1972/1973 18. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden 2:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 18. Spieltag
Saison Saison 1972/1973, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - SG Dynamo Dresden
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 28.04.1973 17:00 Uhr
Zuschauer 15.000
Schiedsrichter Rudi Glöckner (Markranstädt)
Ergebnis 2:0
Tore
  • 1:0 Vogel (3.)
  • 2:0 Vogel (51.)
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Wolfgang Blochwitz
Helmut SteinGelbe Karte.gif
Gerhardt Hoppe, Konrad Weise, Lothar Kurbjuweit
Harald Irmscher, Ulrich Göhr, Rainer Schlutter
Peter Ducke, Dieter Scheitler, Eberhard Vogel

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Dresden
Dietmar Urbanek
Wolfgang Haustein
Frank Ganzera, Eduard Geyer, Siegmar Wätzlich
Horst Rau, Klaus LichtenbergerGelbe Karte.gif (68. Reinhard Häfner), Hans-Jürgen Kreische
Dieter Riedel (83. Christian Helm), Frank Richter, Rainer Sachse

Trainer: Walter Fritzsch


Spielbericht

Jena gab keinen Pardon

Lothar Kurbjuweit mit bester Wertung in der FuWo-Kritik

In der Schlagerpaarung der 2. Halbserie entsprach nur der Tabellenzweite hohen Anforderungen. Jena "brannte", nutzte die Chance den Titelkampf auch weiterhin offenzuhalten. Das Teamwork der Zeiss-Städter funktionierte störungsfrei. Die Elf entwickelte erstaunliche Fähigkeiten, ständig neue individuelle Schwerpunkte zu schaffen. So imponierend die Mannschaftsleistung auch war, urplötzlich steckten Stein, Weise, Kurbjuweit, P. Ducke, Schlutter und Vogel dem Geschehen neue Lichter auf. Dazu zeigte sich der Spitzenreiter diesmal nicht in der Lage. Jena machte die neunzig Minuten auf nassem, glitschigen Rasen gutklassig. Dresdens Blässe verhinderte den Anspruch internationaler Güte.

Das waren die entscheidenden Ursachen dafür:

1. Jenas kraftvoller, temposcharfer, einsatzbetonter Stil verlangt eine Mannschaft - physisch wie psychisch - in Top-Form. Sie war es! "Dresden wurde klar beherrscht. Jena bot beeindruckenden Kombinationsfußball", resümierte Verbandstrainer Georg Buschner. "Dynamo bemühte sich zwar um spielerische Linie, vermochte sie jedoch nicht durchzusetzen", erklärte DFV-Generalsekretär Günter Schneider. Wo Jena mit hohem körperlichen Aufwand einen reißenden Strom auslöste, trieb Dynamo im ruhigen Fahrwasser monoton dahin. Technik ohne Kraftaufwand, Dresden bekam die Unfruchtbarkeit dieser Haltung schmerzlich zu spüren.

2. Das Nationalspieler-Duell ging klar an die Zeiss-Städter. "Weise, Kurbjuweit, P. Ducke und Vogel stachen Ganzera, Wätzlich, Kreische und Richter eindeutig aus. So enttäuschend das für mich ist, es gibt keinen Abstrich daran zu machen", urteilte Walter Fritzsch. "Selbst wenn uns die Niederlage nicht umwerfen wird, weniger individuelle Fehler unserer Spieler wären mir heute angenehmer gewesen", fügte Dynamo-Sektionsleiter Wolfgang Hänel hinzu. Da Vogels sehenswerte Treffer (ein Volleyschuß, ein wuchtiger Kopfball) den Sieg bedeuteten, der für P. Ducke als "Sonderbewacher" vorgesehene Wätzlich schon nach einer Viertelstunde mit Geyer tauschte, war das Urteil über Ganzera und Wätzlich gesprochen. Über Richter braucht kein Wort verloren zu werden, zu Kreische aber das: Wenn der Mittelfeldregisseur Auswahlform erlangen will, muß er sich in den Punktspielen vor allem darum bemühen. Davon war er im Ernst-Abbe-Stadion zu wichtiger Stunde allerdings weit entfernt! Weise stach ihn nach Belieben aus, seiner Frische hatte Kreische in der Schlußphase absolut nichts mehr entgegenzusetzen.

