1967/1968 08. Spieltag: FC Vorwärts Berlin - FC Carl Zeiss Jena 3:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 8. Spieltag
Saison Saison 1967/1968, Hinrunde
Ansetzung FC Vorwärts Berlin - FC Carl Zeiss Jena
Ort Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
in Berlin
Zeit Sa. 14.10.1967 14:30 Uhr
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Helmut Bader (Bremen/Rhön)
Ergebnis 3:2
Tore
  • 1:0 Nöldner (36.)
  • 1:1 Scheitler (57.)
  • 2:1 Piepenburg (67.)
  • 2:2 Rock (69.)
  • 3:2 Nöldner (89.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Berlin
Alfred Zulkowski
Peter Kalinke, Manfred Müller, Dieter Krampe, Peter Ukrow
Gerhard Körner, Jürgen Piepenburg
Erich Hamann, Hans-Joachim Fröck, Jürgen Nöldner, Jürgen Großheim
Trainer: Fritz Belger
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Heinz Marx, Peter Rock, Michael Strempel, Jürgen Werner
Gerd Brunner, Rainer Schlutter
Helmut Stein, Peter Ducke, Dieter Scheitler, Roland Ducke
Trainer: Georg Buschner


Spielbericht

3:2 im Endspurt

Am Erfolg des FCV muß der Schiedsrichter einen beachtlichen Anteil haben! Zu dieser Feststellung kommt man zwangsläufig, folgt man der Meinung, die Georg Buschner, sonst von uns sehr geschätzter Trainer des FC Carl Zeiss, Journalisten gegenüber nach dem Spiel äußerte. Er betonte, daß Nöldner beim 1:0 abseits gestanden habe, daß es vor dem 2:1 (Nöldner schob einen Freistoß kurz zu Piepenburg, der vollendete) keinen Freistoß hätte geben dürfen und daß zudem sein Torwart beim 3:2 behindert worden wäre. Schließlich habe der Schiedsrichter "sehr einseitig für Vorwärts gepfiffen, und außerdem hat er uns einen Strafstoß versagt, weil er auf Vorteil entschieden habe" (Zulkowski behinderte Stein tatsächlich ein wenig in der 32. Minute).

Diese Äußerungen werden nicht deshalb wiedergegeben, um Buschner kleinlich zu kritisieren. Sie erscheinen uns vielmehr typisch für Diskussionen, die es hin und wieder nach einigen Begegnungen gibt und mit denen endlich Schluß gemacht werden muß. Trainer sind auch Erzieher! Sie werden jedoch dieser Aufgabe nicht in vollem Maße gerecht, wenn sie ihre Spieler dem Schiedsrichter gegenüber derart beeinflussen. Kein Wunder, daß einige der Jenaer die Ursache für ihre Niederlage beim Unparteiischen suchten, daß Stein z.B. sagte: "Der hat aber einen Schnee gepfiffen!"

Eben weil dieses Beispiel kein Einzelfall ist, wurde es hier aufgegriffen, um endlich zu Schlußfolgerungen zu kommen, die, wenn es sein muß, vom DFV in aller Schärfe durchgesetzt werden sollten. In England erhielt unlängst ein bekannter Manager - Docherty von Chelsea - eine hohe Strafe, weil er während einer Tournee ständig Streit mit den Schiedsrichtern hatte...

Um auch das eindeutig zu formulieren: Der FCV gewann schließlich nach Verdienst, weil er aktiver war, besser spielte und weit mehr vom Geschehen hatte. Daß er sich fast mit einer Punkteteilung hätte zufrieden geben müssen, lag vor allem an ihm selbst. Jeweils nach der Führung verschleppte man das Tempo, ließ Ungenauigkeiten und Deckungsschwächen (Krampe) erkennen. In einem dramatischen Schlußspurt gelang dem besten Mann auf dem Platz noch der Siegestreffer. Immerhin hatte FCV-Trainer Fritz Belger einiges auf seinem Tonband festzuhalten, was er während des Spiels besprach. "Das Band reichte nicht aus", meinte er, "um alle Fehler, die es gab, aufzunehmen."

Eine Halbzeit lang sah der FC Carl Zeiss keineswegs wie ein Spitzenreiter aus. Ganze viermal mußte Zulkowski in dieser Phase in harmlosen Situationen eingreifen, wobei nicht verschwiegen werden soll, daß in der 32. Minute Müller für seinen Torwart gegen Stein retten mußte. Auch später wirkten die Gäste recht inaktiv, hatten zumeist nur Scheitler als Sturmspitze in der gegnerischen Hälfte, weil sich sowohl Stein als auch die Gebrüder Ducke weit nach hinten zurückzogen. Peter Ducke - Nöldner gratulierte ihm vor dem Anpfiff zu seinem 26. Geburtstag - gab einmal mehr einige Proben seiner Unbeherrschtheit - leider!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Wohl wirkte Bader nicht immer souverän, so schwach jedoch, wie er von Buschner hingestellt wurde, war er auf keinen Fall. Selbst der beste Spieler beging mehr Fehler als der Unparteiische, um es einmal so darzustellen.

(Klaus Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 17. Oktober 1967)