1939/1940: Sportfreunde Halle - 1. SV Jena 1:5
| Spieldaten | |
| Wettbewerb | Gauliga Mitte Rückrunde |
| Saison | Saison 1939/1940 |
| Ansetzung | Sportfreunde Halle - 1. SV Jena |
| Ort | Wackersportplatz in Halle am Wasserturm (Im Rahmen einer Doppelveranstaltung[1]) |
| Zeit | So 21.01.1940 14:00 |
| Zuschauer | 1.500 |
| Schiedsrichter | Beßler (Merseburg) |
| Ergebnis | 1:5 (0:2) |
| Tore |
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| Andere Spiele oder Berichte |
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Aufstellungen
- Halle
- Gropp
- Kampach, Hartmann
- Krampe, Böttger, Godau
- Kelter, Föhre, Metzner, Aleide, Jäger
- Jena
- Ehrenfried Patzel
- Hermann Schüßler, Walter Hädicke
- Heinz Werner, Hans Ullrich, Bernhard Schipphorst
- Herbert Gans, Otto Schulschefski, Walter Bachmann, Ludwig König, Schönborn
- Trainer: Rudolf Prokoph
Spielbericht


Ein wahrer Freundschaftskampf gegen Sportfreunde Halle
Der 1. Sportverein kämpfte auf einer Stelle berühmtester Hallenser Fußballtradition. Auf dem aus ganz großen sportlichen Zeiten bekannten Kampfplatz von Wacker Halle am Wasserturm war von den Hallenser Vereinen Wacker gegen 98 und Sportfreunde gegen Jena ein Doppelspiel geplant, das infolge größter Hindernisse nur von knapp 1000 Zuschauern besucht war, aber bei diesen wenigen Unentwegten mit großem Beifall aufgenommen wurde, da die Spielleistungen der sich im hohen Schnee abmühenden Mannschaften hinsichtlich Kampfeinsatz und ritterlichem Geiste ganz ausgezeichnet waren.
Mit großem Beifall wurde die Jenaer Mannschaft beim Spielbeginn begrüßt, aber ihn zollte man auch der zu großen Hoffnungen berechtigenden Wackermannschaft die im vorangehenden Spiel Halle 98 mit 6:1 niederringen konnte und als kommende Mannschaft Halles angesehen wird.
Es kann in Meisterschaftsspielen in Halle auch völlig reibungslos und ritterlich zugehen. Das haben beide Mannschaften nicht nur beweisen wollen, sondern auch zu aller Freude glänzend gezeigt. Jena nimmt gleich von Anfang an den Gegner sehr ernst und deckkt zunächst mit strenger Sicherung, so daß die Platzherren sich nicht entfalten können. Trotz 40 Zentimeter hohen Schnees werden die Flügelstürmer dauernd ins Gefecht geschickt und da sowohl Ludwig König als auch Schulschewsky sie mit langen Vorlagen dauernd auf Reisen schicken, kommen die Hallenser bald in arge Bedrängnis. Und doch dauert es immerhin 30 Minuten, bis der ersten Treffer Wirklichkeit wird. Vorher hatte der Schiedsrichter auf unabsichtliches Handspiel von Hädicke hart an der Strafraumgrenze einen Elfmeter gegen Jena gegeben, der von Böttger aus dem hohen Schnee heraus über die Latte gefeuert wurde. Dann hielt Torwart Gropp einen Ball viel zu lange an der Strafraumgrenze. Der dadurch fällige Freistoß wird von Ludwig König dem kurz hinter ihm stehenden Schulschefsky zurückgespielt und mit placiertem Schuß saust der Ball ins rechte Eck. Halle reißt sich jetzt zusammen. Der sehr schnelle und gewandte Böttger gibt lange Vorlagen zu seinem guten Linksaußen, der wiederholt in bedrohliche Nähe von Patzls Heiligtum kommt, aber ebenso verschießt wie der Innenstürmer auf seine schöne Flanken hin. Der gefürchtete Metzner wird von Ullrich sehr liebevoll und erfolgreich bewacht, kommt daher nicht zur Entfaltung. In der 42. Minute fällt Jenas zweites Tor durch Bachmann: Schipphorst legt dem flinken Schönborn vor, der stampft im hohen Schnee auf und davon, flankt und Bachmann schiebt den Ball flach in die rechte Ecke. jetzt geht Böttger als mehr offensiver Mittelläufer mit in Halles Stürmerlinie und Patzl muß wiederholt eingreifen. der Rechtsaußen Halles verläßt nun infolge einer alten Verletzung das Spielfeld und damit ist die Sportfreunde-Mannschaft dauernd geschwächt.
Nach Halbzeit wird der Druck Jenas immer stärker, so daß bereits in der 55. Minute der dritte Treffer erzielt wird. Ganz hatte sich mit alter Behendigkeit und Technik bis zur Außenlinie durchgekämpft, gibt an den aufgerückten Werner zurück. Dessen halbhoher Schuß sitzt im linken Eck. Das vierte Jenaer Tor kommt durch schönes Zusammenspiel aus der gesamten Deckung heraus zustande. Werner legt dem freigelaufenen Schulschefsky vor und der hebt den Ball halbhoch abgezirkelt in die rechte Ecke. Für Halle droht nun eine schwarze Niederlage. Nachdem bereits in der ersten Halbzeit König zweimal an die Latte geschossen hatte, Ganz den Pfosten traf und außerdem aus nächster Nähe infolge des zu hohen Schnees mehrere Schüsse kurz vorm Tor dem Hallenser Torwart in die Hände geschossen wurden, rettete auch jetzt in der zweiten Halbzeit mehrfach nur Latte und Pfosten. Ob der Ball nicht weitere zweimal die Torlinie überschritten hatte, war vom Schiedsrichter nicht zu entscheiden. Die einzelnen Halleschen Vorstöße führen in der 70. Minute zum einzigen Hallenser Erfolg, den allerdings infolge Abgleitens des Balles vom Fuß Schüßler fabrizierte. In der 80. Minute nimmt Schulschefsky einen ihm von links schön zugespielten Ball trotz Bedrängnis auf, dreht sich kurz und sendet zum 5. und letzten Male ein. Kurz vorher winkte Halle ein zweiter Erfolg durch einen auch diesmal sehr fraglichen Elfmeter, den angeblich die Verteidigung durch zu hartes Rempeln verursacht haben sollte. Er wurde über die Latte geschossen.
