1978/1979 22. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - BFC Dynamo 0:0

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
(Weitergeleitet von 78/79 22)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 22. Spieltag
Saison Saison 1978/1979, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - BFC Dynamo
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 19.05.1979 15:00 Uhr
Zuschauer 15.000
Schiedsrichter Wolfgang Henning (Rostock)
Ergebnis 0:0
Tore
  • Fehlanzeige
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Gert Brauer, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Gerhardt HoppeGelbe Karte.gif (70. Uwe Neuber), Lutz Lindemann, Andreas Krause
Thomas TöpferGelbe Karte.gif, Jürgen Raab, Dietmar Sengewald (55. Eberhard Vogel)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Berlin
Bodo Rudwaleit
Norbert Trieloff
Michael Noack, Rainer Troppa, Artur UllrichGelbe Karte.gif
Frank Terletzki, Reinhard Lauck (81. Roland Jüngling), Bernd Brillat
Hans-Jürgen Riediger, Hartmut PelkaGelbe Karte.gif, Wolf-Rüdiger Netz

Trainer: Jürgen Bogs


Img078f.jpg

Spielberichte

Img019u.jpeg

Im Dauerdruck nicht zerbrochen

Wer, wie der FC Carl Zeiss am Sonnabend danach trachtet, den BFC ernsthaft in Bedrängnis zu bringen und möglicherweise sogar an den Rand der ersten Niederlage zu bringen, muß genau abwägen: Zwischen dem aus (durchaus verständlichen) Ehrgeiz resultierenden Angriffsdrang und der Notwendigkeit, das eigene Tor gegen die blitzschnellen, überfallartigen Konter der Berliner abzuschirmen. Spätestens nach acht Minuten, als Lauck einen Steilpaß auf den sich rechts im freien Raum sofort lösenden Riediger schlug, war Jena hinreichend gewarnt, diesem taktischen Problem höchste Aufmerksamkeit zu schenken. Und es betraf im einzelnen Kurbjuweit, der dem Berliner Nationalspieler zwar in weiteren vier Fällen (26., 63., 84., 85.) Schnelligkeitsvorteile zugestehen mußte, sich mit bravourösem Einsatz aber mehr und mehr zu einem Sicherheitsfaktor im Jenaer Spiel entwickelte. Es war für den Ablauf des zeitweise turbulenten Geschehens mit überwiegend kämpferischen Akzenten von großer, vielleicht sogar ausschlaggebender Bedeutung!

Von einem gutklassigen Treffen wagte niemand zu sprechen. Warum? "Dafür bestimmten die Deckungsreihen hier wie da zu klar die Szenerie, erfüllten beide Mannschaften in der Angriffsgestaltung aus dem Mittelfeld heraus doch nicht die erwarteten Ansprüche", schätzte Karl-Heinz Benedix, der Vorsitzende der Rechtskommission im DFV, ein. Das ebenso treffende Urteil von Auswahltrainer Georg Buschner: "Ich hatte von dem so überlegen an der Spitze liegenden BFC eigentlich vorausgesetzt, er werde über gelegentliche Ansätze zum Konter hinaus auch eine spielbetonte Einstellung finden."

Schlußfolgernd daraus: So frisch, seiner Mittel im zermürbenden Tempospiel sicher wie in der lang anhaltenden Erfolgsphase der Monate zuvor, wirkt der Spitzenreiter gegenwärtig nicht mehr. Es wurde spürbar bei Terletzki, der sich von Krauses unerschrockener Gangart doch lähmen ließ, bei dem gegen Weise zu unbeweglich wirkenden Pelka, aber auch bei Brillat und Artur Ullrich, denen über Deckungsdisziplin hinaus der für die mannschaftliche Geschlossenheit unersetzliche konstruktive Zug fehlte. Diesmal verdiente sich der BFC den Gewinn eines Punktes im wohl "schwersten Test auf gegnerischem Boden" (Cheftrainer Dr. Dieter Fuchs) in allererster Linie mit hoher Kampfmoral, mit Einsatz und unerschütterlicher Courage im kaum nachlassenden Jenaer Angriffsdruck. Die Elf wankte dabei nicht!

