1974/1975 FDGB-Pokal Achtelfinale Hinspiel: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Union Berlin 1:0

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Spieldaten
Wettbewerb FDGB-Pokal, Achtelfinale Hinspiel
Saison Saison 1974/1975
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Union Berlin
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 26.10.1974 14:30 Uhr
Zuschauer 4.500
Schiedsrichter Manfred Heinemann (Erfurt)
Ergebnis 1:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena (blau)
Hans-Ulrich Grapenthin
Helmut Stein
Gert Brauer, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Ulrich Göhr, Harald Irmscher, Rainer Schlutter
Norbert Schumann (74. Dietmar Sengewald), Harry Kunze (66. Klaus Schröder), Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Berlin (weiß-rot)
Wolfgang Matthies
Hartmut Felsch
Wolfgang Juhrsch, Klaus Papies, Rolf Weber
Werner Voigt (77. Karsten Heine), Ulrich Werder, Joachim Loth
Michael Jakob, Michael Paschek, Joachim Sigusch

Trainer: Dieter Fietz

Spielbericht

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20:1 Ecken - aber nur ein Treffer

Der 1. FC Union war mit Respekt zum Pokalverteidiger gereist. Das war verständlich, unterlagen die Berliner doch in der vorigen Saison in einem Freundschaftsvergleich 0:6, mußte eine namhaftere Union-Elf vor Jahren in Jena regelmäßig zwischen drei und sechs Gegentreffer hinnehmen. So operierte der Liga-Spitzenreiter 45 Minuten vorsichtig. Er fand nur selten aus der defensive, bedrohte lediglich zweimal Grapenthins Tor durch Jakob (10.) und Werder (36.). Tatsächlich löste er sich aus der Igelstellung erst nach dem Wechsel. "Wir merkten, daß die Jenaer nicht so wirkungsvoll operierten", gestand Union-Kapitän Klaus Papies, "ihnen fehlte diesmal der starke kämpferische Akzent, der torgefährliche Biß."

"Wir waren anfangs zu nervös", kommentierte denn auch Union-Trainer Dieter Fietz, "eine Halbzeit war ich nur mit der Deckungsarbeit zufrieden. Erst nach der Pause wurde im Mittelfeld angriffswirksamer operiert, gelangen uns mehrere überfallartige Aktionen." Ein Verdienst des spielverständigen Werder, der Loth, Paschek, vor allem aber den agilen Jakob mehrmals überlegt in Szene setzte. Wollte man das eigene Leistungsvermögen messen, durfte man tatsächlich nicht in der Defensive verharren. Nur geschah manches diesmal noch zu zaghaft, auf Sicherheit bedacht. Die Einzelvorstöße der Werder (große Chance zum Ausgleich, 88.), Jakob, Paschek, Weber sollten für das Rückspiel aber Mut geben. Wenn man sich schneller vom Ball löst, mehr Akteure in die Angriffe einbezieht, ist mehr zu erreichen. Das war sicher für Union eine Erkenntnis dieser zweiten Halbzeit.

Der Gastgeber hatte offensichtlich noch nicht die Strapazen des 1:1 gegen Benfica Lissabon verdaut. Er konnte keine konditionellen Vorteile gegenüber den Gästen geltend machen. Das 20:1-Eckenverhältnis gibt zwar Auskunft über die Zahl der Angriffe, doch wirklich herausgespielte Chancen sah man nur sehr wenige beim FC Carl Zeiss.

"Das war streckenweise Anhaltefußball", kommentierte Jenas Trainer Hans Meyer, "aber gegen solch eine massierte Abwehr versprachen nur Direktpassagen und Doppelpässe sowie ein Tempospiel über die Flügel Erfolg." Tatsächlich ließen sich Irmscher, Schlutter, Göhr wenig einfallen, kamen aus dem Mittelfeld kaum Impulse, und im Sturm sah sich Vogel allein auf weiter Flur. Nur einmal überwand er den ausgezeichneten Berliner Schlußmann Matthies per Kopf, im Anschluß an einen Eckball Schlutters und eine Flanke Irmschers. In der zweiten Halbzeit ergriff die Union-Elf sogar phasenweise die Initiative, war sie ungeachtet der insgesamt optischen Feldüberlegenheit der Gastgeber mehrmals dem Ausgleich nahe.

(Wolf Hempel in "Die Neue Fußballwoche" vom 29. Oktober 1974)