1933/1934 Spiel 15
| Spieldaten | |
| Wettbewerb | Gauliga Mitte Rückrunde |
| Saison | Saison 1933/1934 |
| Ansetzung | SV 99 Merseburg : 1.SV Jena |
| Ort | Stadion an der Halleschen Str (heute Stadtstadion) in Merseburg |
| Zeit | 11.02.1934 |
| Zuschauer | |
| Schiedsrichter | ? (Merseburg) |
| Ergebnis | 6:0 (2:0) |
| Tore |
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| Andere Spiele oder Berichte |
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Aufstellungen
- Merseburg
- Jena
- Großkopf
- Opatz , Ketteritzsch
- ? , Werner , ?
- ? , Schüßler
Spielbericht

Merseburgs Bombensieg über Jena
Dieses Punkspiel wurde auch in seinem äußeren Rahmen ein besonderes Fußballereignis für die Regierungsstadt . Sollte doch gerade dieser Kampf den Beweis erbringen , ob die Merseburger , die zurzeit gemeinsam mit Fortuna Magdeburg (Preußens Abstieg steht bekanntlich schon fest) verzweifelt um den Verbleib in der Gauliga ringen , wieder hoffnungsfreudiger in die Zukunft blicken können . Nun , der große Wurf in den Merseburgern geglückt und als die Spieler freudigen Blicks nach Schluß des Kampfes mit seinem sensationellen Ergegnis der Kabine zustrebten , da gab es unter den Zuschauern , die sich diesmal zahlreicher wie sonst eingefunden hatten , nur eine Meinung : 99 hat sich einen prächtigen Sieg geholt ! Merseburg bleibt also für alle Gauligavereine nach wie vor heißer Boden . Auf das Erreichte kann der Verein aber auch mit Recht stolz sein , denn liegt die Mannschaft jetzt mit zwei Punkten günstiger im Rennen wie die Magdeburger Fortuna , die außerdem ein Spiel noch mehr auszutragen hat . Wenn man bedenkt , daß Merseburg , die zweite Hälfte mit zehn Mann durchhalten mußte , da Brödel wegen Schiedsrichterbeleidigung unter die Zuschauer geschickt wurde , wiegt natürlich der glatte Erfolg gegen die Wernerelf doppelt schwer , selbst wenn dieser über einen Gegner errungen wurde , der in seiner Gesamtleistung sicherlich enttäuschte . Die Gästeelf hatte sich zwar, wie die erste Viertelstunde klar erkennen ließ , recht viel vorgenommen , aber sie scheiterte eben bald an einem weitaus stärkerem Partner , der vor allem im zweiten Spielabschnitt , gegen den Wind spielend , in taktischer Hinsicht alle Trümpfe in der Hand hatte und dies trotz feldüberlegenen Spiels von Jena mit vier Toren vortrefflich unter Beweis zu stellen verstand . Entscheidend für diese Wendung der Dinge mag allergings auch gelten , daß Jena den repräsentativen Mittelläufer Werner in den Sturm beorderte und Schüßler ins Mannschaftszentrum zurücknahm , was sich jedoch als völlig verfehlte Maßnahme erwies . Einmal wußte auch Werner den Zusammenhang im Angriff nicht herzustellen und zum anderen konnte sich auf der Gegenseite Schütts große Leistung auf dem Mittelläuferposten um so vorteilhafter auswirken , weil Schüßler seiner Aufgabe nicht im entferntesten gewachsen war . Dieses Manko sowie die oft fehlerhafte Abwehr der beiden Verteidiger Ketteritzsch - Opatz gaben schließlich den Ausschlag für den Spielausgang . Schließlich hätte es auch wertvollerer Fähigkeiten seitens der Gästeabwehr bedurft , um den raffinierten steilen Durchspiel der Merseburger Stürmer Roßburg , Gaudig , Rösiger und Hermann in der zweiten Hälfte die Gefährlichkeit zu nehmen . In dieser Hinsicht verichtete das Merseburger Schlußdreieck Raspe - Franke - Bach ganze Arbeit , so daß das geschilderte Kräfteverhältnis auch das Endergebnis zahlenmäßig richtig widerspiegelt . Man mag ferner nicht unerwähnt lassen , daß nach Angabe Jenas in der Mannschaft Grübner , Sturm und Köditz ersetzt waren , man wird auch die Verletzung des Gäste-Rechtsaußen als nachteilige Auswirkung für Jena in die Gründe für die Niederlage mit aufnehmen müssen - Tatsache bleibt indes , daß die Merseburger 99er sich erneut als kampfstarke Einheit erwiesen haben , die es getrost mit jeder Gaumannschaft aufnehmen kann . Die Torschützen waren Schütt , Gaudig(2) , Rösiger(3)
