1960 08. Spieltag: SC Motor Jena - SC Lokomotive Leipzig 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 8. Spieltag
Saison Saison 1960, Hinrunde
Ansetzung SC Motor Jena - SC Lokomotive Leipzig
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Do. 26.05.1960 16:00 Uhr
Zuschauer 8.000
Schiedsrichter Kunze (Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 1:1 (1:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Harald Fritzsche
Hans-Joachim Otto, Heinz Marx, Rolf Hüfner, Hans Graupe, Siegfried Woitzat, Walter Eglmeyer (68. Erwin Schymik), Peter Ducke, Horst Kirsch, Dieter Lange, Roland Ducke

Trainer: Georg Buschner

Leipzig
Dieter Sommer
Heinz Herrmann, Dieter Scherbarth, Siegfried Söllner, Dieter Fischer, Karl Drößler, Werner Gase, Rudolf Krause, Günther Konzack, Klaus Fraundorf (70. Rainer Baumann), Kurt Seidlitz

Trainer: Alfred Kunze

Spielbericht

Trotz Feldüberlegenheit wenig Chancen

Schymik hatte es in den "Füßen", seiner Mannschaft das 2:0 zu sichern!

Ein Unglück kommt selten allein! Für die Jenaer gab es deren zwei: Das erste, als in der 70. Minute der soeben hineingekommene Schymik das "Kunststück" fertigbrachte, aus vier Metern Entfernung (!) den Ball nicht im leeren Tor unterzubringen, nachdem Ducke I vorher sogar Torhüter Sommer ausgespielt hatte! Der zurückstürzende Sommer schnappte sich das Leder noch auf der Torlinie! Ein 2:0 wäre die Spielentscheidung gewesen! Unglück Nummer 2: Krauses scharfer 18-Meter-Schuß ins entlegene Toreck, unhaltbar für den diesmal überzeugenden Fritzsche, ausgerechnet noch fünf Minuten vor dem Spielende!

Damit hatte Jena wieder einen Punkt verloren, in fünf Heimspielen nur ein Sieg, was bedenklich stimmt!

Was aber geschah zuvor? Von Lok Leipzig als einer Elf der Spitzengruppe war man in der Hälfte eigentlich etwas enttäuscht. Nicht etwa in spieltechnischer Beziehung, nein, in kämpferischer Hinsicht, da es doch für die Elf um den Anschluß an den Tabellenführer geht. Der SC Motor wirkte weit einsatzfreudiger, schoß mehr und besaß überhaupt die besseren Torchancen. Äußerst verdient das 1:0 durch "Neuling" Ducke II nach mustergültiger flacher Eingabe des bis zur Grundlinie durchgestoßenen Mannschaftskapitäns Woitzat. Vergessen wir trotzdem nicht den guten Start der Leipziger deren Flachpaßspiel schon immer eine Augenweide war, wenngleich Jena zielstrebiger wirkte. Um so verwunderlicher das Geschehen der zweiten Halbzeit.

Leipzig übernahm das Kommando im Mittelfeld, mindest zwei Drittel des Geschehens sah sich Motor in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Unermüdlich kurbelten der sehr agile Drößler, aber auch Fischer und Krause, das Leipziger Angriffsspiel an. Jena ließ sich zu sehr in die eigene Hälfte einschnüren, doch die Motor-Abwehr, in den letzten Spielen oft die Achillesferse dieser Elf, hielt souverän stand. Denn trotz aller Feldüberlegenheit vermochte Lokomotive nur wenig zwingende Torchancen herauszuspielen.

Der junge Marx war der hervorragende Organisator einer fast fehlerfrei arbeitenden Abwehr. Die wenigen Entlastungsangriffe des Gastgebers gegen eine meist weit aufgerückte Lok-Abwehr hätten schon vor Krauses Ausgleichstor zum 1:1 die endgültige Spielentscheidung für Jena bringen müssen, denn auch Ducke II verfehlte mit seinem Flachschuß aus 10 Metern nur knapp das Ziel, nachdem er von Bruder Roland in der 54. Minute glänzend freigespielt worden war.

Und dann kam ja noch Schymiks Mißgeschick!

Aber im Fußball entscheiden nun einmal Tore, und dem Geschehen der zweiten Hälfte nach zu urteilen, war der Punktgewinn der Messestädter nicht unverdient, wenngleich sich Jenas Abwehr diesmal kaum Blößen gab.

(Peter Palitzsch in "Die Neue Fußballwoche" vom 31. Mai 1960)