1967/1968 22. Spieltag: FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 2:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 22. Spieltag
Saison Saison 1967/1968, Rückrunde
Ansetzung FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena
Ort Ostseestadion in Rostock
Zeit Mi. 08.05.1968 17 Uhr
Zuschauer 35.000
Schiedsrichter Gerhard Kunze (Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 2:1
Tore
  • 0:1 Stein (40.)
  • 1:1 Decker (48.)
  • 2:1 Pankau (89.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Rostock
Jürgen Heinsch
Gerhard Sackritz, Dieter Wruck, Helmut Hergesell, Herbert Pankau
Klaus-Dieter Seehaus, Kurt Habermann
Günter Madeja (75. Klaus-Peter Stein), Gerhard Kostmann, Jürgen Decker, Werner Drews
Trainer: Gerhard Gläser
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Wolfgang Blochwitz
Udo Preuße, Heinz Marx, Michael Strempel, Jürgen Werner
Gerd Brunner (62. Werner Krauß), Rainer SchlutterGelbe Karte.gif
Helmut Stein, Peter Ducke, Dieter Scheitler, Roland Ducke
Trainer: Georg Buschner

Spielbericht

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Frische Brise im Ostseestadion

Roland Ducke und die Mehrzahl seiner Kameraden erwiesen sich als Unterlegene von Format. Als die Rostocker nach dem Abpfiff jubelnd die Arme hochrissen, als siegestrunkene Anhänger der Hansa-Elf auf der Aschenbahn ihre Transparente schwangen, als Jürgen Werner eilig, zu eilig den Rasen verlassen wollte, von seinem Trainer jedoch zurückgeschickt wurde, da ging der Jenaer Kapitän zu seinen Sportfreunden von Hansa und reichte ihnen die Hand zur Gratulation. So hart die neunzig Minuten auch waren, in denen man sich wahrlich nichts schenkte, so versöhnlich stimmte diese Geste am Ende dieses Spitzenkampfes, den DFV-Cheftrainer Harald Seeger so kommentierte:

"Es war die erwartete kampfbetonte Auseinandersetzung, in der man das spielerische Vermögen beider Kontrahenten mehr ahnte als sah. Das war angesichts der Bedeutung, der nervlichen Anspannung auch fast normal."

"Ich hatte meiner Mannschaft eingeschärft", so betonte Hansa-Trainer Gläser freudestrahlend in der Kabine, "daß der FC Carl Zeiss wegen seines besseren Torverhältnisses praktisch drei Punkte Vorsprung hat. Also mußten wir unbedingt gewinnen. Das zu erreichen, schien am besten möglich, wenn wir das Jenaer Mittelfeldspiel zu stören suchten. Deshalb zog ich Decker Stein vor, beauftragte ihn, Schlutters Aktionsradius einzuengen und selbst noch spielgestaltend zu wirken. Auch die anderen, die unmittelbar für einen Mann verantwortlich waren (Seehaus - P. Ducke, Sackritz - Scheitler, Hergesell - Stein, Habermann - R. Ducke, Pankau - Brunner), sollten sich entsprechend der Situation lösen."

Jenas Clubsekretär Keßler gab sich vor dem Anpfiff betont ruhig: "Für uns ist diese Begegnung eine von 26. Nicht mehr, nicht weniger. Ein Unentschieden würde uns reichen, und selbst durch eine Niederlage werden wir nicht aussichtslos zurückgeworfen. Das könnte ein Vorteil für uns sein."

Fast schien es so. Ungestüm, zu ungestüm gingen die Rostocker an ihr Vorhaben. Sie stürmten zwar ständig, schnürten den FC Carl Zeiss nahezu völlig ein, ihnen fehlte aber zunächst ein Mann, der voller Ruhe die Aktionen lenkte, sie ordnete. So erzielte man zwar eine optische Überlegenheit, erzwang auch Chancen durch Habermann (6., 26.), Kostmann (14.), Decker (15., 27.), die jedoch durch eigene Nervosität oder durch Blochwitz´ gedankenschnelle Reaktionen oder durch die Latte (21., Drews) zunichte gemacht wurden.

Dieses Anstürmen kostete nicht nur Kraft. Es schweißte auch den Jenaer Abwehrblock fest zusammen. Strempel hatte Kostmann sicher im Griff, die bissigen Außenverteidiger ließen ihren Gegner wenig Raum, und Marx steigerte sich in Rocks sonstiger Rolle, wobei dessen Fehlen, kurz vor dem Anpfiff erst zur Gewißheit werdend, zunächst einen gewissen Schock hinterließ, der jedoch schnell überwunden wurde. Dank der aufopfernden Laufarbeit der Schlutter, Stein, R. und P. Ducke und Scheitler, die zusätzlich Abwehraufgaben übernahmen, wurde dieser Ansturm überstanden. Und als Stein in der 40. Minute eine Flanke Scheitlers aufnahm und vollendete, schienen die Thüringer am Ziel ihrer Wünsche. "Einmal kommen sie durch", bemerkte Kurt Zapf bitter, "und schon liegen wir im Rückstand." Es war tatsächlich der erste richtige Angriff der Gäste; erst in der 42. Minute (!) hatte Heinsch Gelegenheit, einen Schuß Preußes zu parieren.

"Unser Spiel sah zwar nicht immer gut aus", bekannte Clubsekretär Keßler während der Halbzeit, "aber mit dem Resultat sind wir sehr zufrieden." Und sein Rostocker Kollege Pahnke ärgerte sich: "Bei solchen Chancen müssen doch Tore fallen. Ein schneller Ausgleich kann noch für eine Wende sorgen."

Sein Vertrauen in seine Mannschaft zahlte sich schnell aus. Die erste überlegt vorgetragene Kombination nach dem Wechsel wurde erfolgreich abgeschlossen. Hergesell, stark in der Offensive, spielte Pankau an, lief sofort in Stellung, erhielt den Ball zurück und servierte ihn Decker.

Der Ausgleich ließ die Jenaer die Gefahr ahnen, legte neue Kräfte frei. Sie erzwangen eine leichte Überlegenheit. P. Ducke, Scheitler, Schlutter, Stein u. a. deuteten ihre Gefährlichkeit an.

Doch da bewiesen die Rostocker, daß ihre Willensqualitäten mit Recht gerühmt wurden, daß im Ostsee-Stadion eine frische Brise weht. Sie ließen nicht locker. Pankau blies zum Sturm: Sackritz, Decker, Habermann, Kostmann, Drews schlossen sich an. Energisch stemmten sie sich gegen den drohenden Punktverlust. Zu früh beschränkten sich die Gäste darauf, Zeit zu schinden, die Bälle risikolos in die Zuschauermassen zu jagen. Kunze zeigte an, daß er nachspielen lassen würde. Und dieser Schlußspurt wurde schließlich noch durch einen Treffer belohnt, der das Duell um den Titel weiterhin spannend werden läßt und den der glückliche Schütze Pankau so kommentierte: "Ich habe den Ball einfach in Richtung Tor geschlagen. Eigentlich konnte ich nichts dafür."

In der fUWO werden Jürgen Decker (Rostock ) und Helmut Stein (Jena ) Spieler des Tages .

Zum Schiedsrichterkollektiv: Kunze leitete die messerscharfe Partie voller Umsicht und paßte sich dem erhöhten Laufpensum der Spieler an. Als Heinsch weit mehr als vier Schritte mit dem Ball lief, blieb sein Pfiff aus.

(Klaus Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 14. Mai 1968)