2007/2008 06. Spieltag: SV Wehen Wiesbaden - FC Carl Zeiss Jena 5:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 6. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Hinrunde
Ansetzung SV Wehen Wiesbaden - FCC
Ort Commerzbank-Arena in Frankfurt
Zeit So. 23.09.07 14:00 Uhr
Zuschauer 5.626
Schiedsrichter Seemann (Essen)
Ergebnis 5:1
Tore
  • 1:0 Diakité (9., Linksschuss, Vorarbeit Schwarz)
  • 2:0 Diakité (11., Linksschuss, Kokot)
  • 3:0 Siegert (20., Rechtsschuss, Schwarz)
  • 4:0 Nicu (41., Rechtsschuss, Diakité)
  • 5:0 Nicu (73., Linksschuss, Amstätter)
  • 5:1 Simak (82., Foulelfmeter)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
SV Wehen Wiesbaden
Richter
Nakas, Kopilas, Jeknic, Kokot
Schwarz, Catic Gelbe Karte.gif(62. Amstätter Gelbe Karte.gif)
Siegert Gelbe Karte.gif, Nicu (78. Caillas)
König, Diakité (85. Lombé)

Trainer: Hock

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Kasper Jensen
Felix Holzner, Robert Müller (46. Giorgi Oniani), Darlington Omodiagbe, Ilia Kandelaki
Torsten Ziegner Gelbe Karte.gif (46. Tobias Werner), Víctor Hugo Lorenzón
Konstantinos Charalampidis, Jan Simak, Michael Stegmayer
Sándor Torghelle

Trainer: Valdas Ivanauskas

Spielbericht

Wer der Sonne zu nah kommt …
FCC-Fans präsentieren aktuelle Charts in Frankfurt.

Was mag wohl Frank N. heute Nachmittag in Bremen gemacht haben? Am wahrscheinlichsten ist, dass er das schöne Wetter zu einem entspannten Spaziergang mit seiner Familie genutzt hat. Vielleicht hat er aber auch die Übertragung vom Spiel seines Thüringer Ex-Arbeitgebers verfolgt. Aber eigentlich völlig egal, wofür er sich entschieden hat, gegen 15:45 Uhr dürfte zumindest kurzzeitig ein wissendes und eventuell auch ein klein wenig zufriedenes Lächeln seine Mundwinkel umspielt haben.

Als ich vor einer Woche die Überschrift für den Koblenz-Bericht suchte, entschied ich mich zunächst für „Schlimmer geht’s nimmer!“. Einer bösen Ahnung folgend wurde daraus die offenere Formulierung „Alles wie immer. Nur schlimmer.“ Dass sich die böse Ahnung so schnell bestätigen würde, hatte ich jedoch nicht erwartet. Die Grausamkeit, mit der sie sich erfüllte , ebenfalls nicht. So fühlt sich heute jeder Tastenanschlag wie ein Nadelstich an. Es bleibt nur Schmerz. Mehr nicht.

Für einen Sonntag hatte ich mich zu verdammt früher Stunde auf den Weg zu machen. Aber ich tat es gern, galt es doch Ulli, den langen Vikinger, aus Norwegen kommend am Flughafen Frankfurt einzusammeln. Er wollte in dieser schweren Zeit nicht kneifen und lieber Bergenser Beschaulichkeit gegen FCC-Support tauschen. Also ließ ich mich auch von teilweise dichtem Frühnebel nicht abhalten und rauschte südwestwärts. Außerdem schien mir das Stochern im Nebel eine passende Übung. Ähnlich nebulös wie Teile der A4 und A5 waren meine Erwartungen an das, was im ersten Spiel unter Neutrainer VI passieren würde. Unmittelbar nach dem Austausch zollfreier Handelsware fuhren wir gen Waldparkplatz, trafen dort schon jede Menge andere Hoffnungvolle und erfreuten uns einfach daran, wie ein Auto nach dem anderen, geschmückt in den stolzesten drei Fußballfarben der Erde, auf die Sandpiste rollte. Auf dem Weg zur Commerz-Arena wertetenn wir es einfach als gutes Zeichen, dass zuerst der Gäste-Bus mit den FCC-Kickern eintrudelte, bevor kurz danach der Gäste-Bus mit dem Team des SV Wiesbaden eintraf. Wir besorgten uns unsere Stehplatzkarten, nicht ohne (rein interessehalber) verwundert nachzufragen, ob die Sitzplatzpreise (21€!) denn wirklich ernst gemeint seien. Für uns schienen das ähnliche Mondpreise, wie die unverschämten 3,70€ für die meisten Getränke.

Immerhin hatten sich bei bestem Wetter zu Herbstbeginn gut 1.500 große und kleine Zeissianer auf den Weg gemacht, ihre Helden am 1. Spieltag Iwanscher Zeitrechnung zu begleiten und zu demonstrieren, wie fest sie zu ihrem Team auch jetzt stehen. Aus voller Kehle und Seele supporteten sie die Mannschaft schon während des Warmmachens und führten dabei die Begrüßung der „Wehener Hardcore-Fans“ durch einen eitlen Selbstdarsteller in der Mitte des Rasens ad absurdum. Stimmgewaltig wurde der Anstoß durch die Fans er Blaugelbweißen zelebriert.

