1980/1981 03. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - Hallescher FC Chemie 3:1

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
Version vom 12. Dezember 2009, 12:20 Uhr von Tn (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 3. Spieltag
Saison Saison 1980/1981, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - HFC Chemie
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 06.09.1980 15:00 Uhr
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Siegfried Kirschen (Frankfurt)
Ergebnis 3:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Wolfgang Schilling, Konrad Weise
Gerhardt Hoppe, Andreas Krause, Lutz Lindemann (67. Andreas Bielau), Lothar Kurbjuweit
Thomas Töpfer, Jürgen Raab (79. Martin Trocha), Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Halle
Frank Jaenecke
Michael Rehschuh
Detlef Robitzsch, Manfred Fülle, Dieter Strozniak
Burkhard Pingel (58. Uwe Lorenz), Günter Amler, Wolfgang Schmidt, Hartmut Meinert
Frank Pastor, Holger Krostitz

Trainer: Peter Kohl


Spielbericht

"Durststrecke" war nicht eingeplant

Niemand verübelte es den Hallensern sicherlich, daß sie den gepflegten Rasen des Ernst-Abbe-Sportfeldes mit gemischten Gefühlen betraten und darin nur noch bestärkt wurden, als ihnen der auch in der Folgezeit immer wieder energisch vorprellende Kurbjuweit schon vor Ablauf der ersten Minute den Ball in die Maschen setzte. Aber wer Bestürzung, Fassungslosigkeit bei den Gästen erwartet hatte, sah sich überrascht. "Nach dieser schnellen Führung brauchten wir nahezu eine Viertelstunde, um unsere Aktionen in sichere, geordnete Bahnen zu lenken. Das nutzte der HFC zu einigen schnellen, durchaus vielversprechenden Konterattacken." Jenas Trainer Helmut Stein, bekannt für seine kritischen Einschränkungen, brauchte in dieser Phase aber keinesfalls um die Führung oder den Erfolg Jenas zu bangen. Als sich die Elf ihres dynamischen, lauffreudigen Stils besann, ihn bis zur Pause dann mit gewohnter und gefürchteter Tempostärke demonstrierte, waren weitere Treffer nur noch eine Frage der Zeit. Mit einem 0:2 kam Chemie schließlich mehr als glimpflich über die ersten 45 Minuten!

Der augenfälligste Unterschied im Spielkonzept zumindest der ersten Halbzeit: Aus vier Mittelfeldpositionen heraus kam bei Jena jener Druck, jene Entschlossenheit im Vorwärtsgang, die man beim HFC nur sporadisch bei Amler und Meinert spürte, bei Schmidt (Krause war für den Techniker der denkbar ungeeignetste Widerpart) und insbesondere Pingel aber so gut wie gar nicht antraf. Unaufhörlicher Ballnachschub für Töpfer, der keinem Zweikampf aus dem Weg ging, Raab (wann endlich gelingt ihm der erste Treffer der Saison?) sowie Vogel lösten eine Welle torgefährlicher Situationen aus. Nahezu pausenlos unter Druck stehend, durfte Halle bei gelegentlichen Entlastungen über Pastor, den Weise resolut stellte, sowie den beweglich wirkenden Krostitz kaum auf Chancen hoffen. Zumindest zunächst nicht...

Zwei grundverschiedene Halbzeiten spielten die Frage nach dem Warum hoch. "Wir riskierten jetzt bei weitem nicht mehr alles, liefen zuviel mit dem Ball, anstatt ihn in die Räume zu schlagen. Der Sinn stand uns kaum noch nach Tempogefühl, unserer großen Stärke." Eberhard Vogel, auch in Jenaer Leistungsabfall nach Wiederbeginn weiter konzentriert spielend, sah die Zusammenhänge richtig, die dem Gast das Gleichgewicht der Kräfte ermöglichten. Sorgsamere Deckungsarbeit, Mut zum Lösen vom Gegenspieler bis weit in die Jenaer Hälfte hinein (Fülle), beherzte Zweikampfführung (Krostitz gegen Schilling) belegten hinreichend: Halle hatte den Respekt endlich verloren, mit präziserem Spiel das geeignete Mittel gefunden, um den FC Carl Zeiss aus allen Träumen von einem ungefährdeten Sieg zu reißen. Zwischen Fülles Anschlußtor und Vogels 3:1 mit platziertem Kopfball mußte Jena noch unerwartet eine gehörige "Durststrecke" überstehen!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Kirschen leitete souverän, wirkte beruhigend auf Krause und Schmidt ein, die im Duell zweimal die Grenzen überschritten. Eine saubere Atmosphäre auf dem Feld, leider jedoch nicht auf den Rängen, wo es sogar zu Handgreiflichkeiten kam. Da verbietet es sich von selbst, von "Anhängern" zu sprechen!

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 9. September 1980)