2007/2008 26. Spieltag: TSV 1860 München - FC Carl Zeiss Jena 1:2

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 26. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Rückrunde
Ansetzung TSV 1860 München - FCC
Ort Allianz Arena in München
Zeit So. 30.03.2008 14:00 Uhr
Zuschauer 38.100
Schiedsrichter Frank (Hannover)
Ergebnis 1:2
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
München
Tschauner
T. Hoffmann, Thorandt Gelbe Karte.gif, Berhalter, B. Schwarz (69. Kucukovic)
D. Schwarz Gelbe Karte.gif (89. Gebhart), L. Bender (33. S. Bender)
Bierofka, Göktan, Holebas
di Salvo

Trainer: Kurz

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Vasili Khamutouski‎
Alexander Maul, Robert Müller, Michael Stegmayer
Niels Hansen, Marco Riemer
Tobias Werner (90. Stefan Kühne) , Ilia Kandelaki
Jan ŠimákGelbe Karte.gif
Nils Petersen (69. Marcel Schied), Sami Allagui (83. George Oniani)

Trainer: Henning Bürger

Spielbericht

Doppeltes Happy End
Mehr als verdient siegt der FCC in München mit 1:2

Eintrittskarte

Ist man gezwungen, sich das Geschwafel der bayerischen Politiker-Laienspielgruppe anzuhören, so phantasieren diese immer von den ach so überlegenen Resultaten ihrer angeblich ach so wunderbaren Bildungspolitik. Eines dieser famosen Resultate war heute zu bekopfschütteln, als der Mikrophonclown der Sechziger die „Gäste aus Sachsen“ begrüßte und damit die Fans des einzig wahren Thüringer Fußballclubs aus Jena meinte. Dass Bayerns Politikerkaste auch ansonsten mit geistig eher tief fliegendem Personal besetzt ist, demonstrierte heute wieder mal deren bewaffneter und uniformierter Wurmfortsatz, der Jenaer Fußball-Fans erneut auf recht perfide Weise schikanierte. Genaueres werden Betroffene und Verantwortliche des FCC hier sicher noch ausführen.

Doch man täte der Stadt München Unrecht, würde man deren Wahrnehmung auf derart unschöne Begebenheiten reduzieren. So gesehen war es richtig, den Trip gen Süden schon sonnabendlich zu beginnen. Erste blaugelbweiße Vorboten zeigten sich dann auch schon beim genüsslichen Spaziergang durch den Englischen Garten. Abends folgte noch ein heiterer und besinnlicher Abend in der Schwabinger Theaterkneipe „Heppel & Ettlich“. Der Hauptheld des aufgeführten 3-Personen-Einakters, Simon Labrosse, steckte darin in einer eher bescheidenen, fast aussichtslosen privaten Situation. Den Mut aber nicht verlierend, versuchte er sich mit allerlei abstrusen, aber interessanten Ideen tagtäglich selbst aus dem Schlammassel zu ziehen. Als es schon schien, er würde an dieser Aufgabe scheitern, präsentierte er eine weitere abgefahrene Idee (mehr wird nicht verraten) und führte sich und das Stück zu einem völlig überraschenden Happy End.

Ob sich auch für den ruhmreichen FCC noch ein überraschendes Happy End ergeben könnte, dies zu begutachten, machten wir uns nach stilechtem Weißwurst-Frühstück bei unseren Gastgebern auf den U-Bahn-Weg in jenes FC-Bayern-Stadion, in welchem die Münchner Löwen ihr Gnadenbrot knabbern dürfen. Belustigend dabei u. a. der zaghafte Auftritt eines 1859-Fans, welcher in der U6 einen hässlichen BVB-Freundschaftsschal schwenkte und dabei immer wieder das BVB-Emblem in unsere Richtung hielt. Da waren sie also wieder, jene, die eher arm an bayerischem Geiste sind. Nächstes Kopfschütteln verursachte dann ausgangs der U6 ein so genannter Bratwurst-Stand, an welchem eine „Grill Academy München“ etwas feilbot, was den irreführenden Namen „Thüringer Rostbratwurst“ erdulden musste. Aber auch Jenaer Fans sorgten für ungläubige Blicke. Nur, wenn man sich schon den Rücken des viel gepriesenen H&M-Pullovers beflocken lässt, dann bitte ohne Bindestrich! Während vielerorts einige der gut 3.500 anwesenden Guten ihren Kumpels noch gestenreich beschrieben, wo sich letztjährig ca. 13.000 Jenaer ausgebreitet hatten, begann das Match und für „Nachwuchsfan“ Robert dank obsthändlerischer Mithilfe das erste Live-Auswärtsspiel.

