1968/1969 13. Spieltag: FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena 4:1

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 13. Spieltag
Saison Saison 1968/1969, Hinrunde
Ansetzung FC Hansa Rostock - FC Carl Zeiss Jena
Ort Ostseestadion in Rostock
Zeit Sa. 02.11.1968 14:00 Uhr
Zuschauer 15.000
Schiedsrichter Rudi Glöckner (Markranstädt)
Ergebnis 4:1 (2:0)
Tore
  • 1:0 Kostmann (17.)
  • 2:0 Kostmann (34., Foulstrafstoß)
  • 3:0 Kostmann (48.)
  • 3:1 Irmscher (56., Foulstrafstoß)
  • 4:1 Barthels (87.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
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Rostock
Dieter Schneider
Gerhard Sackritz, Manfred Rump, Klaus-Dieter Seehaus, Helmut Hergesell
Gerhard Brümmer, Herbert Pankau, Kurt Habermann
Wolfgang Barthels, Gerhard Kostmann (76. Jürgen Decker), Werner Drews
Trainer: Gerhard Gläser
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
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Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Heinz Marx (74. Dieter Lange)
Udo Preuße, Peter Rock, Michael StrempelGelbe Karte.gif, Gerd Brunner
Harald Irmscher, Rainer Schlutter, Roland Ducke, Werner Krauß (54. Bernd Krauß)
Dieter Scheitler
Trainer: Georg Buschner

Spielbericht

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Hansas Trumpf: Torgefährlichkeit

Roland Ducke, Jenas verdienstvoller Mittelfeldroutinier, schüttelte nach dem Abpfiff nur enttäuscht den Kopf. "Rostock hat gut gespielt, keine Frage. Aber so unklug wie diesmal, so offen in der Deckung waren wir in dieser Serie wohl noch nie." Ein klares Eingeständnis der eigenen Fehlerquelle, angesichts einer derart hohen Niederlage, wie sie der Meister schon lange nicht mehr erlitt, auch nur zu begreiflich.

Was zunächst einmal frappierte, war die Haltung der Zeiss-Städter: Hansa erwartete die Männer um Roland Ducke im Catenaccio-Stil reinster Prägung, in starker Defensive, doch Jena kam den Rostockern ganz anders, nämlich offensiv. Von Irmscher angetrieben, offenbarte es seine ganze spielerische Klasse, operierte optisch sehr gefällig. Mehr als eine gewisse Anfangsverblüffung löste das bei den Gastgebern jedoch nicht aus. Sie waren von Gläser darauf orientiert, "nicht gleich mit Vehemenz anzurennen, bedingungslos zu stürmen, sondern vielmehr kühlen Kopf in jeder Situation zu bewahren." Es zahlte sich aus!

Die Begeisterung schlug hoch, wenn vornehmlich Oberliga-Torjäger Nr. 1, Gerd Kostmann, Jenas Deckung vor Rätsel um Rätsel stellte. Der Meister durfte von Glück reden, daß der "Lange" in der 2. Halbzeit durch eine Hinterkopfprellung sichtlich gehandicapt war, die ihn schließlich auch zum Ausscheiden zwang. Erst jetzt konnte Strempel, erstaunlicherweise kein echter Widerpart für Kostmann, aufatmen; doch den zur Niederlage führenden Hat-Trick des Rostocker Centers wird Strempel sicher noch lange in unangenehmer Erinnerung behalten. Der Mittelstürmer der Hanseaten untermauerte auch die alte These, daß der jeweils spielstärkste Mann die Strafstoß-Verwandlung übernehmen soll. Als Pankau nämlich in der 24. min antrat (Marx hatte Barthels gelegt), hielt Grapenthin seinen Flachschuß. Schon gegen den FC Vorwärts hatte sich Pankau in ähnlicher Situation nicht nervenstark gezeigt, diesmal war es nicht anders. "Ich wollte von vornherein nicht schießen", erläuterte er ohne Umschweife, "aber es ging ja ganz einfach niemand zum Ball." Zehn Minuten später aber knallte Kostmann den zweiten Foulstrafstoß (diesmal war Brunner der Sünder gegen Habermann) scharf und flach, ohne mit der Wimper zu zucken, ein. Und auch Jenas bester Feldspieler im Ostseestadion, Harald Irmscher, war sich seiner Sache absolut sicher, als er nach Rumps Foul an R. Ducke (56.) dem hochtalentierten Schneider im Rostocker Tor beim dritten Strafstoß seelenruhig in die falsche Ecke schickte und einschoß.

Was mir an diesem Tag am FC Hansa am meisten imponierte, war die uneigennützige Handlungsweise aller Aktiven, ihre vollständige Unterordnung unter den kollektiven Gedanken. Eine klassische Studie dafür war der vierte Hansa-Treffer durch Barthels. Kurz hinter der Mittellinie nahm Decker das Leder an, spielte in richtiger Erkenntnis der Lage nicht den abseits stehenden Barthels an, sondern zog mit einer eleganten Körpertäuschung an Rock vorbei. Und erst dann, als auch Grapenthin keine Möglichkeit zum Eingreifen besaß, der mitgelaufene Barthels aber noch günstiger postiert war, spielte Decker den entscheidenden Querpaß, der Jenas Niederlage in eine völlig unerwartete, vorher kaum für möglich gehaltene Höhe schraubte. Teamwork im wahrsten Sinne des Wortes - Decker und Barthels demonstrierten es meisterhaft!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Die schwierigen Bodenverhältnisse (glitschiger, tiefer Rasen) erschwerten Glöckner das Amtieren, dennoch bemühte er sich stets, auf Ballhöhe zu sein. Die drei Strafstoßentscheidungen fällte er ohne zu zögern. "Für mich waren es einwandfreie Regelwidrigkeiten. Werden die gleichen Foulspieldelikte im Mittelfeld gepfiffen, diskutiert niemand darüber. Warum also, wenn sich das Geschehen im Strafraum abspielt?" Vorbildlich seine Vorteilsauslegung vor dem vierten Tor. Bei Abseitsentscheidungen muß Linienrichter Schmidt künftig aufmerksamer sein.

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 12. November 1968)