Einen würdigen Abschluß fand der Kampf durch kameradschaftliches Zusammensein mit den Spielern und den Vereinsleitungen der gestern auf dem Wackerplatze kämpfenden Vereine.
Am nächsten Sonntag wird nun in Jena der erste Großkampf um die endgültige Führung vor sich gehen. Wie verlautet, hat der Gaufachwart bereits wichtige Umsetzungen vorgenommen und da Dessau und Jena für den 28. spielfrei waren, dürfte bereits am kommenden Sonntag ein Entscheidungskampf zwischen dem alten und gegenwärtigen Meister vor sich gehen. Jenas Sportgemeinde wird durch ihren Besuch dem Spiel einen würdigen Rahmen geben.
(aus "Jenaer Volksblatt" vom 22. Januar 1940)
Vor 1500 Zuschauern konnten die Jenaer wie schon vor vierzehn Tagen gegen VfL 96 in Halle einen sicheren Sieg erringen. Wenn man berücksichtigen muß, daß die Hallenser von der 35. Minute an nur mit zehn Mann spielen mußten, da Rechtsaußen Jäger verletzt ausschied, so zeigten die Jenaer auf dem Schneeboden doch eine technisch fabelhafte Leistung. Aller Eifer der Hallenser blieb vergeblich. Erst nach halbstündigem Spiel brachte Schulschefsky die Jenaer in Führung, während Bachmann noch vor dem Wechsel den zweiten Erfolg erzielte. Obwohl sich die Sportfreunde auch in der zweiten Spielhälfte tapfer zur Wehr setzten, erhöhten die Gäste durch Werner und Schulschefsky auf 4:0, ehe Köhler das Ehrentor erzielte. Kurz vor dem Schluß stellte Schulschewsky mit dem fünften Tor das Endergebnis her. Die Sportfreunde vermochten zwei Elfmeter nicht zu verwandeln.
(Nachrichtenbüro vom 22.01.1940)
Da die weiteren starken Zugeinschränkungen nicht vorauszusehen waren, trat die Fußballmannschaft des 1. SV Jena am Sonntag morgen ihre Fahrt nach Halle an, die recht abenteuerlich war. Mit Glück konnten die Jenaer um 14 Uhr in Halle sein und mußten gleich zum Spiel antreten. Die Jenaer ersetzten Beckert und Hoffmann. Bei den denkbar ungünstigsten äußeren Umständen wurde das Spiel durchgeführt, da die Jenaer nun einmal in Halle waren. Gerade bei der hohen Schneelage bewährte sich die fabelhafte körperliche Verfassung der Jenaer und ihr großes technisches Können. Die Sportfreunde waren nicht schlechter als im ersten Spiel in Jena, als sie 1:3 verloren, aber sie mußten sich dennoch diesmal höher besiegen lassen, eben weil der 1. SV so gut war und weil Halle in der Kondition nicht mitkam. Das erste Tor fiel etwa nach einer halben Stunde durch Schulschewsky, dem, wie erwähnt, Bachmann bis zur Pause noch eins anreihte. Nach dem Wechsel gab es in regelmäßigen Abständen noch drei Tore durch Werner und zweimal Schulschefsky. Das Ehrentor der Hallenser durch Köhler entstand durch Mithilfe eines Jenaers, verliert also an seinem Wert noch etwas. Außerdem hatten die Jenaer Pech, da bei guten Schüssen Latte und Pfosten retteten. Die Sportfreunde verschossen beim beim Stande von 2:0 für Jena einen Handelfmeter und in der zweiten Halbzeit ebenfalls einen Elfmeter - harte Entscheidung des Schiedsrichters - beim Stande von 4:0. Beide male gingen die Schüsse über das Tor. Ullrich ersetzte Beckert ausgezeichnet und legte ein prächtiges Stopperspiel hin. In der Läuferreihe war ferner Werner wieder der überlegene Beherrscher des Mittelfeldes. Im Sturm zeigten sich die beiden Außen sehr lebhaft, während die Halbstürmer ihre technischen Qualitäten offenbarten. Die Deckung wurde vor keine allzuschwere Aufgabe gestellt, Patzl hatte wenig zu tun. Abenteuerlich war auch die Heimfahrt von diesem denkwürdigen Spiel. Erst gegen Morgen traf die Elf wieder in Jena ein.
(Bericht in der Jenaischen Zeitung vom 22.01.1940)
Weitere Spiele
- VfL 96 Halle : Thüringen Weida 0:2
- SV 99 Merseburg : 1.SV Gera - Ausfall , da die Geraer den Anschlußzug verpassten
- Dessau 05 : CV Magdeburg 7:1
- ↑ Doppelveranstaltung im Wackerstadion in Halle: 1. Bezirksliga Wacker Halle gegen SV 98 Halle und 2. Gauliga Sportfreunde Halle gegen Jena.