1983/1984 06. Spieltag: BSG Wismut Aue - FC Carl Zeiss Jena 5:3

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 6. Spieltag
Saison Saison 1983/1984, Hinrunde
Ansetzung BSG Wismut Aue - FC Carl Zeiss Jena
Ort Otto-Grotewohl-Stadion in Aue
Zeit Sa. 24.09.1983 15:00 Uhr
Zuschauer 14.000
Schiedsrichter Hans Kulicke (Oderberg)
Ergebnis 5:3
Tore
  • 0:1 Peschke (9.)
  • 1:1 Körner (18., Foulstrafstoß)
  • 2:1 Körner (27.)
  • 2:2 Schykowski (40., Eigentor)
  • 3:2 Escher (50.)
  • 4:2 Körner (57., Foulstrafstoß)
  • 5:2 Mothes (72.)
  • 5:3 Ludwig (87.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Aue
Jörg Weißflog
Hans Schykowski
Ralf Kraft, Thomas Teubner
Wolfgang Körner, Steffen Krauß, Holger Erler, Uwe Bauer
Klaus Bittner, Harald Mothes, Jürgen Escher

Trainer: Hans-Ulrich Thomale

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Gerhardt Hoppe, Heiko Peschke, Jürgen Köberlein
Mathias Pittelkow (58. Wolfgang Schilling), Jürgen RaabGelbe Karte.gif, Thomas Ludwig, Martin Trocha
Andreas Bielau, Jörg Burow (56. Stefan Meixner)

Trainer: Hans Meyer

Spielbericht

Wismut-Sturm im Altweibersommer

Aue am Scheideweg. Holger Erler umriß die Ausgangsposition seiner Mannschaft so: "Nach dem schwachen Spiel in Karl-Marx-Stadt wollten wir uns schon gegen Böhlen einigermaßen rehabilitieren, viel mehr nun vor eigenem Publikum gegen den FC Carl Zeiss. Es ging uns auch darum, mit einem Sieg unsere Mittelfeldposition erst einmal zu festigen."

Ohne Frage ist dies der Wismut-Mannschaft in eindrucksvoller Art und Weise gelungen. Der FC Carl Zeiss, in der noch jungen Serie schon überaus heftig gebeutelt, geriet im Altweibersommer in einen nie erwarteten Wismut-Sturm. Reservetorhüter Ulrich Ebert jedenfalls freute sich genauso wie das begeisterte Publikum: "Das war Fußball!" Und Hans-Ulrich Thomale, der Wismut-Trainer, ließ sich sogar zu diesem Urteil bewegen: "Das beste, was die Mannschaft bot, seitdem ich sie betreue."

Dabei begann es für Wismut gar nicht so vielversprechend. Als Peschke eine Eingabe von der rechten Seite per Kopf im Wismut-Gehäuse unterbrachte, schien die Wismut-Angriffslust sogar für Minuten eingedämmt. Aber der Gastgeber erholte sich schnell. Freilich auch deshalb, weil ihm der Kontrahent mit einigen taktischen Unzulänglichkeiten überuas behilflich war. Pittelkow beispielsweise zeigte sich im direkten Duell mit Erler einfach überfordert. Der Wismut-Stratege ließ sich weit in die eigene Hälfte zurückfallen, wurde dort angespielt, und einmal im Ballbesitz tat er stets das Richtige: ein Solo, wenn er einen seiner Mitspieler freispielen wollte; einen spielverlagernden Paß, wenn es nötig war. Da er von Bauer, Krauß, Mothes, Körner und vor allem von Escher bestens unterstützt wurde, geriet die Abwehr derJenaer in der Folgezeit in derartige Bedrängnis, daß Fehler gar nicht ausbleiben konnten. Am ärgsten patzte wohl Hoppe, der mit seinen unsauberen Attacken auf Escher nicht nur den Ausgleich auf dem Gewissen hatte, sondern auch für eine Fülle von Freistößen an der Strafraumgrenze sorgte. Erlers Geschoß in der 43. Minute landete glücklicherweise für Grapenthin am Lattenkreuz.

Der Kulminationspunkt der Begegnung lag zweifellos nach der Pause, als Aue mit kaum jemals zuvor gesehener Vehemenz angriff und aus dem 2:2 ein 4:2 machte. Danach stellte sich die Mannschaft in aller Ruhe hinten rein, um die Jenaer nach allen Regeln der Kunst auszukontern. Was Escher in dieser Phase mit seinen Jenaer Gegenspielern alles veranstaltete, ließ das Wismut-Publikum schier aus dem Häuschen geraten. Köberlein, der ihn nach Hoppe bewachen sollte, sah sich dieser Aufgabe ebensowenig gewachsen wie zuvor der Zeiss-Routinier.

(Rainer Nachtigall in"Die Neue Fussballwoche" vom 27. September 1983)


Zeiss-Abwehr aus den Fugen

Man braucht kein Prophet zu sein, um der Jenaer Mannschaft eine ganz schwere Saison vorauszusagen. Die Saalestädter, mit großen Erwartungen in die Meisterschaft gestartet, haben auch nach diesem Spieltag noch immer keinen vollen Erfolg landen können, und im Ernst-Abbe-Sportfeld wird man in den nächsten Tagen wohl oder übel eine neuerliche Standortbestimmung vornehmen müssen.

Was fällt ins Auge? Solange Akteure wie Weise, Brauer, Kurbjuweit, Vogel und andere in der Mannschaft standen, war es für einige Youngster, beispielsweise für Ludwig, Meixner, Pittelkow und Burow, nicht schwer, hin und wieder eine ansprechende Leistung zu bringen. Lief es mal nicht so, die Last der Verantwortung trugen dann immer die gestandenen Männer, die Routiniers. Und sie trugen sie gut. Nun aber ist die Situation eine andere. Der schwache Start der Jenaer trug ohnehin nicht dazu bei, das Selbstvertrauen zu festigen. Die völlig ungewohnte Platzierung im Schlußdrittel der Tabelle läßt einige der jungen - und nun auch der älteren - Spieler fast in Hektik verfallen. Wie anders sind sonst die eklatanten Schnitzer zu erklären, mit denen sich die Jenaer im Lößnitztal zumindest im Abwehrverhalten vorstellten? Tatsächlich ist der alte Fußballgrundsatz noch immer bindend, daß für ein erfolgreiches Spiel nach vorn erst einmal die eigene Abwehr "stehen" muß.

(Rainer Nachtigall in"Die Neue Fussballwoche" vom 27. September 1983)