2007/2008 DFB-Pokal Viertelfinale: VfB Stuttgart - FC Carl Zeiss Jena 6:7 n.E.

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Spieldaten
Wettbewerb DFB-Pokal, Viertelfinale
Saison Saison 2007/2008
Ansetzung VfB Stuttgart - FC Carl Zeiss Jena
Ort Gottlieb-Daimler-Stadion
in Stuttgart
Zeit 26.02.2008, 19:00 Uhr
Zuschauer 18.500
Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne)
Ergebnis 6:7 n. E.
Tore
  • 0:1 Werner (32., Kopfball,
    Vorarbeit Ziegner)
  • 1:1 Gomez (81., Rechtsschuss,
    Vorarbeit Boka)
  • 2:1 Gomez (94., Kopfball,
    Vorarbeit Bastürk)
  • 2:2 R. Müller (120., Rechtsschuss)

Elfmeterschießen:

  • 1:0 Pardo, 1:1 R. Müller
  • 2:1 Hilbert, 2:2 Werner
  • 3:2 Cacau, 3:3 Saka
  • da Silva schießt über das Tor,
    3:4 Šimák
  • 4:4 Hitzlsperger, 4:5 Ziegner
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Stuttgart
Ulreich
Beck (46. Boka), Fernando MeiraGelbe Karte.gif, Delpierre, Magnin (72. da Silva)
Pardo, Hilbert, Hitzlsperger, Bastürk,
GomezGelbe Karte.gif (117. Khedira), Cacau
Trainer: Armin Veh
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Vasili Khamutouski‎
Alexander Maul, Robert MüllerGelbe Karte.gif, Michael Stegmayer
Felix Holzner, Stefan Kühne (106. Kosi Saka), Tobias Werner
Jan Šimák, Torsten Ziegner
Nils Petersen, Marcel Schied (78. Patrick Amrhein)
Trainer: Henning Bürger
Eintrittskarte

Spielberichte

Unaufhaltsam

Nachbar, Pokalverteidiger, Bundesligist, Deutscher Meister - der Nächste, bitte!

Mittwoch, 27.02.08, 03:30 Uhr.
Soeben habe ich den letzten meiner glücksbesoffenen Reisebegleiter nahe Eisenberg abgesetzt und fahre weiter gen Leipzig. Die Überdosis an Endorphinen und Adrenalin lässt noch immer keinerlei Müdigkeit aufkommen. Es wird 03:40 Uhr, ich drücke die mit MDR-Info belegte Sender-Speicher-Taste und ich höre, was ich hören will! Berichtet wird vom heroischen Pokalsieg des FCC und ich muss den Sitz noch ein wenig zurück stellen, so schwillt die Brust vor Stolz auf den besten Club der Welt. Aus dem Radio höre ich Ausschnitte der Pokal-Live-Übertragung. Als der Reporter Müllers Ausgleichstor schildert, bekomme ich Gänsehaut. Dann wird geschildert, wie Torsten Ziegner („ … der Mann, dem sie in Jena den Beinammen Fußballgott gegeben haben …“) zum Punkt schreitet und den FCC mit einem rechten Hieb in den (vorläufigen) Pokalolymp hämmert – alle Nackenhaare stellen sich auf. Als dann noch Stimmen und Stimmung der FCC-Fans zu hören sind, könnte ich eigentlich die Scheinwerfer ausmachen – allein das Strahlen meiner Augen sollte reichen, die A 9 nordwärts zu erleuchten.
Mittwoch, 27.02.08, 07:30 Uhr.
Noch immer glückstrunken schwebe ich die Haustreppe hinab. Entgegen kommt mir Herr Sch., 80-jähriger Ex-Leiter des Leichtathletischen Institutes der DHFK. „Mensch, das war ja super gestern Abend! Glückwunsch! Was für eine Leistung! Hoffentlich klappt’s jetzt noch mit …..“ ich danke und schwebe weiter.
Mittwoch, 27.02.08, 07:40 Uhr
Ich starte das Auto, noch ist MDR-Info eingeschaltet. „Was war das gestern für ein sensationeller Pokalabend! Der FC Carl Zeiss Jena …!“
Mittwoch, 27.02.08, 08:00 Uhr
Termin beim Reifenhändler des Vertrauens, Vater und Sohn eingefleischte Lok-Fans und mir wohlgesonnen, weil mein Herzensverein einst entschlossen den Aufstieg des städtischen Rivalen verhinderte. „Mensch, das war ja ein Ding gestern Abend! Sogar wir haben vorm Radio mitgefiebert und am Ende gejubelt! Glückwunsch! Hoffentlich klappt’s jetzt noch mit…. Ach ja, wieso sind Sie um diese Zeit schon wieder fit?“
Mittwoch, 27.02.08, dauernd.
In’s Radio hat sich Bayern 3 eingeschlichen, Nachrichten: „Sensation im DFB-Pokal! Der FC Carl Zeiss Jena …“ Anrufe, sms, E-Mails – alle beginnen mit: „Glückwunsch! Was war das gestern …“ Zeitungskiosk, LVZ, Titelbild – allgegenwärtig:
NUR DER FCC!

