2007/2008 34. Spieltag: FC Augsburg - FC Carl Zeiss Jena 1:1

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Spieldaten
Wettbewerb 2. Bundesliga, 34. Spieltag
Saison Saison 2007/2008, Rückrunde
Ansetzung FC Augsburg - FCC
Ort Rosenaustadion
in Augsburg
Zeit So. 18.05.08 14:00
Zuschauer 23.278
Schiedsrichter Christian Fischer (Hemer)
Ergebnis 1:1
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
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Trikotfarben
Augsburg
Neuhaus
Möhrle, Dreßler, Benschneider Gelbe Karte.gif
Kern, Mölzl, Hdiouad Gelbe Karte.gif, L. Müller
Küntzel Gelbe Karte.gif(58. Diabang), Szabics, Thurk (76. Da Costa)

Trainer: Holger Fach



Trikotfarben
Trikotfarben
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Trikotfarben
Jena
Vasili Khamutouski
Sven Günther, Robert Müller, Andre Schmidt, Michael Stegmayer
Niels Hansen, Felix Holzner, Richard Kolitsch, Ilia Kandelaki Gelbrote Karte.gif
Sandor Torghelle, Marcel Schied Gelbe Karte.gif(74. Sami Allagui)

Trainer: Henning Bürger

Spielbericht

Blamabel anständig
Mit einem 1:1 sichert der FCC dem FC Augsburg den Verbleib in Liga 2

Teilweise skurrile Szenen spielten sich an diesem verregneten Sonntag-Vormittag am Augsburger Königsplatz ab. Dabei hatten wir uns doch nur zum Frühstück in ein Cafe mit zugegebenermaßen recht großen Fensterscheiben gesetzt. Und natürlich trug ich dabei die leuchtend blaue Jacke mit den vier großen, weißen Buchstaben J, E, N und A. Augsburgs Fan-Gemeinde machte sich derweil auf den Weg zum Ausgangspunkt des saisonabschließenden Fan-Marsches. Immer wieder machte man mir mit flehenden Gesten deutlich, was man von den Thüringer Gästen erwartete: Einen Punkt – bitte, bitte, bitte! Mancher Augsburg-Fan kam extra in das Cafe und an den Tisch, um Antworten auf die Fragen zu bekommen, von denen der Einheimischen Wohl abzuhängen schien: Hängen sich eure Jungs noch rein? Müssen noch viele um neue Verträge spielen, oder ist schon klar, wer bei euch bleibt? Spielen denn viele „Junge“ mit? Wird Tobias Werner spielen und wenn ja, wie? Meine Antworten beendete ich jeweils resümierend mit dem Satz „Wir spielen Unentschieden und ihr bleibt am Ende drin, es gibt da nämlich eine andere Truppe, der ich den Abstieg wirklich gönne.“ „Oh ja, bitte lasst uns diesen einen Punkt, das wäre super!“, kam es dann prompt zurück. Schön, wenn man als Bummelletzter der Tabelle derart hofiert wird – aber eben auch verdammt bitter!

Am Ende des Spieltages hatte sich der vorausgesagte Augsburger Klassenerhalt erfüllt. Die, denen ich den (Mit-) Abstieg gönnte, blieben leider auch drin, denn sie gewannen ihr Heimspiel 3:0. Zum Glück, habe ich davon nichts gesehen. Aber leider gehört, im Radio. Ein Team des Deutschlandfunks berichtete aus der Pfalz und interviewte Zuschauer nach dem Spiel. Nach dem üblichen Geblubber von der Pfälzer Tradition, dem üblichen Gesabber vom Geiste Fritz Walters und dem üblichen, schwachsinnigen Geschwafel von der wichtigen Bedeutung für die Bundesliga und die Region sprach ein Pfälzer Zuseher ins Mikro: „Naja, und zum Glück haben die Kölner heute ja auch nicht richtig gespielt!“ Es gibt halt Clubs, die keine Gelegenheit auslassen, auf der nach oben offenen Unbeliebtheitsskala höher und höher zu steigen ….