Ungefährlich und harmlos segelte nach 2 Minuten ein Münchner Schussversuch über Vasilis Kasten und dann war es zweimal Jan Simak, der auf’s Gastgebergehäuse zielte – zwei Ecken in Folge sprangen heraus. (4.) Nach 6 Minuten erkämpft sich Kandelaki den Ball an der Mittellinie und hat freie Bahn. Hat er nicht, denn ein unberechtigter Freistoß-Pfiff des ansonsten guten Colina-Doubles hält ihn auf. Nach 8 Minuten sorgt der FCC wiederum für dicke Luft im Löwen-Strafraum: Nach einem Simak-Freistoß von halblinks kommt der abgewehrte Ball erneut in den Sechzehner, Allagui legt für Hansen auf und das Leder zischt nur knapp an unserer Erlösung vorbei. Schon nach 10 Minuten ist deutlich sichtbar, engagierter, eifriger und überlegener sind die Helden in Gelb. Für die erste Schrecksekunde sorgte dann Alex Maul, als er sich nach 16 Minuten doppelt vernaschen ließ und Müller auf der rechten Seite klärend zu Hilfe kam. Leider sollte dies nicht Alex’ letzte „unglückliche“ Situation bleiben, auch wenn er 2 Minuten später glänzte. Bei einem FCC-Angriff verpasste Allagui erst den Abspielzeitpunkt, aber Alex unterband dann den gefährlichen Löwen-Konter. Gegen nervöse, verunsicherte und teilweise auch lustlos wirkende Münchner hatte der FCC das Spiel nach 20 Minuten fest im Griff, nutze seine Überlegenheit aber zu wenig aus. Nach 21 Minuten erkämpft sich Mittelfeld-König Simak links den Ball, steuert per 40-Meter-Solo das Tschauner-Tor an – aber schießt einfach zu spät und landet daher nur einen Kopftreffer. Die Hausherren wurden von Minute zu Minute schwächer und man glaubte zu wissen, wieso Bayern das Land des Gammelfleisches ist – heute trug es hellblau-weiße Trikots und gammelte öffentlich vor sich hin. Über links, dort wo Kandelaki oft allen Platz und alle Zeit der Welt für sich hatte, rollte nach 27 Minuten der nächste FCC-Angriff, aber als Allagui in der Mitte abzieht, trifft er aus 12 Metern das Tor nicht. Also versuchen es die Ruhmreichen nach 29 Minuten über rechts mit dem ansonsten oft unauffälligen Petersen. Er setzt Tobias Werner ein, doch auch dessen Versuch aus 20 Metern leidet schwer an mangelnder Präzision. Eine immer wieder gern gestellte Frage zu diesem Zeitpunkt lautete: Wann erzielen wir mal wieder einen Treffer aus dem Spiel heraus? Dennoch, jetzt hatte auch Riemer seinen Takt im Mittelfeld gefunden und Jena weiter auf dem Weg nach vorn. Rat-, hilf- und harmlos schlichen derweil die Gastgeber über den Rasen und nach 32 Minuten ernteten sie ein erstes Pfeifkonzert der eigenen Arena-Besucher. In gleicher Minute umkurvt Allagui 4 hellblau-weiße Zuschauer, schießt dann aber viel zu schwach am Tor vorbei. Daher will Sami, nach dem er 2 Minuten später erneut 3 Löwen zu Statisten degradierte, auf Simak passen – zu spät, denn Abseits! Weiter folgen Jenaer Flanken und Ecken, aber im Strafraum feiert noch immer die Harmlosigkeit fröhliche Urständ. Beispielsweise als nach 39 Minuten im Anschluss an einen Eckball der Thüringer das Spielgerät vor Tschauner hin und her pingpongt, bevor es weg geschlagen wird. Als 45 Minuten um sind, spricht das 0:0 eigentlich gegen uns, denn wer gegen Münchner Arbeitsverweigerer keinen Treffer erzielt, setzt das Happy End auf’s Spiel. Eine sichere Abwehr mit einem Torwart-Libero Vasili K. der Extraklasse, ein laufstarkes, bewegliches Mittelfeld (v. a. defensiv) und ein gut aufgelegter Jan Simak - alles sprach für uns! Da aber Simaks Mittelfeld-Partner sich zu wenig offensiv engagierten, aus Kandelakis linken Freiräumen zu wenig heraus sprang und unserem Sturm die Präzision in den finalen Aktionen fehlte, stand es nur 0:0 und das war gegen einen beängstigend schwachen und unmotivierten Gegner einfach zu wenig.