Es ist schon seltsam, inmitten einer Saison, die, wenn man sie verkorkst nennen würde, noch positiv beschrieben wäre, treffen sich an einem frühen Dienstag 4 leiderprobte FCC-Fans, starten nach Stuttgart und reden sich die Köpfe heiß. Einziges Thema: wie es ihrem innig geliebten Zweitligakellerkind gelingen kann, auswärts den Deutschen Meister aus dem DFB-Pokal zu kegeln – und auch gelingen wird! Zweifel? Ich kann mich an keine erinnern. Wir nähern uns dem Spätzle-Reich und die Stimmung wird immer besser. Kurzzeitig allerdings glaube ich, statt dreier erwachsener Männer, pubertierende 14-jährige Mädels geladen zu haben. Spielen sich die Herren doch gegenseitig diverse Taschentelephon-Klingeltöne vor, tauschen diese, zeigen sich neckische Telephon-Bildchen und kichern dabei, als hätten sie, vierzehnjährig, zu schnell an ihrem Eierlikör-Eisbecher genascht. Gelassener werde ich erst wieder, als nun auch FCC-Liedgut von den Chip- und Speicherkarten ertönt. Stuttgart ist erreicht und nach einigem Hin und etwas mehr Her einigen wir uns, den Wasen-Parkplatz zu nutzen. Der „Cheffe“ weist uns in einen noch jungfräulichen, abgesperrten Bereich – aber wie! Seine Armbewegungen durchschneiden die Luft wie Windmühlen und wir sind uns einig: der war mal Einweiser auf dem Flughafen und fragen nach. Antwort: „Ja, hiere inne Stuttgart, auffe Flughafen!“ Gebühren wolle er keine, teilte er uns dann noch mit, die kassiere man nur, wenn die Bayern zu Gast seien. Fußwärts zogen wir zur U-Bahn und kamen dabei zu einem teilweise für Sprayer freigegebenen Fußgängertunnel. Begeistert vernahmen wir dort diese Botschaft: „Diese Hall wurde geburnt von …“ Right, Jungs und eure Language wurde geteacht von …? Wir hatten die weltweit stolzesten Fußballfarben erst wenige Meter durch die Stuttgarter Innenstadt getragen, als uns ein ca. 60-jähriger Herr ansprach. Was denn der Jan Simak für ein Wunderknabe sei, wollte er von uns wissen. Immerhin seien die Stuttgarter Zeitungen seit Tagen voll mit Meldungn über ihn und alle seien euphorisch ob eines möglichen Wechsels. Wir bestätigten ihm die Lobeshymnen, gaben aber zu bedenken, dass Simak eigentlich viel besser nach Jena passe und davon solle er sich am Abend ruhig persönlich überzeugen. Kurz darauf erwehrten wir uns noch einer Passanten-Befragung zum Thema „Stille Wasser“ die sich, zum Leidwesen des jüngsten Reisegruppenmitglieds allerdings nur auf Mineralwasser beziehen sollte. Die Stuttgarter Innenstadt ist ja (mit Ausnahme der paar Meter rund um das und gegenüber des Schlosses) so ziemlich das langweiligste, austauschbarste, tristeste und ödeste, was deutsche Städteplaner und Architekten verbrochen haben, also nicht erwähnenswert. Erwähnenswert allerdings ein neu eröffnetes Bekleidungsgeschäft, dessen Name auch erklären könnte, warum Stuttgart bei Fans ekelfarbener Fußballvereine so beliebt zu sein scheint. „Geschwisterliebe“ prangt dort in ätzendem Pink an der Schaufensterscheibe. Das erklärt so manches, aber wieso hat man auf die Zusatzbezeichnung „Offizieller Fan-Shop des VfB anderer deutscher Vereine mit den gleichen Vereinsfarben“ verzichtet? Etwas, was man als Fan-Artikel dann gleich in’s Sortiment aufnehmen könnte, gab es nur wenige Meter weiter. Schweinchenrosafarbene Bunny-Ohren samt weißem Steißpuschel für nur 3, 90€. So traf sich zahlreiches FCC-Volk am frühen Nachmittag am Terrassencafe gegenüber des Schlosses und neben ersten Vertretern der Münchner Fraktion stießen wir dort auch wieder auf jene kulturell orientierte Eisenberger Reisegruppe, welche uns schon beim Gang in den Mainzer Dom begleitete.

