2003/2004 30. Spieltag: VfB Germania Halberstadt - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb Oberliga, 30.Spieltag
Saison Saison 2003/2004, Rückrunde
Ansetzung VfB Germania Halberstadt - FCC
Ort Friedensstadion in Halberstadt
Zeit So. 25.04.04 14:00 Uhr
Zuschauer 1.700
Schiedsrichter Bley (Sehmatal)
Ergebnis 1:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Halberstadt
Kischel
CunaeusGelbe Karte.gif
Pfannkuch, Thiele, GerlachGelbe Karte.gif
KoppGelbe Karte.gif, Plock, WiekertGelbe Karte.gif, Hartmann Gelbe Karte.gif(88. Binder)
Preuß (62. Richter), Reitzig (78. Mzyk)

Trainer: Lieberam


Jena
Tino Berbig
Markus GrasserGelbe Karte.gif (73. Andreas Schwesinger)
Vito BenedettiGelbe Karte.gif, Kais Manai (46. Ralf Schmidt), Gert Müller
Daniel PetrowskyGelbe Karte.gif, Eric Noll (60. Sebastian Hähnge), Alexander Maul, Stefan Treitl
Carsten Klee, Tobias Werner

Trainer: Thomas Vogel

Spielbericht

Samstagnachmittag, Kaffeetrinkenzeit. Ich sitzte auf der Couch meiner Schwiegereltern, bin also in Feindesland. Vor mir flimmert der Videotext. 0:0 zur Halbzeit im Dresdner Norden, das sieht gut aus. Mein Schwiegervater registriert wohl, wie ich hippelig auf meinem Platz hin und her rutsche, doch noch hat er keine Gelegenheit für Häme. Dann fällt das 1:0 für Plauen, seine Miene hält sich auf und mit jedem weiteren Treffer der Vogtländer wird das Grinsen in seinem Gesicht breiter. Zum Ende gibt es wider Erwarten Trost von ihm für mich: 'Es sei doch nicht schlecht für Jena, dass dank Plauener Schützenhilfe nun die Chancen für eine Verteidigung des Vizeplatzes in der Liga besser stünden denn je.' Schön, wenn man in der Not mit seinem Kummer nicht alleine ist!

Anderntags mache ich mich nach dem Sonntagsschmaus auf den Weg ins 18 Kilometer entfernte Halberstadt, natürlich begleitet von den seinen besten Verwünschungen. Hier stelle ich zu meiner Beruhigung fest, dass wir uns in naher Zukunft vor Horrormeldungen über erste Hungertote unter den Zeissfans nicht fürchten müssen, denn nur gut 150 blaugelbweiße Freßsäcke trieb die Aussicht in den nördlichen Vorharz, dort ihren Gaumen mit einem kostenlosen Halberstädter Würstchen kitzeln zu können. Dieses Häuflein Aufrechter, das im Spiel eins nach Waterloo von der Grande Armée des Jenaer Anhangs noch übrig geblieben ist, hungert eher nach Erkenntnis darüber, ob die Mannschaft nach der letztwöchigen ernüchternden Pleite tatsächlich noch in der Lage ist, auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze zu bleiben. Den Aktivismus der letzten Tage hat man wohl registriert; dass die Anreise extra einen Tag eher erfolgte und dass die Vereinsführung sich auch bei den Neuverpflichtungen nicht hähngen ließ. Die Frage ist nur: Was nützt's?

