2007/2008 03. Spieltag: 1. FC Köln - FC Carl Zeiss Jena 4:3

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 3. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Hinrunde
Ansetzung 1. FC Köln - FCC
Ort RheinEnergieStadion in Köln
Zeit 24.08.2007, 18:00 Uhr
Zuschauer 37700
Schiedsrichter Dr. Fleischer (Sigmertshausen)
Ergebnis 4:3
Tore
  • 0:1 Torghelle (5., Rechtsschuss,
    Vorarbeit Werner)
  • 1:1 Novakovic (20., Rechtsschuss,
    Vorarbeit Vucicevic)
  • 1:2 R. Müller (38., Rechtsschuss,
    Vorarbeit Torghelle)
  • 1:3 Omodiagbe (55., Rechtsschuss,
    Freistoßvorlage Ziegner)
  • 2:3 Chihi (73., Rechtsschuss,
    Vorarbeit Scherz)
  • 3:3 Chihi (84., Linksschuss,
    Vorarbeit Scherz)
  • 4:3 Jensen (86., Eigentor
    nach Ecke von Chihi)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Köln
MondragonGelbe Karte.gif
Nickenig, A. Mitreski, McKennaGelbe Karte.gif, Ehret
Broich, Antar, VucicevicGelbe Karte.gif, ChihiGelbe Karte.gif
Novakovic, Helmes

Trainer: Christoph Daum

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Kasper Jensen
Felix HolznerGelbe Karte.gif, Robert Müller, Darlington Omodiagbe, Ilia Kandelaki
Víctor Hugo Lorenzón (46. Stefan Kühne), Niels Hansen (84. Michael Stegmayer), Torsten Ziegner, Jan SimakGelbe Karte.gif
Tobias Werner, Sandor Torghelle (80. Nils Petersen)

Trainer: Frank Neubarth

Spielberichte

Es war die Woche der unverdienten Auswärtssiege mit St. Paulis Dreier im Ernst-Abbe-Sportfeld und Deutschlands glücklichem Erfolg in Wembley, und so mancher hegte die Hoffnung auf eine Fortsetzung dieser Serie in Köln-Müngersdorf, waren die Vorzeichen zwischen den beiden ungleichen Gegnern doch klar. Einen unverdienten Verlierer gab es auch diesmal, jedoch war dies nicht etwa der haushohe Favorit, sondern ein FC Carl Zeiss, der sich in der Schlussphase selbst um den Lohn eines großartigen Spieles brachte.

