1960 03. Spieltag: SC Motor Jena - SC Dynamo Berlin 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 3. Spieltag
Saison Saison 1960, Hinrunde
Ansetzung SC Motor Jena - SC Dynamo Berlin
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit So. 03.04.1960 15:30 Uhr
Zuschauer 10.000
Schiedsrichter Kunert (Dresden)
Ergebnis 1:2
Tore
  • 1:0 Kirsch (15.)
  • 1:1 Quest (25.)
  • 1:2 Poklitar (85.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Wolfgang Brünner
Hans-Joachim Otto, Heinz Marx, Hilmar Ahnert, Hans Graupe, Siegfried Woitzat, Roland Ducke, Walter Eglmeyer, Horst Kirsch, Dieter Lange, Erwin Schymik

Trainer: Georg Buschner

Berlin
Heinz Klemm
Konrad Dorner, Werner Heine, Martin Skaba, Waldemar Mühlbächer, Herbert Maschke, Christian Hofmann, Günter Schröter, Ralf Quest, Hermann Bley, Wilfried Klingbiel (69. Emil Poklitar)

Trainer: Fritz Bachmann

Spielbericht

Die Tore besorgte Motor selbst

Jena hatte nicht eine Spielerpersönlichkeit

Geben wir uns trotz des 2:1-Erfolges keinem Trugschluß hin, rücken wir Dynamo in die Position, die der Elf gegenwärtig tatsächlich zukommt. Vielerorts hat man den Pokalsieger für die Meisterschaft auf den Favoritenthron gesetzt. Die Berliner selbst haben es nie gewollt - und es ist tatsächlich, die ersten Spieltage haben es gezeigt, nicht gerechtfertigt. Keinen Abstrich für die Verteidigerreihe Dorner-Heine-Skaba. Im Lauf vermißten wir die Explosivität von Mühlbächer, der sich offensichtlich zu einem besonnenen, mehr mit dem Kopf spielenden Läufer entwickelt. Aber im Sturm... O weh! Hier handwerkelt jeder auf gut Glück. Hier ist noch lange keine Harmonie. Keiner sucht, keiner findet den Nebenmann, Klingbiel hat sich in der neuen Umgebung noch nicht gefangen, und Schröter bemüht sich trotz größtem Eifer vergeblich um die Regle.

Die Gastgeber bereiteten zunächst viel Freude, und die Zuschauer quittierten die geschlossen und beschwingt vorgetragenen Angriffszüge, wobei im richtigen Moment jeweils auf Steilspiel geschaltet wurde, mit begeistertem Beifall. Sehr schön die aus dem Spiel heraus gebauten Rochaden Kirsch/Ducke/Schymik, die ständigen Positionswechsel, sehr klug das Einschalten der Läufer Graupe und Woitzat in den Angriff. Ein Lob dem im Spielaufbau, in der Spielübersicht auffällig verbesserten Woitzat. Das war feinster Rasenschach, hübsch anzuschauen, schnell, klug und deshalb gefährlich vorgetragen.

Und wir notierten alle herausgespielten Chancen: 15. Minute: Die 1:0-Führung, als Eglmeyer und Kirsch gemeinsam den Ball vortrieben und der Mittelstürmer entschlossen den Ball unter die Latte setzte. 17. Minute, als Kirsch in den Strafraum stürmte, aber Klemm geistesgegenwärtig parierte. 21. Minute, als Ducke gegen die Lattenunterkante knallte, der Bali aber wieder ins Feld sprang. 24. Minute, als Lange das Schußglück versagt blieb. Dann aber fiel für Jenas Unglück der Ausgleich, als Otto völlig unnötig quer auf Torwart Brünner den Ball zurückspielte und der sich einschaltende Quest zum 1:1 einlenkte. Da, in diesem Augenblick gab es einen Kurzschluß im Motor-Getriebe. Nun verwandelte sich die Stärke zum schwachen Punkt.

Denn bis dahin war es doch so, daß die Jenenser nicht nur gefällig operierten, sie waren auch gefährlich. Sie nutzten ihre Schnelligkeit und ihre Technik zum Wohle einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Die Stärke des Jenaer Spieles lag im kollektiven Wirken, nicht in einer überragenden Spielerpersönlichkeit. Nun aber, als es darauf ankam, daß in einem kritischen Moment einer den Faden an sich riß, die Mannschaft zu neuen Taten mitriß, da fand sich keiner aus der Schar der talentierten Leute, und das entschied letzten Endes das Spiel, besiegelte die Niederlage. Schade, dreimal schade, weil damit die gutklassigen Ansätze eines vielversprechenden Meisterschaftsspieles in der Versenkung verschwanden. Denn Dynamo war nicht so stark, die Rolle des Spieles selbst zu übernehmen. Die Berliner Läufer schlugen im Mittelfeld Kapital, aber der Faden riß in dem Moment, als sie den ball an die Stürmer weiterleiteten.

(Rolf Dittrich in "Die Neue Fußballwoche" vom 5. April 1960)