1980/1981 ECII 5. Spiel: FC Carl Zeiss Jena - Newport County 2:2

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Spieldaten
Wettbewerb EC II, Viertelfinale Hinspiel
Saison Saison 1980/1981
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - Newport County
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 04.03.1981 20 Uhr
Zuschauer 16.000
Schiedsrichter Raidar Björnestad (Norwegen)
Ergebnis 2:2
Tore
  • 1:0 Raab (22.)
  • 1:1 Tynan (40.)
  • 2:1 Raab (85.)
  • 2:2 Tynan (90.)
Andere Spiele
oder Berichte
Programmheft
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Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Rüdiger Schnuphase
Lothar Kurbjuweit, Wolfgang Schilling , Gert BrauerGelbe Karte.gif
Andreas KrauseGelbe Karte.gif, Martin Trocha, Lutz LindemannGelbe Karte.gif, Dietmar Sengewald (69. Gerhardt Hoppe)
Jürgen Raab, Eberhard Vogel (59. Andreas Bielau)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Newport
Gary Plumley
Richard Walden, Grant DaviesGelbe Karte.gif, Keith Oakes, John Relish
Steve Lowndes, Nigel Vaughan, Karl Elsey, Kevin Moore
Tommy Tynan, Dave Gwyther

Trainer: Len Ashurst


Spielberichte

Tempojagd ohne Erfolgskonzept

Eintrittskarte 1,30 M
Eintrittskarte 5,10 M
Wimpel zum Spiel

In Jena wird man nach diesem Vergleich und bei sorgenvoller Miene mit dem Blick voraus auf die Zweitauflage im sicherlich nun ausverkauften Somerton-Park von Newport gründlich darüber nachzudenken haben, was am Mittwochabend bei diesem zweifellos sensationellen Spielausgang eigenen spielerischen und taktischen Schwächen anzulasten oder dem Können des nach wie vor abstiegsbedrohten englischen Drittdivisionärs zuzuschreiben ist. Das allein, so meinen wir, legt den Grundstein für eine bessere, überzeugendere Gesamtleistung, als sie der favorisierte Gastgeber in seinem fünften EC-Treffen der laufenden Serie vollbringen konnte. Sehr zur Enttäuschung seines (leider nicht immer disziplinierten!) Anhangs und sehr zur Ernüchterung auch von Hans Meyer, der seinem detailliertem Urteil zunächst diesen bemerkenswerten Satz vorausschickte: "Wie sehnlichst wünsche ich mir doch jetzt, unmittelbar nach dem Abpfiff, daß sich mein Zweckpessimismus nicht bestätigt hätte. Aber niemand wollte glauben, wozu eine britische Elf auch dieser Leistungskategorie fähig ist."

Gehen wir von diesen Worten aus, um Jenas Spiel zu charakterisieren, den Gründen nachzuforschen, die letztlich einem wohl allerseits erwarteten Erfolg im Wege standen.

Wer englische Professionals bespielen und auch beeindrucken will, muß erfahrungsgemäß erst einmal höchsten körperlichen Einsatz und unerbittlichen kämpferischen Widerstand brechen. Der Härtegrad der Engländer gegen sich selbst und gegen ihre Partner auf diesem Gebiet ist hinlänglich bekannt. Womit es der FC Carl Zeiss versuchte, war zunächst erst einmal lobenswert: Mit hohem, unablässigem Tempo aus der Abwehr heraus, das auf entscheidenden Raumgewinn orientierte. Doch wenn diese Spielweise nicht mit taktisch koordinierten Fähigkeiten übereinstimmt, spielerischen Ideen nur wenig Raum läßt, dann ist sie gegen den robust-kompromißlosen Abwehrstil eines Kontrahenten von der Insel in den meisten Fällen frühzeitig zum Scheitern verurteilt. Das muß den leider ohne ihren Kapitän und Vorstopper Weise antretenden Zeiss-Städtern kritisch ins Stammbuch geschrieben werden!

