu einem weiteren Verzweiflungsschuss aus 25 Metern, der sein Ziel, so er überhaupt eines hatte, weit, weit verfehlt. (87.) Zwei Minuten später tritt TZ einen Ball unbedrängt in den Gästestrafraum, Tobi kommt kometenhaft herangebraust und schädelt ihn über Walke zum 1:2 ins TOOOR! Das beflügelt, im wahrsten Wortsinne, Freiburgs Achtzehner, schön passt er in den Strafraum. Der Ball erreicht so gefahrbringend einen blauen Mitspieler, dass Kraus das sichere 1:3 verhindern muss. Der begibt sich an- und abschließend noch in Freiburgs Strafraum aber kurz darauf reichte es auch dem roten Pfeifer. Abpfiff! Wieder null Punkte.

Wohlwollende und rechnerisch wohlklingende Analysen gab es bisher reichlich. Sie sind alle nur Makulatur, so lange nicht 3 Punkte folgen. Aber mit einer Truppe, die nicht belastbar und obendrein führungslos scheint, wird es dazu so schnell kaum reichen. Es droht also mal wieder Schwerstarbeit für die Trikotbeflocker im Winter. Kurz bevor ich meinen Mitfahrer in Leipzig absetzte, tönte es aus dem Navi: „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Wir schauten uns an, schütteten die Köpfe und sprachen synchron: „Nö, da fehlen noch 40 Punkte, das reicht so nicht!“

Auf dem Weg aus dem EAS flachste ein Zuschauer mit dem enteilenden Jürgen Raab, dieser möge doch am Mittwoch Hans Meyer überreden, aufzulaufen. „Wenn er sich überreden lässt!“, scherzte dieser zurück. Was tun mit diesem Pokal-Kick? Herschenken? Mitnichten, meine ich. Ein lange offener Ausgang, vielleicht sogar ein Sieg, knapp und mit viel Dusel, dies könnte dann doch noch die lang ersehnte Initialzündung werden. Ein schmuckloses 0:4 oder mehr kann den Bökelbergausflug zum Höllentrip werden lassen. Das muss nicht sein, es reicht auch so.

Also, am Mittwoch wartet der sprichwörtliche Bock wohl ein letztes Mal, stoßt ihn um!

Nur der FCC! YNWA!

--Kopfnuss