Bericht aus dem Kicker vom 13. Februar 1934
Also doch wieder ein Spielverlust auf auswärtigem Platze ! Mit dieser Feststellung dokumentiert die Mannschaft eine Niederlage , die in ihrem Resultat und ihrer Auswirkung auf die noch restlichen Gauligaspiele beschämend wirkt . Sie vergab mit diesem letzten Spiel in Merseburg eine Chance , die sie einen gewonnenen Spiel aus jeder Gefahr des Abstieges gebracht hätte . Schon in der Vorschau am Freitag ist darauf hingewiesen worden , daß die Mannschaft mit diesem Spiele steht und fällt . Ihre Leistungen sind während des ganzen Verlaufes des Spieles trotz dieser Gefahr so schwach und ohne jeden kämpferischen Geist geblieben , daß sie sich nunmehr entschließen muß , in den letzten drei Spielen auf auswärtigen Plätzen mit mehr Einsatz um den Verbleib in der Gauklasse zu spielen . Das Gesamturteil über das Spiel ergibt für Merseburg einen vollen Einsatz , kämpferischen Geist , der für die Merseburger auch nicht zu brechen war , als während der zweiten Halbzeit schon nach 5 Minuten Spielzeit sie ihres besten Mannes , des Mittelläufers Brödel , durch Herausstellung wegen Schiedsrichter - Beleidigung benachteiligt wurde . Mit dieser Schwächung waren die Merseburger auf Grund ihres ungebrochenen Kampfgeistes in der Lage , der Jenaer Mannschaft noch Verlusttore beizubringen . Ueber die Leistung der Jenaer Mannschaft gibt es nur ein Wort des Mißfallens , nämlich , daß sie in ihrer Gesamtheit vollständig und ohne Ausnahme versagt hat . Dem 6:0-Resultat steht ein Eckenverhältnis von 10:2 für Merseburg gegenüber . Zu einer Entschuldigung für eine solche Niederlage kann für die Mannschaft nichts angeführt werden . Im Gegenteil , eine tadellose Schiedsrichterleistung von einem Merseburger Ortsschiedsrichter begünstigte das Jenaer Spiel in der denkbar besten Weise , ohne daß dieser seine Neutralität als Spielleiter aufgab . Jenas Mannschaft lieferte nur in den ersten 15 Minuten vom Anstoß weg ein tadelloses Spiel , in der sie ihr Können zeigte . Behindert wurde sie durch den sehr starken Wind , gegen den sie in der ersten Halbzeit anzukämpfen hatte , aber diesen Vorteil hatte sie in der zweiten Halbzeit um so mehr , als der Gegner nur noch 10 Mann während der ganzen Halbzeit im Spiel hatte . Die Tore fielen in der 25.Minute durch dem Mittelstürmer Schütte , der einen von Großkopf verpaßten Eckball einschoß . Das 2. Tor fiel in der 34. Minute auf einen Angriff von Links durch den Halbrechten . Jenas Sturm hatte außer einem Schuß von Werner , der über das Tor ging , nicht einen einzigen Schuß anzubringen vermocht . Wenn auch dieser Verlust in der zweiten Halbzeit unbedingt aufzuholen gewesen wäre , so verdarb sich die Jenaer Mannschaft durch völliges Auseinanderfallen jede weitere Aussicht auf den Spielgewinn . Merseburg unternahm , auch mit 4 stürmer spielend , noch viele gefährliche Angriffe , schon in der 10. Minute der zweiten Halbzeit erzielte der Halblinke auf einen Eckball das 3. Tor . In der 25. Minute fällt wieder auf einen Angriff von rechts durch den Halblinken das 4. Tor . Jena hat nichts entgegenzustellen als eine Druckperiode , die sich an der Merseburger Verteidigung totläuft , ohne daß der Tormann einzugreifen braucht . In der 40. Minute fällt aus naher Entfernung das 5. Tor und 2 Minuten vor Schluß ist der Halbrechte , ohne behindert zu sein , mit 6:0 für seinen Verein erfolgreich . Am nächsten Sonntag hat der 1.Sportverein Jena gegen Spielvereinigung Erfurt in Erfurt anzutreten , die Mannschaft wird im Klaren sein müssen , in welcher Lage sie hineingeschlittert ist , aus der sie sich nur aus eigener Kraft retten kann !
Bericht von E. Pr. in der Jenaischen Zeitung vom 12.02.1934
Spiele
- SV 99 Merseburg : 1.SV Jena 6:0
- Preußen Magdeburg : SV 08 Steinach 1:2
- SC Erfurt : Viktoria 96 Magdeburg 3:3
- VfL Bitterfeld : Fortuna Magdeburg 2:2 , 800 Z.