2005/2006 Vorbericht: FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt

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Saison 2005/2006

Regionalliga Nord - Vorbericht - 15. Spieltag

Der Kampf der Welten. Ragnarök im Thüringerland

Nun aber ist es soweit. Die Gräber werden sich auftun und alle Gebeine werden hin schreiten zum Sportfeld und alles Lebendige wird schreiten zum Sportfeld und es wird stattfinden das große Spiel. Jahre währte der tiefe Schlaf und Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende der Seele zogen vorüber wie ein Traum. Brach lag der Acker, wo die Heere stritten und nicht erzitterten die Lüfte von dem Hall erzener Kehlen. Nun ist nahe der Tag des Gerichts, der Tag der Abrechnung und die Weltesche erzittert und Christus nimmt Platz zur Rechten seines Vaters und wer nur Göttliches in sich fühlt wird seinen Platz suchen, um zu schauen das Großartige und das Niedrige, das Geliebte und das Gehasste, das Gute und das Böse.

Was, o ihr Ballbrüder, schert uns und den Himmel Flamengo gegen Fluminense, Boca Juniors gegen River Plate? Was Real gegen Barca, was Milan gegen Internazionale, was Lazio gegen die Roma? Was, o ihr Söhne des Flutlichts, schert uns und die Hölle Liverpool gegen Everton, Celtic gegen die Rangers? Was die Löwen gegen die Bayern, was Schalke gegen den BVB, was HSV gegen St.Pauli? Es schert uns nicht, weil es Spiele sind, die uns nichts bedeuten und weil es Spiele sind, die nichts bedeuten! Aber es gib ein Spiel, das etwas bedeutet, ausgetragen im Zentrum dieses Universums, im Herzen der bekannten Welt, in der Mitte Europas, im Land der Thüringer. Es ist nicht irgendein Spiel. Es ist DAS Spiel. Das Spiel des Jahrhunderts. Das Derby.

Es ist eine alte Geschichte und doch ist sie ewig jung. Der Kampf der Welten auf dem grünen Rasen, die Schlacht um die Vorherrschaft in Thüringen. Es ist ein ungleicher Kampf seit ewiger Zeit, denn die Rollen sind verteilt und die Karten sind gemischt. Gott liebt nur die einen und die anderen straft er mit Missachtung und Hohn. So hat das heroische Ringen viel Tragisches und so ist der Fußball wie das Leben. Der Schnitter steht immer bereit und säumt nicht zu ernten, was reif genug für Sichel und Sarg.

Auf der einen Seite steht in seiner herrlichen Glorie der großmächtige und wieder erstarkte FC CARL ZEISS JENA, der Liebling der Götter, der Günstling des Schicksals. Nie wurde das Fühlhorn der Begabungen stärker geneigt als über die Jahre inmitten der Kernberge. Nie wurde über Jahrzehnte erfolgreicher und schöner Fußball gespielt als im Paradies. Nie verflochten Liebe und Sympathie enger die Herzen von Anhängern und Verein. So darf man die Erfolge nicht zählen, es dauerte zu lang, als dass man bloß auflisten möchte, was die Welt den Zeissianern schenkte. Der dreimalige DDR-Meister, vierfache Pokalsieger, der EC-Finalist von 1981 und in ganz Europa geachtete und ob seiner Heimstärke vor tausenden frenetisch anfeuernden Fans gefürchtete FC CARL ZEISS JENA, der ewige Spitzenreiter der ewigen Oberligatabelle, der strahlende Jüngling in der Regionalliga, der leuchtende Kömmling des Morgen! Ein blaugelbweißes Fahnenmeer bedeckt die Thüringer Auen, Berge und Täler. Denn Thüringen ist blau-gelb-weiß! Immer schon strahlte Jena in Thüringen als der Mittelpunkt des Landes, wo die Klugen und Wohlhabenderen leben und wo der Verein Tradition lebt wie die Stadt ihre Geschichte. Thüringen ist Jena und Jena ist Thüringen!

Auf der anderen Seite das Stiefkind des Schicksals, der ewige Verlierer aus der traurigen und verbotenen Stadt. Wie muss es schwer sein, ewig die Nähe des so viel Besseren und Schöneren und Erfolgreicheren zu ertragen! Der FC Rot Weiß Erfurt kriecht seit Äonen wie ein erbärmlicher und bemitleidenswerter Wurm zu Füßen des Rivalen und Neid und Jammer und Gram sprechen aus jedem Spielzug, jeder menschlichen Regung. Es ist ein Trauerspiel, eine Tragödie ohnegleichen, dieses verkrampfte Streben nach Höherem, das doch nicht gelingen kann, weil die Mittel und Menschen beschränkt sind in ihrem Tun. Erst spät, in schlimmer Zeit gegen Ende des großen Krieges dem Thüringer Land eingegliedert, spürt man auch jetzt mit jeder Faser das stete Zuspät und Zuwenig, das über dem Portal des Absteigerwaldstadions von unsichtbarer Hand eingemeißelt scheint für die Ewigkeit. Die Landeshauptstadt, ein bloßer Silbenklang, Sitz von seltsamen Parlamentariern, nicht Sitz der Götter. Der Olymp wächst aus den Kernbergen, die Gera hinunter fließt der Unrat zerplatzter Hoffnungen und Träume, bitter schmeckt der Wein, er sei rot oder weiß oder beides!

So komm’ denn, du Tag der Schlacht, auf dass gedemütigt werde der Erzfeind und Erzrivale, der heuchlerische Bube und neidische Hundsfott! Auf dass wallen die blau-gelb-weißen Scharen in das Sportfeld und brüllen und schreien nieder die wenigen Verzagten mit ihren schmierigen Ketschup-Mayonnaise-Hemden! Der Sieg ist unser und wer will die (Z)Erschlagenen auf dem Rasen zählen, wenn sich der Tag des Kampfes dem Ende neigt …


[yorick]


Spielbericht