2004/2005 15. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Hallescher FC 3:3

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
(Weitergeleitet von 04/05 15)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 15.Spieltag
Saison Saison 2004/2005, Hinrunde
Ansetzung FCCHallescher FC
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 28.11.04 14:00
Zuschauer 3.365
Schiedsrichter Bley (Sehmatal)
Ergebnis 3:3
Tore
  • 1:0 Maul (14.)
  • 1:1 Gleis (26.)
  • 2:1 Hähnge (68.)
  • 2:2 Petrick (70.)
  • 3:2 Hähnge (84.)
  • 3:3 Trehkopf (87.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Boris Jovanovic
Thorsten Görke
Faruk HujdurovicGelbe Karte.gif, Krzysztof Kowalik, Alexander MaulGelbe Karte.gif
Vito Benedetti (46. Sebastian Wille), Torsten Ziegner, Ralf Schmidt
Sebastian HähngeGelbe Karte.gif, Tobias Werner (83. Toni Wachsmuth), Miroslav Jovic (55. Andreas Schwesinger)

Trainer: Heiko Weber


Halle
Küfner
TrehkopfGelbe Karte.gif, Georg, Krauß
FährmannGelbe Karte.gif, Gemazashvili (83. Linkert), Breitkopf, Miftari, Koslov (70. Hartmann)
PetrickGelbe Karte.gif, Gleis Gelbe Karte.gif

Trainer:

Spielbericht

Lange Gesichter gab es im EAS bereits vor dem Schlusspfiff. Betroffen waren die Kollegen von der Unheil herbeischreibenden Zunft nebst Krawallfernsehen, denn drei im Innenraum landende Bengalos und ein gen Ordner geschleudeter Bierbecher ließen sich selbst von Stern-TV nicht zu jener Bürgerkriegs-atmosphäre aufplustern, von der im Vorfeld zu lesen war.

Dafür gab es ein deutlich über dem Oberliganiveau liegendes Match zu sehen, dass bis zur letzten Sekunde hoch spannend, wenn nicht sogar dramatisch war. Jena setzte dabei die Gäste im Saalederby von Beginn unter Druck und kam bereits nach einer Ecke in der 1. Minute zu einer guten Chance, als Thorsten Görke frei im Halleschen Strafraum stehend zum Schuss kam, der Ball aber vom Torwart per Fuß abgewehrt wurde. Eingeleitet wurde diese Szene durch Jenas Kapitän, der sich an der Grundlinie hervorragend durchsetzte. 9 Minuten später zeigte Ziegner, dass seine Spielkunst sich nicht darin erschöpft, in der Charakterrolle des Vorbereiters zu imponieren, sondern Jenas Mannschaftsführer auch problemlos den Bruder Leichtfuß geben kann, denn sich als letzter Mann auf einen Mehrkampf gegen drei Hallenser einzulassen, das war wieder Ziegner at best.

Da die Kicker des HFC mit dieser Überzahlsituation nicht mehr anzufangen wussten, als auf das Jenaer Tor zulaufend so lange zur Seite zu schielen, bis sie einen schlechter postierten Mitspieler gefunden hatten, blieb dieser Lapsus folgenlos, und spätestens als Alexander Maul nach einer weiteren Ecke den Ball zum 1:0 im langen Eck einköpfte, schienen alle taktischen Spielchen Lutz Lindemanns über den Haufen geworfen, hier im griechisch-rehhagelischen Stil um einen oder drei Auswärtspunkte zu ringen. Jena spielte weiter Forechecking, hatte Chancen und bekam nur dank einer strittigen Abseits-entscheidung des Linienrichters das vielleicht vorentscheidende 2:0 durch Jovic aberkannt. Alles vermittelte den Eindruck, der FCC könne diese Partie fast nach Belieben dominieren, und nicht nur dieses Match, sondern auch alle künftigen Saisonspiele dieser Oberliga, egal wie der Gegner auch immer heißen möge.

