1960 10. Spieltag: SC Motor Jena - SC Fortschritt Weißenfels 5:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 10. Spieltag
Saison Saison 1960, Hinrunde
Ansetzung SC Motor Jena - SC Fortschritt Weißenfels
Ort Stadion am Steg in Gera
Zeit So. 11.06.1960 17:15 Uhr
Zuschauer 9.000
Schiedsrichter Rudi Glöckner (Leipzig)
Ergebnis 5:2 (0:2)
Tore
  • 0:1 Degenkolbe (26.)
  • 0:2 Meyer (29.)
  • 1:2 P. Ducke (47.)
  • 2:2 P. Ducke (56.)
  • 3:2 Eglmeyer (58.)
  • 4:2 P. Ducke (65.)
  • 5:2 Lange (83.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena (weiß-rot)
Harald Fritzsche
Hans-Joachim Otto, Heinz Marx, Rolf Hüfner, Hans Graupe, Siegfried Woitzat, Roland Ducke, Peter Ducke (75. Helmut Müller), Horst Kirsch, Dieter Lange, Walter Eglmeyer

Trainer: Georg Buschner

Weißenfels (blau)
Hans Tuszynski
Dieter Gänkler, Diethard StricksnerRote Karte.gif, Manfred Klapzinsky, Wolfgang Blatt, Eberhard Dallagrazia, Alfred Reinhardt, Peter Prell (66. Heinz Elzemann), Hans Ackermann, Horst Meyer, Heinz Degenkolbe

Trainer: Gerhard Gläser

Spielbericht

Grundverschiedene Halbzeiten

Jena ohne eigentlichen Platzvorteil - das Spiel fand zum Pressefest in der Bezirkshauptstadt Gera statt -, und trotzdem gab es einen klaren 5:2-Sieg. Die 9000 objektiven Zuschauer im Geraer Stadion sahen zwei grundverschiedene Halbzeiten der beiden Kontrahenten! Dies drückt sich nicht nur resultatsmäßig sehr kraß aus, sondern wurde ebenso auf dem Spielfeld abgewickelt.

In der ersten Halbzeit war man von der Leistung der Jenaer sowohl in der Abwehr als auch im Angriff enttäuscht. Weißenfels aber, der nunmehrige Tabellenletzte, war vor dem Gang zur zweiten Halbzeit plötzlich zum hohen Favoriten geworden. Der SC Fortschritt, bei dem Ackermann und vor allem Meyer immer wieder neue Angriffe inszenierten, erspähte die Lücken in der Jenaer Deckung, und so schlug es zweimal hinter dem erneut recht tüchtigen Fritzsche ein. Und diese Führung der Gäste war nicht unverdient! Um so überraschter war man vom Verlauf der zweiten Halbzeit. Ducke II, der sich erneut als Mann mit Torinstinkt auszeichnete, sorgte schon zwei Minuten nach Wiederanpfiff für das psychologisch so wichtige Anschlußtor. Und mit einmal war Jena da, kam immer besser in Abwehr und Angriff ins Spiel, und ebenso schnell "bauten die Gäste ab". Jetzt erlebten die 9000 ein Jenaer Kollektiv, das in spieltechnischer Hinsicht klar dominierte. Endlich konnten sich Woitzat und Graupe dem Offensivspiel widmen, und alle fünf Jenaer Stürmer heizten der Weißenfelser Abwehr mächtig ein. Der SC Motor sparte im Mittelfeld nicht mit Tricks und im Angriff nicht mit Schüssen, von denen Ducke II nach glänzender Vorarbeit seiner Nebenleute gleich drei in Treffer ummünzte. Bedauerlich in diesem fairen Spiel, daß sich Stricksner in völlig unnötiger Situation zu einem Foul im Mittelfeld (!) an Kirsch hinreißen ließ, das mit Platzverweis bestraft wurde. Zu diesem Zeitpunkt - 63. Minute - war Jena beim Stand von 3:2 schon klar auf der Siegerstraße. So konnte es sich Trainer Buschner sogar leisten, den noch blutjungen Ducke II (18 Jahre) später auszuwechseln, um ihn, der erst an die raue Oberligaluft gewöhnt werden muß, nicht zu sehr zu strapazieren.

Was die Weißenfelser anbelangt, so muß man sich wundern, daß die Elf, in der ersten Halbzeit den Beifall der Zuschauer erhielt, wie schon in Dresden einen 2:0-Vorsprung nicht zu halten verstand. Allerdings offenbarte die Deckung des SC Fortschritt, selbst zu einer Zeit, da Stricksner noch dabei war, bei ständigem Jenaer Druck nach der Pause doch bedenkliche Schwächen.

(Peter Palitzsch in "Die Neue Fußballwoche" vom 14. Juni 1960)