Frohen Mutes zogen wir alsbald weiter zu Stätte des abendlichen Showdowns, wo uns der ewige Fußweg entlang der Schleyer-Halle noch auf eine harte Geduldsprobe stellte. Wenn man dann 80 Minuten vor Anpfiff in der Einlass-Schlange steht und von drinnen schon die Heldengesänge der Gleichgesinnten vernimmt, will man nur noch Eines: schnell rein und dabei sein! Das Stadioninnere ist dann eher ernüchternd: Hübsche Erscheinung, aber das Zeug zur Fußball-Kult-Stätte hat die aseptische Schüssel nicht. Flache Ränge, die gefühlte 500 Meter vom Rasen entfernt sind, lassen ein Fußballstimmungsgrab vermuten (den die geilsten Fans der Welt kommen ja nicht regelmäßig vorbei). Sicher, in diesem LA-Stadion lassen sich Läufer, Springer und Werfer wohl trefflich beklatschen und auch Dieter Baumann kann man dort per LaOla feiern, wenn er mit frisch geputzten Zähnen seine Runden dreht – aber echte Fußballstimmung ohne FCC-Fans? Nee, das wird nix! Da hilft auch kein dicklicher Animateur, der es schafft, 60 Minuten lang dümmlich davon zu schwafeln, dass der VfB in diesem Jahr nicht ohne Pokal aus Berlin zurückkehren wolle. Irgendwann taucht dann auch noch eine abartig hässliche grüne Kröte auf, der man ein Trikot in den Idiotenfarben übergestreift hat und die sich auch tatsächlich so benimmt.

Dabei ist gute Stimmung im Stadion doch so einfach. Wie das geht zeigten die bereits anwesenden Richtigfarbenen beim Erscheinen ihres Teams und vor allem dann, als FCC-Trainer Henning Bürger sich in Richtung Gäste-Kurve begab. Den Applaus der später gut 4.000/4.500 Jena-Fans verdienten sich die Stuttgarter allerdings mit ihrer Genesungsbotschaft an Omo. Als dann der Gästeblock das akustische Kommando im Stadion übernommen und die Ruhmreichen den Rasen betreten hatten, wurden noch kurz die traditionsreichen Erfolgstrikots vermisst, also galt es beim Support noch ein paar Dezibel zuzulegen.