Den eindrucksvollsten Part am 2:0 der Gastgeber besaß - trotz P. Ducke, Weise, Vogel und dem großartigen, spielbetonten Libero Stein - Linksverteidiger Kurbjuweit. Wenn jemand die Bedeutung dieses Treffens richtig erfaßt hatte, dann er! Riedel, Dresdens relativ besten Angreifer, zermürbte Kurbjuweit mit konsequenten Tacklings. Seine ausgewogene Abwehr- und Angriffsleistung machte ihn zum besten Akteur auf dem Feld!

3. Nicht allein Jenas Härtestil feierte einen Triumph, auch in der variablen Spielgestaltung besaßen die Meyer-Schützlinge unübersehbare Vorteile!

Nur einmal (!), mit dem besten Angriffszug überhaupt, stand Dynamo durch Richter (46.) vor einem möglichen Torerfolg (Kurjuweit schlug das Leder noch vor der Linie weg). Damit hatte es sein Bewenden. Was Jena dagegen an überraschenden diagonalen Wechseln bot (Vogel, Irmscher, Schlutter), an geschicktem, souveränem Lösen aus der Abwehr (Weise, Kurbjuweit), an raumöffnenden Steilpässen wie an beherzten Dribblings (P. Ducke), atmete Klasse. "Wir waren torgefährlicher" und "besaßen eigentlich keine nennenswerten Probleme", faßten P. Ducke und Stein ihre Meinung lakonisch zusammen. Zwischen diesen beiden Polen lagen die Licht- und Schattenseiten dieses Spitzenspiels. Der Meisterschaftskampf besitzt wieder spannende Akzente!

Zum Schiedsrichterkollektiv: Selbst wenn einige notorische Besserwisser nicht aus dem Bannkreis des Lokalpatriotismus treten können, sei dies festgehalten: Glöckner bot eine souveräne Spielleitung. Er tolerierte viel, er unterbrach auch oft. Beides geschah in maßvoller Haltung, wurde dem Geschehen gerecht. Er achtete aucd das Notwendige (so beim Austauschen des Balles, 24.) und ließ es am Konkreten nicht fehlen (Verwarnungen gegen Stein und Lichtenberger). "Die Anforderungen waten hoch, aber darauf ist man eingestellt."

(Günter Simon in "Die Neue Fußballwoche" vom 3. Mai 1973)


Zeiss-Spitzen stachen diesmal weitaus besser

Doppelter Torschütze im Duell mit Dynamo: Eberhard Vogel

Sein Einsatz hatte bis kurz vor Spielbeginn in Frage gestanden, schien einigen nach der Verletzungspause sogar problematisch. Doch schon nach 180 Sekunden hatte er die Zweifler auf seiner Seite. Eberhard Vogel jagte eine der präzisen Ducke-Flanken mit Vehemenz ins Urbanek-Gehäuse, gab mit dem erhofften schnellen Führungstor seiner Elf die spielerische Sicherheit.

Diese Szene in der 3. Minute blieb eigentlich symptomatisch für die gesamte Spielzeit. Weder Wätzlich und Geyer, der nach rund 20 Minuten an die Seite von Ducke beordert wurde, noch Ganzera, er beging bei beiden Treffern elementare Fehler im Distanzieren der Flanken, gegen Vogel fanden die richtige Einstellung zu ihren unmittelbaren Gegenspielern, wurden das ein ums andere Mal von den schnellen Aktionen überrascht. Vogel und Ducke zeigten an diesem Tage gekonntes Stürmerspiel. Sie boten sich, dabei ein enormes und kräftezehrendes Laufpensum verrichtend, ständig den nachdrängenden Mittelfeld- und Abwehrspielern zum Anspiel an, sicherten den Ball gegen die Dresdner Abwehrakteure geschickt mit dem Körper ab. Bei ihren oft in hohem Tempo durchgeführten Dribblings waren sie durch ihre technischen Fertigkeiten sehr vielseitig und unberechenbar, bewiesen auch beim Abschluß ihrer Aktionen den notwendigen Überblick. Hätte Vogel in der 16. Minute etwas mehr Kaltblütigkeit und Überlegung an die Stelle von Schußkraft gesetzt, das 2:0 wäre kaum zu verhindern gewesen. Scheitler, von Hans Meyer als dritte Angriffsspitze nominiert, gefiel durch seinen enormen Einsatzwillen. Seine technischen Schwächen verhinderten allerdings ein erfolgreiches Spiel, ließen manche Idee nicht zum Tragen kommen.