Durch den Platzverweis Alexander Mauls war Coach Frank Neubarth zu Umstellungen gezwungen, nahm Robert Müller in die Innenverteidigung und ließ mit Nils Hansen und dem erstmals nach seiner Verletzungspause wieder kickenden Lorenzon gleich zwei Abräumer im defensiven zentralen Mittelfeld auflaufen. Werner und Ziegner besetzten die Außenpositionen im Mittelfeld, während Jan Simak als Spielmacher fungierte, hinter der einzigen Spitze Torghelle. Und was der drauf hat, sorgte schon nach 5 Minuten für den ersten Jubelschrei unter den 1.500 mitgereisten Zeissfans. Langer Abschlag Jensen, Kopfball-Doppelpass Torghelle-Werner-Torghelle und unser ungarischer Neuzugang hämmerte die Kugel trocken von der Strafraumgrenze ins Netz. 0:1, was für ein Auftakt, und um ein Haar hätte Broich nachgelegt, dessen Rückpass Mondragon verfehlte, aber knapp am Kölner Kasten vorbeirollte (14.). Beim Gastgeber hatte man im Vorfeld einen mauernden Gegner erwartet, doch der FCC spielte auch nach der Führung munter nach vorn, fast zu munter, denn Kölner Gelegenheiten resultierten fast ausschließlich aus Kontern nach jenenser Abspielfehlern. In der 10. Minute ging das noch gut, als Jensen einen tückischen Helmes-Knaller im Nachfassen parierte, nach 20 Minuten jedoch hatten die Domstädter mit ihrer zweiten Möglichkeit im Spiel ausgeglichen. Novakovic hatte von Omodiagbe bedrängt Vucicevic angespielt, welcher an der rechten Strafraumgrenze Lorenzon düpierte und auf den von Omodiagbe und Werner sträflich vernachlässigten Novakovic zurückpasste. Dass dessen Schuß durch die Beine von Hansen den Weg ins Netz fand ist sicher unglücklich zu nennen, das Abwehrverhalten zuvor dilettantisch. Köln hatte nun Oberwasser, baute gehörigen Druck auf und hatte mit Vucicevics Schussversuch nach Kandelakis verhängnisvollem Ballverlust (24., knapp daneben) und Broichs abgefälschtem Schuß (29., Jensen hält) auch die ein oder andere Möglichkeit. Doch als Simak mit einem wahren Zauberpass den durchlaufenden Holzner bedient und dieser aus Nahdistanz an Mondragon scheiterte (30.), wirkte das wie ein Signal an die eigene Mannschaft zur Besinnung auf das überlegte Spiel der ersten Minuten. Kurz darauf hätte es Elfmeter für den FC Carl Zeiss geben müssen, als Torghelle im Strafraum gefoult wurde, doch nicht nur in dieser Szene zeigte sich die nachhaltige Wirkung des Daumschen Montagstheaters bei Referee Dr. Fleischer. Jena ließ sich nicht beirren, es war eine Freude, dem Kombinationsfußball von Jenas Offensivabteilung um den immer besser werdenden Kapitän Ziegner, den an allen Ecken des Spielfeldes zu findenden Hansen (bester Mann auf dem Platz) und einen Jan Simak zuzusehen und manch einer rieb sich die Augen, mit welchem Selbstbewusstsein der Underdog hier in der WM-Arena auftrat. Werners Schuß nach 36 Minuten parierte Mondragon im Nachfassen, Ziegners Freistoß eine Minute später kratzte der kölsche Schlussmann noch aus dem Eck, doch die darauffolgende Ecke brachte die verdiente Führung. Torghelle hatte Ziegners Eckball an den langen Pfosten verlängert, wo Robert Müller eiskalt vollendete. Der Gast wirkte nun wie paralysiert, beinahe hätte Torghelle das Ergebnis noch höher schrauben können, verzettelte sich aber im Strafraum (39.) und so war der Schlusspunkt unter die erste Hälfte symptomatisch, als der wenige Tage zuvor noch zum Deutschlandkader gehörende Helmes eine Freistoßablage von Vucicevic 15 Meter über das Jensen-Gehäuse beförderte. Kölns Mannschaft ratlos, Kölns Publikum fassungslos und ein gellendes Pfeifkonzert verabschiedete die Millionentruppe in die Kabinen.