„Auf geht’s Jena – kämpfen und siegen!“ und „He, FC Carl Zeiss – ole, ole FC Carl Zeiss!“ übertönten das Genuschel der Eingeborenen – und los ging’s! Ein allererstes 20-Meter-Schüsslein des VfB nach 2 Minuten entlockte Vasili K. nur ein müdes Lächeln, als es über seinen Kasten flog. Doch der FCC antwortet sofort mit einer offensiven Simak-Aktion auf rechts (3.) und einem 16-Meter-Schuss Nils Petersens, den Ulreich aber sicher aufnimmt. (4.) Dann darf der VfB einen Freistoß von rechts, den er zunächst schnell, aber schlecht ausgeführt hat, wiederholen – Vasili K. bereitet dem Treiben aber ein konsequentes Ende. (5.) Außerdem leitet er einen FCC-Konter, an dessen Ende Ulreich Zentimeter vor Schied am Ball ist. Dann spielt TZ aus dem Mittelkreis heraus einen feinen Pass auf Petersen, der allerdings im Abseits gestanden haben soll. (8.) Also inszeniert Jan Simak den nächsten Angriff der Blauen, am Ende ist sein gedachtes Zuspiel in die Spitze aber zu ungenau. Der FCC hat robuste und mutige 10 Anfangsminuten hingelegt, von ängstlicher Igeltaktik keine Spur. Auch ein erster VfB-Freistoß in Minute 10 wird zur FCC-Kontervorlage, Simak setzt auf rechts Holzner in Szene, dessen Vorstoß abgeblockt wird. Jetzt kommt es erstmalig zu einer kleinen Druckphase des angeblichen Deutschen Meisters inklusiver zweier Ecken. Bezeichnend: Ziegner macht den Fels in der Brandung und klärt jeweils köpfend. (13.) Nach weiteren 5 Minuten verteilten Spiels erläuft sich Schied einen Simak-Pass, kommt dabei zunächst in’s Straucheln, bleibt auf den Beinen – und dann reicht es doch nicht für eine Abschlusshandlung. Nach 18 Minuten lässt Tobi Werner in seiner unendlichen Großzügigkeit Gnade vor Recht ergehen. Nach einer Aktion über Ziegner und Holzner bekommt Tobi einen Zucker-Querpass vorgelegt. Aber statt eines satten Pfundes wählt er die softere Methode, die in diesem Moment leider die falsche ist – knapp vorbei. Kommentar meines Nachbarn: „Sch…, so’n Ding kriegste nich widder!“ Dafür ist nach 20 Minuten die Wiedergeburt des Torsten Ziegner als Kampfsau zu erleben, als er sich im Vorwärtsgang 2 x den Ball unwiderstehlich erobert. Auch wenn der Deutsche Zufallsmeister jetzt wieder etwas energischer zur Sache ging, der FCC präsentierte sich als kompakte, laufstarke aber auch spielerische Einheit – den Heimischen ebenbürtig. Die nächsten Minuten waren weder was für schwache Nerven, noch für schwache Herzen. Erst entblößt der Pokalschreck die linke Abwehrseite der Gastgeber, allerdings kann Petersen die halbhohe Flanke flugköpfend nicht am Keeper vorbei zirkeln. (26.) Urplötzlich sind dann Gomez und Bastürk frei vor unserem 16-er und Letzterer gönnt sich einen Schrägschuss. Was Bastürk nicht wusste (ich auch nicht) ist, dass Vasili K. in seiner Freizeit wohl ein cooler Billardspieler ist. Als er die Flugbahn des Balles erkannt hatte. Ließ er diesen erst mal an sich vorbeiziehen. Als der Ball dann, wie von Vasili vorausberechnet an den Pfosten katschte, brauchte sich unser Keeper nur blitzschnell umzudrehen und den Ball sicher zu fangen. Da staunte der Bastürk, so was hatte er noch nicht gesehen … Als Stuttgart dann eine Minute weiter den nächsten Angriff startet, kontern die Pokalsiegerbesieger, allerdings bleibt nach Foul an Holzner der Pfiff aus. Nach 28 Minuten durften die Hässlichfarbenen dann noch fix einen 25-Meter-Freistoß von Jan Simak klären und sich in trügerischer Sicherheit wiegen. Nach einer halben Stunde geht Holzner ganz ruhig und souverän mit dem Ball die rechte Seite entlang und spielt Ziegner an. Ziegner schaut und Ziegner flankt. Diese Flanke ist viel zu schön, als das man sie einfach so verstreichen lassen könnte, denkt sich Tobi Werner und sprintet ihr einige Schritte entgegen. Dann wuchtet er sie mit seinem Goldköpfchen eiskalt in Richtung des langen Pfostens. Ulreich und der Rest der Schwaben staunen – Tobi und alles blaugelbweiße Volk jubeln, denn der Ball zappelt im TOOOOOOOR! (32.) Jubel, Trubel, Konfusion im Block der Richtigfarbenen! Was für ein Urschrei! Blaugelbweiß rockt die Daimler-Schüssel! Ach, wie herrlich und energisch klangen die Gesänge und Schlachtrufe der Folgeminuten!

