1965/1966 14. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Karl-Marx-Stadt 3:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 14. Spieltag
Saison Saison 1965/1966, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Karl-Marx-Stadt
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 12.02.1966 14:30 Uhr
Zuschauer 7.000
Schiedsrichter Rudi Glöckner (Leipzig)
Ergebnis 3:0 (1:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Harald Fritzsche
Hans-Joachim Otto, Peter Rock, Jürgen Werner
Winfried Patzer, Heinz Marx
Michael Polywka, Dieter Lange, Helmut Müller, Werner Krauß, Roland Ducke
Trainer: Georg Buschner
Karl-Marx-Stadt
Manfred Hambeck
Claus Kreul, Friedrich Hüttner, Peter Müller
Fritz Feister, Albrecht Müller
Eberhard Schuster, Manfred Lienemann, Rolf Steinmann, Dieter Erler, Eberhard Vogel
Trainer: Horst Scherbaum

Spielbericht

FC Carl Zeiss in allen Belangen überlegen

Punktspielauftakt zur 2. Halbserie und Spitzenspiel der beiden führenden Mannschaften. Herz, was begehrst du mehr; eine Konstellation, wie sie im Buche stand! Erfüllten sich die Erwartungen? Ja und nein! Ganz sicher, analysiert man die gutklassige Partie des FC Carl Zeiss, seine von hohem läuferischen Einsatz getragenen und mehrmals überaus beeindruckenden, technisch gepflegten Ballpassagen (auch auf schwerem Schneeboden). Mitnichten, wägt man die Leistung der Karl-Marx-Städter ab, ihre Harmlosigkeit und Unproduktivität, ihre versuchsweisen Bemühungen, die über bescheidene Ansätze nicht hinauskamen.

Wirkung und Gegenwirkung. Kann sich dieses sprachliche Ausdrucksmittel zur Erklärung anbieten? Nein, keineswegs. Als der Dresdner Dynamo-Elf in der 1. Halbserie ein vielbeachtetes 0:0 in Jena gelang, da hatte es seine Berechtigung. Vollauf sogar. Da war beiderseits Rasse, Tempo, Einsatz, Kampfgeist und Wucht im Spiel. Von beiden Mannschaften, beide hoben die Auseinandersetzung auf ein hohes Niveau. Diesmal waren die Akzente wesentlich anders gesetzt. Wir hatten sie zwar erwartet, in diesem krassen Maße jedoch nicht. Es wäre töricht, an der bisherigen außerordentlich guten Platzierung des FCK herumzumäkeln. Sie war verdient, verdient durch eine makellose Heimbilanz von 14:0-Punkten bei 17:9-Punkten überhaupt nach dem Abschluß der ersten Meisterschaftshälfte. Bei den Schützlingen Trainer Horst Scherbaums aber schieden sich die Geister noch immer auf des Gegners Platz, so eklatant, wie es eben in nur zwei erzielten Toren (in sechs Spielen) seinen Ausdruck fand. Und allein hier lagen unsere Befürchtungen, bewahrheiteten sich unsere Mutmaßungen, keinen dramatischen Fight im Ernst-Abbe-Stadion zu erleben.

Jena dominierte nach Belieben, nie ernstlich gefährdet. Es tat dies auch ohne Peter Ducke, und die Elf weiß, daß sie nach seinem Ausfall vor allem im Angriff zu einer neuen Konzeption finden muß. Hier gilt es, neue Fähigkeiten zu entwickeln, mehr denn je auch stärkere kämpferische Potenzen frei zu machen. Daß dies gerade Helmut Müller tat, erfreute besonders. Nicht ausschließlich Reißer, viel mehr Dirigent mit herrlich langen Pässen und wuchtigen Schüssen Müllerscher Prägung gegen die nur selten ein Kraut gewachsen ist, so wollte ihn Jena sehen und sah ihn auch. Trainer Georg Buschner war jedenfalls des Lobes voll. Wie auch über Rechtsläufer Patzer, dessen nie erlahmender Eifer Bewunderung abnötigte. Viel zu spät stellten sich die Karl-Marx-Städter auf seinen Offensivdrang ein, bereits vor seinem Führungstor, das für seine ehemaligen Mannschaftskameraden nur der bittere Anfang vom bösen Ende war, hatte er schon den Pfosten (10.) und H. Müller die Latte (4.) getroffen.

Jenas undichte Abwehr wurde in der vergangenen Saison nicht selten gerügt. Jetzt zeigt sich die Viererkette den Anforderungen gewachsen. Gewiß mußte Otto Vogel zwei- dreimal ziehen lassen, Rock und Marx aber waren im Deckungszentrum aufmerksam und unerbittlich. Gegen sie bekamen Steinmann, Lienemann und Erler keinen Stich, wie auch Schuster gegen den kleinen Werner, den Mann mit dem großen Kämpferherzen, stets und ständig den kürzeren zog.

Ganze sechs Schüsse registrierten wir vom Karl-Marx-Städter Angriff. Sie bedeuteten bis auf Vogels Ball an die Latte (75.) keine Gefahr für Fritzsche. Gewiß erzielten die Gäste in der Schlußphase eine spielerische Ausgeglichenheit im Mittelfeld. Doch der Schein trog. Die Zeiss-Städter begnügten sich mit dem 3:0, steckten bewußt zurück. Zwei Abseitstoren versagte schließlich Schiedsrichter Glöckner zu Recht die Anerkennung. Die Positionen von Krauß (25.) und Steinmann (63.) waren so klar regelwidrig, so daß Linienrichter Trautvetter denn auch in beiden Fällen prompt die Fahne hob.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 15. Februar 1966)