1981/1982 ECIII 4. Spiel: FC Carl Zeiss Jena - Real Madrid 0:0

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Spieldaten
Wettbewerb EC III, 2. Runde Rückspiel
Saison Saison 1981/1982
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - Real Madrid
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 04.11.1981 - 20:00 Uhr
Zuschauer 16.000
Schiedsrichter Brian McGinley (Schottland)
Ergebnis 0:0
Tore
  • Fehlanzeige
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Gerhardt Hoppe, Konrad Weise (46. Gert Brauer), Wolfgang Schilling
Andreas Krause, Ulrich Oevermann, Lothar KurbjuweitGelbe Karte.gif
Martin Trocha, Andreas Bielau, Eberhard Vogel (72. Thomas Töpfer)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
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Trikotfarben
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Madrid
Miguel Ángel Gonzalez
Antonio Garcia Navajas
Garcia Cortes, Andres Sabido (89. Gregorio Benito), Jose Antonio Camacho
Ricardo GallegoGelbe Karte.gif, Vicente del Bosque, Angel de los SantosGelbe Karte.gif
Juanito (81. Carcelén) Carlos Santillana, Isidro

Trainer: Vujadin Boškov


Spielbericht

Mit erhobenem Kopf - aber eben ausgeschieden

Eintrittskarte

Hans Meyer war, wie seine Spieler auch, von den tempogeladenen neunzig Minuten gezeichnet. "Ich bin enttäuscht", brachte er auf einen Nenner, was er empfand. "Deshalb enttäuscht, weil wir Real am Rande einer Niederlage hatten. Aber uns gelang in unseren Druckphasen sowohl vor als auch nach der Pause kein Tor, weil wir unsere Schußchancen nicht nutzten. In den entscheidenden Augenblicken fehlte es an Kaltschnäuzigkeit und wohl auch am Können." Vielleicht spielte er auf jene Szenen an, in denen man glaubte, daß ein Tor fallen müsse. Doch sowohl Trocha (21.) als auch Krause (39.) knallten nach sehenswerten Kombinationen auf das von Miguel Angel mit Bravour gehütete Tor, anstatt überlegt abzuschließen, Präzision vor Wucht walten zu lassen.

Keine Frage: An Kampfgeist mangelte es dem FC Carl Zeiss nicht. Die Einsatzfreude von Schilling gegen Juanito, das kluge Liberospiel von Schnuphase, das enorme Pensum Kurbjuweits - alles das trug dazu bei, daß Real erst nach 78 Minuten dazu kam, Grapenthin ernsthaft durch Juanito zu prüfen. Bis dahin hatten die Gäste nicht eine einzige klare Chance; bis dahin mußte ihr Schlußmann tolle Paraden bieten, um Schüsse von Schnuphase zu parieren (17., 42., 76.). Der eine Teil des Jenaer Vorhabens ging mithin völlig auf, Real nämlich nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Und Trainer Boskov strapazierte dann auch "das Glück, das wir hatten", fügte indes hinzu: "Jena war nicht in der Lage, die Nervosität abzustreifen, uns auch spielerisch härter zu fordern."

In der Tat: Um die festgefügte und zahlenmäßig meist verstärkte Real-Deckung zu überwinden, dazu hätte es mehr überraschender Ideen bedarft, wie sie Vogel beispielsweise nur mitunter zu produzieren in der Lage war (Hackentrick, 27). Sosehr Oevermann (gegen del Bosque), Kurbjuweit (gegen Gallego), Krause (gegen Angel) auch rackerten, von ihnen gingen nicht die spielerischen Impulse aus, die möglicherweise Raab seiner Mannschaft hätte verleihen können. So wirkte sich seine Verletzung besonders schmerzlich aus, zumal keiner unserer Klubs in der Lage ist, Nationalspieler auf der Bank Platz nehmen zu lassen, wie das Real tun konnte.

Der Druck und die mannschaftliche Geschlossenheit Jenas trieben die Spanier fast pausenlos in die Defensive. Ihr Mittel dagegen: erbarmungslose Manndeckung, wie sie bei uns kaum härter erlebt wird. Camacho heftete sich derart bissig an die Fersen von Trocha, daß der Jenaer selten zu langgezogenen Sprints kam. Und wenn er seinem Bewacher wirklich einmal entwischte, da scheute Camacho auch nicht vor einem groben Foul zurück, das von dem Schotten McGinley (11 Länder-, 37 EC-Spiele) zwar gepfiffen, nicht aber im erforderlichen Maße geahndet wurde.

Erwehrte sich Real zunächst noch mit taktisch flexibler Art des Jenaer Drucks, setzte über Navajas, Angel, del Bosque selbst zu überlegten Kontern an, so war es mit zunehmender Spielzeit zu erkennen, daß der Zweck mehr und mehr die Mittel heiligte: aus Planmäßigkeit, aus überlegtem Stellungsspiel ein Zusammenziehen nahezu aller Spieler im eigenen Strafraum, und nicht nur einmal wurden die Aktionen verzögert. Das damit verbundene Vorhaben ging auf: Jena wurde dadurch aus dem Rhythmus gebracht, kam kaum zu Grundliniendurchbrüchen, sondern setzte Wucht gegen Wucht. Und da hat es jede abwehrende Mannschaft leichter, mit destruktiven Mitteln den Vorsprung über die Zeit zu retten. Real bewies auch, daß man mit allen Mitteln zu kämpfen in der Lage ist, wenn man dazu gefordert wird, zeigte in den Duellen Cleverness und individuelles Können, ließ Einsatzfreude vor attraktivem Fußball rangieren. Auch das muß man zu beherrschen wissen, wenn man sich durchsetzen will.

(Klaus Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 10. November 1981)