Aufbäumen, Dagegenhalten, Druck aufbauen, so in etwa hätte man die Gastgeber nach Wiederanpfiff erwartet, doch stattdessen spielte Thüringens Stolz so, als hätte er einen Rückstand aufzuholen. Werner prüfte Mondragon mit Schuß aus spitzem Winkel (51.), das Eckenverhältnis war inzwischen auf 7:3 für Jena angestiegen und als Ziegners Freistoß den Fuß des völlig unbedrängt durchlaufenden Omodiagbe fand, hieß es 1:3, das Spiel schien entschieden. Auch wenn Helmes nur eine Minute später den Anschlusstreffer auf dem Kopf hatte und knapp verzog, das Auftreten der völlig konsternierten Gastgeber glich insgesamt einem Fehlpassfestival, begleitet von eisigem Schweigen des Opernpublikums auf den Tribünen. Christoph Daum hatte die Nase voll, wechselte gleich drei Spieler auf einmal aus und vor allem die Hereinnahme von Matthias Scherz, der ja schon in der Vorsaison den mehr als glücklichen Siegtreffer der Kölner vom Elfmeterpunkt erzielt hatte, sollte sich als folgenschwer erweisen. Doch zuvor hatte Referee Fleischer seinen Auftritt, schickte Zeiss-Trainer Frank Neubarth auf die Tribüne, als der sich lautstark über eine der unzähligen Freistoßfehlentscheidungen zugunsten des 1. FC Köln mokierte (65.), übersah eine Tätlichkeit Antars an Stefan Kühne (Kopfstoß, 68.) und gab für McKennas Notbremse an dem durchbrechenden Torghelle nur gelb (71.). Jener Torghelle hatte bis dahin ein großartiges Spiel gehabt, zerrte unermüdlich an den Ketten und war von seinem Gegenspieler meist nur durch Foulspiele zu stoppen. Doch er wurde ebenso wie Jan Simak müder und so verlagerte sich das Spielgeschehen mehr und mehr in die Jenaer Hälfte, Chihi mit Freistoß und Antar per Kopfball (69.) besaßen gute Möglichkeiten, ehe in der 73. Minute das Unheil für den FCC seinen Lauf nahm. Die Fehlerkette war lang. Jensen ließ sich eine Kölner Flanke von Robert Müller zum Einwurf wegköpfen, anstatt sie selbst herunterzupflücken. Omodiagbe musste erkennen, dass auch 1,88m nicht ausreichen, wenn man 2 Meter hinter einem kopfballstarken Matthias Scherz steht, dessen Verlängerung Adel Chihi fand, der von Felix Holzner völlig unbedrängt zum Anschlusstreffer einschoß. Fünf Minuten später hatte Scherz selbst die Riesenchance zum Ausgleich, köpfte aber freistehend am völlig leeren Tor vorbei. Durchatmen, doch die Partie wurde hitziger. Mondragon erhielt gelb, als er den sich bei der Auswechslung zu viel Zeit lassenden Torghelle vom Platz schubste, Holzner kassierte den gelben Karton für ein an ihm begangenes Foulspiel und Jan Simaks Bedrängen Vucicevics wurde mit Freistoß für Köln geahndet, den Scherz aufs Tor platziert, Jensen lässt den schon sicher geglaubten Ball vor die Füße von Chihi fallen, der nur noch abstauben muß. Ausgleich, Kölns Publikum aus dem Dornröschenschlaf erwacht und Kasper Jensen der einsamste Mann auf dem Platz. Ob ihm diese Szene noch durch den Kopf schwirrte, als er kurz darauf Chihis Eckball (Omodiagbe hatte zur Ecke klären müssen, da ein Ellenbogencheck von Scherz gegen ihn ungeahndet blieb) zum Kölner 4:3 ins eigene Tor patschte? Ein mehr als bitteres Ende für den zuvor gut spielenden Keeper, der nach dem Abpfiff sofort den Trost seines Kapitäns Torsten Ziegner bekam. Vergessen wird er diesen Abend wohl nie, ebenso wie Jenas Anhang. Fassungslose, entsetzte Gesichter noch Minuten nach Spielende im Gästeblock. Was für eine Riesenchance hatte sich der FC Carl Zeiss hier selbst vergeben. Ob die tadellose Moral der Mannschaft mit diesem erneuten Tiefschlag einen dauerhaften Knacks wegbekommen hat, oder ob man sich am 70 Minuten lang wirklich tollen eigenen Spiel aufbaut, wird die nächste Partie gegen Mainz zeigen. Nachdem der Trainer, dessen vorgenommene und unterlassene Auswechslungen in Köln nicht jedermanns Geschmack trafen, aus den vielen Neuzugängen mehr und mehr eine Mannschaft zu formen scheint, ist in den kommenden Tagen in erster Linie der Psychologe Frank Neubarth gefragt!

--Gunner


Aufbau West
Der FCC demontiert erst den 1. FC Köln und schlägt sich dann selbst.