In der HZ-Pause gab dann auch das Dudel-Radio namens „Gong“ eine Kostprobe seiner geistigen Beschränktheit und prophezeite dem Gast eine Niederlage, die noch bitterer werden würde als die im Pokal-Halbfinale … Zumindest begann die 2. Halbzeit mit einer 60-Ecke aber es folgte sofort die Konter-Antwort Tobi Werners über links. Schön anzusehen aber nur bis zu seinem schwachen (Fehl-)pass in die Mitte. Danach ist unsere Abwehr kurzzeitig indisponiert, schwimmt ein wenig, aber wir schaffen es, den Ball zum konterbereiten Allagui zu bringen. Foul an der Mittellinie. (46.) Jetzt spielen sich die Unseren erneut in den Löwen-Strafraum und als Simak das Leder an Tschauner vorbei legen kann, ist alles bereit zum Torjubel. Aber Simak stürzt über Tschauners verdächtig hohes Bein und am Ende bleibt nur ein Eckball … (46.) Kommt solch eine Chance wieder? Danach erhalten alle 38.000 Zuschauer schon mal einige Minuten lang Anschauungsunterricht in Sachen Drittliga-Fußball. Unterbrochen wird das ganze nur durch ein Münchner Zufallsprodukt, als ein 35 Meter-Schuss an das äußere Lattenkreuz segelt. (55.) Die Erlösung schien nach einer Stunde nahe. Mit dem Ball am Fuß rast Allagui los und demonstriert dem Münchner Publikum, wie schnell so ein Thüringer Transrapid werden kann. Lange, gaaaanz lange wartet Allagui mit dem Abspiel auf Tobias Werner. Der Ball findet den Weg präzise in Tobis Laufweg, der bekommt das Runde erst unter Kontrolle und dann souverän vorbei an Tschauner ins Eckige! Aus dem Spiel heraus ist der Ball tatsächlich im TOOOR! 0:1! 10 Minuten lang versuchen die Münchner sich an einer unverdienten Korrektur des Spielstandes – aber eigenes Unvermögen und weißrussische Souveränität lassen nichts anbrennen. Nach 70 Minuten scheint das Schicksal der putzigen Stofftiere besiegelt. Nach einem Pressschlag muss Schied nur noch den Ball zu Allagui schieben, der ihn dann … Da Schied dies aber misslingt, anschließend Simak einen Freistoß vorbei setzt und Jenas Abwehr kurz darauf nach einem Einwurf doppelt köpfende Münchner nur bestaunt, und auch Vasili K. machtlos ist, steht es nach 72 Minuten nur noch 1:1. Unbegreiflich! (Tribünenhocker berichteten später von einem im Abseits stehenden di Salvo, aber aus Kurvensicht war dies kaum zu erkennen.) Mannmannmann, statt diese Hungertruppe abzuschießen, machen wir sie wieder stark und bringen sie erneut ins Spiel. Und nun muss gegen plötzlich stärkere Gastgeber auch noch Vasili K. doppelt Weltklasse auf den Rasen zaubern, damit es wenigstens beim Remis bleibt! (77.) Aber irgendwie kriegen die Heldenhaften dann doch noch mal die Kurve und spielen wieder mutig vorwärts. Zwei Ecken, getreten von Simak und Werner, sind die Folge, aber noch folgenlos. (78.) 83 Minuten sind vorbei, der Ball ruht. Nach dem er selbst gefoult wurde, legt sich Simak 20 Meter vor dem Tor den Ball zurecht. Simak läuft an, Simak tritt den Ball. An der Abwehrmauer vorbei senkt der sich in das (die Oberränge jubeln schon!) – nein, über das Tor. HerrgottnochmalwarumkanndiePillenichtmal …!? 85 Minuten sind vorbei, wieder ruht der Ball. Dieses Mal führt der Simak-Freistoß nur zu einem Eckball, denn Werner kurz auf Simak zurück spielt. Simak flankt. Schied kann den Ball aber nur schultern statt köpfen und es bleibt bei einem Tor und einem Punkt. 87 Minuten sind vorbei. Links ist wieder mal Kandelaki mit dem Ball unterwegs. Kandelaki zieht das Leder torwärts und es scheint, als wär’s das. Da die Münchner jetzt aber bockig sind und nicht mehr mitspielen wollen, kommt der Ball zu Schied.
Schied, noch vor Minuten auf dem besten Weg zum Chancentod, behält die Ruhe.
Schied, noch vor Minuten viel zu hektisch, behält die Ruhe.
Schied schießt.
Schied trifft!!!
Der Ball ist wirklich im TOOOOOOR!!!
1:2! (87.)

