1973/1974 EC III 1. Spiel: FC Carl Zeiss Jena - MP Mikkeli 3:0

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Spieldaten
Wettbewerb EC III, 1. Runde Hinspiel
Saison Saison 1973/1974
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - MP Mikkeli
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Mi. 19.09.1973 15:00
Zuschauer 4.228
Schiedsrichter Thomas (Wales)
Ergebnis 3:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Jena
Wolfgang Blochwitz
Bernd Bransch
Andreas Wachter, Peter Rock, Lothar Kurbjuweit
Harald Irmscher, , Helmut Stein, Rainer Schlutter,
Peter Ducke, Dieter Scheitler, Norbert Schumann (74. Gerd Struppert)

Trainer: Hans Meyer

Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Trikotfarben
Mikkeli
Risto Remes
Antti Rusanen
Rainer Jungmann, Vilho Rajantie, Heikki Valjakka, Antero Hyttinen
Eero Karppinen, Antero Nikkanen, Kari Pasanen (39.)
Matti Vanhanen, Heikki Kangaskorpi

Trainer: Raimo Marttinen

Spielbericht

90 Minuten lang Spiel auf ein Tor

Auswahlstürmer Eberhard Vogel kam am vergangenen Mittwoch gemächlichen Schrittes ins Stadion, an der Hand Sohn Tino. "Schade, daß ich heute nicht dabeisein kann, aber eine Rippenprellung zwingt mich zum Pausieren", meinte er. Und mit einem lächelnden Hinweis auf den Filius fügte er noch hinzu. "Vielleicht tritt er eines Tages meine Nachfolge auf der Linksaußenposition an, wir brauchen ja dringend Flügelstürmer."

Wieviel torgefährliche Ausstrahlung mit einem konsequenten Spiel über die Außen erreicht wird, mußte der finnische Gast spätestens zehn Minuten nach dem Anpfiff des 37jährigen walisischen Unparteiischen Clive Thomas (5 A-Länderspiele) erfahren. Die ausschließlich defensiv orientierten Schützlinge von Trainer Reimo Marttinen (sie riegelten ihren Strafraum meist mit sechs Akteuren ab) wurden von den pausenlosen Jenaer Angriffswogen zunächst förmlich überrollt. "In der ersten Halbzeit operierten wir betont über die Flügel, vernachlässigten das nach der Pause allerdings sträflich", kommentierte Zeiss-Trainer Hans Meyer in der Kabine. Besondere Wirkung erzielten in der ersten Hälfte Harald Irmscher und Peter Ducke, die sich immer wieder zu gekonnten Doppelpässen auf der rechten Flanke fanden. "Aber dann, mit dem 2:0-Vorsprung im Rücken, spielten wir zu eng, entwickelten kaum noch Druck", wies Irmscher auf einen Mangel hin. Eine andere Kalamität allerdings wurde im Verlaufe der Begegnung mehr als einmal deutlich: Der FC Carl Zeiss, der am Mittwoch sein 35. Treffen in einer Konkurrenz des Europapokals absolvierte, verschenkte einen möglichen höheren Sieg, weil er die herausgearbeiteten Torchancen ausließ (Scheitler!). "Im vergangenen Jahr boten wir eine insgesamt schlechtere Leistung gegen diesen Kontrahenten, gewannen jedoch klar und deutlich mit 6:1", erinnerte Hans Meyer an die Heim-Partie im EC II. Zugegeben, daß wohl keine Mannschaft den Ausfall von fünf Stammspielern ohne Nachwirkungen verkraftet (Vogel, Weise, Goebel, Göhr, Kunze), aber die sogenannten hundertprozentigen Torgelegenheiten verpaßt man seltener unbeschadet. "Jenas Sieg ist zweifellos verdient, die Elf war spielerisch überlegen. Doch Aufwand und Effektivität hielten sich nicht die Waage", sagte auch Günter Schneider, Generalsekretär im DFV der DDR. Tatsächlich: Was der Gastgeber aus dem Mittelfeld heraus klug einfädelte (Schlutter, Stein), an teilweise ideen reichen Kombinationen über weite Strecken bot, fand in der Angriffsreihe keine Fortsetzung, "Wir mußten die guten Aktionen einfach erfolgreicher abschließen", kritisierte Hans Meyer. In diese Kritik bezog der Trainer nicht den Pechvogel Stein ("Er hatte mit seinen Kopfbällen kein Glück") und Irmscher (toller Lattenschuß in der 45. Minute) ein!

Die Finnen vermochten der athletisch betonten Spielweise der Zeiss-Städter kein Paroli zu bieten. Ihre offensive Ausstrahlung blieb gleich Null. Lediglich zweimal wurde Jenas Torsteher Wolfgang Blochwitz ernsthaft zum Eingreifen gezwungen (Durchbrüche von Karppinen und Kangaskorpi in der 56. bzw. 66. Minute). Mit dem 0:3 kamen sie zwar nicht unter die Räder, sahen ihre Hoffnungen auf einen knappen Ausgang der Begegnung jedoch nicht erfüllt. "Ich glaube, daß mehr für uns zu erreichen war, obwohl Jena drückend überlegen spielte", meinte Mikkelis Trainer Reimo Marttinen enttäuscht. Der Hausherr ließ sich von der robusten, meist unsauberen Zweikampfführung (nach der gelben die rote Karte wegen Ballwegschlagens für Pasanen, Verwarnungen für Rajantie und Hyttinen, auf der anderen Seite für P. Ducke) niemals beeindrucken, setzte den im Tempo einförmigen Aktionen des vorjährigen Vizemeisters Suomis seinen Elan und taktische Abgeklärtheit entgegen. Und mit nur zwei Stoßstürmern, die allerdings kaum Unterstützung aus dem Mittelfeld erhielten, war gegen die aufmerksame Deckung des FC Carl Zeiss um Libero Bernd Bransch kaum etwas auszurichten. Beim Gastgeber lief längst nicht alles programmgemäß - beim Gast jedoch noch viel weniger!

Übrigens: Bald werden auch in Jena Nachmittagsspiele im Europacup der Vergangenheit angehören, denn im November dieses Jahres soll die neue Flutlichtanlage in Betrieb genommen werden. Sie spendet vorerst 750 Lux Helligkeit, kann aber diese Werte im Bedarfsfalle (Farbfernsehübertragungen) auf 1300 Lux erhöhen.

(Otto Schaefer in "Die Neue Fußballwoche" vom 25. September 1973)