Es war am Freitag so ab 19:10 Uhr: Hunderte frustrierte Zuschauer („Fußballfans“ zu sagen geht schwerlich, bei einem Publikum, welches sich größtenteils nur zum Absingen dumpfer Karnevals-Schnulzen in einem Stadion zusammenrottet) verlassen das Stadion in Köln-Müngersdorf, der Rest, so er sich farblich für das Idioten-Dasein entschieden hat, pfeift, schimpft oder wendet sich mit Grauen ab. Dabei gibt es gar Göttliches zu sehen. 11 gutgelaunte Jungs aus dem Thüringischen spielen einen zauberhaften Fußball und sind gerade dabei, die armseligen Schutzbefohlenen eines der Psychopathie verdächtigen, selbsternannten Gurus in ihre Einzelteile zu zerlegen. Konsterniert, hilflos und überfordert scheinen die armen Jungs mit der Zicke auf der Brust und der Großzügigkeit der wieselflinken Blauen scheint es zu verdanken, dass sie sich nicht auf den Rasen werfen und weinen. Kölns Fußball ist in diesen Minuten eine einzige Brache, auf der nicht mal andeutungsweise ein Fundament zu erkennen ist. Die Fußballkunst der Blaugelbweißen erstrahlt hingegen wie eine der dereinst versprochenen blühenden (Fußball)Landschaften. Hunderte Anhänger mit dem stolzesten Fußballwappen auf Brust, Trikot, Fahne, Schal oder Kappe sind besoffen vor Glück, beherrschen die Stadion-Akustik und warten darauf, diesen Rausch endgültig bis zur Neige auskosten zu können. Doch dann überkommt die Gäste Mitleid ob des jämmerlichen Zustandes der einheimischen Kicker. Der FCC will die Kölner von ihrem Leid erlösen und startet die Aktion „Aufbau West“. Zwanzig Minuten später ist sie beendet. Mit vollem Erfolg. Leider.

Es ist ein sonniger (Urlaubs-)Tag am Rhein, als ich reichlich vor Spielbeginn in Stadionnähe eintreffe. Noch deutet nichts darauf hin, dass die Fußballgötter sich eine neue spektakuläre Folge der Serie „Leiden mit dem FCC“ ausgedacht hatten. Da per Telefon das baldige Eintreffen des Aachener Glücksgroschens avisiert wird, bleibt noch Zeit im stadionnahen Fast-Food-Tempel den Durst zu stillen und Fußballvolk zu beobachten. Während ich links von mir Jenas Fanbeauftragten bei so „fußballtypischen“ Dingen wie Kaffee und Kuchen schlemmen sehe, tummelt sich rechts von mir schlimmfarben gekleidetes Volk und mir wird klar, es gibt auch in Köln eine wahrhaft adipöse Fankultur. Mein Kölner Tischnachbar erklärt noch schnell seinem Begleiter, warum er heut ohne seine Frau zum Spiel geht: „Dat Hilde kommt heut nit. Dat hat keen joht Jeföhl!“ Innerlich schmunzelnd hoffe ich, „dat Hilde“ möge Recht behalten, erhebe mich und schlendere zum Stadion. Unterwegs spricht mich der männliche Teil eines älteren Ehepaares an. „Junger Mann, wenn ich Sie mal kurz stören darf, aber hoffentlich endet das Spiel heute genauso wie am Montag! Ich drück’ Ihnen die Daumen!“ Seine Frau reckt den Daumen nach oben, ich nuschele überrascht „Danke, wir werden das schon hinkriegen.“ Und gehe frohen Mutes weiter. Hinter mir laufen drei ca. 18-jährige. Einer liest laut von meinem Rücken ab „FC Carl Zeiss Jena“. „Wo liegt dieses Jena eigentlich?“ fragt der Zweite. Der Dritte bestätigt alle Pisa-Erhebungen und erläutert „Direkt neben Zwickau und das ist in Thüringen.“ Nun ja, so klingt er halt, der Rheinische Frohsinn.

