1977/1978 06. Spieltag: FC Karl-Marx-Stadt - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 6. Spieltag
Saison Saison 1977/1978, Hinrunde
Ansetzung FC Karl-Marx-Stadt - FC Carl Zeiss Jena
Ort Karl-Marx-Stadt
Zeit Sa. 01.10.1977, 15:00 Uhr
Zuschauer 9.000
Schiedsrichter Manfred Bahrs (Leipzig)
Ergebnis 1:1
Tore
  • 1:0 Bähringer (18.)
  • 1:1 Vogel (85.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Karl-Marx-Stadt
Wolfgang Krahnke
Frank Sorge
Frank Uhlig, Andreas Heydel
Friedrich-Wilhelm GöckeGelbe Karte.gif, Peter Müller, Frank Eitemüller, Joachim Müller
Jürgen BähringerGelbe Karte.gif, Andreas Müller, Hartmut Rauschenbach (60. Steffen Hänisch)

Trainer: Manfred Kupferschmied

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Detlef Zimmer
Ulrich Oevermann
Gert Brauer, Konrad Weise, Dieter Noack
Uwe Neuber, Lutz LindemannGelbe Karte.gif, Rüdiger Schnuphase, Dietmar Sengewald
Thomas Töpfer (74. Martin Trocha), Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Spielbericht

Die frühe Flucht des FCK in die Defensive

Um die Gefahr, die nach dem 1:4 von Izmir mit einer erneuten Niederlage innerhalb von 72 Stunden verbunden war, wußte der FC Carl Zeiss hinreichend! Doch nichts wies im Vergleich mit dem FCK auf nervliche Instabilität, auf einen durchaus möglichen Konzentrationsschwund oder eine gar übermäßig strapazierte physische Verfassung hin. Die Elf hinterließ einen kompakten Eindruck und war sich in zunehmendem Maße ihrer variablen spielerischen Mittel sicher. Erinnerungen an zumeist verlorengegangene Spiele an gleicher Stelle belasteten sie keinesfalls - auch nicht nach der für den Gastgeber doch recht vielversprechenden Startphase mit Bähringers sagenhaften Freistoßtor zur vielbejubelten 1:0-Führung.

Bestenfalls mit einer über die volle Distanz angriffsorientierten Spielweise wäre Jena am Sonnabend in ernsthafte Bedrängnis zu bringen gewesen. Aber darauf zu hoffen, daß Bähringer als einziger Akteur im Konzept der später nur noch sporadischen Aktionen seine enorme Schußstärke mit Erfolg unter Beweis stellen würde, war aussichtslos und trug den taktischen Gegebenheiten nicht annähernd Rechnung. In erster Linie wohl ausgehend davon, daß Jenas Kombinationsfußball eindeutige Akzente im Kräfteverhältnis setzte, nahm der Gastgeber schon frühzeitig Zuflucht in eine massive Abwehr ohne klar erkennbaren konstruktiven Trend. Mit Wiederbeginn überließ der FCK zur allgemeinen Verwunderung seiner Anhänger dem Gegner nahezu unangefochten die Regie im Mittelfeld. "Während Jena pausenlos in Bewegung war, rückten wir einfach nicht mehr aus dem Deckungszentrum heraus. So war der Vorsprung beim besten Willen nicht zu behaupten." Peter Müllers selbstkritische Einschätzung ist eigentlich nur noch diese Frage anzufügen: Wie erklärt sich diese taktische Ratlosigkeit?

Anfangsschwierigkeiten, die im Angriff allein Bähringer und aus der zweiten Reihe J. Müller mit gelegentlichen resoluten Dribblings und Steilpässen in die freien Räume heraufbeschworen, meisterte Jena schnell und relativ unkompliziert. P. Müller, Eitemüller und Göcke stellten Schnuphase, Lindemann und den nicht spritzig genug wirkenden Sengewald zwar mehrfach mit Erfolg, doch Jenas Spielfluß vermochten auch sie nicht zu unterbinden. Darum machten sich insbesondere beide Außenverteidiger, aber auch Oevermann, Weise, der viel im Rücken von J. Müller operierende Neuber und Routinier Vogel verdient. "Allein mangelnde Abgeklärtheit verhinderte unseren Sieg", schätzte Cheftrainer Bernd Stange ein. Erstaunlicherweise gab ein sonst so entschlossen handelnder Spieler wie Schnuphase in der 13., 23. und 39. Minute dabei die besten Chancen aus der Hand. Mit nur zwei Torschüssen (natürlich Bähringer!) wahrte der immer mehr zu unkontrollierten Schlägen in der Abwehr tendierende FCK im zweiten Abschnitt da nicht annähernd mehr das Gleichgewicht. Sein Spiel zerfiel vollends...

Zum Schiedsrichterkollektiv: Bahrs Versuch, dem Spiel sofort die Schärfe zu nehmen, mißlang. Er beging in der Beurteilung von Zweikampsituationen Fehler, die Hektik heraufbeschworen und einen wenig erfreulichen Ausklang zur Folge hatten. Im souveränen, ruheausstrahlenden Verhalten der Aufgabe diesmal nicht gewachsen.

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 4. Oktober 1977)