2006/2007 07. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SpVgg Unterhaching 0:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 7. Spieltag
Saison Saison 2006/2007, Hinrunde
Ansetzung FCC - SpVgg Unterhaching
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit 15.10.2006, 14 Uhr
Zuschauer 8.270
Schiedsrichter Stachowiak (Duisburg)
Ergebnis 0:2
Tore
  • 0:1 Lechleiter (41.)
  • 0:2 Lechleiter (57.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Christian Person
Alexander Maul, Holger Hasse, Krzysztof KowalikGelbe Karte.gif
Kevin Schlitte, , Ronny ThielemannGelbe Karte.gif (66. Mark Zimmermann), Christian Fröhlich, Sven Günther, Tobias Werner (66. Schmidt)
Patrick De Napoli (58. Fiete Sykora), Sebastian Helbig

Trainer: Heiko Weber

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Unterhaching
Philipp Heerwaren
Carsten Sträßer, Darlington Omodiagbe, Stefan Frühbeis, Kai Oswald
Bruno Custos, Frederic Page, Stefan BuckGelbe Karte.gif, Robert Lechleiter (90. Paul Thomik)
Miroslaw SpizakGelbe Karte.gif, Babacar N'Diaye (46. Patrick GhiganiGelbe Karte.gif)

Trainer: Heribert Deutinger

Herbst im Paradies (Spielbericht)

(Im Herbst fallen nicht nur Blätter)

Es fallen auch Tore – nur leider auf der falschen Seite.

Aber auch ganz viele „tolle“ Sätze fallen, kleine Auswahl aus Halbzeit 1 gefällig?
Bitte:
„Der Weber hat doch den Überblick verloren!“
„Dieser halslose, fette De Napoli kotzt mich an, der frisst zu viele Pommes!“
„Zipfel hat doch keine Ahnung von Einkaufspolitik, sonst hätten wir jetzt nicht den blinden Fröhlich!“
„Der Person ist nur noch ein Unsicherheitsfaktor, da muss ein Neuer her!“
„Der doofe Maul gehört nicht in die zweite Liga!“
„Dieser Helbig ist auch nur so ein dummer E*****!“

Keine Angst, ich habe den Sonntag nicht inmitten eines Fan-Clubs rotweißer Habenichtse verbracht. Die kleine Zitatensammlung beschränkt sich auf diverse Tribünenplatz-Nachbarn (inklusive Vor- und Hinter-mir-Sitzer) im Block A. Leider! Was war geschehen?

Schon ein erster morgendlich müder Blick aus dem Fenster verhieß nicht unbedingt Gutes. Kalt, grau und neblig präsentierte sich dieser Sonntag. Aber noch bestand ja Hoffnung, die Ruhmreichen würden einen herzerwärmenden Auftritt bieten. Unterhaching sollte sich ruhig warm anziehen. Selbiges tat man dann ebenso und lenkte seine Schritte frohen Mutes gen EAS. Doch schon nahte erstes Ungemach: Scanner-Probleme bescherten einen nervenden zehnminütigen Zwischenstopp am Eingang. Das Ganze hatte jedoch auch ein unfreiwillig komisches Element, konnte man doch einer der anabolikageschädigten Gelbjacken dabei zuhören, wie er mit Teletubbie-Wortschatz seinen Kollegen stolz vom ersten selbst gebackenen Kuchen berichtete.

Nach diesem amüsanten Ausflug in die Welt der eher bildungsfernen Berufsgruppen Konversation war es sehr angenehm am FP mit einigen geschätzten Usern Chancen und Risiken des bevorstehenden Matches gegen die Bobsportler zu diskutieren. Aber egal ob sie nun „pausentee“, „Gunner“, „saalFCC“, „mahavishnu“, (später noch) „Matute“ oder sonst wie hießen, alle schienen sich eher auf das berühmte „Pfeifen im Walde“ zu fokussieren. Skeptische Blicke, warnende Worte allenthalben. Zuversicht sieht anders aus. Aber gut, letztendlich einigten wir uns darauf, sollten wir nur halb so viele Chancen erspielen wie „Yorick“ heute Schals an seinen Armen befestigt hatte, würde es mit dem Sieg schon klappen.

Nach kritischen Worten wegen Teilen des München-Auftrittes soll hier die Horda lobend erwähnt werden: Die Einlauf-Choreo war äußerst gelungen und eine Augenweide! (Belohnt wurde die Aktion ja wenigstens mit einer gebührend langen DSF-Einblendung.) Auch hat es den Anschein, als würde Anteil der „aktiven“ K-Blöckler von Spiel zu Spiel größer. Der Support von dort war heute war absolut top!

