2004/2005 33. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - ZFC Meuselwitz 2:0

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 33.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Rückrunde
Ansetzung FCCZFC Meuselwitz
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 14.05.05 14:00
Zuschauer 2.738
Schiedsrichter Wenkel (Mühlhausen)
Ergebnis 2:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Daniel Kraus
Olaf Holetschek
Krzysztof Kowalik, Faruk Hujdurovic, Ralf Schmidt
Torsten Ziegner, Mark Zimmermann (54. Kais Manai), Tobias Werner, Alexander Maul (72. Felix HolznerGelbe Karte.gif)
Sebastian Hähnge, Manuel Endres (58. Miroslav Jovic)

Trainer:Heiko Weber


Meuselwitz
Dix
RadaGelbe Karte.gif, Baumann, Bronec, Luft
Kotowski, Weiß Dimter, Kwiatkowski (63. Andrusak)
Graf (56. HeimGelbe Karte.gif), Miltzow Gelbe Karte.gif

Trainer:

Nachbetrachtung des Thüringer Fußballwochenendes

Nachdem der Müller zuvor reichlich Wasser auf die Mühlen des traditionellen Erfurter Selbstmitleides gelenkt hatte, war es dem einstigen RWE-Trainer gegen Ende seines Interviews bei „Sport im Osten“ vorbehalten, das Wort zum Sonntag zu sprechen, indem er angesichts des nun endgültig feststehendem Abstiegs der Rot-Weißen resümierte, dass damit wohl auf lange Zeit die Chance auf bezahlten Fußball in der Stadt der Blumenkinder verspielt worden sei.

Solche Botschaft aus berufenem Munde hörte ich als Zeissfan natürlich mit Befriedigung, doch als ich später den DSF-Bericht über die Partie sah, begann sich meine Stimmung etwas zu wandeln. Viele der RWE-Anhänger werden vor Jahresfrist noch euphorisiert gewesen sein nach dem Aufstieg ihres Vereins. Trotz schnellen Abrutschens in den Tabellenkeller sorgten sie über die gesamte Saison hinweg für eine absolut zweitligareife Kulisse, die getragen war von der Hoffnung, nach den langen Jahren der Tristesse in Erfurt endlich teilhaben zu können an einer Welt, in der Namen wie Köln, Frankfurt oder 1860 München ein wenig den Glanz besseren, großen Fußballs versprühen. Nun fing die Kamera Bilder von Gesichtern ein, in denen sich nach Abpfiff eine Enttäuschung von bleiernder Schwere spiegelte, wie ich sie als Fußballfan selbst unzählige Male empfunden habe.

Da ich zur Emphase neige, reute mich fast meine frühere Häme und offen zur Schau gestellte Schadenfreude über das sich seit langem abzeichnende Erfurter Scheitern und es hätte sich wohl so etwas wie schlechtes Gewissen bei mir eingestellt, wäre mir nicht im rechten Moment die Vision erschienen, mit welch bedepperten Mienen Sid und andere rot-weiße Sympathieträger jetzt dasitzen werden, und so ward mir flugs wieder so leicht ums Herz wie tags zuvor, als ich im EAS dem 16. Jenaer Saisonheimsieg beiwohnte. Auch wenn der Zuspruch für das Match hinter meinen Erwartungen zurückblieb, da die Hoffnung zerstob, der Name Meuselwitz könnte in Orthographie nicht so beschlagene Anhänger tierischen Humors zum Spielbesuch animieren, war ich nicht dennoch unzufrieden, denn für Jenas Anhang galt diesmal: „Klein – aber fein!“, waren doch nach langer Zeit wieder viele altvertraute Gesichter zu sehen im Ground, wie etwa die der Spremberger vom Fanclub „Schwarzer Peter“, und als ich dann noch die Fahne „Ueckermünde-Vorpommern“ erblickte, glaubte ich endgültig an die wunderheilende Wirkung des Erfolges der Vorwoche für die Jenaer Fanseele.

Die Nordlichter brauchten ihre knapp 900 km lange Reise auch nicht zu bereuen, denn der FCC strafte all jene Lügen, die nach der Entscheidung über den Staffelsieg ein uninspiriertes Gekicke von Ziege und Co. befürchtet hatten. Im Gegenteil: Die ersten 45 Minuten zählten für mich zum Besten, was man in dieser Spielklasse geboten bekommt, denn Jena spielte von Beginn an druckvoll, variationsreich und präzise; zumindest so lange, wie es nicht galt, das Runde in das Eckige zu bugsieren. Erst klärte Zimme per Rückgabe zum gegnerischen Torwart (10.), dann war Zieges Eingabe nach seinem eleganten Durchmarsch zur Grundlinie einfach zu gut für diese Liga (12.) und kurz darauf wollte ein Endres-Knaller partout nicht unter Dix im ZFC-Tor hindurch rutschen. Der Gästekeeper hatte auf der Linie seine Stärken und wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wäre Dix auch noch in die Regel eingeweiht gewesen, dass man als Torwart den Ball nicht nur fausten sondern auch fangen darf. So aber folgte Ecke auf Ecke und im Anschluss an eine solche in der 25. Minute dann doch die überfällige Führung durch Geburtstagskind Faruk.

