1960 04. Spieltag: BSG Chemie Zeitz - SC Motor Jena 2:5

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 4. Spieltag
Saison Saison 1960, Hinrunde
Ansetzung BSG Chemie Zeitz - SC Motor Jena
Ort Platz der Einheit in Zeitz
Zeit So. 10.04.1960 16:00 Uhr
Zuschauer 9.000
Schiedsrichter Bergmann (Hildburghausen)
Ergebnis 2:5
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Zeitz
Edgar Ernst
Volkmar Tympel, Lothar Pacholski, Andreas Fischer, Erwin Ehlert, Gerhard Handt (52. Heine), Werner Landmann, Kurt Wilms, Bernd Bauchspieß, Lothar Neumann, Volkmar

Trainer: Ernst Wagner

Jena
Wolfgang Brünner (60. Harald Fritzsche)
Hans-Joachim Otto, Rolf Hüfner, Hilmar Ahnert, Hans Graupe (27. Klaus Gablick), Heinz Marx, Roland Ducke, Walter Eglmeyer, Horst Kirsch, Dieter Lange, Erwin Schymik

Trainer: Georg Buschner

Spielbericht

Zeitz ohne Elan und Feuer

Aus massierter Abwehr konterte Jena klug

Nach diesem völlig überraschenden 2:5 kann man kaum noch von einer besonderen Zeitzer Heimstärke sprechen. Es war die höchste Niederlage, die Chemie zu Hause in der Oberliga jemals kassierte. Noch nie sahen wir die Zeitzer so schwach, so hilflos in vielen Situationen, so unkonzentriert und ohne jeden Elan. Dabei muß man sich vorstellen, daß Chemie weit über zwei Drittel der Spielzeit stürmte. Man muß es mit primitiv bezeichnen, was der Zeitzer Angriff zeigte, zu wenig Ideen, viel zu viel Schablone. Besonders Wilms, Ehlert und Fischer versuchten mit Geschick und Einsatz vergeblich System in die eigenen Reihen zu bringen.

Um wieviel einfacher, zweckmäßiger, aber weit geschickter ging Jena seinen Weg zum Erfolg. Mit massierter Deckung ließ man die Zeitzer anrennen, wobei Marx, diesmal als linker Läufer eingesetzt, Sonderauftrag für Bauchspiess hatte. Vorn standen meist nur Kirsch und Schymik, die aber aus den klaren Abwehrschlägen mit schnellem Antritt und viel Spielwitz durchbrachen und die Zeitzer Abwehr mehr als ihnen lieb war durcheinanderbrachten. Die Rechnung der Jenaer ging jedenfalls völlig auf. Mit diesem System machten sie nicht nur innerhalb einer Minute den Zeitzer Führungstreffer wett, sondern versetzten diesen innerhalb von vier Minuten nach der Pause auch den endgültigen k. o.

Immer wieder fand Jena in jeder Lage einen Anspielpunkt. Immer wieder spielten sie klug die kopflosen Zeitzer aus und fanden dann stets den Weg in die Gasse, wo dann auch prompt immer ein Jenaer Spieler auftauchte. Selbst als Bauchspiess in der 65. Minute die Zeitzer auf 2:3 heranbrachte, fehlten Einsatzwille und vor allem die spielerischen Mittel, um dem Treffen noch eine Wendung zu geben.

Das umständliche Zeitzer Angriffsspiel gab der zieharmonikaähnlichen Jenaer Abwehr immer wieder Gelegenheit Luft zu machen. Abwechselnd deckten die Angriffsspitzen Ducke, Kirsch und Schymik immer haarsträubende Unsicherheiten in der Zeitzer Abwehr auf, die in den Schlußminuten prompt noch zu zwei durchaus vermeidbaren Treffern führten.

In dieser Form kann man den Zeitzern kaum ernstlich Chancen einräumen, die rote Laterne abzugeben. Es sei denn, man findet wieder zum Spiel des Vorjahres, der die Zeitzer daheim zu einer besonderen Macht stempelte. Viel zu primitiv ist aber zur Zeit die ganze Spielanlage, viel zu umständlich wirken die Zeitzer mit und ohne Ball und in der Bewegung, so daß man kaum auf eine Wende hoffen kann.

(Fritz Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 12. April 1960)