1962/1963 21. Spieltag: SC Motor Jena - SC Turbine Erfurt 2:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 21. Spieltag
Saison Saison 1962/1963, Rückrunde
Ansetzung SC Motor Jena - SC Turbine Erfurt
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 10.03.1963 15:30 Uhr
Zuschauer 17.000
Schiedsrichter Rolf Vogel (Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 2:1 (2:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena(rot-weiß)
Harald Fritzsche
Hans-Joachim Otto, Diethard Stricksner, Siegfried Woitzat
Heinz Hergert, Heinz Marx
Peter Rock, Helmut Müller, Peter Ducke, Dieter Lange, Roland Ducke

Trainer: Georg Buschner

Erfurt(blau)
Peter Bojara
Klaus Schwanke, Harald Wehner, Gerhard Franke
Rudi Dittrich, Günter Bach
Manfred Gratz, Toni Skaba, Rainer Knobloch, Erwin Seifert, Gerhard Heidner

Trainer: Wolfgang Seifert

Spielbericht

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45 Minuten genügten Jena

Keiner der beiden Partner zeigte sich am Ende unbefriedigt, dennoch unzufrieden - zumindest vom Resultat her. War dieses Thüringen-Derby also ein befriedigendes, ja gutes Spiel? Die Antwort darauf fällt nicht leicht. Die Rekordzuschauerkulisse, die im guten Zustand befindliche Rasendecke und das Frühlingswetter hoben augenscheinlich Jenas Spiellaune, und der Meisterschaftsfavorit hatte eine starke, temporeiche, klug geführte erste Halbzeit, die auch die Stimmung des erwartungsvollen Publikums hob. Wir sahen prachtvolle Angriffaktionen, kluge, offensiv wirkende Läufer, die die meisten Erfurter Angriffe schon an der Mittellinie abfingen und selbst als 6., 7. Stürmer mit vorstießen.

Peter Ducke überzeugte durch sein geschicktes Ballführen, seine Pässe, seine Torgefährlichkeit, und Lange war ein quicklebendiger, spielfreudiger "Spiritus rector", der sein ganzes Wirken uneigenützig in den Dienst der Mannschaft stellte. Auch der clevere, nüchtern und zweckvoll aufspielende Rock wußte sich gut zur Geltung zu bringen, und aus dem Hinterhalt brachte sich sogar Woitzat als spielender Verteidiger in Szene. Aber da waren zwei Rädchen in Jenas Uhrwerk, die man sicher gehend wähnte, die es jedoch nicht waren: Roland Ducke und Müller fehlte die erwartete Wirksamkeit. R. Ducke fand sich lange Zeit nur schwer ins Spiel, erschien zu passiv. Anzuerkennen bleibt jedoch seine Vorarbeit für beide Treffer, seine Steigerung später. Von Müller sah man an diesem Tag keineswegs die Dirigentenrolle, die er zu spielen vermag.

Erfurt hatte es schwer, gegen den Kontrahenten mit spielerischen Waffen zum Zuge zu kommen. "Die Mannschaft hat das Selbstvertrauen verloren, es fehlt in der Schlüsselposition ein erfahrener Spieler, der Ruhe in die Mannschaft bringt", sagte Trainer Wolfgang Seifert vor dem Spiel. Daran hatte sich noch nichts geändert. Toni Skaba vermochte seine Aufgabe nicht zufriedenstellend zu erfüllen. Als Jena im Gefühl des 2:0-Vorsprungs ein Bein zurücknahm, selbst da steigerten sich die Erfurter zunächst nur wenig. Erst nach Knoblochs prachtvoller Energieleistung, nach dem 1:2, wurde der Kampfgeist wach, aber dabei konnte man nicht übersehen, daß beide Läufer, Dittrich und Bach, derzeit als spielgestaltende Kräfte nicht in Erscheinung treten, daß niemand Knobloch und Seifert in die Mitte zu schicken vermochte, sich für sie kein Raum auftat. Ein einziger Stürmer überzeugte: der technisch vorzügliche, klug spielende, torgefährliche Heidner. Dazu in der Abwehr Franke und Bojara.

Gegen diesen Partner erreichte Jena nicht mehr als das 2:1, weil man zu früh im spielerischen Drang nachließ, weil man es nach Erfurts Anschlußtor nicht mehr verstand, die Zügel wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Deshalb müssen bei Jenas in der ersten Hälfte so prachtvollen Akteuren am Ende einige Abstriche gemacht werden. Der Meisterschaftsanwärter überzeugte eben nur 45 Minuten.

(Wolf Hempel in "Die Neue Fußball-Woche" vom 12. März 1963)