Die Anfangsminuten lassen erkennen, dass Jena an seine Chance glaubt. Manai versucht es gleich zu Beginn mit einem Solo, doch im Sechszehner ist schnell Feierabend. Halberstadt bemüht, dagegen zu halten. Es entwickelt sich ein verteiltes Spiel, in dem der FCC aber klar die Richtung bestimmt. Obwohl man etwas zu kompliziert agiert, ergeben sich Chancen zu Hauf für die Gelben gegen eine robuste Germania-Elf, in deren Defensivabteilung keiner kleiner als 1,85m ist. Der agile Werner trifft in der 14. Minute nach einer Ecke aus 5 Meter Entfernung nur den Pfosten und drischt kurz darauf freistehend eine Eingabe in die Wolken. Manai bietet sich nach einem Benedetti-Zuspiel und einem Solo gleich zweimal die Möglichkeit zur Führung, ebenso Treitl bei seinen Schussversuchen. Anders als in der Begegnung gegen Plauen mangelt es diesmal nicht an den Chancen, sondern am Glück. Und wo Fortuna mal nicht beide Augen zudrückt, fehlt zudem ein Schiri, der mehr als Viertliganiveau bietet. Vielleicht hätte es auch schon ein Pfeifenmann getan, der nur dem Spiel mit dem runden Leder die Treue hält und nicht mal ab und zu beim Ringen aushilft. Wohl dürfte es auch besser gewesen sein, man wäre an diesem Tag an jemanden geraten, der nicht erst zu Hause im Regelbüchlein nachschauen muss, wie das denn nun ist, wenn ein Torwart außerhalb des Fünfmeterraumes den Ball fangen will. So aber hat der Herr in Schwarz seine Schwierigkeiten, beide Sportarten auseinander zuhalten, denn als Klee im Strafraum in Schwitzkasten genommen wird, bleibt ein Pfiff aus und ertönt dafür, nachdem Benedetti im Luftkampf mit dem Germania-Keeper den Ball erobert und ins leere Tor einschiebt. Trotzdem ist der Jenaer Anhang optimistisch. Auch wenn sich das nicht in minutenlangen Chorälen ausdrückt, hat man das Gefühl: Hier geht was! Es muss nur endlich mal klingeln!

Die Alarmglöckchen läuten dann auf der anderen Seite. Nolle legt die Büchse an und erlegt einen kapitalen Bock. Der passt sicher gut in seine Sammlung, für deren Präsentation er nach dem Plauen-Spiel ja den Großen Saal des Volkshauses mieten musste. Man schreibt aber schon die 30. Minute; es besteht also Hoffnung, dass für die diesmal erlegten Trophäen das Foyer Platz genug bietet. Mit diesem ersten Hauch einer Halberstädter Chance reißt der mühsam gesponnene Jenaer Spielfaden. Doch es kommt noch ärger. Wer schon immer mal wissen wollte, wofür Grasser, Berbig und Co. im Training keine Zeit zum Üben haben, der findet in der 36. Minute eine Antwort: Rückgaben. Die trainiert man in Jena traditionell durch learning by doing. Gegen Plauen war bekanntermaßen der flache Rückpass auf den Keeper dran, diesmal probt sich Grasser an der Rückgabe per Kopf. Klappt ganz gut fürs erste, denn der Ball landet am Pfosten, was Berbig glatt von den Socken haut und dem nachsetzende Germaniastürmer erlaubt, den zurückspringenden Ball über den am Boden liegenden Jenaer Torwart hinweg in die Maschen zu hauen.

Wenn es etwas gibt, womit man einer eh schon verunsicherten Mannschaft den Zahn ziehen kann, dann sind es solche Treffer. Folglich läuft bis zum Halbzeitpfiff bei Jena nichts mehr zusammen. Nach der Pause kommt der junge Ralf Schmitt in die Mannschaft und dafür steht bei Carl Zeiss eine Diva weniger auf dem Feld. Spielerisch ist es nach wie vor nicht die Offenbarung, was Jena seinen Fans zu bieten hat. Man agiert zu kompliziert und überhastet. Bei den Standards feixt die Germania-Hintermannschaft schon vorher, denn sie werden zumeist stereotyp hoch in den Strafraum geschlagen. Aber Willen und Einsatz stimmen, besonders Vito überzeugt auf der rechten Seite. So ergeben sich auch immer wieder kleinere Chancen, wie bei Schmidts Schuss (53.) und Mauls Kopfball (56.) Dazwischen liegt noch ein Versuch Stefan Treitls, sich nach einem Petrowsky-Freistoß mit einem Seitfallzieher bei Roncalli zu bewerben. Jena bemüht sich, aber dem Spiel fehlen eindeutig die kreativen Momente.

Dafür wird die Partie ruppiger. Nolle ist der Erste, der das bei einem Zweikampf im Mittelfeld zu spüren bekommt. Noch sichtlich benommen versucht er, wieder auf die Beine zu kommen, jedoch bleibt es ein Versuch, der eher eine Vorstellung davon vermittelt, wie Corrie Sanders wohl in der Schlussrunde durch den Ring getänzelt wäre, hätte der Ringrichter den Kampf gegen Klitschko in der 8. Runde nicht durch Technischen K.O. beendet. Für Nolle kommt Neuzugang Sebastian Hähnge (60.). Der wird gleich Zeuge, wie sich für Benedetti die nächste Chance zur Führung ergibt. Petrowsky setzt sich auf rechts schön durch und legt den Ball wunderbar in den Rücken der Abwehr, wo Vito völlig frei steht, doch dessen Schuss läßt einen um die Ziegel des Halberstädter Doms fürchten. So positiv aggressiv Vito an diesem Tag auch spielte; in einem Augenblick wie diesem wünschte ich ihm, er würde kurz innehalten und sich darauf besinnen, dass in ihm Blut vom Stamme der Del Pieros fließt.

