1975/1976 19. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Lokomotive Leipzig 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 19. Spieltag
Saison Saison 1975/1976, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Lokomotive Leipzig
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 13.03.1976 15:00 Uhr
Zuschauer 13.000
Schiedsrichter Heinz Einbeck (Berlin)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 0:1 Bornschein (32.)
  • 1:1 Trocha (71.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Konrad Weise
Gert Brauer, Lothar Kurbjuweit
Harald Irmscher, Ulrich Oevermann, Ulrich Göhr (64. Martin Trocha), Uwe Neuber
Klaus Schröder, Peter Ducke, Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Leipzig
Werner Friese
Roland Hammer
Gunter Sekora, Wilfried Gröbner, Joachim Fritsche
Andreas Bornschein, Lutz Moldt (46. Eberhard Köditz), Henning Frenzel, Rainer Lisiewicz
Wolfram Löwe, Dieter Kühn (82. Jürgen Schubert)

Trainer: Horst Scherbaum


Spielbericht

Gleichgewicht der Kräfte

Erster Treffer im dritten Oberligaspiel: Martin Trocha

Es gibt Spiele, die nicht unbedingt zum Besuch reizen. Andere wieder ermuntern förmlich dazu. Bei Zeiss gegen Lok ist das der Fall. Mit Sympathie für die eine oder andere Elf muß das durchaus nichts zu tun haben. Wo konträre Stilarten nach Selbstbestätigung drängen, wo noch dazu um Spitzenpositionen in unserem Fußball gerungen wird, entsteht ein faszinierendes Fluidum nicht als unvorhergesehene Beigabe, sondern liegt in der Natur der Sache. So auch diesmal.

Keine Frage: Jena bereitete das Fehlen Sengewalds (3. Verwarnung) und Steins (Trainingsverletzung) enorme Sorgen. Ausgerechnet gegen die listenreichsten, unberechenbarsten Kontertaktiker der höchsten Spielklasse mußte die engere Abwehr umformiert werden! Zwar nur in einem Fall (für Stein kam Göhr), aber die Auswirkungen waren gravierend:

1. Druckfußball und Sicherheitsdenken zugleich waren der Torgefährlichkeit abträglich. Ohne Zweifel verdiente sich der überragende Weise Beifall auf offener Szene zu recht. Aber die Libero-Funktion zwang ihn ebenso zur primären Deckungsarbeit, wie das bei Kurbjuweits Abwehraufgabe gegen Löwe der Fall war. "Eine andere Alternative hatten wir gar nicht, wollten wir nicht wieder überrascht werden", erklärte "Matz" Vogel. Nicht minder verständlich war Leipzigs Blickwinkel aus der Tribünensicht "Männe" geislers: "Jenas offensivste und aggressivste Abwehrspieler mußten in der eigenen Abwehr zumeist hellwach sein. Uns kam das entgegen."

2. Jena vermochte Lok stets nur dann in Grenzen zu halten, wenn zum zweikampfbetonten Härtestil auch Spielwitz trat. Davon waren die Thüringer diesmal weit entfernt. "Unsere hervorragende taktische Einstellung ließ es nicht dazu kommen", zeigte sich Lok-Vorsitzender Peter Gießner hocherfreut. Tatsächlich scheint Jena keine psychologischen Barrieren mehr aufzurichten. "In dieser Saison hielten wir jedenfalls kämpferisch jederzeit mit und erwiesen uns spielkulturell eindeutig überlegen." Horst Scherbaum genoß es sichtlich, zum viertenmal in dieser Saison in den Schlagerspielen gegen die Zeiss-Elf nicht verloren zu haben!

Ganz und gar falsch wäre es aber, Jenas bewundernswerte Moral in Frage zu stellen. Sie war untadelig. Nur: optisches Übergewicht und Chancengleichheit oder ein leichtes Plus gar fallen nicht ins Gewicht, wenn sie reihenweise unkonzentriert vergeben werden (Göhr, Oevermann, Vogel); wenn über das eigene Draufgängertum (P. Ducke, Schröder) der Nebenmann vergessen wird.

Daß in der Lok-Elf Spielbegabung, Technik und Ideereichtum stecken, ist hinlänglich bekannt. Jetzt beginnt sie offensichtlich mit dem Pfund zu wuchern. Altmanns und Roths Verletzungen warfen keine diffizilen Probleme auf, denn die pfiffigen Kühn und Bornschein stellten auch in Jena ihr Licht nicht unter den Scheffel. Unkonzentrierte 30 Minuten nach dem Wechsel brachten Lok vorübergehend zwar in Gefahr, aber gerade in dieser Zeit spielten Friese und Hammer ihre Klassemerkmale überzeugend aus. Respekt, allen Respekt!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Einbeck ließ an seiner Autorität keinen Zweifel aufkommen. Er pfiff niemanden zum Gefallen, selbst wenn das ab und an provozierend (draußen und drinnen) verlangt wurde.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 16. März 1976)