Doch leider trog dieser Eindruck, denn nach Halles überraschendem Ausgleich begann das Blatt sich zu wenden. Nichts deutete vor diesem Treffer daraufhin, dass die Gäste in der Lage sein würden, den FCC ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Auch als Fährmann auf der rechten Seite zum Flanken ansetzte, wirkte das kaum gefährlich, denn durch Kowalik und Görke schien der Hallenser gedoppelt. Aber das war eine Chimäre, denn in der Fußballalgebra ergibt die Summe aus zweimal halber Einsatz eben nicht einmal entschiedene Gegenwehr und so konnte Fährmann weitgehend ungehindert den Ball zum langen Pfosten schlagen, wo der Ex-Plauener Gleis zum Ausgleich einnickte und den FCC damit spürbar in seinem Selbstbewusstsein traf.

Jena wirkte kurzzeitig irritiert und als Koslov eine Minute nach dem 1:1 einen Schuss knapp neben den Pfosten setzte, merkten auch die Gäste, dass im EAS an diesem Tag mehr möglich sein könnte als nur nett mitspielen. Auch wenn sich der FCC bald wieder fing, die Initiative abermals in die Hand nahm und durch Maul eine Riesenchance zum 2:1 hatte, blieb Halle gefährlich und ließ erkennen, dass bei den Chemikern etliche Leute mitkicken, die deutlich über dem Oberligaschnitt spielen können; wenn sie denn nur wollen. Vor allem der nach seiner Sperre wieder auflaufende Fährmann bot eine starke und abgeklärte Leistung, die er bei einem Schuss an den Außenpfosten fast mit der Halleschen Führung gekrönt hätte. So ging es mit einem leistungsgerechten 1:1 in die Kabinen.

Nach der Pause starteten die Jenaer wieder so, wie sie die Partie begonnen hatten und beim HFC tanzte abermals das Maurerkellchen. Bis zur 67. Minute kamen die Chemiker noch hinterher, alle Steine wieder aufzurichten, die bei der Jenaer Daueroffensive zertrümmert wurden, doch bei Hähnges Gewaltschuss nach Schmidt-Ecke und Strafraumgewühl hielt die Abwehrwand nicht mehr. Der FCC schien den Gegner niedergekämpft zu haben, nicht unbedingt mit feiner Klinge, jedoch mit beständigem Druck zermürbend. Nun hoffte ich, wäre die Renitenz der Widerspenstigen vom Saaleunterlauf gebrochen, Jena müsste nicht mehr permanent anrennen und könnte sich stattdessen aufs Kontern verlegen.

In der Tat sah ich kurz darauf guten Konterfußball. Es ist richtig, nach einer Führung sofort nachzusetzen und sich nicht hinten reinzustellen, aber deshalb muss man die Absicherung der Abwehr nicht völlig aufgeben. Bei den Blaugelbweißen ahnte offenbar keiner, dass sich die Hallenser drei Minuten nach der Führung für den FCC mitnichten in die Jenaer Hälfte begaben, um von dort aus resignierend den Heimweg anzutreten. Doch Gemazashvilli und Petrick trieb bei ihren Sprints in Richtung Jovanovic-Kasten nicht die Aussicht auf den besten Platz im Mannschaftsbus, sondern schnöder Torhunger, den zu stillen ihnen in einer Art und Weise gestattet wurde, die mich sprachlos machte. Mehr als 40 Minuten war Jena angerannt bis zur eigenen Führung; jetzt verschenkten die Blaugelbweißen die Früchte ihres beharrlichen Rackerns und Fightens binnen weniger Augenblicke.

Das weiße Ballett auf dem Rasen fand die Fassung zum Glück schneller wieder als ich, machte auch nach diesem Nackenschlag weiter Druck und erspielte sich Chance um Chance. Das Spiel entwickelte sich immer mehr zu einem Duell FCC versus Küfner im HFC-Kasten, denn wer auch immer auf dessen Kasten zielte so wie der eingewechselte Schwese mit einem 25 Meter-Kracher, dem stellte sich der Gästekeeper in den Weg und machte dabei auch nicht vor dem eigenen Kapitän Krauss halt, der sich in der 82. Minute mit einer Aktion versuchte, die man bei Jena in der Vorsaison noch unter der Rubrik „grasser Abwehrfehler“ verbuchte (kleiner Gruß @ Ixelchen, ;-) ). Nur in der 84. Minute konnte Küfner die Hasenjagd auf seinen Kasten nicht mehr zu seinen Gunsten entscheiden, denn Schwesinger drang links in den Strafraum ein und bevor mein Nebenmann noch seinen „Der kann doch eh nicht flanken!“-Satz zu Ende genörgelt hatte, landete eine butterweiche Eingabe auf Hähnges Kopf und von dort im Netz.