Nach dieser vertanen Großchance läßt sich Jena nicht gehen, sondern rennt weiter an. Werner hat in der 66. Minute von der Strafraumgrenze freie Bahn zum Einlochen, aber seinem Schuss fehlt Höhe und Schärfe. Treitl sucht vier Minuten später gleichfalls vergebens sein Schussglück. Es soll nicht sein, und so entlädt sich das ergebnislose Anrennen in erstem Frustpöpeln auf den Rängen, zumal das Jenaer Alles oder Nichts dazu führt, dass die Halberstädter gefährlich zum Kontern kommen (70.). Der Wille zum Ausgleich ist beim FCC klar zu erkennen, jedoch fehlen spielerische Mittel, Übersicht und Nervenstärke, um erfolgreich zu sein. Auch taktisch erscheint es nicht ausgereift, was die Gelben auf dem Rasen zelebrieren. Ziel der Grasserschen ABM auf Rechtsaußen wird ja wohl nicht sein, ihn daran zu hindern, seinem Torinstinkt am eigenen Strafraum folgen zu können. Als Flankengott ist er allerdings völlig verschenkt; das wirkt alles ein bisschen wie die Viererkette des kleinen Mannes.

So verstreicht ergebnislos Minute um Minute. Thomas Vogel bringt als letzten Trumpf Schwesinger. Jena spielt nun mit 4 nominellen Stürmern, wobei Klee und Hähnge in der Spitze agieren, Schwes auf Rechtsaußen rückt und Tobias Werner sich jetzt ins Mittelfeld zurückfallen läßt. Hinten spielt man längst Mann gegen Mann. Dann endlich die Erlösung: Eine Rechtsflanke kann die Halberstädter Innenverteidigung nur zu kurz abklatschen, genau vor die Füße Schwesingers. Der fackelt nicht lange und durch ein Gewühl von Abwehr- und Stürmerbeinen findet der Ball den Weg ins Tor (80.). Es bleiben für Jena noch 10 Minuten Zeit, diesem einen Punkt noch zwei weitere hinzuzufügen, aber alle Versuche scheitern und man hat sogar noch Glück, kurz vor Abpfiff nicht noch böse ausgekontert zu werden. Dann ist Schluss und ich kann mir schon mal überlegen, was ich meinem Schwiegervater bei Rückkehr auf seine süffisante Frage entgegne, wie's denn wohl gelaufen ist.

Was soll man nun von diesem Spiel halten? Nach der bedingungslosen Kapitulation gegen Plauen war das kämpferisch gestern um Längen besser. Kreativspiel und Chancenverwertung sind zwar nach wie vor bei Jena nicht zufrieden stellend, aber dass die Mannschaft versuchte, über den Kampf zurück zum Spiel zu finden ist hervorhebendswert und könnte einem Mut machen, wenn, ja wenn noch 10 Spieltage zu bestreiten wären und nicht nur noch drei. So ist seit gestern klar, dass die Jenaer Chancen auf den Staffelsieg nur noch theoretischer Natur sind, denn ein Unterhaching kann ich bei den letzten drei Gegnern der Plauener beim besten Willen nicht ausmachen. Vielleicht sollte man sich das auch in Jena eingestehen und in den nächsten Partien verstärkt den Leuten eine Einsatzchance geben, die in der kommenden Oberligasaison eine tragende Rolle im Verein spielen werden. Ich denke da beispielsweise an Tobias Werner und Schwes, die sicher keine Wunderstürmer sind, aber allemal gut genug, um sie über den grauen Klee zu loben. Auch gegenüber Sebastian Hähnge sollte man vorurteilsfrei sein, denn durch einen großgewachsenen und körperlich robusten Angreifer wie ihn kann das Jenaer Offensivspiel an Variabilität gewinnen. So bleibt einem Zeissfan also wieder nur das Hoffen auf die Zukunft, aber da haben wir ja Routine.

--Al Knutone