Es würde ja (vermutlich) für lange Zeit der letzte Zweitligaausflug sein und daher sollte die Reise in Bayerns drittgrößte Stadt auch etwas ausgiebiger ausfallen. Brechts Geburtshaus zu besuchen, verstand sich von selbst. Faszinierend aber auch der Besuch der Fuggerei, einer von 1514 bis 1523 erbauten sozialen Wohnanlage, die Jakob Fugger der Reiche den Augsburgern stiftete. Um eine der Wohnungen zu erhalten, muß man Augsburger, verheiratet, katholisch, bedürftig und gut beleumundet sein und dreimal täglich dem Stifter betend danken. Tobi Werner wird also zukünftig nicht dort wohnen. Bemerkenswert übrigens, daß der jährliche Mietzins noch heute einen Rheinischen Gulden beträgt. Aber auch der Dom, die ehemalige Erzbischöfliche Residenz, der Bürgerpark im Fronhof u. v. a. m. waren erkundenswert. Sicher, auch Dresden und Magdeburg mögen schöne, für einen Wochenendausflug reizvolle architektonische und kulturhistorische Kleinode haben, aber man wird sie wohl kaum derart entspannt und stressfrei in Blaugelbweißem Ornat besuchen können, wie beispielsweise Augsburgs Sehenswürdigkeiten. Schon allen deswegen war es einer jener Ausflüge, die ich zukünftig vermissen werde. Auf die zu erwartenden, sogenannten „Ostduelle“ (dieser überstrapazierte Begriff nervt sowieso schon seit Langem gewaltig) samt ihrer marodierenden Pseudofußball-Fans kann ich aus obigem Grunde gerne verzichten.

Wunderbar auch der Spiel-Vorabend, als wir auf der Terrasse des Restaurants „König von Bayern“ wie verabredet auf zwei weitere FCC-Fans warteten. Dann war es soweit, ein Tandem bog um die nächstgelegene Straßenecke und vorne strahlte (natürlich ebenfalls in FCC-Tracht) der (Renn)Fahrer, während die Lockenpracht seiner Sozia im Fahrtwind wehte. Zwischen Kässpatzen, diversen Bieren und Kaiserschmarrn blieb reichlich Zeit, um unendlich viele Geschichten von Oldtimer-Motorradrennen, Konzertbesuchen, Fußball-Touren und dergleichen mehr auszutauschen und sich darüber zu erfreuen, wie trotz aller beruflichen und wohnortmäßigen Irrungen und (Ver)Wirrungen doch jeder immer seinen Weg auch mit dem des FCC verband. Mal ganz abgesehen, von so manchem witzigen Fußball-Wortgeplänkel mit vorbeidefilierenden Einheimischen.

Wiederum Sensationelles ergab sich dann am Spieltag selbst, als wir vom bereits beschrieben Frühstück fußgängernd Richtung Rosenau strebten. Diesen durchnässten, abgekämpften Fahrradfahrer kennst Du doch, dachte ich gerade so vor mich hin, als er auch schon anhielt und wir uns begrüßten. Staunend nahmen wir zu Kenntnis, daß „Fahrrad-Andi“ sich bereits am Donnerstag in den Sattel geschwungen hatte und nun soeben strampelnd die Schwabenhauptstadt erreicht hatte. Er wolle noch schnell in die Innenstadt zur Besichtigung der Fuggerei huschen, ließ er uns erst wissen und dann staunend zurück. Ach, hätten doch die Jenaer Kicker saisonal durchgängig gleichen Einsatz und Ideenreichtum gezeigt, wie die Fans des Vereins … Noch immer von der Leistung des Radfahrers schwärmend erreichten wir den Rasenparkplatz am Stadion Rosenau. Im Vergleich zur Vorsaison war der allerdings heuer nicht fest in blaugelbweißer Hand. So war auch nicht zu befürchten, dass die Freunde und Helfer der bayerischen Polizei in ihrem Bericht erneut eine Festnahme wegen „Beleidigung eines Polizeipferdes“ notieren müssten. Das Wohnmobil unserer Vorabendbegleiter war daher schnell gefunden und dort traf sich dann wieder ein Großteil der üblichen Verdächtigen. Der Drackendorfer Kartoffelsalatmitbringer samt Sohn und Chauffeur, aber auch das filmende Gewissen der FCC-Fans samt dessen fußballnachwuchsbegeisterter brüderlichen Familie. Und so dauerte es auch nicht lange, bis zwischen den Bratwurst- und Kartoffelsalatbissen jene Namen und Begriffe fielen, die den Weg von Augsburg 07 bis Augsburg 08 beschrieben: Fröhlich, Tapalovic, Neubarth, Jensen, Alpha, Ivanauskas, Sitzstreik, Betzenberg, Hoffenheim, Aue, Bürger … Das Wetter sagte alles: 2007 strahlte die Sonne, 2008 ward der Tag trüb, grau und nässend. Einzig und allein die uns kurz vor dem Abmarsch zum Stadion noch enthüllte Altzeit-CZ-Rennmaschine sorgte noch für etwas Abwechslung, bevor es dann zum letzten Gang ging.

