1938/1939 11. Spieltag: SpVgg Erfurt - 1. SV Jena 1:5

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Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Mitte, 11. Spieltag
Saison Saison 1938/1939, Rückrunde
Ansetzung SpVgg Erfurt - 1. SV Jena
Ort SV-Kampfstätte in Erfurt-Ilgershofen
Zeit So 15.01.1939 14:00
Zuschauer 3.000
Schiedsrichter Buhl (Nordhausen)
Ergebnis 1:5 (0:1)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte


Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Ehrenfried Patzl
Hermann Schüßler, Walter Hädicke
Walter Paul, Heinz Werner, Kurt Beckert
Hans Ullrich, Bernhard Schipphorst, Walter Bachmann, Ludwig König, Ludwig Hoffmann

Trainer : Rudolf Prokoph

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Erfurt
Senftleben
Bertuch (77.) , Loth
Döhler , Aßmann , Eckart
Karschau , Hammer , Schlegel , Friedrich , Feichter

Trainer : Ferdinand Schneider


Spielbericht

Der Rekord-Torschütze meldet sich!

Der Erste Sportverein Jena, der Sieger in Erfurt war gleichfalls in ausgezeichneter Verfassung, wobei das Erfreulichste ist, daß der Halblinke König sich endlich akklimatisiert zu haben scheint. Er verstand sich mit der Neuerwerbung Jenas dem Linksaußen Hofmann (früher 1. SV Gera), der Soldat in Jena ist, tadellos und noch eines: König bewies die ihm nachgerühmte Schußkraft. Man darf also von ihm im Mitte-Pokalspiel gegen Württemberg Besonderes erwarten.

Als Rekordtorschütze ist König (1.SV Jena) bekannt, der in seinem früheren Wirkungsbereiche in der Tschechei im letzten Jahre die weitaus meisten Treffer erzielte. Wie wir schon berichteten, fand er sich bisher in den Jenaer Angriff noch nicht recht ein, er wirkte vor allem etwas langsam. Nun: die Jenaer sind seit dem Erfurter Spiel zufrieden, denn endlich hat König den Kontakt zu seinen Nebenmännern gefunden. Er legte ein Spiel hin, an dem man seine Freude hatte. Nicht nur in technischer Hinsicht zeigte er ausgezeichnetes Können, sondern er gab des öfteren auch Proben seiner Schußkraft. Im übrigen machte es sich beim Sportverein Jena bemerkbar, daß die letzten schweren Prüfungen (gegen Wiener SC und Spielvereinigung Fürth) die Mannschaft spielhärter gemacht haben. Sie sind wirklich nicht unnütz gewesen und die Mannen um Werner und den fleißigen Trainer Prokoph erwiesen sich als gute Schüler. Davon zeigten die Zeißstädter in Erfurt-Ilversgehofen auf der neuen Platzanlage der Spielvereinigung eine gute Kostprobe. Wohl gab sich die Spielvereinigung die erdenklichste Mühe das Resultat erträglich zu gestalten, sie wehrte sich mit allen Kräften. Aber die Überlegenheit der Jenaer, die von Werner meisterlich dirigiert wurden, war so markant, daß die Erfurter sehr oft in der Defensive stecken blieben. Gegen Jenas Spiel war kein Kraut gewachsen und hätte Senftleben nicht so aufopfernd im Tor gearbeitet, wer weiß...! Gegen die 5 wuchtig geschossenen Tore war er machtlos. Der Kampf war übrigens teilweise etwas rauh! Bertuch (Erfurt) erhielt in der Schlußviertelstunde Feldverweis, nachdem der Erfurter Eckart schon in der 40. Minute verletzt ausgeschieden war. Die zehn Erfurter hatten natürlich gegen die in feiner Form spielenden Gäste keine Aussichten mehr. Bei diesen führte sich der neue Linksaußen Hofmann (bisher 1.SV Gera) sehr gut ein.

