1970/1971 13. Spieltag: FC Vorwärts Berlin - FC Carl Zeiss Jena 4:4

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 13. Spieltag
Saison Saison 1970/1971, Hinrunde
Ansetzung FC Vorwärts Berlin - FC Carl Zeiss Jena
Ort Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin
Zeit Fr. 04.12.1970 19:00 Uhr
Zuschauer 8.500
Schiedsrichter Gerhard Kunze (Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 4:4 (2:3)
Tore
  • 0:1 Strempel (8.)
  • 0:2 P.Ducke (9.)
  • 1:2 Piepenburg (12.)
  • 2:2 Körner (18.)
  • 2:3 Vogel (33.)
  • 3:3 Hamann (52.)
  • 3:4 Vogel (62.)
  • 4:4 Piepenburg (75.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Berlin
Alfred Zulkowski
Manfred MüllerGelbe Karte.gif, Norbert Meyer (66. Wolfgang Strübing), Wolfgang Andreßen, Erich Hamann
Gerhard Körner, Otto Fräßdorf, Jürgen Nöldner, Horst Wruck
Jürgen Pfefferkorn, Jürgen Piepenburg

Trainer: Hans Kiupel

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Wolfgang Blochwitz
Peter Rock, Harald Irmscher, Michael Strempel, Lothar Kurbjuweit
Werner Krauß, Roland Ducke, Helmut SteinGelbe Karte.gif, Dieter ScheitlerGelbe Karte.gif
Peter Ducke, Eberhard Vogel

Trainer: Georg Buschner

Spielbericht

Ein Gala-Abend des Fußballs

Sogar die Fotografen gerieten bei diesem Spiel ins Schwitzen. Einer alten Erfahrung zufolge und bei der Konstellation (FCV ohne Heimniederlage, Jena auswärts sieglos), postierten sie sich fast alle hinter dem Gäste-Gehäuse. Nach acht Minuten, beim Stande von 0:2, setzte das große Rennen ein. Prompt schlug es bei Blochwitz ein. 1:2 nach elf Minuten. Unser Pokalsieger und unser Meister übertrafen alle Erwartungen, die an ihre Begegnung geknüpft wurden, boten eine begeisternde Partie,wie mansie in dieser Güte lange nicht mehr auf unseren Oberligaplätzen erlebt hat. Es war ein Gala-Abend zweier hervorragender Mannschaften, der die Trainer Miljanic und Lindner von den Europapokal-Viertelfinalgegnern Roter Stern Belgrad bzw. PSV Eindhoven mehr erschreckte, denn entzückte.

Allein schon die Torfolge - 0:2, 2:2, 2:3, 3:3, 3:4, 4:4 - ließ die leider nur 8500 Zuschauer voll auf ihre Kosten kommen. Aber auch viele andere Szenen begeisterten jedes Fußballerherz. "Lobenswert die offensive Einstellung beider Mannschaften", unterstrich DFV-Generalsekretär Günter Schneider. Bis zum Schluß temporeiche, mit herrlichen Treffern sowie einer weiteren Vielzahl von Torchancen und -schüssen gewürzte, äußerst dramatische 90 Minuten waren die Folge. Die spielgestaltenden Kräfte und die Angriffsspitzen entfalteten sich in einer imponierenden Art. Auf der einen Seite waren vor allem Körner und Nöldner, wie in ihren besten Tagen, nicht zu bremsen, andererseits spielte Irmscher so, wie man ihn sich in Wembley gewünscht hätte, rissen Vogel ("Bei beiden Toren schoß er so plötzlich ab, daß ich überhaupt nicht zum Eingreifen kam", urteilte sein Gegenspieler Norbert Meyer) und Peter Ducke immer wieder Löcher in die rotgelbe Deckung. Die Abwehrreihen hatten die Hauptlast zu tragen und offenbarten dabei einige Mängel. "So schwach wie heute hat unsere Abwehr selten ausgesehen", urteilte Trainer Georg Buschner trotz aller Zufriedenheit. Und Müller (für den verletzten Begerad) vermochte nur schwer Halt in die FCV-Hinterreihe zu bringen. Die Partie hätte ebensogut 6:6 ausgehen können. "Bei dem Licht haben wir Torsteher es besonders schwer", erklärte Alfred Zulkowski, der in den Schlußminuten gleich mehrfach hervorragend parierte. Der FCV machte ein 0:2 (Erinnerungen an das 0:5 vom 30. Mai dieses Jahres wurden wach), 2:2 und 3:4 wett, lieferte sein "bestes Punktspiel in dieser Saison" (Nöldner) und bewies, daß er besser ist als sein gegenwärtiger Tabellenplatz. Das nährt Hoffnungen für die kommenden Europapokalaufgaben!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Es hatte bei diesem schnellen, wechselvollen Geschehen kein leichtes Amt, Kunze allerdings auch einen schwachen Tag. Der Karl-Marx-Städter nahm bei einem Foul an Nöldner die resolut getroffene Strafstoßentscheidung zurück ("Es war voreilig von mir, ich bin durch die Sägespäne an der Strafraumlinie irritiert worden, hätte zunächst einen Blick zum Linienrichter werfen sollen"), irrte sich bei einigen Freistoßentscheidungen und verwarnte für relativ "normale" Fouls (u.a. Müller),während die gelbe Karte bei schwereren Vergehen steckenblieb. Welcke zeigte zweimal völlig unverständlich Abseits an.

(Manfred Binkowski in "Die Neue Fußballwoche" vom 8. Dezember 1970)