1984/1985 17. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 2:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 17. Spieltag
Saison Saison 1984/1985, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 09.03.1985 15:00 Uhr
Zuschauer 7.000
Schiedsrichter Klaus Scheurell (Wusterhausen)
Ergebnis 2:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Konrad Weise
Thomas Schmiecher, Heiko Peschke (78. Thomas Gobel), Gert Brauer
Stefan Meixner, Andreas Krause, Jürgen Raab
Robby Zimmermann (62. Ulf-Volker Probst), Andreas Bielau, Jörg Burow

Trainer: Lothar Kurbjuweit

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Rostock
Axel Hauschild
Jürgen UteßGelbe Karte.gif
Norbert Littmann, Andreas BabendererdeGelbe Karte.gif, Frank Rillich
Axel Schulz, Heiko März, Juri SchlünzGelbe Karte.gif
Thomas Doll (76. Christian Radtke), Rainer Jarohs (54. Torsten Pinkohs), Volker Röhrich

Trainer: Jürgen Heinsch

Spielbericht

Nostalgie führt zu nichts

An die 60er Jahre, als von beiden Klubs kultivierter Fußball um Medaillen offeriert wurde, darf heute nur noch gedacht werden. Nostalgie, alles Nostalgie. In diesen Tagen führt sie allerdings zu nichts. Prekäre Tabellenpositionen ließen die kämpferischen Aspekte obsiegen. Das verwunderte nicht, ganz im Gegenteil, nur sei hier der Hinweis gestattet, daß auch im Kampf um den Klassenerhalt der technisch veranlagte Mann sich selbst treu bleiben muß (wie Meixner, Raab, Uteß), um das Spiel ansehnlicher zu machen.

Nichts gegen Kampf, Einsatz, Forsche, nichts gegen Stilelemente, die auch den Reiz des Fußball ausmachen. Aber wenn sich die Technik, der Spielwitz, die Idee so verschlossen wie eine Auster anbietet, dann steckt in 90 Minuten Kampf halt nur die halbe Wahrheit. Jenas Dynamik war auffälliger. damit wurden die Gäste beeindruckt. Chancen für einen deutlichen Vorsprung besaßen Bielau, Peschke, Raab zur Genüge. In die Schlußverlegenheit des Taktierens brauchten die Thüringer nie und nimmer zu kommen. "Nach dem 2:0 mußten wir unsere Konter viel zügiger und überraschender ausspielen", monierte auch Lothar Kurbjuweit. An der Bedeutung des Erfolges ließ er ebensowenig Zweifel wie Jürgen Heinsch an der Bitternis dieser Niederlage: "Wir verloren das Spiel durch zehn verschlafene Minuten nach der Pause. Viel zu spät wurden wir offensiver und aggressiver."

Jena gewann verdient, stellte sich kompakter, kollektiver vor. Die Elf besaß optische Vorteile, war siegorientiert. Hansa gab dagegen Rätsel auf. So harmlos und uneffektiv sich vieles auch anbot, urplötzlich entwischten die Rostocker mit gestochenen Pässen auf den Mann und in den Raum, daß man das Gefühl nicht los wurde, in dieser Mannschaft eigentlich keinen Abstiegsbedrohten vermuten zu dürfen. Aber mit Ansätzen ist nun einmal weder ein Spiel zu gewinnen noch die höchste Spielklasse zu halten. Da muß durchgängig konzentriert und leistungswillig operiert werden. Gedankliche und spielerische Mobilität ist eine 90-Minuten-Forderung. Abschaltphasen sind da ganz und gar undenkbar. Jena leistete sich diesen Luxus nicht (abgesehen von übertriebenen Querpässen in der eigenen Hälfte). Der schwererkämpfte Sieg wird weiteren Auftrieb geben, wogegen Hansa sehr wohl weiß, daß mit dem in Jena Gebotenen auch in den Heimspielen gegen Lok, den FCK, Dresden und Meister BFC höchstens kleine Brötchen gebacken werden können. Vor den Preis haben die Götter noch immer den Schweiß (von allen, wohlgemerkt!) gesetzt.

(Günter Simon in "Die Neue Fussballwoche" vom 12. März 1985)