1973/1974 EC III 3. Spiel: Ruch Chorzów - FC Carl Zeiss Jena 3:0

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Spieldaten
Wettbewerb EC III, 2. Runde Hinspiel
Saison Saison 1973/1974
Ansetzung Ruch Chorzów - FC Carl Zeiss Jena
Ort Stadion Miejski in Chorzów
Zeit Mi. 24.10.1973 17:30
Zuschauer 8.000
Schiedsrichter Dusan Maksimovic (Jugoslawien)
Ergebnis 3:0 (1:0)
Tore
  • 1:0 Benigier (39.)
  • 2:0 Kopicera (46.)
  • 3:0 Bula (80.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Chorzów (blau-weiß/blau)
Piotr Czaja
Konrad Bajger, Marian Ostafinski, Jerzy Wyrobek, Ireneusz Malcher
Zygmunt Maszczyk, Józef Bon, Joachim Marx
Bronislaw Bula, Jan Benigier (87. Stefan Herisz), Józef Kopicera

Trainer: Michal Vican

Jena (weiß)
Hans-Ulrich Grapenthin
Bernd Bransch,
Peter Rock, Konrad Weise, Ulrich Göhr, Lothar Kurbjuweit
Harald Irmscher, Helmut Stein, Eberhard Vogel (85. Harry Kunze)
Dieter Scheitler (50. Norbert Schumann), Peter Ducke

Trainer: Hans Meyer

Spielbericht

Sich selbst die Grube geschaufelt

Mit ihren Stürmern waren unsere polnischen Gastgeber zufrieden, denn sie schossen immerhin drei Tore. Das Mittelfeld Ruchs, mit den nahmhaftesten Spielern der Chorzower (Maszczyk und Marks) besetzt, konnte nicht wie erhofft das Geschehen auf dem zwar feuchten, aber doch festen Rasen des Ruch-Stadions bestimmen; die Abwehr nicht verhindern, daß sich Czaja etliche Male gehörig strecken mußte. Sie gestattete aber kaum gute Jenaer Torchancen. So ungefähr ließe sich das Presse-Echo aus Katowice und Warschau, die Kritik an der Gastgebermannschaft, zusammenfassen.

Daraus abgeleitet, kan man leicht auf Stärken und Schwächen unseres Tabellenführers schließen. Die engere Abwehr wurde ihrer Aufgabe nicht gerecht, patzte etliche Male dermaßen, daß die Tore der Ruch-Spitzen ihr anzukreiden sind; das Mittelfeld mit einem von Anfang an im Blickpunkt stehenden Stein, den beherrschenden Mann in diesem Abschnitt, und einem auch einsatzstark beginnenden Irmscher ("der aber sein Pensum zu einförmig herunterspielte", so Karl Schnieke), später stark unterstützt vom vorwärtsgehenden Weise, legte die Grundlage dafür, daß den Jenaern das Spiel nie aus der Hand glitt. Im Angriff waren ein Ducke und ein Vogel, der bald aus seiner hängenden Position nach vorn stieß, zu wenig um hundertprozentige Chancen zu erzwingen. Es blieb bei Weitschüssen, sieht man von der Kopfballchance Schumanns (70. aus Nahdistanz) und dem Hechtsprung-Kopfball Branschs in der 76. Minute ab, die aber beide zu schwach kamen und so Czaja nur wenig Mühe machten.

Ohne Blochwitz, bei dem sich im Dienstagabendtraining eine Leistenzerrung unangenehm bemerkbar machte, und ohne Schlutter, der wider allem Erwarten doch noch nicht wieder spielen konnte, fing Jena erfreulich kaltblütig, selbstbewußt den ersten Ansturm der Gastgeber ab. Ducke und Vogel nahmen ihren Verteidigern Malcher und Bajger bald die Lust, vorwiegend zu stürmen. Die Verbindung Mittelfeld - Angriff wurde in guten Direktpassagen (Stein-Ducke-Irmscher, dann Irmscher-Ducke-Vogel und in anderen Varianten) sichtbar. Steilspiel in den Rücken der gegnerischen Abwehr (Irmscher-Vogel) brachte Angriffswirksamkeit. Hans Meyer, dem die Enttäuschung über ein Ergebnis, das dem Spielverlauf so ganz und gar nicht entsprach, ins Gesicht geschrieben stand, faßte kurz zusammen: "Das Spiel lief entsprechend unserem Konzept." Lediglich Weitschüsse Ostafinskis und ein Freistoß von Marks machten in der ersten halben Stunde Grapenthin zu schaffen. Er meisterte sie sicher.

Die entscheidenden Abwehrschnitzer (praktisch waren alle drei Treffer nicht einem einzelnen anzukreiden. Bei Tor zwei und drei stand ja jeweils eine Gruppe, Bransch im Mittelpunkt, beisammen, die die Gefahr hätte bereinigen müssen oder gar nicht erst aufkommen lassen durfte. Den ersten Treffer erzielte Benigler im Nachschuß, nachdem Bula im Hinterhalt (Freistoßabgabe von Marks) nicht beachtet worden war. Weder das 0:1, noch nicht einmal das 0:2 unmittelbar nach Wiederbeginn warf die Jenaer moralisch aus der Bahn. Ihr Einsatz blieb vorbildlich, ihre Feldüberlegenheit drückte sich in 15:4 Ecken zu ihren Gunsten aus. Doch diese Phasen zeigten dann auch deutlich die Probleme, die in einer ungleichen Besetzung der Mannschaft liegen. Scheitler war von Anfang an wirkungslos, Rocks Abspiele landeten fast regelmäßig beim Gegner, technische Mängel der Jüngeren (auch Göhr) blieben unübersehbar.

(Otto Pohlmann in "Die Neue Fußballwoche" vom 30. Oktober 1973)