1967/1968 09. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 4:1

Aus FCC-Wiki - Wiki vom FC Carl Zeiss Jena
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 9. Spieltag
Saison Saison 1967/1968, Hinrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 04.11.1967 14 Uhr
Zuschauer 12.000
Schiedsrichter Erhard Müller (Kriebitzsch)
Ergebnis 4:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Wolfgang Blochwitz
Heinz Marx, Peter Rock, Michael Strempel, Jürgen Werner
Gerd Brunner, Rainer Schlutter
Helmut Stein, Peter Ducke, Dieter Scheitler, Roland Ducke
Trainer: Georg Buschner
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Rostock
Jürgen Heinsch
Gerhard Sackritz, Manfred Rump, Dieter Wruck, Günter Bräsel
Herbert Pankau, Klaus-Dieter Seehaus
Jürgen Decker, Gerhard Kostmann, Kurt Habermann, Werner Drews
Trainer: Gerhard Gläser


Spielbericht

Img001u.jpeg

Jena brachte Rostock völlig aus dem Tritt

Jena ist wieder vorn. Der erneute Sprung an die Tabellenspitze ging leichter vonstatten als erwartet. "Ein sehr gutes Spiel, in dem wir deutliche Feldvorteile hatten. Rostock resignierte nach dem zweiten Tor, während unsere Treffer stets in psychologisch günstigen Momenten fielen", resümierte Cheftrainer Georg Buschner. Er fand dabei noch aufwertende, lobende Worte für den klar distanzierten Gegner. Diesen Gefallen tat Hansa-Cheftrainer Gerhard Gläser seiner Elf nicht. Er kommentierte vielmehr schonungslos die eklatanten Schwächen, die fast zu einem Debakel geführt hätten. "Jena war uns in allen Belangen überlegen. Im Spiel mit und ohne Ball, in der Einsatzfreude, der Laufarbeit, in willensmäßiger und kämpferischer Hinsicht. Einmal mehr wurde bewiesen, daß unser Spiel mit Herbert Pankau, diesmal nicht in gewohnt guter Verfassung, steht und fällt. Die entscheidenden Ursache aber war ein zu langatmiges Umschalten von der Abwehr in den Angriff und umgekehrt. Das war Fußball längst vergangener Zeiten."

Ein neuer, frischer, belebender Zug im Rostocker Spiel? Wir sahen ihn nicht! Die Mannschaft versuchte sich nach vorn zu schnörkeln, unproduktiv, ohne Torgefährlichkeit zu erlangen. Und was nutzten zwei Mittelverteidiger, die gleichermaßen inkonsequent waren, und in kritischen Situationen stets die Übersicht verloren? Wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, kann eine Abwehr nur ein Torso sein. Heinsch, oftmals recht gedankenschnell reagierend, sowie Bräsel und Sackritz verhinderten noch Ärgeres, als sie in der 78. und 82. Minute für ihren schon geschlagenen Torwart auf der Linie retteten. Wenn die Ostseestädter schon mit der Gestaltung des Spiels nichts zu tun hatten, so setzte ihre wenig kämpferische Einstellung noch mehr in Erstaunen. Die verbissene Haltung eines Spitzenreiters, der alle Energien mobilisierte, um die Führung zu behaupten, vermißten wir beim FC Hansa ganz und gar. Trainer Altmeister Alfred Kunze, der die Begegnung sorgfältig beobachtete, sagte dann auch zu Recht: "Für ein echtes Spitzenspiel boten die Rostocker insgesamt zu wenig. Die Abwehr war zu schwach und unorganisiert, ganz zu schweigen von der mangelnden Durchschlagskraft des Hansa-Angriffs."

Selbstverständlich bedeuteten seine Worte keine Abschwächung des Jenaer Sieges. Ob im Gespräch mit Karl Schnieke, Hilmar Ahnert oder Siegfried Woitzat, verschiedene Generationen erfolgreichen Jenaer Fußballs, die Meinung blieb, daß zwar in der Zeiss-Stadt schon technisch besserer, gefälligerer Fußball als gegenwärtig gespielt wurde, kaum aber produktiverer, sachlicherer und erfolgreicherer. Die Attraktivität der Spielkonzeption der Zeiss-Elf entspringt alles andere als ästhetischem Empfinden, sie stellt den Zauber der technischen Eleganz völlig hinter einen kampfkräftigen Erfolgsstil modernen Zuschnitts. Solide Deckungsarbeit mit einem glänzenden Rock im Zentrum (risikovolles Spiel sahen wir freilich noch bei Marx, Strempel und Schlutter, der auch mit einer unkonzentrierten Rückgabe Kostmanns Treffer ermöglichte), übersichtsvolles Mittelfeldspiel und zupackende, entschlossene Angriffsspitzen - das waren Siegesgarantien im wahrsten Sinne des Wortes.

Trotz Blochwitz (tolle Reaktion bei Kostmanns Kopfstoß in der 5. Min.), Rock, Peter Ducke, Pankau und Seehaus, die bestechendste Partie spielte Roland Ducke. Nicht als Linksaußen, sondern ausschließlich als regieführender Mittelfeldstratege! Alfred Kunze sprach von einer "wunderbaren Rolle Roland Duckes", Georg Buschner präzisierte den Stilwandel unseres Nationalmannschafts-Linksaußen: "Roland ist ja keine echte Sturmspitze mehr. In der zweiten Reihe kann er jedoch gelöst, frei aufspielen und mit seinen weiten, genauen Flugbällen das Sturmspiel aktivieren." Kein anderer erreichte Roland Duckes Wirkung, der in seiner Aufgabe wirkungsvoll von den beiden Youngstern Brunner und Schlutter unterstützt wurde. Hier, im Mittelfeld, scheint Jena die kluge Ergänzung von Spiel und Kampf gefunden zu haben. In der FUWO wurde Roland Ducke Spieler des Tages .

Zum Schiedsrichterkollektiv: Müller pfiff zweimal gegen Schlutter (4.) und Habermann (86.) klare Vorteilssituationen zurück. Das waren seine einzigen Fehler im Rahmen einer guten, unaufdringlichen Spielleitung.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 7. November 1967)