Aus der bedingungslosen Tempohatz heraus wurde nicht variabel, beweglich genug operiert, waren zuviele steil geschlagene Pässe für die routinierten und sich immer wieder blitzartig einigelnden Engländer vorausschaubar, blieben überraschende Spielverlagerungen über weite Phasen sogar völlig aus. Tempojagd ohne Erfolgskonzept, auf diesen simplen Nenner läßt sich Jenas Stil am besten bringen. Ruhepunkte nahezu völlig auszuschalten, erwies sich als folgenschwer; ebenso der Verzicht darauf, die zusehends selbstbewußter wirkende County-Mannschaft auch einmal in der abwartenden Haltung zu stellen. Als es erste vielversprechende Anzeichen Mitte der ersten Halbzeit nach Raabs Führungstreffer dafür gab, lähmte das 1:1 von Tynan mit flachem Schuß aus halbrechter Position diese lobenswerten Vorsätze nur allzuschnell. Jenas fast pausenloser Angriffsdruck nach Wiederbeginn atmete nichts von alledem, was die Engländer entscheidend hätte schrecken können: Zuspielsicherheit unter überwiegend härtester Bedrängnis, Grundliniendurchbrüche mit flachen (!) Eingaben, Spritzigkeit insgesamt, die nur einigen wenigen Akteuren anhaftete. "Matz" Vogel, für uns viel zu früh aus dem Geschehen genommen, konstatierte kurz und bündig: "Newports Art und Weise, sich unerschrocken in Szene zu setzen, behagte uns nicht im geringsten. Wir liefen unserem arteigenen Spiel 90 Minuten lang vergeblich hinterher."

Um so mehr und länger werden die Männer von Manager Len Ashurst wohl Zeit benötigen, um das 2:2 von Jena zu verdauen und als günstige Ausgangsposition für einen nun durchaus möglichen Vorstoß sogar ins Halbfinale richtig zu begreifen. "Ich hatte meiner Mannschaft taktische Disziplin eingeschärft, an ihren unbekümmerten Spieldrang appelliert, der uns schon manchen Überraschungssieg sichern half. Dennoch wagte ich nicht daran zu glauben, daß diese Tugenden gegen einen Partner vom Format Jenas ausreichen könnten."

Eine korrekte Wertung des FC-Managers, der nach seiner Tätigkeit bei Hartlepool, Gillingham und zuletzt Sheffield Wednesday nun in knapp dreijähriger Tätigkeit für Newport County sein Können demonstrierte, eine Elf relativ namenloser Akteure für derartige internationale Vergleiche ungemein zu stimulieren. Denn all das, was die Spieler in der schwarz-orangefarbenen Kleidung in die Waagschale zu werfen hatten, hinterließ ungeachtet einiger spielerischer Ungereimtheiten im ersten Abschnitt mehr und mehr Eindruck: Kalt, bis in die Zehen hinein abgeklärt bei den oft viel zu stereotyp wirkenden Jenaer Angriffen mit hohen Eingaben in den Strafraum hinein, entschlossen im Konter aus dem Mittelfeld heraus (Elsey, Vaughan), beherzt und unermüdlich in der Zweikampfführung der beiden Spitzen, von denen der zweifache Torschütze Tynan den mit Abstand stärksten Eindruck hinterließ. "Es waren möglicherweise 15 Kilometer, die dieser Mann zurücklegte um Räume für sich und seine Mannschaftskameraden zu schaffen", urteilte Nationalmannschafts-Assistenztrainer Bernd Stange.

Keine Frage: Dieser FC Newport wußte, was er wollte. Und er fühlte sich in seinem Angriffsdrang, in der selbstsicheren Gestaltung des Spiels um so mehr bestärkt, als Jenas Einsatz und Bemühen, der lobenswerte kämpferische Drang aller bis hin zu Raabs zweitem Treffer keine Früchte trugen. Doch selbst danach war noch genügend individuelle Cleverness vorhanden, um die Niederlage abzuwenden. Tynan, eigentlich der Typ des defensiven Mittelfeldakteurs, rechtfertigte seinen Einsatz in der Spitze gegen die unverantwortlich lange zögernde Abwehr des FC Carl Zeiss in buchstäblich letzter Sekunde noch einmal überzeugend. Leider zu unserer aller Nachteil...