Und nur mal so, das Resultat war absolut verdient! Die wesentlich engagiertere, zielstrebigere und dynamischere Mannschaft auf dem Platz war Thüringens ewige Nummer Eins. Erstaunlich souverän bringen die Unseren dann auch die nächsten Minuten über die Zeit, es dauert bis zur 39., ehe der abtretende Meister mal wieder vor unserem Tor auftaucht. Ein 20-Meter-schuss geht allerdings über das Tor. Dann wurde es noch ein hartes Stück Arbeit. Erst klärt Ziegner einen Freistoß per Kopf, dann Vasili K. per Faust. (40./42.) Als 45 Minuten um sind, startet der FCC noch einen schönen Angriff auf der linken Seite, wird aber vom fähnchenschwenkenden Linienrichter ausgebremst. Warum dann noch 2 weitere Minuten gespielt werden musste, erschloss sich nicht ganz und dann standen da auch noch 3 Stuttgarter nach einer Ecke 1. gefährlich vor unserem Strafraum und 2, sich selbst auf den Füßen. Als der Ball dann über unser Tor schwebte war Pause. Der ruhmreiche FCC führt in Stuttgart 0:1!

Meistgehörter Satz in der Pause: „Schon wegen dieser halben Stunde lohnt es sich, FCC-Fan zu sein.“ Mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen, außerdem sanken sowieso alle vom Supporten erschöpft in ihre Klappstühlchen. Auf der Videowand wurden dann noch einige Spielszenen wiederholt, die beste wurde allerdings beschämt weggelassen. Aber das war egal, wer dabei war, dem hat sie sich eh dauerhaft in die graue Festplatte gebrannt. Als erst die blaugelbweißen Helden und danach die zukünftigen Verlierer wieder den Rasen betraten, krächzte der falschfarbene Aninmateur noch mal halb flehentlich halb weinerlich „Wir wollen nach Berlin!“ ins Mikro. Das zwischen „Wollen“ und „Dürfen“ ein Unterschied besteht, würden die Unseren ihm schon noch zeigen …

