1968/1969 25. Spieltag: 1. FC Lokomotive Leipzig - FC Carl Zeiss Jena 0:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 25. Spieltag
Saison Saison 1968/1969, Rückrunde
Ansetzung 1. FC Lokomotive Leipzig - FC Carl Zeiss Jena
Ort Bruno-Plache-Stadion in Leipzig
Zeit Sa. 10.05.1969 15:00 Uhr
Zuschauer 13.000
Schiedsrichter Manfred Heinemann (Erfurt)
Ergebnis 0:0
Tore
  • Fehlanzeige
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Leipzig (blau-gelb)
Werner Friese
Michael Faber, Peter Gießner, Karl Drößler, Christoph Franke
Jürgen Czieschowitz, Hans-Jürgen Naumann, Arno Zerbe
Wilfried Gröbner (67. Jürgen Fritsch), Henning Frenzel, Wolfram Löwe
Trainer: Hans Studener
Jena (weiß-blau)
Wolfgang Blochwitz
Hans Meyer
Michael Strempel, Gerd Brunner, Jürgen Werner
Helmut Stein, Harald Irmscher, Rainer Schlutter
Peter Ducke, Dieter Scheitler (85. Werner Krauß), Bernd Krauß (65. Roland Ducke)
Trainer: Georg Buschner

Spielbericht

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So gibt es kein Entrinnen

Am Ende schlugen die Diskussionswogen wieder hoch. Während die unentwegten Anhänger des 1. FC Lok ("Eine derartige Unterstützung wie jetzt hatte die Lok-Elf kaum in ihren besten Tagen", bemerkten Leipziger Journalistenkollegen) eifrig Rechnungen anstellten, die geringen Hoffnungen durch Zahlen zu belegen suchten, kommentierte Hans Studener: "Als Blochwitz Löwe angriff, nicht den Ball, wohl aber den Spieler traf, hätte auf Strafstoß entschieden werden müssen. Ich saß unmittelbar am Tatort." Heinemann beurteilte die Situation anders: "Blochwitz ging klar nach dem Ball. Es war nie Strafstoß."

Doch auch Georg Buschner hielt sich nicht zurück: "Als Peter Ducke allein durchlief, wurde er von Drößler zurückgerissen. Da gab es nur einen Unterschied zu Schlutters damaligen Vergehen: Was Schlutter im Mittelfeld tat, das geschah diesmal klar im Strafraum. Ich stand auf dieser Höhe!" Auch dazu hatte Heinemann eine andere Meinung: "Das Foul passierte vor dem Strafraum." Und Linienrichter Meinhold: "Kein Zweifel, daß es kein Strafstoß war! Peter Ducke gab das selbst zu!" Doch P. Ducke winkte ab: "Ich habe das nicht gesagt. Für mich ist das erledigt."

Ich habe deshalb einige der Beteiligten selbst sprechen lassen, damit sich der Leser ein Bild davon machen kann, wie kompliziert sich solche Situationen dem Betrachter darstellen, wie schwierig es ist, nachher Nachforschungen über den Sachverhalt anzustellen. Dabei unterstelle ich jedem, vor allem dem Schiedsrichter, nach bestem Wissen gehandelt zu haben. Doch jeder hat eben seine eigene Betrachtungsweise. Mir schien, daß Drößler vor dem Strafraum anfing, P. Ducke unkorrekt festzuhalten und das sich diese Szene dann innerhalb des Strafraums fortsetzte. Auf alle Fälle wäre wenigstens eine Verwarnung Drößlers, ansonsten als fairer Spieler bekannt, am Platze gewesen.

Was diesen so ausführlich geschilderten Situationen in der 90. Minute vorausging war ein Spiel ohne große Höhepunkte. Die waren zumeist nur dann zu verzeichnen, wenn Irmscher am Ball war. Gegen den FCV im Pokaltreffen noch betont lustlos, hat sich mit ihm in den letzten Wochen offensichtlich ein Wandel vollzogen, von dem man nur hoffen kann, daß er von Bestand ist. Seine Pässe, seine Täuschungsmanöver, seine Beidbeinigkeit bestachen ebenso wie seine Übersicht. In der Schlußphase jedoch ließ seine Konzentration etwas nach.

"Uns bleibt gar nichts anderes übrig", urteilte Wolfram Löwe vor dem Anpfiff, "wir müssen ganz einfach gewinnen." Dieses unbedingte Müssen ist mitunter ein guter Partner, legt Kräfte frei. Beim 1. FC Lok war das nicht der Fall. Kaum einer war in der Lage dieses Müssen umzumünzen in spielerisch gekonnte Aktionen, sich von der verständlichen Nervosität freizumachen. Aus dem Mittelfeld heraus kamen zu wenig brauchbare Pässe. "Hier vor allem liegt unsere Schwäche", schätzte Hans Studener ein. Czieschowitz und Zerbe waren, wie alle Lok-Spieler, zwar eifrig, doch kaum konstruktiv. So tauchte Frenzel im Mittelfeld unter, und auch Fritsch zog sich weit zurück, Löwe wurde von Strempel hart, mitunter zu hart markiert, so daß von den unmittelbaren Angreifern keine Torgefahr ausging. Für die sorgten noch am ehesten Gießner (Scharfschuß in der 8., Kopfball in der 53.) und Faber (66.), dessen Schuß Meyer auf der Linie parierte.

In der FUWO wird Harald Irmscher Spieler des Tages .

Zum Schiedsrichterkollektiv: Heinemann gab sich Mühe, hätte jedoch mitunter härter durchgreifen und auch Verwarnungen aussprechen sollen (Drößler an P. Ducke, Meyer an Frenzel). Jene Situationen, in denen Strafstöße gefordert wurden, beurteilte er anders als die Trainer. Er stand beide Male gut postiert, und seine Entscheidung gilt.

(Klaus Schlegel in "Die Neue Fußballwoche" vom 13. Mai 1969)