Nach gut 10 Minuten herrschte im Jenaer Fanblock kurzzeitig betretenes Schweigen. Nach einer kleinen Phase des Sammelns ging der Support jedoch ungebrochen und gewohnt vorbehaltlos weiter. Nach einer halben Stunde legte Jenas Anhang noch einige Phon an Lautstärke drauf. „Wir ham’ die Schnauze voll!“ erstürmte soeben die Fan-Charts. Dabei lieferte dieser neue Hit sich ein hartes Rennen mit dem schon bekannten Chart-Stürmer „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“ 5 Minuten vor der Pause war dann die Zeit reif für den ersten Neueinsteiger der Woche. Er klang reichlich zornig und sein Refrain lautete „Lindemann raus!“

Auch abseits der Fan-Hitparade tat sich so manches. Einige FCC-Fans hatten am Vortag das Spiel des FSV Frankfurt besucht. Dabei wurden sie von ca. 40 Frankfurter zwieträchtlern angegriffen und auch mit Feuerwerkskörpern beschossen. Einer der vortäglichen Angreifer tauchte nun als „Ordner“ im FCC-Block wieder auf. Löblich, dass ihm nachdrücklich deutlich gemacht wurde, dass seine Anwesenheit eher unerwünscht war! Nach dem der Seemann aus Essen zur Pause gepfiffen hatte, machte sich Jenas Präsident auf den Weg Richtung Gästekurve. Dies als mutig oder realitätsfern zu werten, mag jeder selbst entscheiden, die Abfuhr war jedenfalls deutlich. Rein sangestechnisch entstand justament mit „Zipel raus!“ neues Liedgut.

Da die Gästekurve nun allmählich im Schatten lag, zog es mindestens ein Drittel der Jenaer Fans vor, nach einem sonnigen Plätzchen Ausschau zu halten. Dieses fand sich auch recht schnell. Außerhalb des Stadions. Dort hielt man sich auch während der zweiten 45 Minuten größtenteils auf. Einige diskutierten heftig, manche leckten ihre Wunden, andere genossen einfach die Sonne und die nicht Ausgelasteten vertrieben sich die Zeit in dem sie selbst kickten. Im Inneren des Stadions wurde derweil weiter an der neuen Hitparade der FCC-Fans gebastelt. Oldies wie „Außer Uwe könnt ihr alle geh’n“ kamen genauso zur Aufführung wie der neue Klassiker „II. Mannschaft ole!“. Ergänzt wurde das Ganze ab der 71. Minute noch mit dem gefühlvollen „Wir sind Jena – und ihr nicht!“ Bis zum erlösenden Schlusspfiff lief die komplette Hitparade noch mehrfach im Kurzdurchlauf. Als der gute Schiri letztmalig Luft durch sein Pfeifchen gepustet hatte, herrschte im FCC-Block eisiges Schweigen. Sicher dachten alle mitgereisten Jenaer Fans darüber nach, ob sich „die beste Jenaer Zweitligamannschaft aller Zeiten“ von den Wiesbadenern für diesen amüsanten Trainingskick auch gut hatte entlohnen lassen. Allerdings konnte diese Frage nicht endgültig geklärt werden. Daher entschlossen sich gut 400 Blaugelbweiße eine Antwort auf diese Frage sitzend vor dem Ausfahrtstor des Mannschaftsbusses einzufordern. Da die Mannschaft auf das noch zusätzlich in die Charts aufgenommene „Wir woll’n die Mannschaft seh’n!“ zunächst nicht reagierte, nutzten die Fans den lauen Abend, um immer und immer wieder ihre neue Hitparade abzusingen. Auch der ausgemusterte Mark Zimmermann wurde immer wieder gefeiert. Als es dann hieß, die Mannschaft könne noch nicht kommen, sie sei noch beim Auslaufen, fragten sich die meisten amüsiert, ob sie dieses Auslaufen nicht eben gerade 90 Minuten lang praktiziert habe?

Die Zeit wurde überall zum betretenen Diskutieren genutzt und irgendwie waren sich alle einig, dass der Verein in seiner Gesamtheit derzeit ein mehr als ambivalentes Bild abgibt. Verbal wird nach den Sternen gegriffen, fußballerisch geht’s unterirdisch zu. Größer kann die Diskrepanz nicht sein. Ikarus lässt grüßen.

Es erschienen ein nicht eingesetzter Abwehrspieler und ein eingewechselter Stürmer, setzten sich zu den Blockierern, diskutierten mit diesen und bekamen dafür Applaus. Der erste Versuch des Co-Trainers, das Megaphon zu ergreifen, endete rasch, wurde seine Aufforderung „doch bitte friedlich zu bleiben“, immer wieder von lautstarken „Lindemann raus!“-Rufen unterbrochen. Irgendwann mischte sich auch noch ein heute nicht eingesetzter Ex-Freiburger unter die Diskutanten und dann ergriff der Kapitän das Wort. Für seinen Mut gebührt ihm Respekt, warum aber seine unverbindlichen, weichgespülten Worthülsen Applaus ernteten, blieb unklar. Kabarettreif war jedoch sein Hinweis, ein Großteil der Mannschaft sei noch bei der Dopingkontrolle. Mir jedenfalls ist neu, dass Valium auf der Dopingliste steht. Lobens- und daher bemerkenswert, dass sich der Fan-Protest friedlich auflöste, nach dem das Team aufgefordert wurde, sich nie wieder derart seelenlos zu präsentieren.

Diejenigen, die heute das ruhmreiche FCC-Trikot auf unwürdige Weise spazieren trugen, haben nicht nur sich selbst demütigen lassen, sie haben das vor allem auch ihren großartigen Fans angetan. Die haben das nicht verdient!!! Schämt euch!

Hitparade war heute, Offenbach ist am Mittwoch! Nur der FCC - YNWA!

--Kopfnuss