Die Dynamo-Hintermannschaft wurde durch das elanvolle Spiel der Angreifer des Gastgebers stark in der eigenen Hälfte gebunden, konnte in der Offensive, sieht man von zwei Schüssen Geyers ab, kaum Wirkung erzielen. Da auch die Dresdner Mittelfeldreihe von ihrem Gegenüber klar übertroffen wurde, wurde die Arbeit der Stürmer des Tabellenführers erschwert. Das erklärt aber nur zum geringen Teil die schwache Gesamtwirkung, die die Flitzer Riedel, Richter und Sachse erzielen konnten. Lediglich Riedel, der sich immer wieder dem Zugriff Kurbjuweits zu entziehen versuchte und sich bis zu seiner Auswechslung völlig verausgabte, konnte den Betrachter zufriedenstellen. Doch von seinen Mitspielern erhielt er nur wenig Unterstützung.

Richter ließ sich von dem jungen Göhr allzu schnell den Schneid abkaufen, hatte eigentlich nur eine gelungene Aktion, als er in der 46. Minute der Zeiss-Abwehr auf und davon lief, mit seinem Schuß den herausstürzenden Blochwitz überwand, der Ball von Kurbjuweit aber noch mit letztem Einsatz zur Ecke geschlagen werden konnte. Solche blitzschnellen Konter besaßen jedoch Seltenheitswert. Sachse und Richter wurden schon bei der Ballannahme energisch gestört, verloren zumeist die Zweikämpfe und fanden kein Mittel, um ihr arteigenes, den Gegner verwirrendes Spiel aufzuziehen. Im Gegenteil. Sie konnten oft den Angriffsschwung der Zeiss-Abwehr nicht bremsen, liefen den Verteidigern des Gastgebers aussichtslos hinterher.

Das Stürmer-Duell Jena-Dresden entschieden die Saalestädter an diesem Tage für sich. Vogel und Ducke wäre nur zu wünschen, daß sie ihre Form auch in Länderspielen bestätigen können. Unerklärlich bleibt mir allerdings, warum sie in den Auswärtsspielen nicht annähernd so auftrumpfen.

(Jürgen Nöldner in "Die Neue Fußballwoche" vom 3. Mai 1973)

Trainer kommentieren

  • Hans Meyer (FC Carl Zeiss):
    "Die entscheidenden Vorteile für unseren ungefährdeten Sieg lassen sich so zusammenfassen: Wir besaßen weitaus mehr Durchschlagskraft als Dynamo, was sich vor allem in den Chancen und Schußversuchen zeigte. In dieser Hinsicht enttäuschte mich Dresden stark, da ja Blochwitz insgesamt nur dreimal geprüft wurde. Durch die Konzentrationsfähigkeit in allen Mannschaftsteilen gestatteten wir dem Tabellenführer sehr wenig, während wir selbst eine Vielzahl guter, effektvoller Angriffsaktionen demonstrierten. Es war nach meiner Auffassung eine Partie, die in den kämpferischen Belangen nicht aus dem Rahmen fiel, über weite Strecken große Temposchärfe besaß."
  • Walter Fritzsch (Dynamo):
    "Ich bin stark enttäuscht von der Leistung meiner Mannschaft in diesem Spiel, in dem wir schon eine Meisterschaftsvorentscheidung zu unseren Gunsten hätten herbeiführen können. Die Jenaer hatten die bessere Elf, ihr Sieg ist vollauf verdient. Das vom Gastgeber angeschlagene hohe Tempo konnten wir bis zum Schlußpfiff mitgehen, aber einige meiner Spieler ließen es an der für einen Sieg nun einmal erforderlichen Einsatzbereitschaft fehlen. In vielen Situationen zeigten sich unsere Aktiven auch nicht frech genug und zogen deshalb oft den kürzeren. Entscheidend für die Niederlage war zudem, daß wir in den unmittelbaren Duellen der Nationalspieler die Unterlegenen waren."