Nahe des Gästeblocks trudeln dann langsam die üblichen blaugelbweißen Verdächtigen ein, manche sogar direkt aus London kommend. Da sich mein Interesse an Auswahlteams in engen Grenzen hält, leiste ich mir meinen persönlichen Fauxpas des Tages und frage, welchen Klub man sich denn dort angeschaut hätte … Zufrieden darüber, dass auch Jenas beste und berühmteste Fan-Video-Kamera samt Bediener unbehelligt den Weg ins Stadion findet, suche ich mir mein Plätzchen im sich anfangs recht zäh füllenden Gästeblock. Zwischendurch versuche ich noch den Glücksgroschen-Mitbringer telefonisch in’s Stadion zu lotsen, nur weil der vorher noch blutjunge Love-Parade-Teilnehmerinnen (welche ihm über dubiose Teeküchen vermittelt wurden) zum Dom(!) bringen musste. Aber auch er ist noch rechtzeitig vor Ort.

Als dann das Kölner Operetten-Publikum ganz besonders herzlich eben jenen Sportsfreund Helmes begrüßt hatte, der vor Jahresfrist noch mit übergroßen Transpis aufgefordert wurde, sich bis in alle Ewigkeit zu verpissen und den man nienienie wieder im „Effzäh“-Trikot sehen wollte, konnte Schiri Dr. Fleischer einen seiner wenigen fehlerfreien Pfiffe loslassen – den Anpfiff. Als nach 2 Minuten Hansen auf Rechtsaußen gefoult wird, der Pfiff aber ausbleibt, kommt erstmals eine schlimme Ahnung auf. Sollte Kölns heißluftgeschwängerter Verbalprolet CD tatsächlich Wirkung erzielt haben? Zunächst egal, denn kurz darauf fängt Jensen eine erste Kölner Flanke von rechts sicher im Fünfmeterraum (2.). Im Gegenzug geht Torghelle schnurstracks in den Kölner Sechzehner, wird aber abgeblockt (3.). Als erneut 2 Minuten später Tobi auf Sandor passt, schüttelt dieser seinen Gegenspieler ab wie ein lästiges Insekt und lässt den Ball kompromisslos im Kölner Netz zappeln. Ein Schuss so trocken wie die ungarische Steppe. Nullzueins!!! Welch ein Jubel, zumal gleich danach der weit gereiste FCC-Trucker im Fanblock eintrifft und somit unsere Vorjahresgruppe fast komplett ist.

Es dauert 5 Minuten ehe Köln wieder eine klare Aktion gelingt, beim Schuss von Helmes ist Jensen aber sicher (10.). Jetzt ist der 1. FC Köln für 3 Minuten mächtig am Drücker und es ist auch wieder Zeit für eines der unwürdigsten Schauspiele der 2. Fußball-Bundesliga. Roda Antar, diese weinerliche Mischung aus Schauspieler und Provokateur ist bei seiner Lieblingsbeschäftigung zu sehen: erst Umfallen, dann Gelb fordern. Wann endlich hat ein deutscher Schiedsrichter ein Einsehen und „belohnt“ dieses fiese Antar-Markenzeichen mal tatsächlich mit Gelb?! Tobi versucht sich mit einer wahrlich mannhaften und v. a. sportlichen Erwiderung, zieht nach einer Ecke aus 20 Metern stramm ab, der Ball zischt aber knapp am Tor vorbei (14.) Es folgt der wohl beste Jenaer Spielzug der letzten Wochen. Lorenzon erkämpft sich im eigenen Strafraum den Ball und statt ihn blind wegzubolzen, entschließt er sich zum doppelten Doppelpass mit Ziegner und scheint plötzlich in der Nähe des Mittelkreises alle Optionen zu haben. Bis zu dem Moment, als ihn ein Kölner übel ummäht, natürlich ohne die angebrachte Karte zu sehen. (18.) Nur 2 Minuten später hat Lorenzon seine schwächste Szene im ganzen Spiel. Bei einem Kölner Angriff über rechts lässt er sich zu leicht verfrühstücken, kann den Pass nach innen nicht unterbinden. Nach der Weisheit, dass die unintelligentesten Bauern die reichste Ernte einfahren, geht Novakovics’ Schuss durch 2 Jenaer Tunnel und landet im Netz. Ausgleich (20.).

