1976/1977 24. Spieltag: FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock 2:0

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Spieldaten
Wettbewerb DDR-Oberliga, 24. Spieltag
Saison Saison 1976/1977, Rückrunde
Ansetzung FC Carl Zeiss Jena - FC Hansa Rostock
Ort Ernst-Abbe-Sportfeld
Zeit Sa. 07.05.1977 15:00 Uhr
Zuschauer 6.000
Schiedsrichter Adolf Prokop (Erfurt)
Ergebnis 2:0
Tore
Andere Spiele
oder Berichte

Aufstellungen

Jena
Detlef Zimmer
Lothar Kurbjuweit
Gert Brauer, Konrad Weise
Rüdiger Schnuphase, Uwe Neuber, Dieter Noack (46. Rainer Schlutter), Dietmar Sengewald (40. Jürgen Raab)
Thomas Töpfer, Peter Ducke, Klaus Schröder

Trainer: Hans Meyer

Rostock
Dieter Schneider
Jörg Seering
Gerd Kische, Jürgen Uteß, Uwe Bloch
Eckhard Märzke, Michael Mischinger, Olaf Spandolf (55. Ronald Adam), Jürgen Decker
Rainer JarohsGelbe Karte.gif, Dietrich Kehl

Trainer: Helmut Hergesell


Spielbericht

Der Jüngste brach schließlich den Bann

Erster Torerfolg im zweiten Pflichtspieleinsatz in der 1. Mannschaft: Jürgen Raab

Rostock wird die beiden 76/77er Vergleiche mit dem FC Carl Zeiss (1:2, 0:2) in unangenehmer Erinnerung behalten - unabhängig davon, ob die Mannschaft in knapp 14 Tagen zum Abstieg verurteilt wird oder nicht. "Drei der insgesamt vier Treffer waren unter allen Umständen zu vermeiden. Raabs Kopfball, den der ansonsten überzeugend haltende Schneider unglücklich durch seine Hände gleiten ließ, dämpfte unsere Moral diesmal ganz gehörig." So Trainer Helmut Hergesell nach einer Partie, die seiner Elf zunächst alle Chancen offenließ. Denn: So schwach wie in den ersten 45 Minuten ist der FC Carl Zeiss Jena sonst in seinen Heimspielen nicht anzutreffen!

Beim Hinspiel in einer insgesamt gutklassigen Auseinandersetzung hatte er mit seinen Treffern in der 54. und 65. Minute die Entscheidung herbeigeführt: Eberhard Vogel, seit Wochen nun schon zum tatenlosen Zuschauen verurteilt. "Wir verzögerten das Tempo im Mittelfeld allzusehr, gaben der Rostocker Deckung mit ständigen Quer- und Rückpässen die Gelegenheit, jede Lücke zu schließen", schätzte der Flügelstürmer später ein. Und er übersah ebenso wenig wie die 6000, daß sich der mit fortschreitender Zeit verstärkende Angriffsdruck vor allem aus der resoluten Spielweise von Brauer, Kurbjuweit und Weise ergab. Mit Schnuphase und Sengewald lagen die sonstigen Träger des Jenaer Spiels diesmal ziemlich "auf Eis"!

Frühzeitig bereits erschöpfte der FC Carl Zeiss sein Auswechslungskontingent. Doch insbesondere mit der Hereinnahme des 18jährigen Raab gelang Trainer Meyer ein in diesem Ausmaß sicherlich kaum eingeplanter vorteilhafter Schachzug. Der junge Mann bewies Spielverständnis und legte gemeinsam mit dem nun deutlich "auftauenden" Töpfer Kräfte im Angriff frei, die Hansas Abwehr beeindruckten. "Glück war schon dabei, denn ich erwischte den Ball mit dem Hinterkopf und rechnete eigentlich fest damit, daß ihm die Schärfe fehlen würde, um einen so erfahrenen Torhüter wie Schneider zu überlisten", gestand der Schütze des 1:0 beim Abgang. Doch nach dem "Wie" fragte in diesem Augenblick niemand mehr...

Über das 0:2 hinaus zeigten sich die Ostseestädter davon geschockt, daß ihnen ihr mit bisher sieben Toren erfolgreichster Schütze Jarohs im weiteren Kampf um so eminent wichtige Punkte fehlen wird. "Gerade den Rainer haben wir vorher eindringlich darauf hingewiesen, bei fünf Verwarnungen unter keinen Umständen das Risiko einzugehen, sich zu einer erneuten Unsportlichkeit hinzureißen. Leider vergeblich", urteilte Rostocks Mannschaftsleiter Klaus Decker enttäuscht. Was ohne ihn wird bleibt abzuwarten. Denn obgleich von Weise energisch zum Kampf gestellt, bewies Jarohs mehr als einmal Ballsicherheit auf engstem Raum und eine gewisse Härteverträglichkeit, die manchem seiner Nebenspieler fehlte. In dieser Hinsicht boten Mischinger, Märzke, Spandolf und Kehl zu wenig, wie der FC Hansa insgesamt zu ängstlich-zaghaft in seinem Bemühen blieb, Jenas Deckung mit entschlossenen Kontern ernsthaft zu prüfen.

Zum Schiedsrichterkollektiv: Prokop entschied korrekt, als er das unbeherrschte Aufbegehren von Jarohs (72.) nach einer völlig belanglosen Einwurfsituation mit "gelb" ahndete. Bei Mischingers Festhalten (78.) wäre diese Konsequenz ebenso angebracht gewesen. Sonst straff, überzeugend in der Spielleitung.

(Dieter Buchspieß in "Die Neue Fußballwoche" vom 10. Mai 1977)