Kick Off in Thüringens Fußball-Kultstätte und auch die Hachinger wollten sich als höfliche Gäste präsentieren. Sehr löblich wie N’Diaye in der 2. Minute den Ball im Jenaer Strafraum stoppte, um ihn Person zum Abschlag zu überlassen. Zum Dank dafür hielten sich die Jenaer in den ersten 10 Minuten auch sehr zurück und man konnte sich als Zuschauer so seine Gedanken machen, wie das mit Helbig und DeNa wohl klappen sollte, ähneln sich doch beide sehr in Ihrer Spielweise. Als Person in Minute 14. erstmalig herauseilen musste um für den knapp überlaufenen Maul zu klären, wurde auf der Tribüne von einigen Herrschaften lauthals diesem seine Zweitligatauglichkeit abgesprochen.

Zum Glück bot sich dann aber das aus Jenaer Sicht erste absolute Rasen-Highlight. Günther tunnelte famos den verblüfften Sträßer auf Höhe der Mittellinie direkt vor der Tribüne und leitete somit unsere beste Chance ein. Wie drei Jenaer einem fast verlorenen Ball nachsetzten, Fröhlich dann in den Strafraum zog, ein Auge für Helbig hatte und diesen bediente, war eine blitzsaubere Aktion. Schade, dass dessen Schuss dann doppelt abgefälscht und DeNas Nachsetzer aus der Bodenlage noch auf der Linie geklärt wurde. Es entwickelte sich ein Spiel, das Hoffnung machte. Das Weiße Ballett versuchte Druck zu entwickeln und erkämpfte sich nach und nach ein klares optisches Plus. Ab und an waren da auch ausgesprochen gelungene Kombinationen dabei, wie jene über links in der 32. Minute über Günther, Helbig und DeNa.

Klar wurde aber auch, dass die Hachinger nicht gewillt waren, Antifußball der paderbornschen Prägung zu demonstrieren. Wer genau hinsah, konnte sehen, dass die Randmünchner durchaus Willens und in der Lage waren, ein gepflegtes Kurzpass-Spiel über 6-8 Stationen aufzuziehen und auch den Weg nach vorn zu suchen. Das Gefühl, die heimsche Abwehr würde permanent ins Schwimmen geraten, hatte man jedoch zum Glück nicht. Anerkennenswert, die Unseren versuchten Vieles und auch wenn nicht alles gelang, schien ein 1:0 als Pausenstand beschlossene Sache – sozusagen als Fleiß-Bienchen!

Doch die Fußballgötter, vergangene Saison noch blaugelbweiß gewandet, hatten Anderes im Sinn. In alten Fußballberichten werden tolle Torwächter-Flugeinlagen gerne als „Robinsonaden“ beschrieben. Seit dem letzten kroatischen Länderspielmittwoch hat das Wort ja aber noch eine neue Bedeutung. Wer allerdings je selbst gegen eine Pille trat, weiß, wie schmerzhaft ein derartiges Luftloch (einst schon sehr schön von Walther Junghans im EAS zur Aufführung gebracht) sein kann. Heute kam in Minute 41 eine neue Variante hinzu. Ein (wohl zu) scharfes Anspiel von Person auf Kowa, ein Loch im Rasen, ein dämlich springender Ball und ein heftiges Luftloch führten zu einem an sich harmlosen Einwurf für die Rothemden. Ein zu zaghafter Kopfball-Abwehrversuch Schlittes und mit Hasse und Maul zwei zu unentschlossene Verteidiger bescherten Haching das glückliche 1:0. (Tja, bis dahin nicht „geschwommen“ und dann gleich abgesoffen.) So geht’s in Liga 2! Ernüchterung und Pause.

Auch in Hälfte 2 versuchten die Einheimischen weiterhin alles, blieben aber zu hektisch. Sauber erkämpfte Bälle gingen (zu) schnell wieder verloren. Vermisst wurde jemand, der mal den Kopf oben behält und das Tempo variieren kann. Irgendwie hatte man den Eindruck, so mancher ist derzeit froh, wenn er den Ball nur ganz schnell wieder los ist. Kombinationen über mehrere Stationen blieben weiter Mangelware.

Dafür häuften sich die oben erwähnten dämlichen Kommentare. Nur mal so als Frage oder Anregung: um die Spieler des FCC permanent niveaulos anzumachen und jede misslungene Aktion als Bestätigung der eigenen Vorurteile zu feiern, muss man sich doch keinen FCC-Schal umhängen, orangefarbenes Kapuzenshirt mit Fanclub-Aufdruck anziehen und andere FANS im Stadion nerven, oder? Das kann man doch sicher auch daheim auf dem warmen Sofa und im Garten ist sicher auch noch so manches zu tun!