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 10. März 1981)


Probleme mit den Walisern

Gemessen an AS Rom und FC Valencia war Jena nicht wiederzuerkennen

Meine Erfahrungen mit dem Waliser Klubfußball sind nicht die besten, 1971/72 hatte ich die Gelegenheit jener dramatischen Elfmeter-Szenerie im Ninian-Park von Cardiff beizuwohnen, als nach zwei 1:1-Unentschieden und einer Verlängerung der BFC Dynamo in der 1. Runde gegen Cardiff City mit 5:4 die Oberhand behielt, 1979/80 brachten die beiden EC-II-Treffen des 1. FC Magdeburg mit Wrexham United (2:3, 5:2 nach Verlängerung) auch keine erbaulichen Stunden. Und die Mittwoch-Partie des FC Carl Zeiss gegen Drittdivisionär FC Newport County kann höchstens als enttäuschend definiert werden.

Newport-Kapitän Oakes nahm meine Frage nach den EC-Ambitionen seiner Elf gelassen, lächelnd hin: "Wir hoffen, im Halbfinale auf West Ham United zu treffen. Bei der Konstellation Zweit- kontra Drittdivisionär ist für uns dann alles möglich." So offen diese Sprache, so selbstbewußt gaben sich die "Ironsides" in Jena dann auch. "Die Burschen fürchten niemand. Sie können kämpfen", erklärte Manager Len Ashurst vor dem Match. Er hatte wahrlich nicht zuviel versprochen. Jena begab sich leider auch fast ausschließlich auf dieses Feld. "Ich war überrascht, daß die Zeiss-Elf nicht mehr Spielwitz, wie gegen AS Rom oder Valencia, in petto hatte", so Erik Hyldstrup, dänischer Generalsekretär und UEFA-Beobachter. Er war es nicht allein, den diesbezügliche Fragen beschäftigten. DFV-Cheftrainer Prof. Dr. Hugo Döbler wunderte sich auch über "die mangelnde Lockerheit, über die Gleichförmigkeit des Angriffsspiels" unseres Cupvertreters. In der Tat: spielerische und körperliche Frische strahlten die Thüringer am vergangenen Mittwochabend nicht aus. Mehr als die Hälfte aller Jenaer Akteure hatte mit Einfällen, variablen Direktkombinationen nichts zu tun. Das mußte selbst gegen Newport ins Auge gehen.

Mit dem 33jährigen norwegischen Unparteiischen Raidar Björnestad lernten wir einen laufaufwendigen, gedanklich sehr beweglich handelnden Unparteiischen kennen. Der Sozialarbeiter ohne A-Länderspielpraxis leitete im Ernst-Abbe-Stadion sein viertes Europapokal-Spiel. Im Programm seines Aufenthaltes in Jena stand, gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Thime und Lindboe, auch ein Besuch der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. "Wir waren tief beeindruckt davon", erklärte der Referee. "Über den Fußball hinaus machte mir diese Begegnung die Reise, den Aufenthalt unvergeßlich."

Übrigens: Bei der Roma und in Valencia wird man das 2:2 wohl mit ungläubigem Staunen zur Kenntnis genommen haben. Ob wir wohl auch einmal in die Lage kommen, die Leistungen aus den ersten beiden Runden zum Maßstab der weiteren Arbeit zu machen, als immer wieder kapitale Rückschläge zu erleiden (im wahrsten Sinne des Wortes)...

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 10. März 1981)

Videos

  • drei Videos (jeweils rund 4 Minuten) vom Spiel auf Youtube:
  1. Teil
  2. Teil
  3. Teil