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Spieldaten
Wettbewerb Gauliga Mitte Hinrunde
Saison Saison 1936/1937
Ansetzung SV Merseburg 99 : 1.SV Jena
Ort Stadion an der Halleschen Str. in Merseburg
Zeit So 18.10.1936
Zuschauer
Schiedsrichter Berndt (Weißenfels)
Ergebnis 0:0
Tore

Fehlanzeige

Andere Spiele
oder Berichte

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Aufstellungen

Merseburg
Raspe
Roßburg , Franke
Kilian , Reinmann , Gaudig
Herrmann , Bieda , Neubert , Rösiger , Cäsar


Jena
Günther
Hädicke , Ketteritzsch
Harthaus , Werner , Kleinsteuber
Hymon , Schipphorst , Bachmann , Paul , Schüßler

Spielbericht

90 Minuten Kampf gegen Windstärke 8

Der 1. Sportverein hatte das Pech , in Merseburg und damit auch auf dem freigelegenem Platz des SV 99 am Sonntag einen außerordentlich heftigen und böigen Sturm anzutreffen , der längs über das Spielfeld wehte und daher nur einen mehr oder weniger auf Zufall eingestellten Kampf zuließ . Das allein erklärt aber das Unentschieden des Gaumeisters nicht , wenn auch ein solcher Sturm aus dem geschützteren Jena her unbekannt ist . Aber Schipphorst , am Vorsonntag der beste Stürmer und der Torschütze gegen Dessau , ging verletzt in den Kampf und mußte bald den Platz mit Hymon tauschen . Es wäre besser gewesen , für Schipphorst Ersatz einzustellen . Auch davon abgesehen , war das Spiel der Jenaer nicht so frisch und zügig wie gegen Dessau , und Merseburg entpuppte sich stärker , besonders im Sturm , so daß der Gaumeister sogar noch zufrieden sein kann , wenigstens einen Punkt gerettet zu haben . Denn die gefährlicheren Torgelegenheiten arbeitete Merseburg heraus , bei Jena rettete einige Male Latte und Pfosten . Es ist schon nicht von ungefähr , wenn Cricket in Merseburg nur Unentschieden spielte und wenn der "Kicker" dem Sportverein ebenfalls nur ein Remis zubilligte . Bei der Aufstellung Merseburgs überrascht , daß Reinmann Mittelläufer spielte , aber Merseburg hatte hierfür keinen anderen Spieler zur Verfügung .

Die Jenaer mußten zuerst gegen den starken Sturm spielen . Es kam also darauf an , wie Merseburg diese Gelegenheit zu nutzen verstand . Aber siehe da , es ging nicht schlecht mit dem Gaumeister . Zuerst drängte zwar Merseburg stark . Der vorzügliche Linksaußen Herrmann knallt vor die Latte . Aber bald zeigt es sich , daß Jenas Sturm trotz der Windverhältnisse gefährlich ist . Dabei erweist sich Raspe als unsicher , er läßt zweimal den Ball prallen . Merseburg kann nur Ecken erzielen , da Jenas Deckung auf dem Posten ist und sich nicht schlecht an die Verhältnisse anpasst . Nun wechseln Schipphorst und Hymon die Plätze . Einmal muß Reinmann vor Schipphorst entschlossen retten . Dann brennt es bei Jena gefährlich , Reinmann knallt einen Strafstoß vor die Latte , beim Nachschuß wirft sich Günther geschickt . So konnte Jena die gefährliche erste Hälfte überstehen . Merseburg hatte etwa zwei Drittel , Jena ein Drittel im Angriff gelegen . Die Verteidigung Jenas war groß in Einsatz und Aufopferung gewesen , auch die Läuferreihe , wobei Werner wieder eine ungeheure Arbeit leistete . Die Merseburger konnten trotz ihres gefährlichen Sturms nicht zu Erfolgen kommen , da der letzte Einsatz vor dem Tor fehlte .

Nach dem Wechsel glaubte man entsprechend den bisherigen Leistungen an einen glatten Jenaer Sieg , da der Gaumeister technisch und Taktisch überlegen war . Aber es klappte bei den Jenaern nicht mehr so recht , zum anderen war Merseburgs Deckung jetzt auch sehr aufmerksam , und dann - der Sturm der Platzbesitzer spielte ebenfalls gegen den Wind besser , war in Durchbrüchen sehr schnell und nutze die infolge des Orkans schwere Deckungsarbeit der Jenaer Verteidigung bei jedem Fehler geschickt aus . So brannte es gleich nach Wiederbeginn bei Jena , aber der Mittelstürmer Neubert traf nur den Pfosten ! Jena drängte jetzt auch stark . Bachmann vergab eine gute Gelegenheit , indem sein Schuß neben das Tor ging . Es mutete fast wie ein Zeichen der Schwäche an , daß Jena nun wieder mit der Umstellerei begann . Paul wirkte als Verteidiger , Hädicke dafür im Sturm . Aber auch das erwies sich nicht als gut . Einmal war Bieda gefährlich durchgebrochen und konnte gerade noch von Ketteritzsch gestoppt werden . Merseburg ging bald darauf aus , das Ergebnis zu halten und nahm sich bei Abstößen viel Zeit . Jena setzte alles aufs Spiel , Hädicke ging wieder nach hinten , da Merseburg zu gefährlich war , Paul ging ins Mannschaftszentrum und Werner auf halbrechts . Nun verteidigte Merseburg zahlreich und geschickt . Werner setzte eine Bombe knapp über das rechte Eck . Dann war Merseburg ganz gefährlich durch , der Linksaußen frei . Aber der SV sollte Glück haben . Nun blieben die Außenstürmer , vor allem der Rechtsaußen , öfters ungedeckt und riefen immer wieder brenzliche Gelegenheiten vor Günthers Kiste hervor . Vorn aber kämpfte der SV verbissen , jedoch unglücklich , so daß dieser harte Punktekampf torlos blieb . Eckenverhältnis 9:1 für Merseburg !

Bei Jena war die Hintermannschaft ohne Tadel , auch die Läuferreihe , bis auf die Vernachlässigung der Außen gegen Schluß . Der Sturm aber war wieder das Schmerzenskind . Schüßler war zuverlässig und kämpfte gut , Paul scheint sich nicht in den Sturm zu finden , Bachmann wieder ohne Glück . Die Windverhältnisse offenbarten seine Schwäche im Ballhalten . Schipphorst ist nicht zu bewerten , während Hymon wieder sehr eifrig kämpfte , ohne glücklicher als Bachmann zu sein . Im Gesamt war Jena technisch überlegen , das konnte sich aber bei dem Orkan nicht genügend zur Geltung bringen , wo der Zufall viel mitsprach . Die Merseburger verdienen wegen ihrer großen Kampfkraft Anerkennung . Beachtung verdient der Sturm , der gute Kräfte hat und zeitweise fein zusammenspielte , auch im Flügeleinsatz gefährlich war .

Bericht von W.M. in der Jenaischen Zeitung vom 19.10.1936

Spiele

  • Vikt. 96 Magdeburg : Spfr. Halle 1:2
  • Dessau 05 : SpVgg Erfurt 2:0
  • Wacker Halle : Thüringen Weida 1:2
  • 1.FC Lauscha : CV Magdeburg 3:0
  • Merseburg 99 : 1.SV Jena 0:0