Nach diesem Treffer blieb es beim Jenaer Anrennen auf das Meuselwitzer Tor, das 12 Minuten nach der Führung mit einem herrlichem Treffer belohnt werden sollte, wobei sich der Kapitän des FCC und dessen bester Torschütze zu einem Spiel mit vertauschten Rollen fanden, das aufreizend geil war, auch ohne das beide in Strapsen und Pumps über den Rasen scharwenzelten, denn Hähnge stahl sich erst auf linksaußen davon, wurde im richtigen Moment steil angespielt, lief dann zur Grundlinie und flankte von dort so wunderbar präzise auf den mitgelaufenen Ziege, wie man es sonst vom Jenaer Mannschaftsführer kennt, der wiederum den Vollstreckerqualitäten Hähnges in nichts nachstand und mit dem Kopf vollendete. Schöner Fußball – guter Fußball, da ließ es sich verschmerzen, dass Golden-Goaler Endres kurz vor dem Halbzeitpfiff frei im Fünfmeterraum stehend lieber Doppelpass mit einem auf der Torlinie stehenden ZFC-Verteidiger spielte, als seinen 14. Saisontreffer zu erzielen.

Die Gäste enttäuschten bis zur Pause über weite Strecken und ließen nicht erkennen, wie es ihnen in der laufenden Saison gelang, zum Favoritenschreck aufzusteigen, denn sie schienen auch mit dem 0:2 nicht unzufrieden. Defensiv standen sie zwar solide, aber auf welche Art der ZFC 7 Buden gegen Pößneck machte, blieb im Dunkel, denn offensiv kam überhaupt nichts von den Kickern aus dem Altenburger Land. Ich kann nur hoffen, dass sich hinter dem „HSB“-Schriftzug auf den Trikots der Meuselwitzer keine Werbung für die Harzer Schmalspurbahnen verbirgt, denn mit Volldampf stürmte der ZFC nun bei Gott nicht voran. Aber dergleichen Missverständnisse kennt man ja auch aus diesem Forum, wo sich jemand ausgerechnet das Kürzel des Sportinformationsdienstes als Nick erwählte, obgleich sich seine Kompetenz in Sachen Fußball darin erschöpft, in einem 5-Zeilen-Posting mehr leeres Stroh zu dreschen als sämtliche Kolchosen, deren Sportplätze zu beehren dem RWE ab der übernächsten Saison wohl vergönnt sein dürfte (@ Sid: Wirklich schmuckes Gedicht! Aber ob Fußball ein Thema ist, wo Du Dich wirklich einbringen kannst . . .)

Nach der Pause verflachte die Partie leider stark, ohne dass der Jenaer Sieg dabei in irgendeiner Form gefährdet war, mochten die Meuselwitzer bei einem Freistoß in der 61. Minute und einem weiteren Distanzschuss auch einen auf gefährlich machen. Mehr und bessere Chancen besaß der FCC allemal, die zu nutzen allerdings fehlende Präzision im Abschluss verhinderte. Doch was sollte es; der Käse war ohnehin gegessen und auf den Rängen nahm es auch keiner sonderlich übel, dass man von Jenaer Seite darauf bedacht war, das Ergebnis mit Routine, aber ohne verwaltungstechnische Raffinesse unter der Prämisse über die Zeit zu bringen, keine Verletzungen zu riskieren oder sich Karten einzuhandeln. Dass sich der junge Felix Holzner kurz nach seiner Einwechslung trotzdem eine Gelbe einfing, tat nicht wirklich weh, jedoch sollte er es im eigenen Interesse zünftig vermeiden, durch seine Zweikampfführung beredtes Zeugnis davon abzulegen, dass er wohl keinen Künstlernamen braucht.

Auf der Tribüne indes war man dankbar für jederlei Abwechslung in Halbzeit zwo und wenn der Jenaer Anhang doch etwas schläfrig zu werden drohte, fand sich noch immer ein Dichter und Denker, der jenen Ohrwurm der Zeissfans intonierte, den man zum Lobe eines rosafarbenem Haustieres und eines Fußballclubs in rot-weißen Vereinsfarben immer wieder gerne anstimmt. Ungeachtet farbloser 45 Minuten nach der Pause feierte man sich und die Mannschaft so bereits lange vor Abpfiff, wofür ich nach 31 Siegen in 38 Saisonpflichtspielen auch volles Verständnis habe, im Gegensatz zu dem Getummel auf dem Rasen nach Abpfiff, wo nach meinem Geschmack reichlich enthusiastisch der faktisch vorher feststehende Staffelsieg beklatscht wurde, den zu gewinnen nun gewiss kein Wert an sich ist. Hoffentlich brechen die Claqueure nicht innerlich zusammen, falls die Plauener dem FCC in der nächsten Woche noch die Goldene Ananas für die „Beste Rückrundenmannschaft“ entreißen, denn am 29. Mai und 4. Juni sind die sangesfreudigen Kehlen der blaugelbweißen Supporter mehr denn je gefragt.

--Al Knutone, 17. Mai 2005