Jetzt hat Köln etwas mehr vom Spiel, gewinnt gelegentlich auch mal einen Zweikampf und muss sich unseren Strafraum nicht immer nur aus der Ferne ansehen. Nach einem Mittelfeld-Fehler gelingt den Heimischen sogar ein gefährlicher Konter, dieser bleibt allerdings folgenlos. Ebenso wie jener Fernschuss nach 28 Minuten, den Jensen pariert. Lorenzon rechtfertigt in dieser Phase seine Aufstellung nachhaltig. Erstaunlich, wie es ihm immer wieder gelingt, den Ball aus der Abwehr heraus zu spielen, statt nur zu schlagen und somit die Spieleröffnung wesentlich variabler zu gestalten. Da auch Ziegner zu dieser Zeit ausgesprochen spielstark auftrumpft, fällt Simaks Passivität kaum ins Gewicht. Sandor und Tobi stürzen derweil Kölns Abwehr von einer Panik in die nächste. Auch von außen geht viel Sinnvolles nach vorn und so ist es zunächst Holzner, der nach 29 Minuten nur einen Schritt zu spät kommt, um eine flache Eingabe zu veredeln. Nach 35 Minuten dringt Sandor wieder mal unaufhaltsam in Kölns 16-er ein und jeder im Stadion, der keine Mitgliedsbeiträge im Blinden- und Sehschwachenverband zahlt, sieht, wie Torghelle erst gehalten und dann umgerissen wird. Elfmeter!!! Wäre hier zumindest die einzig vertretbare Entscheidung gewesen. Unfassbar, hier einfach weiterspielen zu lassen! Wutentbrannt hämmert Tobi kurz darauf die Pille aufs Tor und für Mondragon ist der Ball so heiß, dass er ihn nur abprallen lassen kann. Leider folgenlos. Jena bleibt am Drücker und erhält (versehentlich?) einen Freistoß auf halblinks. Der Kapitän zirkelt diesen aufs lange Eck, wo Torghelle lauert und die Kugel zurück auf den anderen Pfosten befördert. Ich sehe Müller dort stehen und denke, der haut die Pille ans Außennetz. So kann man sich täuschen! Der Ball ist drin! TOOOOOOR! WirFührenWieder!!!

Souverän, abgeklärt und spielerisch überzeugend wie lange nicht mehr, bringen wir den Vorsprung in die HZ und die Rheinischen kriegen völlig verständlich ein sattes Pfeifkonzert zu hören. Wann sah man letztmalig eine derartige Klasse-Auswärtsleistung der Ruhmreichen? Spielerisch abgeklärt, nahezu perfekt beim Umschalten von Abwehr auf Angriff und mit Lorenzon schien das spielerische Element noch an Qualität gewonnen zu haben. Schon allein deshalb hätte ich ihn gern länger gesehen als nur eine HZ. Aber wegen seiner letzten Leistungen war mir auch nach der Hereinnahme Kühnes nicht bange. (Wie muss man sich das eigentlich vorstellen, wenn Daum in der Kabine nach dem letzten Strohhalm greift?)

Die unseren spielen ihren Stil konsequent weiter, von einem Aufbegehren der Böcke ist nichts zu erkennen. Im Gegenteil, die erste gefährliche Nachpausenaktion ist eine eminent gefährliche, halbhohe Ecke des deutlich verbesserten Ziegner. Nach 50 Minuten zieht Tobi von links aufs Kölner Tor zu, seinen Versuch, Mondragon im kurzen Eck zu überwinden kann dieser nur mit Mühe und auf Kosten einer Ecke vereiteln. Vier Minuten später gibt es einen der wenigen Freistösse für uns. Jetzt will auch mal Simak treten, diskutiert mit Ziegner, aber noch kann sich der Käpt’n durchsetzen. Gefahr bringend zieht er den Ball zum Fünfmeterraum. Dort ist er sonst immer etwas behäbig wirkende Omo nicht nur gedanklich schneller als all die rotweißen Traumtänzer und spitzelt den Ball ins Netz zum EINSZUDREI!!!

