1987/1988 12. Spieltag: FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 2:4

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 12. Spieltag
Saison Saison 1987/1988, Hinrunde
Ansetzung FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena
Ort Ostseestadion in Rostock
Zeit Sa. 05.12.1987 17:00 Uhr
Zuschauer 5.500
Schiedsrichter Hans-Jürgen Bußhardt
(Karl-Marx-Stadt)
Ergebnis 2:4
Tore
  • 0:1 Lesser (6.)
  • 0:2 Raab (11.)
  • 0:3 Zipfel (45.)
  • 1:3 März (60.)
  • 2:3 Alms (77.)
  • 2:4 Zipfel (82.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Rostock
Axel Hauschild
Gernot Alms
Artur Ullrich, Andreas Babendererde, Norbert Littmann
Heiko März, Jens Wahl, Juri Schlünz, Axel Schulz (46. Maik Wendorf)
Rainer JarohsGelbe Karte.gif, Axel Kruse

Trainer: Werner Voigt

Jena
Perry Bräutigam
Heiko Peschke
Ronald Szepanski, Uwe Amstein, Steffen Zipfel
Andreas Krause, Stefan Meixner, Bernd Lindrath (61. Jens-Uwe Penzel)
Henry Lesser, Jürgen Raab (83. Oliver Merkel), Jörg BurowGelbe Karte.gif

Trainer: Lothar Kurbjuweit

Spielbericht

Wechselbäder der Gefühle

Von den Wechselbädern sprach Jenas Trainer Lothar Kurbjuweit, seine Gefühle jedoch wie immer stets im Zaume haltend. Ihm schloß sich sein Kollege Werner Voigt an. Wenn man davon ausgeht, daß Gefühle anderer, schlechte wie gute, schwer zu ertragen sind, wie man so sagt, muß ich im vorliegenden Fall widersprechen. Beider Trainer Gefühle und Äußerungen waren zu ertragen und zu verstehen! Nach einem alles in allem spannenden Spiel, dessen Skala von kaum zu beschreibender Enttäuschung - und für einige auf den Stammplätzen auch Ernüchterung - nach dem Halbzeit-0:3 bis zum Ausgleich-, ja sogar Sieg-Hoffen reichte! "Hansa war ganz dicht dran!" Auch DFV-Beobachter Karl-Heinz Spickenagel, unserem früheren Nationaltorwart vom FC Vorwärts, im Ostseestadion einst selbst so manches entscheidende Spiel mit ausfechtend , waren der Ablauf und die Dramatik der zweiten Halbzeit ins Gesicht gezeichnet.

Hansa, 45 Minuten lang unter Niveau spielend, was Trainer Voigt als erstes in das Wechselbad der Gefühle trieb ("Wer so schlecht spielt, hat nicht das Recht, zu gewinnen. Das war "Schlafwagenfußball" mit Deckungs-Inkonsequenz. Wir haben uns echt blamiert"), wurde plötzlich von jener Leidenschaft gepackt, die, gepaart mit Leistungsbereitschaft, zu Gutem führte. Jetzt erhob sich nicht mehr die Vorpausenfrage: Kann man so etwas dem Publikum anbieten? Sondern: Das muß man immer anbieten! Die Aufholjagd, von März, Schlünz, Jarohs, vom immer wieder mit vorstoßenden Babendererde, Raabs "Beschattung" weitgehend aufgebend (Lattenschuß), inszeniert, führte bis zum 2:3. Wendorf hatte den Ausgleich vor den Füßen. Der FC Carl Zeiss wankte. Amstein rettete auf der Linie. "Die scheinbar sichere Sache", so Trainer Kurbjuweit, kam ins Rutschen. Da führte ein Konter, ein Freistoß, in dessen Folge das Leder zum durchweg imponierenden Zipfel kam, zur endgültigen Entscheidung. Der Verteidiger schoß entschlossen aus etwa 22 Metern und überraschte den hilflos aussehenden Hauschild. Wieder mußten die Hanseaten ins Wechselbad der Gefühle.

Wie die glücklichen Jenaer! Die 45 Minuten clever wie selten gespielt hatten, ballsicher, mit pfeilschnellen Kontern, das Durcheinander in den hinteren Hansa-Reihen, wo beispielsweise Wahl zunächst überhaupt nicht zu wissen schien, was er spielen sollte, erbarmungslos bestrafend. Raabs öffnender Paß vor dem 1:0 zu Krause, der die Latte traf - im Nachsetzen reagierte Lesser schnell - und die Präzision vor dem 3:0 waren Muster erfolgreichen Umkehrspiels. Schon auf Grund dessen blieben die Gäste am Ende, trotz ihres späteren Nachlassens, vorn.

Schiedsrichterkollektiv: Probleme bekamen Bußhardt und seine Assistenten in keiner Phase des vor allem in der 2. Halbzeit aufregenden Spiels. Der Referee fiel weder auf eine "Schwalbe" von März, noch auf "Hand!"-Rufe bei einer Strafraumszene herein. Die Verwarnungen kamen zu Recht. Jarohs´ "langes Bein" gegen Bräutigam hatte eine Szene zur Folge, bei der man nicht wußte, ob Zeiss-Kapitän Raab Ordnung schaffen oder Selbstjustiz üben wollte. Es "roch" mehr nach (mindestens) "Gelb". Burow unterließ das "Meckern" nicht.

(Joachim Pfitzner in "Die Neue Fussballwoche" vom 8. Dezember 1987)