1979/1980 FDGB-Pokal Finale: FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt 3:1 n. V.

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Spieldaten
Wettbewerb FDGB-Pokal, Finale
Saison Saison 1979/1980
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Rot-Weiß Erfurt
Ort Stadion der Weltjugend in Berlin
Zeit 17.05.1980 15:00
Zuschauer 45.000
Schiedsrichter Siegfried Kirschen (Frankfurt/Oder)
Ergebnis 3:1 n.V.
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Wolfgang Schilling, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Gerhardt Hoppe, Lutz Lindemann, Andreas Krause
Martin Trocha (60. Thomas Töpfer), Jürgen Raab, Eberhard Vogel (72. Dietmar Sengewald)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Erfurt
Wolgang Benkert
Hans-Joachim Teich
Uwe Becker, Dieter Göpel, Harald Brosselt
Klaus Schröder (97. Jörg Hornik), Harald Fritz, Manfred Vogel (96. Josef Vlay)
Martin Iffarth, Jürgen Heun, Armin Romstedt

Trainer: Manfred Pfeifer

Spielberichte

Als der Außenseiter führte, wurde Favorit gefordert

Eintrittskarte
Berechtigung Sonderzug

Die Trainer versprachen einiges, doch die Mannschaften hielten zunächst wenig davon. Manfred Pfeifer ging davon aus, daß seine Vertretung offensiv wirken wolle; Hans Meyer betonte, daß beide um den Sieg spielen werden.

Nun das Weiß-Rot der Erfurter und das Blau-Weiß der Jenaer, neunfach über das gesamte Feld hinweg, scheinbar untrennbar miteinander verbunden, mag sich auf dem grünen Rasen zu einem hübsch bunten Bild vereint haben, indes schien dieser totale Pärchenbetrieb zu einer völligen Erstarrung des Geschehens zu führen. Fritz-Lindemann, Schröder-Krause, Vogel-Hoppe - so fanden sie sich im Mittelfeld keineswegs zufällig zusammen, und die Stoßstürmer konnten sich kaum drehen, so dicht standen ihnen die Abwehrspieler auf den Füßen. Nichts gegen ein konsequentes Decken der Angreifer, aber alles gegen ein stupides Hinterherlaufen über das gesamte Feld, gegen jenes sterile "Miteinander der Kontrahenten" im Mittelfeld, das eher für Phantasielosigkeit aller Beteiligten spricht, Trainer wie Spieler, als für eine vorgegebene taktische Konzeption.

Die logische Folge: Lange Zeit passierte so gut wie nichts. Spannungsgehalt eines Pokalspiels? Dramatische Zuspitzung eines Finales? Zunächst nichts von alledem. Stattdessen machte sich fast Langeweile breit.

Die Höhepunkte der ersten Phase sind schnell aufgezählt: Schnuphase schloß oft mit nach vorn auf, hatte auch eine Chance (8.), während Teich lediglich einmal über die Mittellinie rückte, dabei gleich eine gute Kombination auslöste (35.). Dazwischen ließ Lindemann einen Knaller los, den Benkert parierte (32.). Sonst gab es nichts Bemerkenswertes zu notieren.




Statistische Details
Jena Erfurt
Torschüsse 16 15
Freistöße 23 27
Verwarnungen 0 0
Eckbälle 9 8
Abseits 11 2

Ein Glück für den weiteren Fortgang des Geschehens, daß Fritz nach genau vierzig Minuten alle Fesseln sprengte, sich mit schnellem Antritt von Lindemann löste, den Ball kurz am Fuß führte und überraschend abschoß. Grapenthin parierte zwar, mußte die Kugel jedoch prallen lassen. Romstedt war zur Stelle. Der Ball zappelte im Netz. Der Außenseiter führte.

Der Rückstand zwang den Favoriten zu größerer Aktivität, und sofort gewann das Geschehen an Reiz. Erst jetzt kam Spannung auf, Dramatik sogar, und mit diesen Faktoren stellten sich auch Elemente der Klasse ein. Freilich gab es nach wie vor Unfertiges zu sehen, beispielsweise bei einigen Akteuren der Umgang mit dem Ball. Doch insgesamt geschah jetzt viel Überraschendes, dem man seine Anerkennung nicht versagen konnte. Was aber nur die Frage provoziert: Warum nicht gleich so?