Was beim FC Carl Zeiss Lindemann, Hoppe, Krause, Raab und Töpfer an Fleißarbeit verrichteten, forderte allen Respekt heraus. Aber im strategenhaften, klugen Verhalten stand Lindemann in guter Abstimmung mit Schnuphase, Weise und dem wiederum unaufhörlich drängenden Brauer ziemlich allein auf weiter Flur. Problem Nummer 1: Wenig Zweikampfgewinne in der Spitze, unzureichende Erfahrung, um sich erfolgverheißend aus dem engmaschigen Abwehrnetz der Berliner zu lösen. Und: Die Relation zwischen Aufwand und Nutzen, sprich klar herausgespielten Chancen, war denkbar ungünstig. Töpfers Schuß gegen den Pfosten (44.), von Lindemann im Nachsetzen nicht zum durchaus möglichen 1:0 genutzt, Raabs Kopfball aus der Bedrängnis über das Gehäuse (62.) schockten Rudwaleit nicht. Jena strapazierte sich im ständigen Vorwärtsgang zwar bis zum letzten, aber im Gefühl, diese Partie gewinnen zu können, wurde man dabei kaum bestärkt!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Viele Zweikampfsituationen verlangten von Henning Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Nicht immer gelang es ihm, sie klar zu beurteilen und danach zu entscheiden. Lobenswert: Stets an den Brennpunkten des Geschehens.

Beide Stopper-Tandems bewiesen ihre Stärke

Wer besser als Helmut Stein, Jenas Assistenztrainer und langjähriger Abwehrstratege mit betont spielkulturellen Fähigkeiten, war nach diesem Spitzenduell dazu berechtigt, seinen Gedanken über die souveräne Abwehrleistung des Tabellenführers freien Lauf zu lassen? "Sie war, gekennzeichnet durch Zweikampfhärte und Entschlossenheit, über 90 Minuten hinweg nahezu fehlerfrei. Hier liegt, wenn ich aus eigener guter Kenntnis der Dinge den Vergleich wagen darf, der Vorzug gegen die BFC-Deckungsreihen vergangener Jahre. Ungeachtet dessen, daß Trieloff derzeit noch nicht jene große strategische Ausstrahlung besitzt wie der eine oder andere seiner Vorgänger auf der Libero-Position." Das Urteil darf unwiderruflich akzeptiert werden!

Dem Jenaer Härtetest war das Berliner Stoppergespann in der Tat jederzeit gewachsen. Gleichlautende Stärken: Erstaunliche Ruhe und Abgeklärtheit in den sich häufenden kritischen Situationen, gepaart mit sicherem Stellungsspiel und jener Unerschrockenheit im Zweikampf, die letztlich wieder den Erfolg versprach. Troppa, physisch einen glänzenden Eindruck hinterlassend, scheute die langen Strecken nach rechts und links nicht, wohin ihn Raab mit dem festen Vorsatz schleppte, die Raumverengung im gegnerischen Abwehrzentrum aufzulösen. Für Trieloff ergaben sich vor allem bei Jenas Standardsituationen, zugeschnitten auf den sprung- und kopfballstarken Schnuphase, Bewährungsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Er löste sie mit bemerkenswerter Kaltblütigkeit. Doch das wird der 21jährige Ausputzer noch lernen müssen: Sich besser auf den mit dem Ball am Fuß auf ihn zukommenden Gegenspieler (53. Weise, 57. Sengewald) einzustellen als diesmal!

Nicht zum ersten Mal nach den Spielen der letzten Wochen lobte Jenas Trainer Hans Meyer den "dynamischen Offensivstil der Abwehr, getragen von Schnuphase und Brauer in allererster Linie". Keine Frage: Was Trieloff und Troppa bis auf je eine Ausnahme im Wissen um die enormen kämpferischen Qualitäten des Gegners diesmal nur andeuteten, demonstrierten Schnuphase und Weise auf der Gegenseite in überzeugender Manier: Angriffsdruck aus der Deckung heraus! Die Aktionen beider waren von jener taktischen Beweglichkeit geprägt, die dem Spiel der Elf die entsprechenden Impulse gaben: Weite, spielverlagernde Flugbälle auf die Flügel, beherzte Dribblings tief in die gegnerische Hälfte hinein, entschlossene Torschüsse und Kopfbälle (65., 83. Schnuphase).

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 22. Mai 1979)


Nachwuchs: 0:0

Jena : Runkewitz , Schakau ( 46. Rode) , Wachter , Köhler , Schilling , Köberlein , Pohl , Schmied , Roß (80. Dern) , Burow , Trocha / Tr. Thomale

20.5. Junioren / Jugend - Jena : Union 7:1 / 0:2