Ca. 600 Unverdrossene waren mitgereist, um ihren (ehemals) Heldenhaften das letzte Zweitligageleit zu geben. Weil an dieser Stelle oft gescholten, soll heute mal Respekt gezollt werden. Respekt für den Augsburger Rasensprecher, dem es gelang, die Stimmung der Heimischen bestens anzuheizen ohne dabei das ansonsten übliche Maß an Peinlichkeit zu erreichen. Nur der Hinweis, die zuvor ausgegebenen „Klatschpappen“ zu benutzen war grenzwertig. Trotz des nervenden Regens herrschte bei Anpfiff allerbeste Stimmung in beiden Fanlagern und das altehrwürdige Rosenau-Stadion mit seinem Charme bot eine tolle Fußballkulisse. Eine solche Stimmung werden die allgegenwärtigen Fußball-Arena-Designer, die derzeit auch in Augsburg ihr Unwesen treiben, irgendwann garantiert noch verwundert vermissen.

Dann führten die beiden Keeper als Kapitäne jeweils ihre Teams zur Mitte, dort bildeten beide Mannschaften noch fix ihre Beschwörungskreise und der für uns vorerst letzte Zweitligaanpfiff ertönte. Bürger hatte zu Recht mit Schmidt und Kolitsch der Zukunft eine weitere Chance gegeben und die beiden wußten diese Chance durchaus zu nutzen. Die Augsburger wirkten in den ersten 10 Minuten zwar recht bemüht, stellten die unseren aber kaum vor nennenswerte Probleme. Als der eher schwache Schiedsrichter Fischer im Anschluß an eine Ecke von Günther überraschenderweise mal nicht gegen Torghelle pfiff, hatte der die bis dahin beste Chance, köpfte aber aus 5 Metern knapp vorbei. Nach 19 Minuten griffen die Augsburger dann mal zum Mittel eines weiten Flankenwechsels von links nach rechts, aber zunächst klärte Vasili K. prächtig gegen Kern und dann entschied sich Thurk, den ball über das Tor zu köpfen. Da die Augsburger dann zusehends nervöser und unkonzentrierter zu werke gingen, hatten die Jenaer das spiel recht sicher im Griff. Erst als Holzner nach 32 Minuten im Mittelfeld patzte, mußte Müller energisch und im allerletzten Moment gegen einen durchbrechenden Augsburger klären. Engagiert und kampfstark bestritten die Gäste bis dahin das Match, geschenkt wurde den Gastgebern nichts. Nach 36 Minuten vergaß Fischer erneut, einen Ballbesitz Torghelles abzupfeifen, so daß der allein aufs Augsburger Tor zusteuern konnte. Überrascht, keinen Pfiff zu hören, übersah Sandor (der später auf der Heimfahrt während der Spielzusammenfassung des Reporters vom BR immer zu Sandro mutierte) den mitgelaufenen und rechts freistehenden Holzner und schoß selbst viel zu schwach vorbei. Kurz darauf machte Schiri Fischer seinen „Fehler“ wieder gut und pfiff sogar gegen Torghelle, als der stehenblieb und gar nicht erst zum Ball ging. Als kurz vor der Halbzeit Vasili K. ganz sicher eine Augsburger Flanke von rechts wegfischte war klar, bis zum Pausenpfiff passiert nix mehr. So war es denn auch. Es war keine überdurchschnittlich gute erste Hälfte, dafür wirkte der FCA zu verunsichert. Aber wie sich die Unseren in das Spiel mehr und mehr hineinkämpften und eigene Akzente setzten, das war anständig.