Ein lange nicht mehr erlebtes Glücksgefühl durchfuhr mich. Der FCC hatte es also doch noch geschafft, das Match wieder zu drehen, denn in der verbleibenden Zeit sollte trotz der zähen Gegenwehr des HFC nichts mehr anbrennen, schon gar nicht so Ding wie das 2:2. Dafür hatten sich die Gäste in der zweiten Halbzeit einfach zu sehr aufs Reagieren beschränkt. So sehnte ich den Abpfiff herbei und fragte mich nur, wann denn endlich die Muse käme, um mir einen dicken Zungenkuss zu geben, damit ich die richtigen Worte fände für Jenas tolle Leistung, weil die Blaugelbweißen eben nicht nur klasse kämpften und gut spielten, sondern auch so ungemein clever und abgezockt waren, um das Spiel trotz der zwischenzeitlichen Rückschläge in der Endphase noch für sich zu entscheiden.

Statt der Musen Schmatzer gabs die kalte Dusche. Freistoß für Halle kurz hinter der Mittellinie, Fährmann führt aus und der Ball segelt so lange in der Luft, dass besonders Fixe bis zu seinem Eintreffen im Strafraum mal kurz auf ´ne Bratwurst zum Stand gehen könnten. Für Jovanovic geht das trotzdem noch etwas zu schnell, denn statt aus seinem Kasten kommend den Ball in Richtung Kernberge zu fausten sucht und findet er eine neue Inspiration für sein autobiographisch eingefärbtes Meisterwerk „Der Torwart und seine Fehler bei der Strafraumbeherrschung“, das er bis Saisonschluss wohl auf Brockhausstärke gebracht haben dürfte. Die nahkampferfahrenen und im Gebrauch aller Extremitäten geschulten Hallenser Angreifer ließen sich bei dieser Einladung nicht lange bitten.

Es war als Zeissfan nicht zu begreifen. Jena hatte nach vorne sehr gut gespielt und einen starken Gegner so lange unter Druck gesetzt, dass er schließlich niedergekämpft schien. Und dann sollte die Rendite aus all diesen Mühen nur einen Punkte betragen? Gerade angesichts des bisherigen Spielverlaufs stand das nicht fest und bei der Mehrfachchance für Hähnge, Wachsmuth und Hujdurovic in der Schlussminute war ein 4:3 allemal möglich. Wäre dieser Treffer noch gefallen; mit voller Kehle hätte ich in den Chor jener neutralen Beobachter eingestimmt, die nach der Partie von einem Klassespiel sprachen. Bestenfalls hätte ich zu jubilieren aufgehört, um Galli einen Lorberkranz zu flechten, der ihm als Anhänger einer Mannschaft gebühre, die zu einem wirklichen Fußballerlebnis beigetragen habe und trotz einer Niederlage moralischer Sieg des Spiels sei.

Der HFC indes legte in der Schlussphase wenig Wert auf ewigen Ruhm und versuchte bei einem Freistoß in Jenaer Strafraumnähe sogar noch zwei zusätzliche Punkte mitzunehmen. Da Sankt Duselius als Schutzheiliger der Halleschen Mehlsäcke jedoch mit der Einzelbetreuung von Küfner und seinen Vorderleute genug gefordert war, konnte er seine Hände nicht noch ein weiteres Mal über die Offensivkräfte der Chemiker halten und so blieb es beim 3:3. Aus Jenaer Sicht war dieses Remis aufgrund des deutlichen Plus beim Chancen- und Spielanteilverhältnis eindeutig zu wenig. Vielleicht jedoch befördert das Ergebnis innerhalb der Mannschaft die Erkenntnis, dass man schwache Defensivleistungen nicht immer so wie beim 6:3 in Auerbach kaschieren kann sondern sich auf diesem Gebiet angesichts der kommenden Gegner aus Meuselwitz und Plauen schleunigst verbessern muss.

--Al Knutone