Zur Erinnerung: wir haben heute ein Zweitligaspiel gesehen und wer da meint, Braunschweig, Paderborn oder Haching sei leichte Kost, die man so im Vorbeigehen vernascht, sollte vielleicht mal seine Ansprüche einer Realitätsprüfung unterziehen! Dies soll keine Entschuldigung oder Schönfärberei für (heute gesehene und unbestreitbare) spielerische Defizite und taktische Mängel sein, aber der Mannschaft heute den Willen zum Erfolg abzusprechen ist unfair und ignorant. Ich kann doch nicht bei „You’ll never walk alone!“ mein/en Fähnlein Schal in den Wind hängen und eine Stunde später den Schwanz einziehen, wenn es mal nicht läuft! Sorry, aber diese (Un)Logik will sich mir partout nicht erschließen.

Zurück zum Spiel. DeNa konnte (vielleicht weil ihm sein sonstiger Wechselgeselle Pagano fehlte?) die in ihn gesetzten Hoffnungen (noch) nicht erfüllen und seine Herausnahme war folgerichtig. Fröhlich blieb weiter enorm lauffreudig, Günther ist nach wie vor die positive Überraschung bisher und Helbigs unermüdliche Rackerei verdient auch heute wieder höchsten Respekt. Aber, (3 € für’s Schwein) es fehlt weiterhin ein Mittelfeld-Zampano, alles wirkt zwar bemüht aber einfach zu bieder und berechenbar.

Wie’s gehen kann, zeigten Hachinger: erste gelungene Offensiv-Akion in Halbzeit 2, ein einziger Roter setzt unsere Abwehr matt und nach deren dritter Chance im Spiel führen sie 0:2. Ein Sonntagsschuss! Und somit ein weiterer Grund, mehr Freitags-Spiele zu fordern. Sonntags gibt’s für den FCC eh` keine Punkte und auch keine Pokalspiel-Siege ……

Weber bringt Schmidt und Zimme (Thielemann läuft seiner Form weiter hinterher und Werner wirkt überspielt) und somit will man die Hoffnung auf wenigstens einen Punkt noch nicht aufgeben. Aber spätestens nach Schmidts 3. Flanke ins Nirwana hegt man deutlich mehr Zweifel als Hoffnung, auch wenn Schlitte plötzlich so etwas wie die 2. Luft zu bekommen scheint. Auch Zimme bleibt (leider) blass, die fehlende Spielpraxis merkt man ihm mehr als erwartet an. Dann ist noch 2 Mal kurz „wünsch-dir-was“ für die Bobsportler bei unserer Hintermannschaft angesetzt, aber Person und der Pfosten wissen Ärgeres zu verhindern.

Selbst jetzt, mit dem Abstand einiger Stunden, fällt es mir schwer, die letzten 25 Minuten zu beschreiben. Einerseits war die Mannschaft enorm kampfstark, ließ sich nicht entmutigen und hat sich den Allerwertesten aufgerissen – aber überzeugt hat sie eben auch nicht. Als dann auch noch Heerwagen anfing, zu Hochform aufzulaufen (z. B. gegen Helbig) und Hachings Tor auch im größten Tohuwabou wie vernagelt schien, war klar – das war’s für heute!

Den Schlusspfiff akzeptiert man inzwischen auch recht gleichgültig, weiß man doch, dass, wer nach 23 Ecken und gefühlten 70 % Spielanteilen keine Bude macht, noch bis weit in die Finsternis kicken könnte, ein Tor würde dennoch nicht fallen …

Die Profi-Nörgler hatten zu diesem Zeitpunkt die Tribüne schon verlassen (vor dem Abpfiff abzuhauen, ist auch so ein mir unerklärbares Ritual) und so fanden sich wenigstens noch reichlich Verbündete für einen anständigen Schlussbeifall. Wer immer (mindestens) Zweitliga-Fußball sehen wollte, der muss eben auch mal 2 Niederlagen am Stück akzeptieren können.

Die anschließende, unaufgeregte und sachliche Analyse samt Ausblick mit saalFCC und Lokalmatador Sven entschädigte für das Tribünen-Desaster.

Was bleibt?

Es bleibt Herbst.
Es wird ungemütlicher, kälter und vielleicht auch bald stürmischer.
Aber warum sollen die Tore nicht ganz bald wieder auf der richtigen Seite fallen?
Karlsruhe ist ja zum Glück freitags …

You’ll never walk alone!

--Kopfnuss 0:45, 16. Okt 2006 (CEST)