1979/1980 05. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Magdeburg 3:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 5. Spieltag
Saison Saison 1979/1980, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - 1. FC Magdeburg
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 15.09.1979 17:00 Uhr
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Siegfried Kirschen (Frankfurt/Oder)
Ergebnis 3:2
Tore
  • 1:0 Vogel (4.)
  • 1:1 Decker (26.)
  • 2:1 Töpfer (29.)
  • 3:1 Vogel (61.)
  • 3:2 Hoffmann (82.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Gert Brauer, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Andreas Krause, Lutz Lindemann, Gerhardt Hoppe
Thomas Töpfer, Martin Trocha, Eberhard Vogel (78. Jürgen Raab)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Magdeburg
Dirk Heyne
Rolf Döbbelin
Detlef Raugust, Wolfgang Seguin, Klaus Decker
Jürgen Pommerenke, Siegmund Mewes, Wolfgang Steinbach
Heiner Thomas, Joachim Streich, Martin Hoffmann

Trainer: Klaus Urbanczyk

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Spielbericht

Jena kämpfte kompromißloser

Die Hoffnungen, bei Spitzenspielen auch Spitzenfußball zu erleben, erfüllten sich in der Vergangenheit nicht immer. Diesmal überwogen eindeutig die positiven Aspekte. 12000 Besucher (mit einem kleinen Kreis, der einen der Tierwelt entlehnten Ausdruck privat sicherlich kaum auf sich beziehen wird?) kamen auf ihre Kosten. Spannung, Dramatik, Fußball für Ästheten wie für robuste Naturen war im Niveau-„Angebot" beider Mannschaften.

Das Zünglein an der Jenaer (Erfolgs)-Waage? „Die kompromißlose kämpferische Entschlossenheit", bekannte Klaus Urbanczyk. „Einen Schuß mehr davon hätten wir auch gebraucht." Ohne Zweifel setzten die Gastgeber auf den bedingungslosen, körperbetonten Einsatz, der ihnen sicherlich auch von West Bromwich Albion abgefordert wird. In der Elf steckten Entschlußkraft, Einsatzbereitschaft, Mut zur Offensive. Psychologische Vorteile brachten alle drei Treffer, die stets im rechten Moment fielen. Oldtimer Vogels Volley-Direktschuß aus 14 Metern zur frühen Führung war allein schon die Reise nach Thüringen wert. Als Decker nach brillanter Vorarbeit von Streich ein Magdeburger Kombinationstor bester Güte zum 1:1 schoß, riß 180 Sekunden später Töpfer die Massen von den Sitzen. Aus 12 Metern jagte er das Leder hoch ins Dreieck. Genau so werden auf englischen Feldern Tore erzielt - auf kürzestem Wege, entschlossen, volley, ohne Tricks und doppelten Boden! Vogels 172. Punktspieltor (!) nach kurzer Freistoßablage von Lindemann brachte dann schon das entscheidende 3:1. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als die Gäste systematisch in die Offensive gingen, Feldüberlegenheit erreichten, spieltechnisch kultivierter wirkten, die Nervosität beim FC Carl Zeiss stieg.

Wie schon beim 1:2 in Berlin gegen Meister BFC Dynamo offerierte Magdeburg eine bessere zweite Halbzeit. In Jena „machte" Zeiss zunächst das Spiel (7:0 Ecken, 11:6 Torschüsse), ehe die Urbanczyk-Elf nach der Pause „kam". Erstaunlich, welche Unruhe Heyne durch Fehlerserien in die Abwehr brachte. Grapenthin stach den Magdeburger Schlußmann klar aus, selbst wenn der Jenaer beim 2:3 durch Hoffmann sich zu spät von der Linie löste. Die spielerische Lockerheit, die vor allem der quicklebendige Steinbach ( von der FUWO zum Spieler des Tages gewählt ) nach dem Wechsel an den Tag legte, war nicht jedem Magdeburger zu eigen. Hoffmann und Streich, erst recht Thomas wirkten in Tornähe zu zaghaft. Im Deckungszentrum ließ der 1. FCM eine Fülle an diffizilen Situationen zu, weil hohe Bälle entweder unterlaufen oder Zweikampfszenen nicht resolut genug zu seinen Gunsten entschieden wurden. Und einen „Matz" Vogel mit dem Torgespür wie einst im Mai oder wie ewig jung, besaß der Pokalsieger schon gar nicht.

Nach dem 0:3 in Dresden, im ersten Schlagerspiel, hielt sich Jena nun am 1. FCM schadlos. Wie die Meyer-Schützlinge die dritte große Kraftprobe gegen den BFC Dynamo (7. Runde daheim) absolvieren, weiß heute noch niemand zu beantworten. Wenn Magdeburg allerdings auch sein drittes Spitzenspiel nach Berlin und Jena am 11. Spieltag in Dresden verlieren sollte, dann heißt es schon fast Ade, du schöner Meistertraum. So hart stehen die Dinge im Raum.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Über unterschiedliche Freistoßauslegung sei hier nicht gestritten. Unerklärlich allerdings, wie in der 74. Min. auf Ecke entschieden wurde, als Grapenthin Hoffmann von den Beinen riß. Entweder Strafstoß (was logisch war) oder Abstoß (da Hoffmann den Ball über die Linie nahm); alles andere war indiskutabel.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 18. September 1979)


Nachwuchs: 0:2 , Tore : Wittke , Windelband

Jena : Zimmer , Rode , Köberlein , Pohl , Schilling , Kulb , Oevermann , Sengewald ( 46.Steinborn) , Roß , Burow , SchmiedGelbe Karte.gif ( 70. Wachter) / Tr.: Thomale