Stuttgart startete mit 2 Angriffen, aber dann beendete Vasili K. das Treiben. Nach einer FCC-Ecke in Minute 48 muss dann Hitzelsperger klären. Auch die nächste nennenswerte Aktion gehörte den Göttlichen. Erst wurde Simaks 40-Meter-freisto-Hereingabe abgewehrt und als Tobi nachsetzt, kann er sich nicht entscheidend durchsetzen. (50.) Nach 53 Minuten schien dann Vasili K. schon geschlagen, dafür raschte der bärenstarke Alex Maul heran und klärte zur Ecke. Der VfB bleibt im Angriff, Hitzlsperger knallt aber aus 20 Metern über den Kasten. Jetzt verlieren die Heldenhaften die Bälle relativ schnell, Stuttgart wird optisch überlegen. Aber eben nur optisch. Nach 57 Minuten und einem Foul an Holzner zieht Simak den Ball aus 25 Metern hoch vors Tor und der angebliche Stürmerstar Gomez muss am eigenen Strafraum per Kopf zum Einwurf klären. Der kommt zu Petersen nd bringt Gefahr am kurzen Pfosten, dann kommt Holzner aus 18 Metern zum Nachschuss, verzieht aber. Weiter 5 Minuten später wird Schied 40 Meter links vorm Tor gefoult. Der Freistoß segelt hoch herein, wird abgewehrt, kommt zu Holzner und der flankt – Ulreich fängt das Ding.

Von jetzt an verlegt sich das Spiel mehr und mehr in unsere Hälfte. Stuttgart holt Ecke auf Ecke heraus, aber unsere Abwehrum den weißrussischen Bären steht felsenfest. Ja klingt komisch, aber Omo habe ich in dieser Phase nicht vermisst. Noch 20 Minuten – Durchatmen! Noch 15 Minuten – Henning Bürger muss auf die Tribüne – Kämpfen, Jena! Kämpfen! Noch 10 Minuten – FCC! FCC! FCC! schallt es markerschütternd durch die Schüssel! Boka spielt auf Gomez und der ist urplötzlich allein im 16-er. Er wurstelt sich an Vasili K. vorbei und schiebt zum 1:1 ein. (80.) Der FCC schlägt mittlerweile eine reine Abwehrschlacht. Er schlägt sie heroisch. Noch 5 Minuten – Durchhalten! Das allein reicht mir nicht, denkt sich Nils Petersen und schnappt sich die Kugel im Mittelfeld. Und dann marschiert Nils los. Wie Pappkameraden lässt er 6 der angeblichen Meisterspieler stehen und zieht unaufhaltsam Richtung Tor. Ulreich und jede Menge Glück, können das Aus des VfB in der regulären Spielzeit gerade noch so verhindern. Mein Nachbar bemüht später den Maradona-Vergleich – an einem solchen Tag ist auch das erlaubt. Dann geben die 4 Jungs vom DFB ihrem Hätschelkind noch 4 Minuten obendrauf – vergebens. Der FCC verdient sich 30 Minuten Zugabe.

Kurz bevor diese beginnt, pusht Ziegner noch mal die Anhänger des FCC. Die Verlängerung beginnt mit einem starken Amrhein-Solo über die rechte Seite, nur der Abschluss ist zu schwach. (2.) Dann bekommt der FCC auf seiner linken Abwehrseite den Ball nicht weg, Bastürk kann unbedrängt flanken. Seine Flanke kommt zentimetergenau auf Gomez’ Kopf und von dort springt der Ball unglücklich ins lange Eck des Jenaer Tores, Vasili K. ist chancenlos. Dennoch bleiben die Paradiesischen bemerkenswert gelassen, setzen über Petersen und 2 x Simak noch 3 Offensive Achtungszeichen und gehen mit nur einem Tor Rückstand in die letzte Viertelstunde. Zu deren Beginn muss zunächst mal wieder Vasili K. seine Klasse unter Beweis stellen und ein 20-Meter-Geschoss zur Ecke klären. Danach versuchen die Heldenhaften alles, offensive Aktionen zu starten, vor allem über …. Ach egal, alle rissen sich den Allerwertesten auf und legten, da Simak platt war, noch ein paar Prozent drauf. Zwischendurch hat Cacau noch ein dickes ding auf dem Fuß – wen interessiert’s?!

