1967/1968 26. Spieltag: BSG Lokomotive Stendal - FC Carl Zeiss Jena 1:4

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 26. Spieltag
Saison Saison 1967/1968, Rückrunde
Ansetzung BSG Lokomotive Stendal - FC Carl Zeiss Jena
Ort Wilhelm-Helfers-Kampfbahn
in Stendal
Zeit Sa. 01.06.1968 15 Uhr
Zuschauer 4.500
Schiedsrichter Hans Schulz (Görlitz)
Ergebnis 1:4
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Stendal (schwarz-rot)
Hans Zeppmeisel
Ernst Lindner, Dieter Busch, Siegfried Nathow, Albrecht Strohmeyer
Ernst Weiser, Günter Reinke
Manfred Felke, Gerd Backhaus, Joachim Sigusch, Peter Güssau
Trainer: Fritz Wittenbecher
Jena (weiß-blau)
Hans-Ulrich Grapenthin
Udo Preuße, Peter Rock, Michael Strempel, Gerd Brunner
Heinz Marx, Werner Krauß
Helmut Stein, Peter Ducke, Dieter Scheitler, Roland Ducke
Trainer: i. V. Fritz Zergiebel

Spielbericht

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Nathows Eigentor entnervte Stendal

Nach Lage der Dinge ließ nur ein Sieg den Stendalern noch einen geringen Hoffnungsschimmer auf den Klassenerhalt. Deshalb ließ auch Trainer Fritz Wittenbecher vor dem Spiel keine Zweifel über ein bedingungsloses Stürmen aufkommen. "Wir müssen so viel wie möglich Akteure zur eigenen Angriffsentfaltung freibekommen", erklärte er. "Wir operieren deshalb in der Abwehr ohne Sicherung. Lindner, Busch und Nathow decken Jenas Spitzen Scheitler, P. Ducke und Stein. Weiser und Reinke, beide sehr lauffreudig, sollen das Mittelfeldspiel ankurbeln und die zu erwartenden Konterattacken abfangen, während Strohmeyer auf R. Ducke angesetzt ist. Im Angriff vertrauen wir auf die Schußentschlossenheit von Felke, Backhaus, Sigusch und Güssau."

Nun, der Auftakt war auch sehr hoffnungsvoll, vielversprechend. Doch so hingebungsvoll die gesamte Elf auch stürmte, unkonzentriert, übernervös überboten sich Backhaus, Güssau, Sigusch und Felke im Auslassen der besten Gelegenheiten ("So viele Torchancen hatten wir auf eigenem Platz noch nie", seufzte Kurt Liebrecht, der nach seiner schweren Verletzung seit einer Woche wieder trainiert.)

So war der Anfang vom Ende in der 19. Minute bereits abzusehen, als Nathow unglücklich einen Scheitler-Schuß, unerreichbar für Zeppmeisel, in die entlegene Ecke abfälschte, zumal die offene Spielweise der Lok-Elf geradezu zu Konterschlägen einlud. Eine Meisterleistung war der zweite Treffer durch R. Ducke, der überhaupt glänzend Regie führte. Mit einer Kopfballvorlage des sprungkräftigen Stein zog der Routinier kurz hinter der Mittellinie los, ließ sich auch von Lindner und Weiser nicht vom Ball trennen und jagte das Leder aus zehn Metern eiskalt flach neben den rechten Pfosten ins Netz.

Als dann auch noch Zeppmeisel unmittelbar vor dem Pausenpfiff einen Schuß von P. Ducke durch die Hände ins Netz gleiten ließ., war der Abstieg für die Platzbesitzer perfekt. Praktisch im zweiten Gang spielte der Meister nun seine mannschaftliche Reife aus. Imponierend die Startschnelligkeit und Beweglichkeit eines jeden einzelnen. Fritz Zergiebel, der Cheftrainer Georg Buschner vertrat, der im Berliner Ortsderby den Pokalendspiel-Kontrahenten Union beobachtete, äußerte nach dem Spiel: "Die offene Spielweise der Stendaler barg naturgemäß ein großes Risiko in sich, zumal sie in der Anfangsphase, als unsere Abwehr etwas zu leichtfertig deckte, ihre Chancen nicht nutzten. Die weiten Räume waren für unser Spiel wie geschaffen." Zu registrieren war noch die 78. Minute, als Backhaus selbst einen Strafstoß nicht an Grapenthin vorbeibringen konnte.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Schulz bot wiederum eine ausgezeichnete Leistung. Stets auf Ballhöhe, läuferisch ungemein stark, imponierte er mit klaren Entscheidungen.

(Klaus Thiemann in "Die Neue Fußballwoche" vom 5. Juni 1968)