1968/1969 21. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - HFC Chemie 3:2

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 21. Spieltag
Saison Saison 1968/1969, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - HFC Chemie
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 05.04.1969 15:00 Uhr
Zuschauer 10.000
Schiedsrichter Kurt Halas (Berlin)
Ergebnis 3:2 (3:0)
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Hans-Ulrich Grapenthin
Werner Krauß, Peter Rock, Gerd Brunner, Helmut Stein
Michael Strempel, Rainer Schlutter
Harald Irmscher, Peter Ducke (78. Hans Meyer), Dieter Scheitler, Bernd Krauß
Trainer: Georg Buschner
Halle
Ralf Heine
Diethard Stricksner, Klaus Urbanczyk, Paul Kersten, Bernd Bransch
Ulrich Rothe, Reinhard Segger, Roland Nowotny
Rainer Langer, Gerd Beyer, Dieter Ilgner (58. Hans Müller)
Trainer: Horst Sockoll


Spielbericht

Unterschiedliche Halbzeiten

Was das Resultat bei Halbzeit und Spielende betrifft, so war es ein Spiel mit grundverschiedenen Halbzeiten. Und dennoch wird dem kritischen Beobachter nicht entgangen sein, daß die Überlegenheit des Meisters in der ersten Halbzeit, als der HFC ohne jegliche Torchance blieb, frappierender war, als jene streckenweise Feldüberlegenheit der Gäste nach dem Seitenwechsel. Denn auch in dieser Phase hatte der FC Carl Zeiss, denkt man an P. Duckes Riesenchance (48.), an Irmschers Lattenschuß (77.) seine Möglichkeiten. Fehlte auf der einen Seite R. Ducke, so muß man um der Gerechtigkeit Willen auch auf das Fehlen von Donau und Boelssen verweisen, ohne die das Hallenser Angriffsspiel auch in der zweiten Halbzeit - so sehr sich Langer im Mittelfeld mühte - nicht recht in gang kam. Da wirkte die Maßnahme von Trainer Horst Sockoll eher Wunder, Bransch in die Mittelreihe und Müller für Ilgner hereinzunehmen. Letzterer machte dem erneut offensiv wirkenden Stein (warum nur jedesmal als Rechtsverteidiger die Nr. 5?) mehr zu schaffen. Und Bransch lehrte seinen Stürmern, wie geschossen wird, was er nicht nur bei seinen Toren unterstrich.

Was aber die eigentliche Überraschung war: Wie konnte sich eine so routinierte Abwehr wie die der Hallenser nach Heines "Ostergeschenk" für die Jenaer (er hatte P. Duckes Flachschuß schon gefaßt, um den Ball doch noch wegzustoßen ... Schlutter genau vor die Füße!) so schockiert zeigen? Für die restlichen zweiundvierzig Minuten der ersten Hälfte lief beim HFC nichts mehr zusammen, zeigte sich Libero Urbanczyk genau wie sein Gegenüber Rock nicht als gewohnter Organisator der Abwehr. Im Gegenteil!

Übrigens: Keines der Jenaer Tore war herausgespielt. Brunners 2:0 nach Eckball des stark verbesserten Irmscher und einem von Stein im Hallenser Torraum (!) gewonnenen sah die konfus wirkende Chemie-Deckung erneut schlecht postiert. Und das 3:0 Irmschers war ein ausgesprochener "Sonntagsschuß" aus 22 m ins entlegene Tordreieck. Die Jenaer Angriffsmaschinerie mußte geradezu auf Touren kommen, weil der HFC das konsequente Decken versäumte, eine den Spielaufbau antreibende Mittelreihe völlig untergetaucht schien. Der Wandel kam nach der Pause. Jetzt half den Hallensern der Vorwärtsdrang eines Bransch, der noch zwei sehenswerte Treffer schoß.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Im Bestreben, das Spiel in sportlichen Grenzen zu halten, war Halas ein resoluter Leiter, und wenn es auch ein Teil der Zuschauer anders sah, mit häufiger und richtiger Auslegung der Vorteilsbestimmung.

(Peter Palitzsch in "Die Neue Fußballwoche" vom 8. April 1969)