Halbzeit 2 begann mit zwei Augsburger Steilpässen. Beim ersten klärte Vasili K. per Fuß und nach dem zweiten holte er den anschließenden Schuss reaktionsschnell aus der kurzen Ecke. Augsburg versuchte nun, etwas druckvoller zu agieren, aber noch stand unsere Abwehr sicher. Und als die Gastgeber dann doch mal eine Lücke gefunden hatten (53.), klärte Sven Günther souverän. Überhaupt, Sven Günther. Erneut war der der beste Jenaer Feldspieler – einsatzstark. Laufstark und mit überraschenden Offensivaktionen. In punkto Kampf und Einsatz konnten da auch noch Hansen, Torghelle und Holzner mithalten. Apropos Holzner. Der flitzte in Minute 54 endlich mal wieder wie einst Forrest Gump über die rechte Rasenhälfte, flankte auf Sandor und der setzte unter Bedrängnis den Ball knapp am Tor vorbei. Dann war knapp eine Stunde gespielt und Herr Fischer tat mal wieder das, was er schon zuvor oftmals ohne erkennbaren Grund getan hatte: er entschied auf Freistoß für den FCA. Kern trat das Leder hoch hinein. Irgend etwas Bestaunenswertes muß an dieser Flanke gewesen sein. Jenas Abwehrspieler bestaunten jedenfalls fasziniert die Flugbahn des Balles, unfähig zu jeglicher Bewegung. Das nutzte Dreßler und köpfte das 1:0. (59.) Noch ehe die Gastgeber nach ihrer Jubelarie wieder Luft geholt hatten, tauchten nun die Jenaer vor deren Strafraum auf. Ein Eckball von rechts sprang dabei raus. Kaum war die Flanke im Sechzehner angekommen, war der unermüdliche Ungar zur Stelle und nischelte den Ball ins TOOOR! Da Herr Fischer völlig unverständlich auf seinen obligatorischen Anti-Sandor-Pfiff verzichtete, stand es tatsächlich 1:1. (62.) Da staunten die eben noch so siegessicheren Schwaben nicht schlecht. Da ihnen nichts anderes einfiel, versuchten sie sich nun dem Regenwetter entsprechend als tieffliegende Schwalben. Auf die erste, 25 Meter vorm Tor fiel Fischer herein und pfiff. Umsonst, denn der Freistoß blieb erfolglos. Dann probiere ich das auch mal, dachte sich daraufhin Szabics und flog im Strafraum tief. Das war dann allerdings selbst für Fischer zu offensichtlich und so gab es weder Elfmeter noch Gelb für das Vögelchen. Gelb gab es dann kurz darauf für Kandelaki, allerdings auf Umwegen. Fischer hielt dem Jenaer zunächst versehentlich seinen Notizzettel vor die Nase, ehe er dann doch noch das Kärtchen fand. Nach 72 Minuten fanden sich dann nochmals Holzner und Günther zu einem Offensiv-Duett, allerdings erfolglos. Im Gegenzug vermasselte dann Vasili K. den Gastgebern die vorzeitige Klassenerhaltsfeier, als er einen Szabics-Kopfball aus Nahdistanz sensationell entschärfte.

Eingedenk der mittlerweile früchtetragenden Mauschelei auf dem Betzenberg ging den Augsburgern nun ein wenig der Allerwerteste auf Grundeis. Was sollten sie machen? Gegen nach wie vor anständig kämpfende Thüringer alles nach vorne werfen und sich dabei der Gefahr des finalen Konters aussetzen? Auch Kandelakis Entscheidung, die warme Dusche vorzeitig dem ekligen Dauerregen vorzuziehen, machte die Gastgeber nicht schlauer, denn irgendwie schienen die Jenaer ihnen nicht geheuer, gaben die sich doch nicht doch nicht einfach so… Als dann die 80. Minute vorbei war, trafen die Akteure stillschweigend ein Gentlemen’s Agreement. Der FCC ließ den Ball gepflegt durch die eigenen Reihen laufen und landete er dann doch mal bei den Augsburgern, wusste die, dass er bei den Gästen gut aufgehoben war und spielten ihn flugs zurück.

So konnten die Augsburger kurze Zeit später den Klassenerhalt zelebrieren und Jenas Anhang sich zunächst von Tobias Werner und dann vom Rest des Teams verabschieden. In manchen Fällen wohl für immer. Und nicht in allen Fällen wird die Trauer lange anhalten. Der FCC hatte sich in diesen 90 Minuten anständig verabschiedet, dafür war Beifall berechtigt. Angenehm auch, daß etliche der nach dem Rückzug des eigenen Teams im Gästeblock verbliebenen FCC-Fans auch die Augsburger Spieler mit Applaus bedachten, als diese auf dem Weg zu ihren Anhängern waren. Nach zwei, drei verwunderten Blicken applaudierten diese zurück.

Der Jenaer Fan-Tross warf noch einen letzten Blick ins Stadion und strebte dann Richtung Heimat. Der Regen ließ nicht erkennen, ob dabei nicht doch so manche kleine Träne verdrückt wurde, nur erahnen …
Große Reden schwang am Ende niemand. Alle Tausend „Wenn“ und „Aber“ spielten schon lange keine Rolle mehr. Am Ende bleiben (neben so vielen anderen) nur die sportlichen Fakten: 6 Siege, 17 Niederlagen, 68 Gegentore, 29 Punkte, letzter Platz. Für diese Mannschaft, diesen Verein und seine Fans ist das einfach nur – blamabel.

Aber wer nicht leiden kann, wird auch nicht FCC-Fan. Und wer nicht hoffen kann, schon gar nicht!

So fiel der Abschied kurz und leise aus. Ein fester Händedruck. Ein tiefer Blick in traurige Augen. Ein leichtes, wissendes Nicken. Ein schmallippiges „Man sieht sich!“.

So soll es sein. So wird es sein.

Nur der FCC!
YNWA

--Kopfnuss