Wie auch immer, Schnuphase, Weise, Kurbjuweit drängten im Wechsel nach vorn. Darin sah Manfred Pfeifer später eine wichtige Ursache für "Jenas noch verdienten Sieg, weil die engere Abwehr aggressiver wirkte". Lindemann wurde mehr und mehr zum Regisseur. Hoppe ging weite Wege. Krause zwang Schröder in die Defensive. Und vorn zerrten Vogel, Raab, Töpfer an den Ketten, durchbrachen sie jetzt mehrfach, ließen Becker, Göpel, Brosselt mit zunehmender Spielzeit schlechter aussehen. Benkert mußte bei Eingaben und Schüssen sein Können beweisen, tat das auch mit Auszeichnung, "wobei jedoch", wie er sagte, "das dritte Tor auf mein Konto ging".

Trotz des Jenaer Dauerdrucks, die Erfurter machten sich mehrere Male urplötzlich frei, verbuchten Chancen, hatten die Möglichkeit, die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Nach Göpels Flanke köpfte Vogel daneben (55.); als Romstedt Hein freispielte, lenkte Grapenthin zur Ecke (56.); und auch Göpel verfehlte nach Fritz´ Flanke das Ziel (64.).

Zum viertenmal nach 1960, 1962 und 1974 gewann der FC Carl Zeiss Jena (im Foto kurz nach dem Endspielsieg) den FDGB-Fußballpokal.

Diese Aktionen waren ein Signal für den FC Carl Zeiss. Wirkte er zunächst nach dem Wechsel noch etwas bieder mitunter geradezu hausbacken, als die Gefahr einer Niederlage immer gravierender wurde, verstärkte er seine Bemühungen, bewies der Favorit Moral. Es hatte auch den Anschein, als habe der FC Carl Zeiss mehr zuzusetzen, wobei das jedoch auch einfach aus der Konstellation des Spiel heruas abzuleiten ist, aus dem "alles oder nichts", zu dem er ja gezwungen war. Raabs Tor nach Töpfers Flanke und zu kurzer Abwehr der Erfurter Deckung leitete die Wende ein. Die Entscheidung fiel allerdings erst, und das dürfen die Rot-Weißen auf der Habenseite verbuchen, in der Verlängerung. Nach Sengewalds Freistoß, der von der Mauer zu Kurbjuweit prallte, sorgte der linke Verteidiger von der rechten Seite(!) für das 2:1, dem Sengewald schließlich mit haltbarem Schuß das 3:1 folgen ließ.

Ohne Zweifel, der FC Carl Zeiss gewann dann noch völlig verdient, weil er ausgeglichener besetzt war, flexibler wirkte und auch über die besseren Individualisten verfügte. Der FC Rot-Weiß tat viel zur Belebung des Spiels, das insgesamt fair geführt wurde, bei dem Schiedsrichter Kirschen ohne Verwarnung auskam, was sowohl für seine Leistung als auch für die korrekte Haltung der Aktiven sprach.

(Klaus Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 20. Mai 1980)

Der beste Stoßstürmer wurde erst eingewechselt

Thomas Töpfer - zwar ohne Treffer im Finale - aber mit den besten Kritiken

Im Blickpunkt des 29. Pokalendspiels: Junge talentierte Stürmer! Hier Trocha (22), Raab und Töpfer (beide 21), dort Romstedt (23), Hornik (22), Heun (21) und Vlay (20). Wie setzten sie sich in Szene? Welche Qualität besaß ihr Angriffsspiel?

Es war so unterschiedlich, daß bei einer fuwo-Punktewertung sicherlich die 8 (Töpfer) ebenso zur Diskussion gestanden hätte wie die 2 (Hornik). Aus dem totalen Pärchenbetrieb mit hautnaher Deckungsarbeit vermochte sich nach seiner Einwechslung allein der Jenaer Töpfer zu lösen. Ohne das Pokalengagement der anderen Stoßstürmer - die älteren Vogel (37) und Sengewald (26) bei Jena und den Erfurter Vogel (32) einbezogen - schmälern zu wollen, entfachte Töpfer erst jenes Feuer, das man erwarten durfte. Trocha und Vogel, Jenas etatmäßige Flügelstürmer, blieben gegen Brosselt und Becker fast wirkungslos. Raab besaß zumindest die Entschlußkraft zu einem herrlichen Ausgleichstor, während Sengewald für sich in Anspruch nehmen darf, an beiden Verlängerungstoren maßgeblich beteiligt gewesen zu sein.