Beste Spieler : Werner , König

(Bericht im Kicker vom 17. Januar 1939)


5:1 - das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Der Sieg wurde vom 1.SV Jena auch in feiner Manier erkämpft, jedoch darf nicht vergessen werden, daß die Erfurter Schwarzweißen zur Zeit wirklich sehr schwach sind und daß sie zudem am Sonntag vom Pech verfolgt waren: verloren sie doch etwa nach einer Viertelstunde Bertuch durch Verletzung und dann - als Bertuch wieder eingetreten war - den Läufer Eckardt, ebenfalls durch Verletzung. Das Spiel auf dem neuen Platz in Ilversgehofen war von etwa 3000 Zuschauern besucht, darunter eine stattliche Anzahl Jenaer. Das Spielfeld war zwar etwas weich und schwer, aber im allgemeinen gut.

Bei Jena war in der Läuferreihe also Paul für Harthaus eingetreten, während im Sturm der ehemalige Geraer Hoffmann neu auftauchte. Die rechte Seite war wieder mit Ullrich und Schipphorst für Gans und Rötschke besetzt worden. Es erübrigt sich, einen ausführlichen Spielbericht zu geben, da der 1. SV seinem Gegner eine Klasse überlegen war und fast immer im Angriff lag, während sich die Erfurter auf gelegentliche Durchbrüche beschränken mußte. Wenn die Jenaer nur 5 Tore erzielten, so war das Senftleben im Erfurter Tor zu verdanken, der wieder einmal sein großes Können bewies und namentlich im Fausten hervorragend war. Sonst sei von Erfurt noch der kleine Läufer Döhler erwähnt, im Stil dem Jenaer Malter ähnelnd, und Schlegel sowie Friedrich im Sturm. Die Erfurter begehen nur den Fehler, das Spiel zu einseitig auf ihren Mittelstürmer einzustellen. Der ganze Sturm hat gegen früher ein neues Gesicht, aber in Technik und Ausdauer können die jungen Erfurter Stürmer doch noch nicht befriedigen.

Nun der 1. SV. Die gestrige Aufstellung bewährte sich sehr gut. Wenn der Kampf auch keinen sehr günstigen Maßstab für das Können der Jenaer lieferte, so läßt sich doch schon so viel sagen, daß sich das Spiel so entwickelte, wie es Sportlehrer Prokoph erwartete. Da Patzl sehr sicher im Ballaufnehmen ist und seinen Strafraum gut beherrscht, kann sich die Jenaer Deckung das häufige und weite Zurückspielen erlauben, dessen Vorteile den Zuschauern von Erfurt aber nicht eingehen wollten. Sie übersehen dabei auch den guten weiten Abschlag des Jenaer Torhüters. Patzl brauchte nur durch Herauslaufen zu klären, schwere Schüsse bekam er nicht zu halten. Die Jenaer Verteidigung spielte wieder sehr offensiv, was sie sich leisten durfte, da Werner ja jetzt als dritter Mann hinten steht. Dennoch muß Schüßler etwas vorsichtiger sein, wenn er gefährlichere Stürmer als gestern vor sich hat. Die Läuferreihe war so, wie wir es gegen Fürth vermißt hatten: sie sorgte für tüchtige Unterstützung des Sturms - auch Werner konnte das tun - und schoß selbst scharf und gefährlich aus dem Hinterhalt. Angenehm wurde dabei empfunden, daß die Läufer wie auch die Verteidiger endlich das nutzlose und zeitraubende Dreieckspiel aufgegeben hatten (bisweilen kann es natürlich vonnöten sein). Und dann der Sturm! Ja, da war doch ein ganz anderer Zug darin als gegen Fürth, wo alle Handlungen in die Breite gingen und nicht zum Ziel kamen. Wir haben da in erster Stelle den Geraer Hoffmann zu nennen, der ein Flügelstürmer ist, wie er den Jenaern seit langem fehlt: er ist schnell und wendig, flankt sauber in die Mitte, kurvt gefahrbringend auf das Tor zu, schießt blitzsaubere Ecken und versteht sich auch mit seinem Nebenspieler König. Auf dem anderen Flügel wollte es ihm Ullrich gleichtun, er gab ebenfalls gute Flanken zur Mitte und zeigte sich anstellig und eifrig, wie wir es ja von ihm gewohnt sind. Wollen wir also abwarten, wie er sich in Zukunft hält, am Sonntag sorgte er jedenfalls dafür, daß auch der rechte Flügel lebendig war. Auch vom Innensturm ist Gutes zu sagen. König konnte seine Qualitäten ausgezeichnet zur Geltung bringen. Seine Vorlagen waren wieder mustergültig, auch sahen wir einige seiner bekannten Alleingänge, ferner schoß der frühere Teplitzer diesmal häufig, setzte sich auch im Kampf um den Ball fein ein und bekam - was wichtig ist - auch von seinen Nebenspielern Vorlagen. Damit ist schon gesagt, daß die beiden anderen Spieler im Innentrio, Bachmann und Schipphorst, nicht abfielen und ebenfalls recht schußfreudig waren. Im ganzen war das Spiel des 1. SV von einer solchen Ueberlegenheit und Reife, daß tatsächlich ein Klassenunterschied gegenüber dem Tabellenletzten bestand.