Im Stadion sind nur noch die Blaugelbweißen zu hören!
Noch eine Minute!
Freistoß für den FCC von links, Simak wird ausführen! Sein Ball geht in die Mauer, der anschließende Einwurf in der 120. (!!!) Minute wird ihm von Kinhöfer als angeblich falsch abgepfiffen.
Noch 30 Sekunden!
Holzner flankt von links – hinter das Tor!
Der Stadionsprecher ist zu hören „Offizielle Nachspielzeit eine Minute.“
Freistoß FCC halbrechts.
FCC! FCC! FCC!
Vasili K. eilt in des Gegners Strafraum.
FCC! FCC! FCC!
Ziegner läuft an und schlägt den Ball auf die 5-Meter-Linie.
FCC! FCC! FCC!
Zwei gelbe Gestalten gehen zum Ball.
FCC! FCC! FCC!
Der Ball kommt zu Müller.
TOOOOOOOOOOOOOOR!
JA! JAA! JAAA!
Z-W-E-I-Z-U-Z-W-E-I!!!

Im Gästeblock spielen sich einfach unbeschreibliche Szenen ab! Wirklich unbeschreiblich …

Elfmeterschießen.
Tja, Herr Veh, in einem umkämpften Pokalspiel bei nur einem Tor Vorsprung den treffsichersten Schützen (aus dem Spiel und vom Punkt) vom Platz zu nehmen, ist fahrlässig. Dafür dann auch noch den anschließenden Unglücksraben zu bringen – das nennt man wohl schnelle Strafe. Doch egal. Während alle Welt seit Ewigkeiten von zunehmender Erderwärmung redet, scheint dieses Klimaphänomen an den heldenhaften Elferschützen des FCC spurlos vorübergegangen zu sein. Müller, Werner, Saka, Simak hauen die Dinger dem armen Ulreich derart eiskalt um die Ohren, dass der wohl noch heute mit ner Wärmflasche in’s Bett muss.

Showdown. High Noon. Finale.
Kein Drehbuchschreiber dieser Welt hätte es besser inszenieren können. Fußballgott Torsten Ziegner schreitet zum allesentscheidenden Kick. Ja, Ziegner, jahrelang unangefochtene Nummer Eins der Jenaer Hierarchie, dann, verletzungsbedingt, beinahe weg vom Fenster und sich mühsam aus dem Schatten ins Licht zurück kämpfend, soll es nun richten. Nicht auszudenken, wenn … Nicht zu kneifen, sich in dieser Situation den Ball zu schnappen, einsam aber entschlossen bis 11 Meter vor Ulreichs Tor zu laufen und den Ball den Punkt zu packen – dafür Respekt, Torsten Ziegner. Nach all den Nackenschlägen der vergangenen Zeit derart entschlossen anzulaufen und den Ball hammerhart und unwiderruflich in die Maschen hinter Ulreich zu knallen – das können nur Leute, die sie auch zukünftig in Jena wieder „Fußballgott!“ rufen – Basta!

Dann griff der kollektive Wahnsinn um sich und ich behaupte, so manches freudetränende Auge gesehen zu haben. Mehr muss man kaum sagen. Unfassbar! Unfassbar schön! Nächster Gegner? Egal, im Pokal sind wir unaufhaltsam!

Es folgten die Partymeile rings um den Gästeausgang und den Wasen-Parkplatz sowie ein elender Stadtauswärtsstau. Aber auch da konnte man singende, feiernde und ergriffene FCC-Jünger aus allen Himmelsrichtungen bewundern – also, was solls. Wesentlich dämlicher wirkte da die übertriebene nächtliche Polizeipräsenz entlang der bayerischen Rastplätze. Wieso heißen die eigentlich „Frei“staat? Lassen wir das.