10 Minuten lang spielen die Thüringer Fußballgötter Katz und Maus mit den Hilflosen aus der rheinischen Provinzmetropole. Die zahlreichen Gäste-Fans eifern, bestens angetrieben durch ihren Vorturner, ihren Rasenhelden nach und rocken das Stadion. Kölns Team erntet vom eigenen Publikum nur Hohn und Spott und wird und wird dazu auf dem Platz gnadenlos vorgeführt. Spätestens jetzt macht sich Daum ernsthaft Gedanken, wie er ab Samstag seine Freizeit verbringen wird und welche beruflichen Chancen er noch hat. Da er aber seinen jetzigen Trainings- nur noch gegen einen ballonseidenen Jogginganzug tauschen muss, um endgültig das Aussehen eines schmierigen Pornodarstellers in drittklassigen C-Movies zu erlangen, scheint eine baldige Neuauflage diverser Schulmädchen-Reports nicht unwahrscheinlich. Ich hätte es ihm gegönnt.

Nach 63 Minuten gelingt auch Simak mal wieder eine sensationelle Einzelaktion auf links, bei seinem genialen Pass kommt der rasende Ungar aber einen Schritt zu spät um Köln endgültig einzusargen. Auch Schiri Dr. Fleischer bleibt von all dem völlig unbeeindruckt und konsequent bei seiner Linie. Konsequent heißt, er entscheidet einfach (fast) jeden Zweikampf zu Kölner Gunsten. Einer der Höhepunkte ist eine Aktion direkt vor der Jenaer Bank. Gnadenlos wird Holzner umgenietet und bekommt wie zum Hohn den Freistoß gegen sich. Neubarth und der Rest der Jenaer Bank sind völlig berechtigt wütend ob dieser skandalösen Entscheidung. Jetzt begeht Fleischer seinen erbärmlichsten Kotau nach dem medialen Jammergegeifer des „Um-ein-Haar“-Bundestrainers und schickt FN auf die Tribüne. Fleischer kuscht vor Daum – welch jämmerliches Spektakel! Nach 69 Minuten schenkt der „Unparteiische“ den Ekelfarbenen erneut einen Freistoß, den Jensen allerdings zur Ecke parieren kann. Der sich anschließende Kopfball streicht knapp am Tor vorbei. Das alles ficht die Heldenhaften (nicht) nicht an. Grandios erkämpft sich Torghelle auf links einen schon verlorenen Ball, will aufs Tor zusteuern und wird umgerissen. Dr. Fleischer, wird genau in dieser Sekunde von einem Alzheimer-Anfall heimgesucht und vergisst, wo er seine Rote Karte hin gesteckt hat. Der Kölner Foulspieler ist mit Gelb mehr als gut bedient.

Nach 73 Minuten erhalten die Kölner Einwurf auf Höhe der 16-Meter-Linie. Unsere Abwehr gönnt sich überraschend ein kleines Nickerchen, Scherz verlängert per Schädel in den Strafraum, dort steht Chihi, bis dahin einer der blindesten Irrläufer der Gastgeber. Seinen Schuss kann Jensen nicht parieren und es steht 2:3. Ein Tor, präsentiert auf dem Silbertablett. Ein großzügiges, aber unnützes Geschenk. Plötzlich scheint auch die Stadionuhr still zu stehen. Dennoch dauert es 5 Minuten, ehe die Kölner wieder in unserem 16-er auftauchen. Scherz hat allerdings eine 100%ige Ausgleichschance, setzt den Kopfball allerdings freistehend aus 5 Metern neben das Gebälk.