Wir wollen nur hoffen, daß diese Leistungssteigerung und dieses Hinfinden zu einem zielklaren und fruchtbringenden Spiel auch im Kampf gegen bessere Gegner anhält. Wenn das so sein wird, dann kann der 1. SV mit Ruhe dem Kampf gegen den Gaumeister Dessau am 29. Januar entgegensehen. Zum Spielverlauf, der ganz im Zeichen der Jenaer stand, noch kurz die wichtigsten Ereignisse: In der 25. Minute konnte Loth auf der Torlinie retten. Das erste Tor fiel 4 Minuten später durch eine Bombe durch Schipphorst. Das Eckenverhältnis stand hier schon 7:0 für Jena. Nach der Pause wurde der Torsegen dann reichlicher. Schon in der 5. Minute hieß es durch Bachmann 2:0, als Bertuch einen Ball von von Ullrich aufs Tor zu lenkte. Kaum 2 Minuten später ein typisches König-Tor: der Halblinke nahm ein hohes Zuspiel auf und täuschte den herauslaufenden Senftleben. Das 4. Tor war ein Elfmeter wegen eines schweren Vergehens an Ullrich. König verwandelte mit einem prächtigen Bombenschuß. Dann fiel das Ehrentor der Erfurter, das eigentlich schon zu Anfang fällig gewesen wäre: einer Flanke des Linksaußen Feichter setzte der Halblinke Friedrich nach und konnte an dem herauslaufenden Patzl vorbei einlenken. Kurz darauf schoß Ullrich an die Querlatte. Das 5. Tor des 1. SV fiel in der 70. Minute: ein schönes Durchspiel Werners verwandelte Bachmann. Dann mußte Bertuch, als er etwas zu ruppig wurde, vom Spielfeld. Gegen Ende konnte neben dem hervorragenden Senftleben auch Döhler noch einmal auf der Linie retten. Das Eckenverhältnis stand übrigens 13:0 für Jena!

(Bericht von W.M. in der Jenaischen Zeitung vom 16.01.1939)

Anmerkung

Nach dem Spiel griffen Erfurter Zuschauer den Schiedsrichter an . Damit wurde der Erfurter Platz vom 12.02. - 13.03.1939 gesperrt .


andere Spiele

8.1.39

  • SV 05 Dessau : SV 99 Merseburg 3:2 , 1.800 Z.
  • SV 08 Steinach : 1.FC Lauscha 7:1 , 600 Z.
  • SpVgg Erfurt : VfL 96 Halle 2:2 , 1.200 Z.


15.1.39

  • Thüringen Weida : Fortuna Magdeburg 5:1 , 1.000 Z.
  • SV Steinach 08 : VfL Halle 96 2:0 - abgebrochen nach 20 Minuten , Bodenverhältnisse
  • SV 05 Dessau : CV Magdeburg - Ausfall , Wetter