1977/1978 EC III 3. Spiel: RWD Molenbeek Brüssel - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb EC III, 2. Runde Hinspiel
Saison Saison 1977/1978
Ansetzung RWD Molenbeek Brüssel - FC Carl Zeiss Jena
Ort Edmond Machtensstadion in Brüssel
Zeit Mi. 19.10.1977
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Muro (Spanien)
Ergebnis 1:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Molenbeek
Ruiter
Alhinho
Desanghere, Cortiez, Lafoant
Olsen, Boskamp, Wissmann (82. den Haese)
Raes, Wellens, Gorez

Trainer: Piet de Visser

Jena
Detlef Zimmer
Ulrich Oevermann
Gert Brauer, Konrad Weise, Dieter Noack
Lutz Lindemann, Lothar Kurbjuweit, Dietmar Sengewald
Thomas Töpfer (85. Klaus Schröder), Rüdiger Schnuphase, Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer


Spielbericht

Selbstbewußt, ballsicher und intelligent

Vornweg anerkennende Worte für die Jenaer aus berufenem Munde. Sie stammen von Sir Stanley Rous, dem Ehrenpräsidenten der FIFA, der als offizieller Beobachter der UEFA Augenzeuge dieses mit großer Fairneß geführten Treffens war, das vom Spanier Muro glänzend geleitet wurde. "Mir imponierte die selbstbewußte, ballsichere Spielweise dieser jungen DDR-Elf. Bei ihr war alles in Bewegung, und sie besaß keinen schwachen Punkt." Auch die Brüsseler Presse hob am nächsten Tag die Leistung der Thüringer heraus. "RWD strandete an spielerischer und taktischer Reife Jenas", schrieb "Had Nieuwsblad". Und "Hot Volk" bemerkte: "Das präzise Zusammenspiel der Gäste stand im starken Kontrast zum verkrampften Bemühen von Molenbeek."

Viel Lob für die Zeiss-Elf, berechtigt ohne Zweifel, das es jedoch richtig einzuordnen gilt. Denn diese RWD-Elf, "der es ganz einfach an Selbstvertrauen fehlt" (Manager Michael Verschueren), verfügt derzeit offenbar nicht über jene Leistungsstärke, die sie im Meisterjahr 1975 auszeichnete, und die sie im Vorjahr bis ins UEFA-Cup-Halbfinale führte. "In unserer derzeitigen Verfassung belasten uns die Verletzungsausfälle von Martens, Dumon und van Haecke über Gebühr. Jena deckte das schonungslos auf. Vor allem unsere Angriffsspitzen wurden sehr genau und konzentriert markiert. Dagegen fanden wir einfach keine Gegenmittel", gestand Trainer Piet de Visser.

In der Tat zeichnete sich das Jenaer Spiel vor allem in der ersten Hälfte durch Selbstbewußtsein, Nervenstärke und hohe Konzentrationsfähigkeit aus. Diese Tugenden schlugen sich nieder in einer resoluten, konsequenten Deckungsarbeit, bei der Weise, aber auch Noack und Brauer den RWD-Angreifern Wellens, Raes und Gorez fast jegliche Bewegungschance nahmen, und das mündete schließlich in sinnvollen, weiträumig und vor allem ballsicher angelegten Angriffsvariationen. Da imponierte Kurbjuweit nicht nur als aufmerksamer Bewacher von Regisseur Boskamp, sondern auch als Anspielpunkt und Ballverteiler; Lindemann wies seine strategischen Fähigkeiten nach, glänzte mit herrlichen raumöffnenden Pässen; Schnuphase, Sengewald und Vogel schufen durch pausenlose Positionswechsel immer neue Anspielstationen. Und wenn der 19jährige Töpfer antrat, kam Gefahr auf.

Leider, und das war der einzige Mangel am Spiel der Jenaer, wurden viele verheißungsvoll herausgespielte Aktionen zu früh, nämlich mit Schüssen aus zu großer Entfernung abgeschlossen (Lindemann, Vogel, Kurbjuweit). "Hier mußte mehr riskiert, bedingungsloser der Weg in den Molenbeeker Strafraum hinein gewählt werden", urteilte Hans Meyer. Kurbjuweit und Oevermann praktizierten es nach 14 Minuten gekonnt, und Ruiter mußte schon eine Glanztat vollbringen, um den Scharfschuß des Liberos aus der rechten Ecke zu holen.

Dafür schlugen die Gastgeber erfolgreich zurück, als sie die einzige Blöße in der Zeiss-Abwehr resolut nutzten. Nachdem Boskamp nach einem Jenaer Ballverlust in der eigenen Hälfte an das Leder kam, zog der schnelle Raes mit einer Maßvorlage auf und davon. "Ich war schon auf dem Vormarsch, kam so nicht mehr an ihn heran", ärgerte sich Dieter Noack. Auch Torhüter Zimmer, "der sich für sein Europacup-Debüt Lob verdiente" (Bernd Stange) erwischte die Eingabe des Außenstürmers nur mit den Fingerspitzen, und Wellens hatte leichtes Spiel.

"Aber selbst nach diesem Rücktand kam bei uns keine Hektik auf. Dazu war unser Spiel schon zu gut gelaufen", meinte Lutz Lindemann, der mit einem herrlichen 25-Meter-Freistoß den Ausgleich erzielte. Der baumlange, aber langsame Alhinho konnte Töpfer nur durch ein Foul stoppen, und der Auswahlspieler jagte den Ball scharf und flach an der Mauer vorbei in die linke Ecke.

Danach hatten die Gäste zwar einen 20minütigen Zwischenspurt zu überstehen, aber klare Chancen erspielten sich die Platzherren nicht. Dafür war Vogel noch einmal durch, verzog jedoch aus guter Position. "Ich hoffe, das holst du beim Rückspiel nach, Matz", flachste Konrad Weise, der den Achtungserfolg richtig einzuordnen weiß. "Wir haben eine gute Ausgangsposition, mehr nicht. Um im Wettbewerb weiterzukommen, dafür müssen wir in Jena noch einiges tun."

(Klaus Thiemann in "Die Neue Fußballwoche" vom 25. Oktober 1977)