Was für ein Happy End! Was für ein verdientes Happy End! Was für Filme (meist) besser nicht gilt – hier sei es ausdrücklich gefordert: Fortsetzung!

Gefeiert wurde dieser völlig verdiente Sieg ausgiebig und zu Recht. Schade, dass es keine rauschende Ballnacht wurde. (s. o.)

München, U6, stadteinwärts. Mit zunächst schweigsamen Löwen-Fans werten wir das Spiel aus. Von ihrem Team sind sie bitter enttäuscht. Unseren Auftritt würdigen sie mit Respekt. Alles ist friedlich! Sie wünschen uns noch viel Glück … – und ein glückliches Ende.

Aber das Happy End ist noch (zu) weit. Aber, dass jedem Anfang ein Zauber inne wohne, wissen wir ja schon seit H. Hesse. Und Zewa-Pavel erfährt davon am kommenden Sonntag!

Auf geht’s, Jena! Kämpfen und siegen!
YNWA

--Kopfnuss


Stimmen zum Spiel

  • Marco Kurz (München): "Jena gewann verdient. Wir waren in der ersten Halbzeit gar nicht und in der zweiten schlecht auf dem Platz. Beide Tore bekamen wir nach eklatanten Fehlern, wobei ich nicht verstehen kann, wie der 1,70 Meter große Schied in der Schlussphase zu einer Kopfballchance kommen kann."
  • Henning Bürger (Jena): "Wir haben einen verdienten Sieg eingefahren. Wir haben das Spiel fast durchgehend bestimmt und eine geschlossene Mannschaftsleistung geboten. Wir sind auch nach dem 1:1 nicht eingebrochen. Ich bin zufrieden."
  • Tobias Werner (Jena): "Wir wollen Geschichte schreiben, denn noch keine Mannschaft konnte so einen großen Rückstand aufholen. Das wird schwer, doch wir sind voller Zuversicht"