Heute ist Mittwoch, der 27.02.08.
Ganz egal, was heute noch im DFB-Pokal passiert:
Pokalverteidiger und Meister in einer Saison bezwungen – vom FC Carl Zeiss Jena!
Das zählt heute, mehr nicht.

Und am Sonntag bezwingen wir die TuS!
Gemeinsam unaufhaltsam!!

Nur der FCC! YNWA!

--Kopfnuss

Danke

Ist es eigentlich eine dankbare Aufgabe, nach einem SOLCHEN Abend einen Spielbericht verfassen zu dürfen? Oder ist die Vergeblichkeit, den Wahnsinn dieser 120 Minuten in Worte zu fassen, nicht einfach zu offensichtlich? Mutet es nicht schon blasphemisch an, jenen lichten Moment am Fußballhimmel beschreiben oder gar erklären zu wollen? Zu schildern, was gegen 21:45 Uhr in Schwaben zu 4.000 voller entrückter Ekstase aufgerissenen Augenpaaren führte? Ist es nicht gänzlich unpassend, von den 16 Eckbällen des Deutschen Meisters zu erzählen und von den ungezählten Flanken, die quer durch unseren Strafraum segelten? Ist nicht jede spröde Statistik eine lächerliche Beleidigung des Schicksals, welches an diesem Abend blau-gelb-weiß trug? Nein, dieses Spiel hat keinen klassischen Spielbericht verdient, der ihm eh nicht gerecht werden könnte. Oder sollte man das Geschehene anders bezeichnen als ein Wunder, ein Mirakel, eine Sensation, wenn der Vorletzte der 2. Bundesliga beim in Bestbesetzung auflaufenden Deutschen Meister mit fünf Spielern aus der eigenen Jugend aufläuft, in 120 Minuten nur eine einzige gelbe Karte kassiert, eine Halbzeit lang die bessere Mannschaft stellt, von Krämpfen und Entkräftung geplagt bis zum Schluß an sich glaubt, und letztlich als Sieger vom Platz geht? Nichts anderes als 13 Helden haben hier Aufmerksamkeit verdient. Vasili Khamutouski, der seine Mannschaft mit sensationellen Paraden im Spiel hielt und den späten Ausgleich maßgeblich ermöglichte. Alexander Maul als Vorbild an Kampfesgeist, vor drei Jahren noch gegen Sondershausen spielend, nun den Bundesligatorschützenkönig bewachend. Robert Müller als Chef der Dreierkette mit einer Riesenpartie aufwartend und den Gästeblock in der 120. Minute in ein fern jeglicher Beschreibbarkeit befindliches wild wogendes und waberndes Gebilde verwandelnd. Michael Stegmayer, nie um ein klärendes Tackling verlegen. Felix Holzner, der nach der schwachen Partie in Mainz das erneut in ihn gesetzte Vertrauen des Trainers mit einer großartigen Leistung tausendfach zurückzahlte. Tobias Werner, der jeden einzelnen Quadratzentimeter des Neckarstadions beackerte. Stefan Kühne, der unauffällige aber so eminent wichtige Abräumer vor der Abwehr. Torsten Ziegner, der mit einer wahren Leistungsexplosion im Vergleich zum Mainz-Auftritt aufwartete, eine brillante erste Halbzeit spielte und mit seinem Elfer verantwortungsvoll den Schlusspunkt setzte. Jan Simak, der als Dreh- und Angelpunkt des Jenaer Spiels die letzten Zweifler an seiner Bundesligatauglichkeit zum Schweigen gebracht haben dürfte. Marcel Schied, der lief und lief und lief und lief und lief. Nils Petersen, deutlich formverbessert und um ein Haar das Tor des Monats erzielend. Patrick Amrhein, dem man nicht anmerkte, dass er vor einem Jahr noch gegen die A-Junioren Neubrandenburgs kickte. Kosi Saka, der seinen Elfer furztrocken in die Maschen hämmerte. Danke FCC für diesen bewegenden Abend. Danke!

--GUNNER

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