Wesentlich krasser differierte bei den Rot-Weißen die individuelle Ausstrahlungskraft der Angriffsspieler. Gewiß, Heun wurde gleich zweimal in der Anfangsphase nicht mit Glacehandschuhen angefaßt, aber der Auswahlstürmer muß auch mehr Härte gegen sich selbst aufbringen. Sich robust durchzusetzen, auf den Beinen zu bleiben und kompromißlos seine Chance wahrzunehmen, ist noch Zukunftsmusik für den 21jährigen. Was an Romstedt durchaus zu imponieren vermochte, war der blitzschnelle Antritt bei Kontermöglichkeiten. Dann war der Erfurter kaum zu bremsen. Nicht von ungefähr schoß er auch das Führungstor, ohne lange zu fackeln. In diesem Stil ist er am wirkungsvollsten. Auf Vogel trifft das in gleicher Weise zu, allerdings probierte er es nur zweimal "Ausreißversuche" und schoß gleichfalls zweimal haushoch über die Latte. Jenas eingewechselte Stürmer belebten die Szenerie, die Erfurter Vlay und Hornik wurden gar nicht wahrgenommen. Weder vom Laufaufwand, vom Aktionsradius, von kämpferischer Einsatzfreude noch von Impulsen für das erlahmende Erfurter Spiel her hatten sie Anspruchsvolles in petto. Aus einer knappen halben Stunde Endspiel-Fußball hätten sie unbedingt mehr machen müssen!

Die große Erschwernis für alle Stürmer bestand in der Zweikampf-"Klammer". Unter diesen Bedingungen werden der Mut, die persönliche Risikobereitschaft herausgefordert. Sporadisch war beides zu erkennen, durchgängig jedoch nicht. Was Wunder, daß die Mehrzahl der Zweikämpfe deshalb auch nicht von den Angriffs-, sondern von den Abwehrspielern gewonnen wurde.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 20. Mai 1980)

Stimmen zum Spiel

  • Konrad Weise (Jena): "Ehrlich, so richtig war ich nicht mehr von unserem Sieg überzeugt. Dennoch steckte keiner von uns auf. Und genau das zahlte sich ja dann auch aus. Eben unserer Moral hatten wir den Ausgleich noch zu verdanken. Und dann klappte es jan noch. Erfurt forderte uns stark. Es zeigte sich, daß der Pokal eigenen Gesetzen unterliegt, und das macht seinen Reiz aus. Mir schien, daß wir auch kräftemäßig mehr zuzusetzen hatten als der FC Rot-Weiß, der ganz offensichtlich den Ausgleich wenige Minuten vor dem Schlußpfiff nervlich nicht verkraftete."
  • Dieter Göpel (Erfurt): "Enttäuscht? Nein, ein wenig geknickt schon. Wir standen so dicht vor dem Ziel. Wenige Wenige Minuten trennten uns vom Pokalgewinn. Dennoch, in diesem Wettbewerb haben wir viel erreicht. Und im Finale forderten wir den hohen Favoriten ganz schön. Der Ausgleich war wie ein Schock. Danach wurden meine Beine bleischwer. Da war nichts mehr drin für uns. Jena war cleverer, routinierter. Ein Kompliment. Und viel Erfolg im EC II."
  • Georg Buschner (DDR-Nationaltrainer): "Mich überraschte es keinesfalls, daß der Unterlegene mit seinem kraftvollen Konterspiel über weite Phasen die Akzente setzte. Aber dann zeigte sich doch, welch enorme Physis und Kaltblütigkeit in der Jenaer Elf steckt."
  • Ernst Schmidt (Klubvorsitzender Jena): "Unsere optische Überlegenheit schlug sich lange Zeit nicht in wuchtigen Angriffsaktionen nieder. In der Verlängerung aber verfügten wir dann über das größere Stehvermögen."
  • Werner Günther (Klubvorsitzender Erfurt): "Ich beglückwünsche Jena aufrichtig zu diesem Triumph. Das 1:3 nach gutem Spiel und der großen Chance, sogar 2:0 in Führung zu gehen, hinterläßt bei uns keine Enttäuschung. Wir haben als Außenseiter das Beste gegeben."