Torghelle ist in diesem Spiel gerannt, was seine Lungenflügel hergaben. Keinen Meter hat er kampflos preisgegeben. Jetzt ist er völlig ausgepumpt und platt, soll gegen Petersen ausgewechselt werden. Völlig erschöpft und ermattet hastet er so schnell es eben noch geht Richtung Bank. Es tut sich Ungeheuerliches. Als hätte er sich heimlich an Daums Eisernen Reserven vergangen, stürzt sich Mondragon wie von Sinnen auf bedauernswerten Sandor, um diesen unsportlich über den Rasen zu stoßen. (Man stelle sich eine derartige Situation mal mit umgekehrten Vorzeichen vor, also Jensen rennt mit 70 Metern Anlauf auf Chihi zu und stößt diesen mit beiden Händen ins Aus!) Wieder benimmt sich Fleischer wie ein kuschender Feigling und schickt den schäumenden Kolumbianer mit Gelb zurück ins Tor, statt mit Rot zur wohlverdienten Dusche. Als wäre dies alles noch nicht genug, bekommt Holzner, nach dem er selbst übel gefoult wurde, nur eine Minute später die Gelbe Karte, was für eine schwarze Sauerei! Im Gegenzug kann Petersen Daum und seinem Pfeifenfreund die Suppe endgültig versalzen, als er mit mutigem Zug auf’s Kölner Tor zustrebt. Im letzten Moment können die Bevorteilten ihn an der Strafraumgrenze vom finalen Torschuss abhalten. Der Ball wird relativ harmlos Richtung Jenaer Tor gespielt und wie aus dem Nichts erklingt erneut Fleischers Pfeife zum Freistoßgeschenk. Den aus dem Halbfeld geschlagenen Ball erreicht Jensen mit beiden Händen, was kann also noch schief gehen? …

Eine Minute und einen Eckball später hat Jensen seinen ganz persönlichen Albtraum hinter sich gebracht. Unverdient und unbegreiflich hat der 50-Millionen-Großkotz plötzlich 3 Punkte auf der Habenseite. Fassungs- und Ratlosigkeit unter den Jenaer Fans. Keiner mag mehr ein Wort sagen. Wer anfinge zu sprechen, würde spüren, dass dies alles kein böser Traum sondern bittere Realität ist. Wie viel Leid erträgt ein blaugelbweißes Herz binnen 6 Tagen. Zu viel. Der Trainer „mit dem absolut reinen Gewissen“ und sein trällernder Erfüllungsgehilfe konnten den Einheimischen allein nicht zum Erfolg verhelfen. Den am Boden liegenden Gegner wieder aufgebaut, haben wir am Ende selbst. Vor allem haben wir uns selbst geschlagen.

Der Weg zu Bussen und Parkplätzen würde kein leichter, auch wenn man zuvor seitens der Staatsmacht wieder mal über 30 Minuten lang seiner persönlichen Bewegungsfreiheit beraubt wurde, das war klar. Dass dann aber einige Jenaer Fans und somit etliche Grüne wegen ein paar rheinischer Milchreisbubi-Hools derart die Fassung verlieren, war unnütz. Erstaunlich allerdings, wer in der NRW-Reiterstaffel so alles auf dem Rücken eines Pferdes sitzen darf. Warum sagt denen keiner, dass Polizeipferde nicht an CHIO-Wettbewerben teilnehmen?

Im samstäglichen Kölner Stadtanzeiger faselte Daum von einer großartigen Leistung seiner Elf und quakte von „einem Spiel, über das man noch lange sprechen wird.“ Wer das Spiel allerdings gesehen hat, kann Daum eigentlich nur einen einzigen Rat geben: Schweige in Demut!

Und die Paradiesischen? Gelingt es dem Team, das spielerische Niveau der glorreichen 75 Minuten erneut abzurufen und schon gegen wiedererstarkte Mainzer dreifach zu punkten? Dann hätten wir (nebst dem Pauli-Spiel) schon mal zwei solcher immer wiederkehrenden „komischen“ Saisonspiele hinter uns. Mag sein, dass die Mannschaft noch am Boden liegt. (Verbal) Draufhauen ist billig. Stimmgewaltig Aufbauen (vom Linksaußen bis zum Torwächter) ist schwer. Aber seit wann mögen es FCC-Fans einfach?

Mainz kommt.
Mainz geht.
Die Punkte bleiben hier!

Auf geht’s Jena, kämpfen und siegen!

--Kopfnuss